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RetânSdruck und vertag der Buchdruck««! del verein. «, Waisenhauses in Hanau.

Geyeral-Anzciger

Amtliches Or-»« für LIM- Md Fwdüreis ZmM.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 165 Fernsprechanschlutz Nr. 605»

Amtliches.

Eandkreis Ran au.

Bekmtmchmlgev des Wollen LNdratsamts.

Wegen Vornahme von Dampfwaliarbeiten wird der Landweg Nr. 29 von Wachenbnchen nach Nieder­dorfelden für Kraftfahrzeuge jeglicher Art, sowie für Lastfuhrwerke von mehr als 20 Ztr. Ladegewicht für die Zeit vom 1«. Juli bis 25. Juli d- I. polizeilich gesperrt.

Uebertretungen dieses Verbots werden auf Grund der Polizei-Verordnung vom 6. April 1877 (Reg.-Amtsblatt Seite 137) mit Geldstrafe von 10 bis 30 Mark, subsid. mit entsprechender Haft geahndet.

Hanau den 16. Juli 1908.

Der Königliche Landrat.

V 5030 I. V.: Siemon, Reg.-Asseffor.

In das Handelsregister ist heute (14. Juli 1908) die Gesellschaft mit beschränkter Haftung unter der Firma Diamant", Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit dem Sitze in Großkrotzenburg, eingetragen worden.

Der Sitz der Gesellschaft ist von Stadtilm nach Groß­krotzenburg verlegt worden.

Der ursprüngliche Gesellschaftsvertrag ist am 11./18. Dezember 1905 festgestellt. Derselbe ist abgeändert worden durch den Vertrag vom 1. Juli 1907.

Gegenstand des Unternehmens ist die Herstellung und der Vertrieb mehrerer unter dem NamenDiamant" ge­setzlich geschützter Einschleifpräparate für die gesamte Maschinenindustrie und anderer technischer Artikel.

Das Stammkapital beträgt zwanzigtausend Mark.

Die Geschäftsführer sind-:

Kaufmann Emil Mathes in Frankfurt a. M., Kaufmann und Chemiker Dr. Eugen Oehler in Offenbach a. M.

Die Gesellschaft wird rechtsverbindlich durch die beiden Geschäftsführer gemeinsam oder durch einen Geschäfts­führer zusammen mit einem Prokuristen vertreten.

Die Bekanntmachungen der Gesellschaft erfolgen im «Reichsanzeiger". 14843

Königliches Amtsgericht 5 in .Hanau.

Grundstircksverkauf.

Die domänenfiskalische Parzelle Kartenblatt FF 234/4 Ackeran der Lamboystraße" der hiesigen Gemarkung 0,0064 ha Fläche, soll am 18. d Mts., Vormittags um IO1/» Uhr, im Geschäftszimmer des hiesigen Domänen- Rentamts, Fronhof 7 hierselbst, öffentlich meistbietend unter den im Termin bekannt gemacht werdenden Bedingungen ver­kauft werden.

Hanau den 14. Juli 1908.

Reinhardt,

Domânenrentmeister. 14701

Politische Rundschau.

Die allgemeine Lage der Seeschiffahrt. Der soeben erschienene Bericht des Vereins Hamburger Reeder spricht sich über die allgemeine Lage der Seeschiffahrt aus. Es heißt u. a. in demselben:Der in der zweiten Hälfte 1907 erfolgte völlige Zusammenbruch der Weltkonjunktur übte seine Wirkung in erster Linie auf die Seeschiffahrt aus. Die außerordentliche Geldteuerung und die scharfe Wirt­schaftskrisis, besonders in den Vereinigten Staaten von Amerika, führten nicht nur einen erheblichen Rückgang der Beschäftigung in allen Industrieländern herbei, sondern lähmten auch die Unternehmungslust des Handels. Die Folge hiervon machte sich sehr bald in einem Minderangebot an Landung und dem Nachgeben der Frachten bemerkbar. Die ungünstigen Verhältnisse wurden für die in regelmäßiger Fahrt beschäftigten Reedereien umso fühlbarer, als die voran­gegangene Hochkonjunktur mit ihren erhöhten Anforderungen an Handel und Verkehr sie gezwungen hatte, ihr Betriebs­material in raschem Tempo unter Aufwendung bedeutender Kapitalien zu vermehren. Da mit Eintritt schlechterer Ver­hältnisse dieser stark vermehrten Tonnage nur unzureichendes Angebot von Landung gegenüberstand, so ergab sich für die Seeschiffahrt hieraus die Folge, daß in allen in Betracht kommenden Häfen wegen des unlohnenden Beschäftigungs­grades eine große Anzahl von Schiffen aufgelegt werden mußte. Neben diesen betrieblichen Gründen beeinträchtigten das Geschäftsresultat' der Schiffahrtsunternehmungen noch in Sonderheit die hohen Kohlenpreise, in denen auch heute noch

