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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 168 F-rnspr-chanschlutz Nr. co»* Dienstag den 21. Juli

Fernsprechanschlutz Nr. 605.

1908

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Amtliches.

Candkreis ßanau.

BckNtmchmgen des KömgUen LMrlltsmts.

Nachstehende Bestimmungen, betreffend die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst, werden hierdurch wiederholt bekannt gemacht:

Die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahre nachgesucht werden. Der Nachweis derselben ist bei Verlust des Anrechtes spätestens bis zum 1. April des ersten Militärpflichtjahres zu erbringen.

Wer die Berechtigung nachsuchen will, hat sich bei der Prüfungskommission, in deren Bezirk der Wehrpflichtige ge- ftellungspflichtig ist, spätestens bis zum 1. Februar des ersten Militärpflichtjahres schriftlich zu melden.

Alljährlich finden zwei Prüfungen statt, die eine im Früh­jahr, die andere im Herbst.

Das Gesuch um Zulassung zur Prüfung muß für die Frühjahrsprüfung spätestens bis zum 1. Februar, für die Herbstprüfung spätestens bis zum L August angebracht werden.

Hanau den 15. Juli 1908.

Der Königliche Landrat.

M 2761 I. V.: Siemon, Reg.-Assessor.

Mit der Berichterstattung auf meine Verfügung vom 3, April 1902, V 3111, betreffend die außerhalb der Irren­anstalt lebenden Geisteskranken, find noch eine Anzahl Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher im Rückstände.

Es wird hiermit an die Erledigung der obengenannten Verfügung mit Ltägiger Frist erinnert.

Hanau den 14. Juli 1908.

Der Königliche Landrat.

V 5062 I. V.: Siemon, Reg.-Assessor.

An die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher weise ich unter Bezugnahme auf meine Kreisblattverfügung vom 22. Januar d. Js. V 574 (abgedruckt in Nr. 3 der amt­lichen Beilage für 1908), betreffend die Beschäftigung aus­ländischer Arbeiter, an, eine Revision aller Betriebe vorzu­nehmen, in denen ausländische, der Jnlandslegitimaüons- pflicht unterliegende Arbeiter beschäftigt werden. Denjenigen dieser Arbeiter, welche sich nicht im Besitze einer ordnungs­mäßig ausgestellten und eventuell umgeschriebenen Arbeiter­legitimationskarte befinden, ist aufzugeben, sich die Karte bis spätestens MM 1. August d. Js. zu beschaffen, bezw. für die ordnungsmäßige Umschreibung Sorge zu tragen.

Peullirton.

Ein Mild auf dem Petersberg.

Von Ad. Gründler.

Wer die Eisenbahnstrecke von Leipzig nach Magdeburg zu­rücklegt, wird auf der Mitte dieser Fahrt zwischen Halle und Coethen, eine interessante Berglinie gewahr, welche zur linken Hand den sonst stets flachen Horizont eine Zeitlang unterbricht und belebt. Dieser langgestreckte Höhenzug ge­krönt von alten Mauerresten und von einer stattlichen roma­nischen Kirche, ist der Petersberg, allen Halleschen Studenten wohlbekannt.

Ueberraschend ist es in der Tat, wie aus dem gänzlich platten Lande plötzlich der Porphyrkegel sich erbebt, ähnlich dem Hohentwiel und seinen Brüdern, dem Hohenkrähen und Hohenstoffeln, im schwäbischen Gau. Auf die vulkanische Entstehung der Erde oder wenigstens auf urzeitliche Lava- Ausbrüche führen Kenner diese eigenartigen Bergbildungen zurück.

Jedenfalls ist es vollauf lohnend, des Petersbergs nähere Bekanntschaft zu machen, ganz abgesehen davon, daß er schon als das weithin sichtbare Wahrzeichen des Saalkceises interessant ist.

Am raschesten und leichtesten erreicht man seine Kuppe, wenn man auf der Bahnstrecke HalleAschersleben bis zur Station Wallwitz fährt. Von hier aus braucht ein Durch­schnitts-Fußgänger kaum noch eine kleine Stunde bis zur Höhe des Berges, und die Steigung auf gutem, geradem Wege ist auch nur eine gelinde, da die Eisendahn bereits ein Teilchen der Höhe mit und für uns erklommen hat. Denn Wallwitz liegt schon ein hübsches Stückchen oberhalb der Saaleniederung, so daß von hier aus der Petersberg keineswegs mehr so imponierend emporragt, wie er aus der Ebene erscheint.

-Reich hinter Wallwitz, dessen Schier"n^7u:g man über- idseUtt. liegt das Dorf Treln". u es an

Bis zum 5. August d. Js. ist mir anzuzeigen, ob die Revisionen stattgefunden haben. Die Arbeiter, welche Jhrm Aufforderungen wegen Beschaffung u. s. w. der Legitimationskarten nicht nachgekommen sind oder welche sich nachweislich der unregelmäßigen Lösung des Arbeitsverhältnisses schuldig gemacht haben, sind mir zur Herbeiführung der Ausweisung namhaft zu machen.

