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Hanauer K Anzeiger

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^^LN^LU^öZ Hanau.

General-Anzeiger

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Erstchemt täglich mit Ausnahme der S-«w- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Berantwsrü. Matti«; «. 6*ie«< «»

Nr. 167 F-rnsprechanschltttz Nr. 605,

Amtliches.

Eandkreis l^anau.

BekaMmchmgen ksUmglichen LMratsnAts.

Unter den Schweinen zu Bergen ist die Schweineseuche sestgestellt.

Hanau den 16. Juli 1908.

Der Königliche Landrat.

IVNr.4967 J.V.: Sremon, Reg.-Assessor.

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Portemonnaie mit 4.21 Mk., 1 Zehn» Markstück, 1 Wappen - Emaillebrosche, rot mit 2 weißen Kreuzen und Anhänger.

Verloren: 1 gelber Damengürtel, 2 zusammen­gebundene kleine Schlüssel.

Zugelaufen: 1 grauer Wolfsspitz, m. Geschl.

Hanau den 20. Juli 1908.

politische RtmdTd>am

Koatttionsbestrebimge« der Postunterbeamten. Einige Blätter hatten gemeldet, daß in der Haltung der Be­hörde gegenüber den Koalitionsdestrebungen der Postunter- beamten eine Aenderung bevorstehe. Die Meldung ist, wie derL.-A." erfährt, lediglich darauf zurückzuführen, daß die Mitglieder der Bezirksvereine der Post- und Tèlegraphen- unterbeamten zu einer Besprechung demnächst zusammentreten wollen und eine entsprechende Anfrage an den Staatssekretär Krâtke gerichtet haben. Es ist den Herren erklärt worden, daß einem Zusammentreten ihrer Delegierten nichts im Wege stehe. Es sei bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, daß schon seit einigen Jahren die sogenannten Unterbeamten in gehobener Dienststellung, wie Oberpostschaffner, Oberbrief­träger usw., derartige Besprechungen abhalten. Der Zweck dieser Vereinigungen ist die Förderung der Wohlfahrtsbe- strebungen, die durch eigene Organisationen die staatlichen sozialen Einrichtungen unterstützen sollen.

Kunstkritik einer Handelskammer. In ihrem Jahresbericht für 1907 berührt die Handelskammer für das Großherzogtum Sachsen auch das Kunstgewerbe des Bezirks, bas seit der Berufung van de Veldes nach Weimar besonderes Interesse beansprucht. Im Bericht wird darüber ausgeführt: Das Kunstgewerbe des Großherzogtums zeigt in den letzten Jahren eine bedeutsame Entwicklung. Durch die Berufung Profestor van de Veldes hat das heimische Kunstgcwerbe manche Anregungen erfahren, die in verschiedener Weise ver­wertet worden sind, und zur Begründung einer kunstgewerb­lichen Schule in Weimar geführt haben. Professor van de Velde ist der Schöpfer einer Stilrichtung, die mit strenger Logik die Bildung eines natürlichen, aus Material und Linien sich ergebenden Ornaments - erstrebt. Die. Durch­führung seiner Gedanken setzt die Verwendung besonders guten und teueren Materials und großes technisches Können voraus. Es mag dies der Grund dafür sein, daß seine An­regungen in der auf die billige Massenarbeit angewiesenen Großindustrie bisher verloren gegangen sind. Von Einfluß sind sie auf die Möbeltischlerei gewesen, die sie zum Teil willig aufnahm und mit ihrer strengen Durchführung bedeut­same Erfolge errungen hat, wenn auch das kaufende Publikum in seiner breiten Allgemeinheit der neuen Stilart noch fremd gegenübersteht und den alten Stilen den Vorzug gibt. Die keramische Industrie verzeichnet vereinzelt Erfolge der kunst­gewerblichen Beeinflussung im Ofenbau und in ihrem gering­wertigsten Produkt, den Töpferwaren. Die Leder- und Edelmctallwarenbranche erkennen ebenfalls den Einfluß der kunstgewerblichen Gedanken an. Dank dieser Anregungen und einer hohen Vollendung der Ausführung haben sie die Aufmerksamkeit auch auswärtiger Kreise auf sich gelenkt.