Freitag den 17. Juli

kein genügender, den verschlechterten Zeitverhältnissen ent­sprechender Rückgang eingetreten ist, sowie die erheblichen Lasten, welche aus den vorjährigen Arbeiterausständen und dauernd aus den zunehmenden sozialpolitischen Pflichten der Unternehmer sich ergaben. '

Die Wirren in Perffen. Die Petersburger Tele- graphen-Agentur meldet aus Täbris: Der Telegraph nach Rußland ist a'bermals durchschnitten. Die Resultate des gest­rigen gegen Abend verstummten Bombardements des Stadt­bezirkes Umirakhis sind augenscheinlich nicht entscheidend ge­wesen. Satar Khan behauptete sich mit seinen Anhängern in der gewonnenen Position. Die Reiter des Khans Rakhis plün­derten in den äußersten Stadtbezirken viele Häuser. Die Be­wohner des Stadtbezirks Umirakhis sandten au den Schah ein Telegramm, in den sie ihn um Gnade anflehen. Bisher blieben die Bazare geschlossen. Der Handel erleidet große Verluste.

Die Lage in Marokko.

Paris, 16. Juli. Der Sonderberichterstatter des Temps" in Casablanca hatte eine Unterredung mit General d'Amade, welcher u. a. gesagt habe, daß die Bevölkerung von Azemur von der Zurückziehung der französischen Truppen peinlich überrascht gewesen sei. Die Notabeln der Stadt hätten ihn gebeten, zu bleiben, da seine Anwesenheit eine Bürgschaft für die Ordnung und Wohlfahrt wäre. Nach der Räumung von Azemur errichtete General d'Amade einen Militärposten in Sidi-Ali-Beker, am rechten Ufer des Umer Rebiaflusses, etwa sechs Kilometer von der Stadt. Dieser Militärposten wurde mit Artillerie und allem sonst Erforder­lichen versehen, um die Unterwerfung der am Umer Rebia wohnhaften Stämme, die durch den Abmarsch der französischen Truppen aus Azemur in Frage gestellt worden war, so weit als möglich zu sichern.

Bier Feuerwehrmänner als Brandstifter.

(Unber. Nachdr. Verb.) S. & H. Stuttstavt, 16. Juli.

