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17.
Bei einem Uhrmacher erschwindelte er sich unter der fingierten Aufgabe der Bestellung einer neuen Uhr eine filtere Uhr im Werte von etwa 13 Mk. Der Mann ist untersetzter Statur, etwa 1,64—1,65 Meter groß, trägt dunkelblonden Schnurrbart, besitzt etwas rote Gesichtsfarbe. Sachdienliche Mitteilungen, die zur Ergreifung der Schwindlers dienen können, wolle man dahier bei Königlicher Polizeidirektion machen.
* Elektrische und Fahrknecht. Leider können sich einigt Fuhrwerk-führer noch nicht mit dem Gedanken versöhnen, daß auch die Elektrische ein Recht hat, die Straße zu benutzen. So war gestern an der Kinzigbrücke ein Fahrknecht trotz wiederholter Aufforderung nicht dazu zu bewegen, das Straßenbahngeleise zu verlasien; schließlich wurde er gegen den Schaffner de» elektrischen Straßenbahnwagens auch noch tätlich. Als hinkender Bote wird sich nun ein Strafmandat einstellen.
• Turn- u. ffecht-Club' Wie au» dem Inseratenteil ersichtlich, veranstaltet der Turn- u. Fecht-Club heute abend um 9 Uhr ein Probeturnen der am deutschen Turnfest teilnehmenden Musterriegen, sowie ein Probefechten der Wett- fechter. Außerdem werden auch die allgemeinen Freiübungen und die vom Mittelrheinkreis zur Vorführung kommenden Keulenübungen burchgenommen. Die Mitglieder, sowie Freunde de» Verein» sind hierzu höflichst eingeladen.
* Kirchweihfest. Sonntag den 19. und Dienstag den 21. Juli findet in KI e i n - S t e i n h ei m das Kirchweihfest statt.
• Viehseuchen. Im Regierungsbezirk herrschen zur Zeit in folgenden Ortschaften Viehseuchen: Sch wein es euch e (Schweinepest): Kreis Cassel-Stadt: Cassel; Kreir Cassel- Land: Sandershausen, Oberkaufungen, Obervellmar, Ihringshausen , Niedervellmar, Simmershausen, Heiligenrodt, Waldau; Kreis Frankenberg: Niederholzhausen; Kreis Fritzlar: Gudensberg, Großenengli», Wabern, Gilsa; Kreis Gelnhausen: Breitenborn; Kreis Hanau-Land: Langenselbold, Niederdorfelden, Windecken, Mlttelbuchen, Ostheim, Großkrotzenburg; Kreis Hofgeismar: Hofgeismar, Immenhausen, Gottsbüren, Calden; Kreis Homberg: Oberhülsa; Influenza der Pferde. (Brustseuche): Kreis Hofgeismar: Beberbeck; Kreis Herrsch. Schmalkalden: Oberschönau; Kreis Witzenhausen: Unterrieden, Ermschwerd.
• Marktpreise. Im Monat Juni 1908 betrug in Hanau der Durchschnittspreis für 100 ke Weizen Mk. 21.-, Roggen Mk. 19.56, Gerste Mk. 19.81, Hafer Mk. 17.17, Erbsen (gelbe) zum Kochen Mk. 19.—, Speise- Bohnen (weiße) Mk. 23.83, Linsen Mk. 48.89, Eßkartoffeln Mk. 5.72, Richtstroh Mk. 4.32, Krummstroh Mk. 3.47, Heu Mk. 6.28, Rindfleisch im Großhandel Mk. 130.50; im Kleinhandel für 1 kg von der Keule Mk. 1.70, vom Bauche Mk. 1.55, Schweinefleisch Mk. 1.70, Kalbfleisch Mk. 1.55, Hammelfleisch Mk. 1.60, Speck (geräuchert) Mk. 2.10, Eßbutter Mk. 2.56, Eier ein Schock = 60 Stück Mk. 4.33.
* Ladenpreise. Im Monat Juni 1908 betrug in Hanau der Durchschnittspreis für 1 kg Mehl zur Speisebereitung aus Weizen 35 Pf., Roggen 26 Pf., Gerstcn- Graupe 44 Pf., -Grütze 39 Pf., Hafergrütze 45 Pf., Hirse 32 Pf., Reis, Java (mittlerer) 49 Pf., Kaffee, Java-, mittlerer (roh) 2 Mk. 20 Pf., gelber (in gebrannten Bohnen) 2 Mk. 80 Pf., Speisesalz 20 Pf., Schweineschmalz 1.60 Mk.