Deutsch Österreichischer Alpenverem.

Wnber. Nachdr. verb.) 8. & H. München, 18. Juli.

In der Bierstadt München, deren Ausstellung bereits zahlreiche Kongresse herbeigezogen hat, ist jetzt auch der Deutsch-Oesterreichische Alpenverein zu seiner 39. General­versammlung zusammengetreten. Delegierte der einzelnen Ortsgruppen sind aus Berlin, Hamburg, Augsburg, Nürn­berg, Wien, Breslau usw. bereits eingetroffen. Sehr zahl­reich sind die Vertreter aus Oesterreich erschienen. Die Münchener Verhandlungen finden unter dem Vorsitz des Kommerzienrats v. Pfister-München im Rathaussaale statt. Wichtige und ernste Fragen beschäftigen auch diesmal den Verein. Er will sich eine neue Versastung geben, indem er seine Statuten einer eingehenden Revision unterzieht. Die einzelnen Sektionen und der Zentralausschuß haben zu

Montag den 20. Juli

diesen Fragen bereits durch verschiedene Anträge Stellung genommen. Die Führer- und Hüttentarife sollen ebenfalls einer Aenderung unterzogen werden. Ferner wird eine Er­höhung der Subvention fiir Hüttenbauten beschlossen werden. Vor allem soll aber die wichtige Frage der Errichtung eines alpinen Museums, um das sich die Städte München und Jrmsbruck bereits seit mehreren Jahren bewerben, möglichst zum Abschluß gebracht werden. Die Sektion Breslau hat ferner den Antrag gestellt, alljäbrlich eine bestimmte Summe, vielleicht 10000 M. aus den Mitteln des Zentral-Ausschusses zu Hochgebirgssorschungen in außereuropäischen Gebieten zu bewilligen. Prinzipielle Bedeutung hat ein Antrag des Zentralausschusses, der dem Grundparagraphen folgende Fassung geben will: Zweck des Vereins ist, die Kenntnis der Alpen zu erweitern und ^zu verbreiten, sowie ihre Bereifung zu erleichtern. Falls dieser Paragraph angenommen werden sollte, so betritt der Alpen­verein damit neue Bahnen, indem er seine Tätigkeit nicht nur auf Deutschland und Oesterreich beschränkt, sondern auch auf die andern Alpenteile ausdehnt. Die neuen Satzungen sollen am 1. Januar 1910 in Kraft treten. Nach dem Kassenbericht für das Jahr 1907 belaufen sich die ordent­lichen Einnahmen auf rund 5O3OOO Mk., denen 494 000SRI. Ausgaben gegenüberstehen, sodaß ein Ueberschuß von etwa 9000 Mark vorhanden ist. Die Mitglieder brachten durch Beiträge etwa 467000 Mk. auf. Für Wege- und Hütten­bauten wurden 155000 Mk. verwendet. Die Vermögens­rechnung balanciert mit rund 210000 Mk. Nach dem Vor­anschlag für 1909 sind an Einnahmen und Ausgaben 542000 Mk. vorgesehen. Für Wege- und Hüttenbauten sollen 170300 Mk. im nächsten Jahre ausgegeben werden. Für Vorarbeiten zum alpinen Museum werden 2600 Mark eingestellt. Die Tagung hat bereits mit einer Vorbesprechung zur Generalversammlung, in der alle schwebenden Fragen gestreist wurden, ihren Anfang genommey. Auch depWege- und Hüttenbau-Ausschuß hat bereits getagt, ebenso die Führerkommission. München hat den Dcutsch-Oesterreichi- schen Alpenverem freudig willkommen geheißen. Gerade in München und in ganz Bayern, in Augsburg, Nürnberg usw. ist die Zahl der Freunde des Alpenvereins außerordentlich groß. Und als im vorigen Jahre die kühnen Ritter des Edelweißes in Innsbruck sich zusammenfanden, da konnte ein langer Extrazug in München kaum alle die Alpenfreunde fassen, die durck ihre Opfer und arbeitsfreudige Tätigkeit die Alpen dem Verkehr erschlossen haben. Die alte Jsarstadt steht zur Zeit im Zeichen des Edelweiß.