In der Nacht zum 12. März dieses Jahres brannte in dem Dorfe Holzgerlingen, Oberamt Böblingen, in der Bach; straße eine Scheune und ein 'dazu gehöriges Wohnhaus voll­ständig nieder. Das Niederbrennen dieser Gebäude kam vielen Leuten sehr gelegen, denn in Holzgerlingen wurde ein Bahnhof errichtet, und es sollte eine neue Zufahrtstraße zu dem Bahnhöfe geschaffen werden. Ein Teil der Einwohner wünscht die Zufahrtstraße als Verlängerung der Bachstraße, aber diesem Plan standen die obengenannten Gebäude ent­gegen, und da man in Holzgerlingen den Weg des Ankaufes oder der Enteignung noch nicht zu kennen scheint, dieser Weg zweifellos auch mit Kosten verbunden ist, so ging im Dorfe bald das Gerede,daß es in der Bachstraße brennen müsse." Und es brannten dann am 12. März auch die den Weg sperrenden Gebäude nieder. Aber das Feuer hätte sich noch weiter ausdehnen und auch das danebenliegende Wohnhaus mit einäschern müssen. Da dieses nicht geschah, so wurde auch hier nachgeholfen. Denn am Morgen nach dem Brande der Scheune fand man hier in einem Reisighaufen eine Kerze, die aber durch dus damals herrschende Schneegestöber verlöscht worden war. Diese Kerze führte zur Entdeckung des Brandstifters der Scheune, denn sie stammte aus der Feuerwehrlaterne deS Maurers Christian Schmidt und auch die Uebereinstimmung des Stearinstockes wurde festgestellt. Schmidt wurde verhaftet und nannte nunmehr auch seine Mitschuldigen: die Maurer Christian Dieterle, Jakob Blessing und Jakob Krauß. Für die vier Maurer bedeutete die neue Zufahrtstraße eine große Zeitersparnis, da sie den Weg zu "ihrem Steinbruck erheblich verkürzte. Es wurde dann auch festgestellt, daß Krauß, nachdem ihm Schmidt 200 Mark versprochen, und die anderen beiden gut zugeredet hatten, sich bereit gefunden, die Scheune in Brand zu stecken. Während Schmidt und Krauß in die Scheune stiegen und eine brennende Kerze ins Stroh stellten, paßten die beiden anderen auf, daß niemand von dem nächtlichen Treiben etwas merkte. Nachdem sie sich überzeugt, daß die Kerze Feuer gesungen und das Feuer sich ausbreitete, gingen die vier in ihre Wohnungen und legten sich zu Bett. Alsdann die Feuersignale ertönten, standen sie auf, legten ihre Feuer- wehruniform an und eilten nach dem Brandplatze, um sich an den Löscharbcitcn zu beteiligen. Als sich bei den Lösch­arbeiten herausstellte, daß das danebenliegende Haus nicht mit abbrennen würde, versuchten Krauß und Schmidt unter Zuhilfenahme eines Reistghanfens auch dieses Haus in Brand zu stecken. Wegen dieser Straftaten hatten sich die vier Feuerwehrleute 'vor dem hiesigen Schwurgericht, und zwar wegen gemeinschaftlich verübter Brandstiftung, Krauß und Schmidt außerdem wegen versuchter Brandstiftung, Schmidt

Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1908

außerdem auch noch wegen Verleitung zum Meineide zu verantworten. Der Gerichtshof kam, nachdem die Ge­schworenen die Schuldfragen bejaht, zu folgendem Urteil: Schmidt erhielt drei Jahre drei Monate, Krauß drei Jahre drei Monate, Blessing ein Jahr sechs Monate und Dieterle ein Jahr drei Monate Zuchthaus. Bei der Strafabmessung berücksichtigte der Gerichtshof, daß in Holzgerlingen eine ge­wisse Verwirrung der moralischen Begriffe ein gerissen sei

Abenteuer eines Autmobilißen in Eger.

(Unber. Aachdr. verb.) S. u. H. Wien, 15. Juli.

Aus Eger wird derDeutschen Jourualpost" mitgeteilt: Der Bankier Schmidt aus Hof in Bayern fuhr dieser Tage in seinem Automobil, in welchem sich außer seiner Tochter noch vier Personen befanden, an einem Haufen von Schotter, steinen vorbei, auf dem zwei Knaben saßen, die sich damit vergnügten, den vorbeifahrenden Automobilen und Radfahrern Steine nachzuwerfen. Eines der Geschoffe traf die Tochter des Herrn Schmidt ins Gesicht. Auf den Schreckensruf der Getroffenen zog XSerr Schmidt sofort alle Bremsen, sodaß der Wagen mit einem Ruck stillstand, und eilte den Uebel­tätern nack. Es gelang ihm auch, beide zu fassen, er schleppte die weinenden Knaben zum Automobil, hob sie hinein und wollte mit ihnen wegfahren. Aber da hatten sich schon Hunderte von Leuten angesammelt, die in lärmender Weise für die Knaben Partei nahmen. Viele meinten, die Knaben seien von dem Automobil verletzt worden, weshalb sie eine drohende Haltung gegen den Automobilbesitzer einnahmen und mit Lynchjustiz drohten. Herr Schmidt mußte sich zur Polizei begeben und nach Aufklärung dB Falles mittelst Bahn nach Hof zurückkehren, da das Automobil durch das rasche Bremsen gebrauchsumähig geworden war. Der Vor­fall wird noch ein gerichtliches Nachspiel haben.