* Im Zoologischen Garten zu Frankfurt a. M. spielt Sonntag nachmittag und abend die Kapelle des 63. Art.-Regts. „Frankfurt", Montag und Dienstag die Pforzheimer Schützenkapelle. Bei dem Montagabend-Konzert wirkt auch das Doppel-Quartett der Schweizer Turner aus Zürich mit.
* Sport. Im Schaufenster der Fr. König? Buchhandlung ist der Ehrenpreis (Pokal nebst Ehrenzeichens ausgestellt, den unsere Junioren der Hanauer Rudergesellschaft von 1879 nach heißem Kampfe am Montag den 18. Juli in Würzburg schön gewonnen haben.
* 1» Hanauer Fußballklub 1883 Wie schon erwähnt, spielt nächsten Sonntag die repräsentative Nordd. Mannschaft im EimSbüttler Turnerverband gegen die 1. Mannschaft deS 1. H. F.-C. 1893. Ueber die vorzügliche Qualität dieser Mannschaft berichteten wir schon vor einigen Tagen. Hanau hat einige junge Spieler neu eingestellt und es dürfte schon aus diesem Grunde interessant sein, daS Spiel zu besuchen, läßt es doch schon auf die voraussichtliche Spielstärke unsrer seither besten Hanauer Mannschaft schließen. Alles Nähere auf den Plakaten. Karten in üblicher Weise schon im Vorverkauf.'
st. Windecken, 17. Juli. (Bahnba u.) Die Vorarbeiten zur Legung deS zweiten Gleises der Hanau-Friedberger Bahn von Station Heldenbergen-Windecken nach Hanau-Nord (der Teil Friedberg-Heldenbergen-Windecken ist bereits zweigleisig) sind jetzt in vollem Gange. Zahlreiche Arbeiter sind damit beschäftigt, die Grundlagen für den zweiten Schienenstrang herzurichten. Die Ausführung der Arbeiten ist der Firma Keim in Siegen a. d. Ruhr übertragen worden. Die Haltestelle O st h e i m soll in Verbindung mit diesem vollständigen Ausbau der Strecke eine Güterladestelle erhalten, was für die Güterabfertigung Hrldenbergen-Windecken eine bedeutende Entlastung und für die Interessenten von Ostheim usw. eine ansehnliche Vergünstigung bedeutet, doch ist dieser Plan noch nicht definitiv fkstgelkgt. Die Strecke Hauau-Friedberg hat sich im Verlaufe ihres 28jâhrigeu Bestehens sehr gut rentiert. (Am22.Novbr. 1879 fand die Eröffnung der Teilstrecke Hanau-Nord- Heldcnbergen-Winbeckcn und am 15. Oktober 1881 die Inbetriebnahme der vollständigen Strecke Hanau-Nord- Friedberg statt). Durch die Eröffnung der Strecke Vilbel- Stockheim hat die Hanau-Friedberger Sirecke noch an Bedeutung gewonnen, da die Erschließung des Vogelsberges nach dieser Richtung hin, eine für unsere Industrie und nicht minder auch für die Orte der dortigen Gegend höchst wichtige und vorteilhafte Errungenschaft bedeutet. Die Verbindung zwischen Hanau und Friedberg hat sich schon seit Jahren als vollkommen unzulänglich, dem eminenten Verkehr an Pcr-
fönen sowohl als auch an Gütern, nicht mehr gewachsen erwiesen. Ist erst einmal das zweite Gleis dem Betriebe übergeben, dann ist aus der Strecke Hanau-Friedberg eine nicht zu verkennend wichtige Verkehrsader in dem Eisenbahn- körper unseres Reiche» geworden, die auch nicht wenig zum Segen der von ihr berührten Städte und Dörfer gereichen wird.
Gerichtssaal.
Sitzung »er Strafkammer vom 16 Juli 1908»
Diebstahl im wiederholten Rückfall.