Verband landwirtschaftlicher Genossen­schaften.

Generalversammlungen des Verbandes der landwirtschaftlichen Genossenschaften und der Zentralgenostenschaftskasse für den Regierungs-Bezirk Cassel re.

Im geräumigen SaalbauWeiße Lilie" zu Frankfurt am Main tagten am Dienstag die Generalversammlungen des Verbandes der landwirtschaftlichen Genossenschaften des Regierungsbezirks Cassel rc., sowie dessen Zentralgenossen­schaftskasse, zu denen aus allen Teilen des Verbandsbezirks die Mitglieder zahlreich erschienen waren. Um 10 Uhr vor­mittags wurde die Verbandsversammlung nach Begrüßung der Teilnehmer und Bildung des Bureaus vom Verbandsdirektor Böhm eröffnet und sofort in die Tagesordnung eingetl'eten.

Der vom Verbandsdirektor erstattete umfangreiche Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr ließ erkennen, daß das Jahr 1907 vornehmlich dem inneren Ausbau der Genossen­schaften gegolten hat. Die Entwickelung derselben ist eine sehr erfreuliche zu nennen, sie macht sich auf allen ein­schlägigen Gebieten bemerkbar. Die Zahl der Mitglieds- genosscnschaften beträgt 97. Sie sind verteilt auf den Regie­rungsbezirk Cassel, das Fürstentum Waldeck und den Land­gerichtsbezirk Frankftirt a. M. Der Umsatz der Genossenschaften de? Verbandes hat sich um 63 Prozent gegen das Vorjahr erhöht und stieg im Berichtsjahre auf 32 Millionen Mark. Das eigene Vermögen erfuhr eine sehr erhebliche Steigerung, es erreichte die Höhe von 1 183 800 Mark, worin 517 400 Mark Reserven enthalten sind.

Trotz der schwierigen Lage des allgemeinen Geldmarktes flossen die Einlagen bei den 66 Kreditgenossenschaften des Verbandes reichlich, sie bezifferten sich auf 9*/4 Millionen Mark, was gegen das Vorjahr eine Steigerung von 22 Proz. bedeutet. Man hätte erwarten dürfen, daß her Spareinlagen* bestand mit Rücksicht auf die chronische Geldfiiappheit eine wesentliche Schwächung erfahren hätte, es betrugen die Rück­zahlungen indes nur 17 Prozent mehr als im Vorjahre, was aber bei der sehr erheblichen Steigerung der Einlagen be­langlos ist.

Die Gesamtmitgliederzahl erhöhte sich um O1^ Prozent und beträgt rund 10 000. Sehr interessant ist die Statistik über die Geschäftsergebnisse der 20 Molkereigenossenschaften des Verbandes. Sie sind sämtlich gut fundiert und weisen

Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1908

für das Berichtsjahr einen Nettogewinn von 119 000 Mark nach. Es wurden ihnen 22 Millionen Liter Milch ein­geliefert und hieraus 775 000 Kilogramm Butter im Werte von 23/io Millionen Mark gewonnen. Die Verwertung der Molkereiprodukte war eine erheblich bessere wie im Vor­jahre, sie wies ein Mehr von 33 000 Mark nach. Mit diesen erhöhten Einnahmen waren keineswegs höhere Ver­waltungs- und Betriebskosten verbunden, diese sanken im Gegenteil von 193 000 auf 188 000 Mark. Nach Vornahme der durch das Statut festgesetzten Abschreibungen hatte der Jmmobilienbesitz der Molkereigenossenschaften einen Buchwert von 447 000 Mk., der indeß hinter dem wirklichen Wert sehr erheblich zurückbleibt. Unter anderen interessanten Ausführungen wurde vom Berichterstatter mit Genugtuung hervorgehoben, daß dank der umsichtsvollen Leitung in den Einzelgenostenschaften wie in allen vorhergehenden Jahren auch im Berichtsjahre keinerlei geschäftliche Verluste zu ver­zeichnen seien. Den Vortragenden lohnte reicher Beifall.