Fürst WliD ju Eulenburg vor ben Ceshworem.

Berlin, 16. Juli. Dem Angeklagten geht es dem Ver­nehmen nach heute etwas besser. Er ist heute vormittag von dem Krankenzimmer in den gegenüberliegenden, eine Treppe hoch belegenen Konferenzsaal transportiert worden. Die Sitzung soll mit Rücksicht auf den Zustand des Ange­klagten nur kurze Zeit in Anspruch nehmen. Der Vorsitzende teilt mit, er habe einen Brief vom Journalisten Oskar Thiele erhalten, in welchem dieser um Zulassung bittet, da doch das Prinzip der Nichtöffentlichkeit durch die Zulassung der als Zeugen vernommenen zwei Journalisten durchbrochen worden sei. Der Oberstaatsanwalt bemerkt, er habe gegen die Zulassung Thieles, der sich als ausgezeichneter und objek­tiver Berichterstatter bewährt habe, nichts einzuwenden. Verteidiger Justizrat Wronker erklärt, er habe vom ersten Tage an das Bedürfnis nach einer objektiven Berichterstattung empfunden und er schließe sich daher dem Oberstaatsanwalt an. Der Gerichtshof beschließt, den früheren Beschluß des Gerichtshofes dahin zu ändern, daß der Berichterstatter Thiele zugelassen wird. Der Vorsitzende bemerkt des weiteren, er habe erfahren, daß gestern auf dem Korridor zwischen ver­schiedenen Zeugen eine'Zänkerei stattgefunden habe. Er er« suche ganz besonders den Hofschauspieler Arendt, die Zeugen in Ruhe zu lassen und sie nicht zu brüskieren. Arndt er­widert, er habe nur einige Zeugen gefragt, ob sie ihn kennen. Der Vorsitzende bemerkt, es sei nicht taktvoll, überhaupt mit Zeugen zu sprechen.. Er müsse dringend bitten, alle Ge­spräche mit den Zeugen zu unterlassen. Danach wird Be­richterstatter Thiele in den Saal gerufen und die Türe wie­der geschlossen. Es wurde ein Schöffe und ein Hilfsschöffe aus dem Prozeß Harden gegen Stüdele vernommen, welche über die Glaubwürdigkeit Riedels und Ernsts aussagen. Beide hätten einen durchaus glaubwürdigen Eindruck gemacht. Da Fürst Eulenburg zu schwach wurde.'um der Verhandlung weiter folgen zu können, wurde diese kurz nach 1 Uhr au! morgen vormittag halb 11 Uhr vertagt.

Berlin, 16. Juli. Von einem Mitarbeiter geht dem Berl. Lok.-Anz." nachfolgender Bericht zu: Der Konferenz­saal, der dem Tribunal als Stätte dient, hat heute ein ver­ändertes Aussehen. Das Klavier ist herausgeräumt. Da, wo es stand, ist die Geschworenenbank gebildet Unter dem Bilde Friedrichs des Großen steht jetzt der Verteidigertisch und in der hinteren Ecke rechts ist die Ruhestätte des'Ange­klagten. Hinter einem grauleinenen eisenumrandeten Wand­schirm liegt der Fürst'auf einem mit Rollen versehenen Krankenbett. Mit rührender Sorgfalt pflegt ihn die Fürstin. Während sich der Saal allmählich mit den Prozeßbe^eiligten füllt, ist der Verkehr der Familienangehörigen und der An­gestellten zu dein Fürsten ein vollkommen freier. Der Kriminal­beamte hält sich in diskreter Entfernung.

Es ist wenige Minuten vor halb 11 Uhr. Das Stimmen- gewirr verstummt. Staatsanwalt und Richter treten ein. Der Vorsitzende läßt die Geschworenen in der Reihenfolge sich niedersetzen, in der sie ausgelost sind, um den Vorschriften des Gesetzes zu entsprechen. Aus der hinteren Ecke wird das messingbeschlagene Bett des Anaeklagtrn hervorgeholt. Dieser