Der Arbeiter LouiS Stauf hier half eines Tages im April im Hofe des Hotels zum Riesen und steckte dabei die Schürze deS Fuhrmanns in die Tasche. Er behauptete, als man sie ihm aus der Tasche zog, sie für die seine gehalten zu haben. Einige Wochen später ging er mit einem Bekannten, dem Schreiner P.. in einen Schnapslaben am Markt, hielt sich dort einige Zeit auf und ging dann allein fort. Als P. später fortgehen wollte, vermißte er seinen Hammer, den er auf den Ladentisch gelegt hatte. Als Dieb konnte nur der St. in Betracht kommen, da dieser in der Ecke, in der der Hammer lag, sich aufhielt,, während die anderen beiden Leute, die in der Zeit noch im Laden waren, an einer entfernten Stelle sich mit P. unterhielten. St., der sich wegen zweier Diebstähle im wiederholten Rückfalle zu verantworten hatte, (er ist bereits viermal wegen Diebstahl vorbestraft) will von dem Hammer überhaupt nichts wissen und bleibt bezüglich der Schürze dabei, daß er sie auS Versehen eingesteckt hat. Die Strafkammer hält ihn aber in beiden Fällen für überführt und verurteilt ihn zu insgesamt vier Monaten Gefängnis.
Vereins- u. BerqnügnnstsnaHrichten
für Freitag den 17. Juli.
Ev. Männer- u. JsingsingSverein: Posannenblasen (Ev. NereinshauS).
tunt« u. Fechtklicb! Abends 8—7'/, Uhr: Turnen der Damcnabteilnng: 8'/,—10 Ubt : stechten.
Turngefellschnft: Abends von 8—10 Uhr: Turnen der Inqeudabteilnng.
Turnverein: Abends uon 8—10 Uhr: Turnen der Jngendabteilung.
Erster Athleten - Verein: Abends von 9—11 Uhr: ÜebnngSstunde im Vereinslokalc sNesiaurMion Sandhof).
Dram.-LUer. Verein Hanan: Bereinsabend im „Earisberz".
HumoristischerMnükverein „Germania" : Von 9—11 Uhr: Uebnngsstnnde (Restauration „tum Sandbof').
Verein f. Homöovaihieu. Natmbeilkunde: Vortragsabend (Stadt Bremen) Erster Hanauer Kellnerverein: Vereinsabend in der „Harmonie". Hanauer Kellnewerein (gegr. 1880): VereinSabend bei Ulsamer.
Erster Hanauer Kellnerbund 1905: Bereinsabend im „Elephanten".
Klub „Amicitia": Vereinsabend im Gasthaus „zum Elephanten". Sänger-Quartett: Vereinsabend in der Brauerei Orfchler.
Klub „Schlaraffia": Vereinsabend in der „Allemanta".
Klub „FraternitaS: Klubabend in den „8 Schwanen".
Verein der Badener: VereinSabend in der „Brauerei Beck". Kegelklub des ,,D. H. V.": Kegelabend in der Turnhalle. Katbolischer Gesellenverein: Bereinsabend im „Branstüb'l". streimas-Gesellschaft Earlsberg: Restaurant „EarlSberg". Gesellschaft „Scharfes Eck": Vereinsabend.
Gesellige Verbindung „Melitia": '/,10 Uhr: Stammtisch Gasthans „zur goldnen Gerste".
Bicycle-Klub 1896: Klubabend im „Kaiser Friedrich".
MerkeS'scher Slenoaravhen-Berein: TortbildungSkurinS „zur Sonne".
Gabelsberger Slenoqrapben - Verein «Lokal: .Frankfurter Bau". Eingang Lindenstraße): Abends von 8—9 Uhr: Aumnaerkursus, 9—10: UebungSsinnde der Praktiker-Abteilung (Redeschrift.)
Gesellschaft ..Lnüige Brüder": Klubabend bei Heinrich Vaivinkel. Guttempler-Loge vir Höhe, Paradeplatz 1: Abends : Freie Zusammenkunft, Gäste winfommeu,
' Versteigernngs- re. Kalender
fnrSamètagden 18. Juli.
Vormittags 10' r Uhr soll im Geschästsstnimer des hiesigen Domänen» Rentamts, Fronhof 7, eine domänenfiskalische Parzelle, an der Lamboystraße belegen, meistbietend verkauft werden st. Nr. 163 „Han. Anz.").
OessenMAr Wetterdienst.
«Beobachtungen des Physikalischen Vereins, Frankfurt.) Boranssichtliche Witterung für »ie Zeit vom Abend des 17. Juli bis znm nächsten Abend.
Zunächst trübe; regnerisch, stürmisch, kühl. Später Anf- heiterung.