Nach dem von dem Verbandsausschußmitglied, Fabrikam und Stadtrat Schwiening erstatteten eingehenden Bericht über die Prüfung der Jahresrechnung und Bilanz wurde der Verbandsvorstand debattelos einstimmig entlastet. Die statutengemäß ausscheidenden Mitglieder des DerbandsauS- schuffes, Bürgermeister Massie-Niederzwehren, Fabrikant und Stadtrat Schwiening-Cassel-Bettenhausen und Gutsbesitzer Reinhard-Homberg wurden einstimmig wiedergewählt.

Nach einer halbstündigen Pause eröffnete der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Bürgermeister Massie, die Generalver­sammlung der Zentralgenossenschaftskasse und erteilte Direktor Böhm das Wort zur Erstattung des Geschäftsberichts. Nach diesem hatte die Zentralgenossenschaftskaste in dem Berichts­jahre eine Aufgabe zu erfüllen, die ihre hohe Bedeutung für die Einzelgenossenschastrn erkennen ließ. Selbst zu jener Zeit, wo der Reichsbankdiskont seinen Höhepunkt erreichte, habe die Zentralgenostenschastskaffe ihren alten DarlehnS- zinssatz 41/» Prozent in laufender Rechnung nicht erhöht. Die Stabilität des Zinssatzes sei vornehmlich für landwirt­schaftliche Genossenschaften von höchster Bedeutung, da es dem Landmann nicht möglich sei, eine Steigerung seiner Ein­nahmen so leicht herbeizuführen, wie dieses die Industrie vermöge und er deshalb mit ganz bestimmten Einnahmen rechnen müsse. Die Zentralgenoffenschaftskasse habe bisher niemals von dem Rechte der Kündigung der Einlagen Ge­brauch gemacht, sondern jeden abgeforderten Betrag aus* gezahlt, was nicht ohne Einfluß auf das große Vertrauen, das sie allgemein genieße, geblieben sei.

Nach dem Bericht betrug die von den Mitgliedern der Zentralgenossenschaftskasse übernommene Haftsumme 1 685 000 Mark, der Umsatz im Berichtsjahr« 101/* Mill. Mark.

Der Bericht über die Revision der Jahresrechnung und Bilanz sprach sich in jeder Beziehung anerkennend aus, wo­rauf die Entlastung des Vorstandes einstimmig erfolgte. Die vom Aufsichtsrat gemachten Vorschläge über die Ver­wendung des Reingewinnes fanden die Zustimmung der Versammlung. Die aus der Versammlung angeregte Wieder­wahl des Vorstandes und des AufstchtSrateS wurde ein­stimmig zum Beschluß erhoben.

Ein gemeinschaftliches Mittagessen, an dem 130 Personen sich beteiligten, hielt, gewürzt von den vortrefflichen Weisen der Musik des 81. Infanterie- Regiments, die Teilnehmer in angeregtester Stimmung noch einige Stunden beisammen

Hus aller Mett.

Gattenliebe unter den Tieren. Der Gastwirt Eisner in Roßberg (Kr. Marburg) fing in seinem Garten einen Maulwurf. Beim Herausnehmen der Falle machte E. bie wohl seltene Beobachtung, daß dem gefangenen Tiere ein zweites folgte und den Weg ins Freie und zugleich den Todesweg mit antrat. Es stellte sich heraus, daß das ge­fangene Tier das Weibchen und das nachfolgende daS Männchen war. Es dürfte anzunehmen sein, daß letztere» die Absicht hatte, seinebessere Hälfte" entweder aus der Gefangenschaft zu befreien oder mit ihr gemeinschaftlich in den Tod zu gehen.

Grete Beiers Schicksal. Aus Dresden wird tth» graphiert: Zu der Chemnitzer Blättermeldung, daß her König von Sachsen die zum Tode verurteilte Grete Beirr zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt habe, wird ge­meldet : Die Meldung ist mindestens verfrüht, wenn nicht direkt falsch. Die Hauptsache hierbei ist, daß di« Ent­scheidung des Königs in dieser Angelegenheit noch gar nicht gefallen ist. Uebrigens soll das Todesurteil der Stier nach einem unbestätigten aber äußerst glaubwürdigen Gerücht bestätigt sein.