Den diesseitigen Maßnahmen haben sich bis jetzt ange­schlossen: die Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz und Oldenburg, die Herzogtümer Braun- -schweig und Anhalt, die Fürstentümer Waldeck und Pyrmont, Schaumburg-Lippe, Lippe-Detmold und die freie Hansestadt Lübeck.

Die von den Polizeibehörden dieser und den sich etwa noch anschließenden Bundesstaalen erfolgten Ausfertigungen und Umschreibungen der Legitimationskarten sind von Ihnen anzuerkennen, wie das auch umgekehrt geschehen wird.

Die Abfertigungsgebühr der Legitimationskarten für die­jenigen Arbeiter, welche unter Umgehung der Grenzämter und Abfertigungsstellen nach dem 1. Februar d. Js. aus dem Auslande zugezogen sind, beträgt fortan bis auf Weiteres 3 Mark.

Hanau den 20. Juli 1908.

Der Königliche Landrat.

V 5025 J. V.: Siemon, Reg.-Assessor.

Unter den Schweinen in Großauheim ist die Schweine­seuche festgestellt.

Hanau den 17. Juli 1908.

Der Königliche Landrat.

V 5040 I. V.: Siemon, Reg.-Assessor.

Stadtkreis k)anau.

SMW WmM-Kckckn Nm

Für den Neubau eines Baubureaus auf dem Baugelände der städtischen Kasernenbauten sollen in öffent­licher Ausschreibung vergeben werden:

Los I die Erd-, Maurer-, Asphalt-, Zimmer-, Staker-,

Schmiede- pp. Arbeiten einschl. Materiallieferung,

Los II die Dachdecker- und Klempnerarbeiten, Los III die Tischler-, Schlosser- und Glaserarbeiten, Los IV die Weißbinder-Putzarbeiten und Anstreicherarbeiten.

Die Angebote sind versiegelt und mit kennzeichnender Aufschrift versehen bis zur Eröffnung derselben am

Samstag bete 25. Juli 1908, vormittags 10 Uhr, an die Bauleitung der städtischen Kasernen-Neubauten Hanau, Lamboystraße 24, eiuzureichen.

einem wandersrohen Herbstnachmittag und hatten danach fast bis zur Bergspitze hin nur abgeerntete Felder und Wiesen­strecken zur Rechten und Linken. Bedeutend weiter, aber schön durch unuterbrochene Waldungen führend, ist von der andern Bergseite her der Aufstieg von Löbejün aus, dem eigentümlich steinigen, kleinen Bergstädtchen, das durch seine großen Steinbrüche und seinen großen Kantorssohn, den Balladensänger Loewe, berühmt geworden ist. Im Hochsommer würde entschieden dieser schattige Waldweg trotz seiner mindestens zwei­stündigen Dauer vorzuziehen sein. Wir aber legten fröhlich in dem willkommenen Schein der in diesem Jahr uns so karg bemessenen Sonne den kürzeren offenen Feldweg zurück.

Um die Bergkuppe herum, meist nach Süden und etwas gegen Osten zu, lagern sich einige Gehöfte und Häuser. Eine stattliche Domäne und eine Gastwirtschaft ziehen dazwischen die Aufmerksamkeit des Fremden auf sich, der im übrigen zwischen den traulichen, alten Dorfkaten und ihren bunt zu­gewachsenen Bauerngärten ungern ein paar neue, stilvoll er­baute Häuser mit Balkons itnb Veranden sieht, überall die gleiche Erscheinung protzenhaften Aufschwungs und sinnloser Stilwidrigkeiten! ' Denn wie viel bester paßt doch ins Dorf, wie viel malerischer wirkt dort im ländlichen Rahmen das echte, ehrenfeste Bauernhaus, als die städtische, leicht gebaute Villa!

Durch einen schmalen, zuletzt laubenartig von Buschwerk überdachten Hohlweg erstiegen wir zuletzt das Plateau, auf der die Kirche steht. Ja, das ist ein prächtiger Monumental­bau, viel zu groß als Gebrauchskirche für die bescheidene Seelenzahl, die' hier eingepsarrt ist: aber herrlich als Schmuck und Krönung dèr Bergeshöhe! Dem dicht bei der Kirche augesiedelten Pastor mag wohl, bis er sich daran gewöhnt hat,' anfangs das Herz entfallen sein, wenn er im weiten Kirchuestühl ein paar Zuhörer sich mit den Augen zusammensuchen mußte. Aber der Weg zur Höhe hinauf kann auch, zumal Winters, recht beschwerlich für die eingepfarrten Dörfler am Fuße des Berges sein, und der seltenere Kirchenbesuch ist ihnen daher saunt zum Vor- wurs zu machen. Liegt doch die Kuppe des Berges 180 Meter über dem Saalespiegel, 240 Meter über dem Meere!

Die Zeichnungen, Massenberechnungen, BrrdingungS- unterlagen und Derdingungsanschläge liegen daselbst zur Einsichtnahme aus, letztere können auch gegen post- und bestellgeldfreie Einsendung von 0.50 Mk. für Lo8 II und IV, von 1.00 Mk. für Los I und III nur in bar solang« der Vorrat reicht, von dort bezogen werden.