Hus Dab und fern.
sch. Aus der Rhön, 16. Juli. Seit acht Tagen ist der „Heuet" auf der hohen Rhön im Gang und diesmal haben die Leute nicht nur einen reichen Ertrag, sondern auch Giück mit dem Wetter, das zu schön ist, nm so lange bleiben zu können. Es ist dies jene Heuernte auf den einschurigen Wiesen der hohen Rhön, deren in jedem Rhönwerk einige Seiten gewidmet sind als etwas ganz apartes, eigentümliches und merkwürdiges. Auch als malerisch findet man die Heuernte auf der hohen Rhön bezeichnet, wohl deshalb, weil sie die reinste Kampagne ist, wo sich die Leute gehen lassen wie sie wollen, wochenlang in keinem Bett liegen, in Zelten hausen und in Gruppen, wie sie der Zufall bringt, abends bei Musik und Gesang „feiern". Richtig ist,' daß viele Touristen gerade zur jetzigen Zeit zu uns kommen, um sich wohl von der Echtheit der Ichiidernngeu von den Volksfesten bei der Heuernte aus der hoben Rhön zu überzeugen.
Butzbach, 15. Juli. In dem Walde bei Bodenrod wurde die Leiche eines unbekannten Mannes gefunden. ES wird gemutmaßt, daß der Tote mit dem vor mehreren Wochen unter so schwierigen Verhältnissen auS der Zellen» strafanstalt Butzbach entwichenen Gefangenen identisch ist.
Würzbl»rg, 16. Juli. Wie schon kurz berichtet, wurden die beiden Inhaber der Würzburger Bankfirma Lippert A Stein wegen betrügerischen Bankerotts und Depotunterschlagung unter Zubilligung mildernder Umstände verurteilt, und zwar Karl Lippert zu 3 Jahren und Eduard Stein zu 2'/, Jahren Gefängnis. Es war ein erschütternder Anblick, als frühmorgens der erste Zeuge, ein einfacher Arbeitsmann, der Dienstknecht Pankraz Loch, zurzeit in Weikersheim bedienstet, in den Saal trat und seine Aussagen machte. Tränen rannen dem um seine sauer erarbeiteten Ersparnisse Gebrachten von den gebräunten Wangen und schluchzend nur vermochte er seine Angaben zu machen. Seit 1897 hat er — so erzählte der Mann — seine Sparpfennige, oft markweise, zu Lippert & Stein zur Aufbewahrung getragen, ja er hat sogar Spargelder, die er in der Distriktssparkasse zu Scheßlitz und in der städt. Sparkasse in Würzburg angelegt hatte, abgehoben, nur um sie dem Bankhaus Lippert & Stein hinzutragen. Hat doch Lippert auch einmal zu ihm gesagt: „So ist's recht! Sparen Sie nur fest, damit Sie später einmal etwa» haben!" O Ironie! Frau Stein hat zwar dem ums Geld gebrachten Dienstknecht versprochen, ihn zu entschädigen, allein schließlich doch geschrieben, sie habe selber nichts. Im. Gerichtshof versprach nun der Angeklagte Stein, es würde seine erste Sorge sein, den Loch zu befriedigen. Als nächste Zeugin trat ebenfalls eine Geschädigte, die Uhrmachersfrau Grètchen Moier, heran. 4400 Mark hat sie nach und nach hin zu Lippert und Stein getragen — da? Geld ist hin. Nicht einmal ein Depositen- schein ist ihr ausgestellt werden. ES war, als wenn die Frau eine Ahnung von dem ihr drohenden Unheil gehabt hätte. Sie hatte nämlich in den Zeitungen seinerzeit von den vielen Bankkrachen gelesen und daraufhin ihren Mann immer wieder bearbeitet, er möge doch das Geld bei Lippert und Stein holen. „Ach waS, die kleinen Bankiers spekulieren nicht!" Damit gab sich denn auch die Frau zufrieden, im Stillen beschloß indes der Mann doch, am 1. Januar 1908 das Geld zu erheben. Es war zu spät, 14 Tage zuvor brach die Katastrophe herein. Ein anderes Bild: Ein alter, müder, blindgewordener Mann, ein ehemaliger Milchhändler namens Sauer, war um 4900 Mk., sein mühsam durch Arbeit und Fleiß erspartes Geld, begaunert worden. In schlichten Worten erzählte das die nächste Zeugin, das Ladenmädchen Elise Gutmann, für den Blinden. Alle paar Wochen hatte, es für den des Augenlichts Beraubten hundert um hundert Mark zum Moloch in der Domstraße getragen. Dahin . . . Und so hätte sich die lebendige An- klageliste, das Bortreten der Geschädigten vor die Schranken des Gerichts um viele der Betrogenen verlängern lassen. Es hat aber schon gelangt. Staatsanwalt und Verteidiger hatten ja genug angesichts des Geständnisses der beiden Verlorenen auf der Anklagebank. Sie verzichteten auf eine Reihe von Zeugen.
Worms, 16. Juli. Die Untersuchung über die Patronendiebstähle beim Wormser Infanterie-Regiment zieht immer weitere Kreise. Man vermißt auch eine Anzahl Gewehre älteren Modells. Wo diese geblieben sind, steht noch nicht fest, doch weisen gewisse Spuren nach dem Auslands. Die Braut des Sergeanten Leinweber wurde wegen dringenden Verdachts der Hehlerei verhaftet. Leinweber hat allein in den letzten Tagen der Vorwoche über 40 000 Patronen gestohlen. Der in der Affäre verwickelte Waffenhändler Schuler aus Ludwigshafen erklärt, er habe die Patronen an Kriegervereine verkaufen wollen.
Kavlstodt, 15. Juli. Der 19jährige Oekonoinensohn Joh. Kraus von Zellingen verunglückte gestern Beim Schwellen- schneiden in der Weise, daß ihm die Bohle einer durchschnittenen Schwelle in den Nacken fiel und ihm das Genick entzweischlug. Der herbeigeeilte Geistliche von Zellingen konnte dem Sterbenden nur noch die Generalabsolution erteilen.
Aschaffenburg, 15. Juli. Heute abend scheuten die Pferde des Fuhrmanns Geisler aus Schafheim in der Nähe der Bahn. Geisler stieg herunter oder wurde herabge- schleudert, das Fuhrwerk ging über ihn, sodaß der Tod sofort eintrat.
Hus aller Melt.
Ein Opfer des Ausspringetts. Aus München «vird vom 15. ds. geschrieben : Als gestern nachmittag 3 Uhr ein Motorwagen mit Hängewagen in vollem Lauf die Stelle passierte, an der die Blutenburgstraße in die Nymphenbutger- flraße einmündet, kam ein etwa gegen 40 Jahre alter Mann herzugelaufen, der auf den Motorwagen aufsprang, sofort aber abstürzte und unter den Anhäugewagen geriet, der über den zu Fall Gekommenen hinwegfuhr. Der Verunglückte blieb, ohne noch einen Schmerzenslaut von sich zu geben, in einer Blutlache schrecklich verstümmelt liegen. Die beiden Arme wie die beiden Füße waren abgefahren, die Bruchstücke hingen nur lose an zerquetschten Hautteilen aneinander, Ge- sicht und Schädel waren blutüberströmt, gerissen und zertrümmert. Der Vorfall ereignete sich, den „M. N. R." zufolge, ganz in der Nähe der Haltestelle am Rot-Kreuz-Platze. Vom Spitale her kamen Krankenwärter mit einer Bahre, die sich zugleich beim Auflegen des Verstümmelten äußerten, daß sie ihn wohl nicht mehr lebend in das Spital bringen würden. In der Tat trat der Tod einige Minuten nach Ankunft im Spital ein. Es handelt sich um den 37 Jahre alten Hausmeister und Möbelpacker Ludwig Graf, wohnhaft in der Schulstraße zu Neuhausen.
Zevmalmt. Im Völklinger Hüttenwerk hatte sich ein Pferdeknecht neben das Krangeleise schlafen gelegt. Durch das Zahnrad des Kraus wurde sein Kopf erfaßt und zermalmt, so daß der Tod sofort eintrat.
©roßfeuer. In Harburg brach vorvergangene Nacht in den Oelwerken „Teutonia" eine Feuersbrunst aus, die sich mit großer Schnelligkeit ausbreitete und daS ganze Werk einäscherte. Die Feuerwehr mußte sich darauf beschränken, die umliegenden Fabriken, hauptsächlich die Harburger Salpeterwerke und die Thoerlschen Oelfabriken zu schützen, und nnr der Windrichtung war es zu danken, daß das Feuer nicht eine außerordentliche Verbreitung gesunden. Bei den Löschunusarbeiten wurden 3 Feuerwehrleute leicbt verlebt