Der Zuschlag wird innerhalb 2 Wochen erteilt und bleibt der Unternehmer so lange an sein Gebot gebunden.

Hanau den 20. Juli 1908.

14961 Der Magistrat.

Am Donnerstag den 23. Juli d. I., vormittags von 9 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neustädter Rathauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Kaufmauusgerichts statt.

'Hanau den 20. Juli 1908.

Der Vorsitzende des Kaufmannsgerichts.

Hild. 14975

Politische Rundschau.

Lucanus Vertreter. Mit der Vertretung des er­krankten Chefs des Geheimen Zivilkabinetts ist der Regierungs­präsident von Valentini in' Frankfurt a. O. vom Kaiser be­auftragt worden.

Diplomatischer Stellenwechsel. Dem Vernehmen nach ist der Legationssekretär bei der Kaiserlichen Gesandt­schaft in Bukarest, Legationsrat Dr. v. Verdy du Vernois für den Posten des Legationssekretärs in Stockholm in Aus­sicht genommen. An feine Stelle soll der erste Sekretär der Kaiserlichen Gesandtschaft in Bern, Legationsrat v. Buch, treten. Den Posten des ersten Sekretärs in Bern soll der gegenwärtig im Auswärtigen Amt beschäftigte Legations- sckretär der Kaiserlichen Gesandtschaft in Tanger, Legations­rat Dr. Frhr. Langwerth von Simmern übernehmen. Der erste Sekretär der Kaiserlichen Botschaft in Washington, Botschaftsrat Graf v. Hatzfeldt-Wildenburg, soll in gleicher Eigenschaft an die Kaiserliche Botschaft in Konstantinopel übergehen und an seine Stelle der zweite Sekretär der Kaiserlichen Botschaft in Rom, Legationsrat Graf Georg v. Wedel, treten.

Präsident Fallières kam gestern an Bord des PanzersVerite" in Kopenhagen an. Der König, die männ­lichen Mitglieder der königlichen Familie, die französische Ge­sandtschaft und der Minister des Auswärtigen, Graf v. Raben-Levetzau, begrüßten den Präsidenten an Bord der Verite". Der König und der Präsident begaben sich dann nach Tobolden, wo sie von den Ministern, dem diplomatischen . Korps und den Spitzen der Militär- und Zivilbehörden empfangen- wurden. Hierauf fuhren der König und der Prä- Da sind es wohl meist nur Bewohner des oben auf dem Berge gelegenen Dorfes Petersberg, die Sonntags dem Glocken- kuf folgen.

Es ist in diesem Falle augenscheinlich mehr noch die Kunst- und Altertumsliebe Friedrich Wilhelms IV. als feine aufrichtige Herzensfrömmigkeit gewesen, die ihn bewog, zwischen den noch bestehenden Ruinen des alten Klosterbaues eine geschmackvolle Kirche romanisch-maurischen Stils erstehen zu lassen.

Der Berg, ursprünglich Mons serenus, d. h. Lauterberg (dec die Ebene weit und lauter überschauende Berg"), ge­nannt, hatte schon vor Zeiten die ersten Christen der Gegend in einer kleinen Pfarrkirche auf der Höhe versammelt, bis im Jahre 1136 Graf Konrad von Wettin, der Stammvater des heutigen sächsischen Königshauses und der thüringischen Herrschergeschlechter, ein großes, dem heiligen Petrus ge­weihtes Kloster hier vollendete, dem er als Morgengabe die Kirchen in Löbejün und Ostrau mit 150 Hufen Landes dar­brachte. Fortan hieß der Berg nur noch der Petersberg.

Die jetzige Kirche, welche seit 1857 vollendet steht, würd« uns durch freundliche Führung aus dem Schulhause er< schlossen. In der Mitte birgt sie, würdig durch eine Säulen­ballustrade umhegt, Grabdenkmäler der Wettiner Fürsten, di« darunter in der Gruft ruhen.

Auffallend und störend wirkt, daß die Orgelnische in Seit streng durchgeführten Baustil der Kirche zu flach gewölbt ist für die Länge der Pfeifen: ihrer etliche verschwinden dadurch in ihrer Höhe hinter dem Mauerwerk, und in bet Tat sollen deren Töne dadurch um etwa y« Minute später im unteren Kirchenraum anlangen als ihre gleichzeitig entsandten Ge- nassen. Das mag dann wohl recht herzerhebend den Ge­sang der sechs oder acht oder vielleicht gar zwanzig Kirchen- besucher stärken!

Dieser ungeeignete Raum für die Orgelausstellung ist aber auch der einzige ^adel, den man dem sonst so harmonisch wirkenden, einfach würdigen Gotteshause geben kann. Sonst ist alles von anziehendsten Verhältnissen und Maßen, edel geschmückt und doch nirgends überladen. Am schönsten wirkt auf das Auge. wie ja auch nur zu erwarten, d«Nqch«