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Kranken nicht gesund geworden, so sei der Staatsanwalt daran schuld, der ihn Mr Verbüßung der Straftat einge- zogen und ihn so gehindert habe, die Behandlung seiner Patienten zu Ende zu führen. Die Zeugenaussagen ergaben jedoch von dem Wirken des Wunderdoktors ein ganz an­deres Bild, und es wurde festgestellt, daß Albrecht sein Honorar noch vor Beginn der Behandlung gefordert hat. Der Staatsanwalt hielt 10 Fälle vollendeten Betruges und einen Fall versuchten Betruges für festgestellt und beantragte mit Rücksicht auf das gemeingefährliche Treiben des Ange­klagten eine Zuchthausstrafe von 2'/, Jahren und eine Geld­strafe von 2000 Mark. Der Gerichtshof erkannte unter Ein­beziehung der erwähnten sechsmonatlichen Gefängnisstrafe auf eine Gesamtstrafe von 2 Jahren 3 Monaten Zuchthaus sowie eine Geldstrafe von 1500 Mark.

Hus aller Mell.

Ueber eine gräßliche Bluttat in G r e m h e i m bei Höchstädt a. D. wird berichtet: Am Eingang zum Ort, etwa 50 Meter von anderen Häusern entfernt, steht der Grenz­bauernhof, welcher allein von dem 73jährigen Oekonomen Kotz und dessen 57jähriger Frau bewohnt ist. Als Kotz am Samstag früh 3 Uhr aufgestanden war und in den Stall gehen wollte, erhielt er, ohne jemand zu sehen, im Gang einen Schlag auf den Kopf und stürzte betäubt zu Boden. Der Eindringling eilte dann in die Schlafkammer und ver­suchte die im Bett liegende Frau mit einem Holzhackmesser zu erschlagen, stieß aber bei der noch sehr rüstigen Frau auf heftigen Widerstand. Inzwischen war Kotz wieder zu sich gekommen und rief aus einem Stallfenster nach Hilfe, worauf der Täter entfloh. Kotz war nur leicht verletzt, seine Frau ist dagegen schrecklich zugerichtet. Sie hat mit dem gefähr­lichen Instrument 16 Schläge auf Kopf, Hals und Arme be­kommen, das Gesicht ist bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Aus ihr waren nur kurze Angaben herauszubringen, dann wurde sie wieder bewußtlos und ist bis heute abend noch nicht wieder zu sich gekommen. Es ist keine Hoffnung vorhanden, sie am Leben zu erhalten. Die Eheleute Kotz glaubten den Mordbuben erkannt zu haben als den Knecht Martin Bau­mann aus einem kleinen Ort der Oberpfalz. Er hat nach Verbüßung einer längeren Strafe beim Nachbar des Kotz ge­dient, war aber nach 5 Wochen wieder entlaufen und wurde von der Gendarmerie wegen zweier Fahrraddiebstähle ge­sucht ; auch soll er in Gremheim den Opferstock einer Kapelle erbrochen haben. Am Samstag traf ihn ein Gendarm in Tapfheim und nahm ihn fest. Als er ihn einliefern wollte, wurde die Gremheimer Bluttat bekannt. Baumann hatte verschiedene Verletzungen an Gesicht und Händen, man sagte ihm deshalb den Raubmordversuch auf den Kopf zu, und mit frechem Lächeln gestand er alles ein mit den Worten: Freilich war ich's! Da sitze ich halt ein wenig länger, den Kopf kostet's nicht!" Der Bursche, welcher wenig über 18 Jahre alt ist und seine Jugend in einer Zwangserziehungs­anstalt zugebracht hat, kannte die Einrichtung de? Grenz­bauernhofes und hat bei den als wohlhabend geltenden Be­sitzern offenbar größere Barmittel vermutet.

Ein Analphabet als Wechselfälscher. Eine merk­würdige Anzeige ist gegen den Grundbesitzer Franz Lakatos, einem notorischen Analphabeten, bei der Budapester Staats­anwaltschaft zur weiteren Behandlung eingelaufen. Es ist nämlich als erwiesen zu betrachten, daß Lakatos es durch lange Uebung, trotzdem er sonst des Schreibens unkundig ist, fertig brachte, den Namen einer angesehenen Frau Barvas zu falschen. Er unterzeichnete schließlich mit diesem Namen einen Wechsel in Höhe von 1900 Kronen. Es gelang ihm auch, diesen gefälschten Wechsel bei einer Sparkaffe diskontiert zu erhalten. Mit dem Gelde begab er sich nach Budapest, wo er jetzt gesucht wird.

Die Kistler-Affäre. Wie ein Telegramm aus München meldet, wurden dort gestern die zwei Briefe des Fürsten Eulenburg beschlagnahmt, auf Grund welcher Hofrat Kistler den Zeugen Ernst bekanntlich zu veranlassen suchte, im Ber­liner Eulenburg-Prozeß falsch auszusagen.

Verurteilter Gattenmörder. Aus Gnesen wird. tele­graphiert : Nach fünftägiger Verhandlung, in der 98 Zeugen und 8 Sachverständige vernommen wurden, verurteilte das Gnesener Schwurgericht den Landwirt Johann Szozeparziak aus Ochodz bei Wongrowitz wegen Tötung seiner Ehefrau zu 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Der An­geklagte, der seine Ehefrau als 20jährige Witwe lediglich wegen ihres Vermögens geheiratet hatte, unterhielt mit seiner früheren Wirtschafterin Kuldsynska, einer verheirateten Frau, unerlaubte Beziehungen, bis deren älteste Tochter Marianna zu einem hübschen Mädchen herangewachsen war. Jetzt über­trug er seine Liebe auf diese und trug sich mit der Absicht, das Mädchen zu heiraten. Zu diesem Zwecke mußte er erst feine erste Frau, aus deren Ehe ein 11jähriges Mädchen ent­stammt, beseitigen. Während diese am 28. Juli vorigen Jahres mit dem Wenden von Getreide beschäftigt war, warf er die schwächliche Frau zu Boden und schnitt ihr mit einem vorher geschliffenen Tischmesser die Kehle durch. Die zwei der Frau mit großer Gewalt beigebrachten Halsschnitte gingen von einem Ohr zum andern und verursachten eine 3,5 Zentimeter klaffende Wunde. In wenigen Augenblicken trat der Tod durch Verbluten ein. Der Angeklagte leugnete bis ^um letzten Augenblick seine Schuld, indessen war der Indizienbeweis ein so erdrückender, daß die Geschworenen die Schuldfrage auf Mord bejahten, dagegen die Vorsätzlich­keit desselben verneinten, worauf das Gericht auf die gesetz­lich zulässig höchste Zuchthausstrafe erkannte.

Nächtlicher Kampf in einem Wolkenkratzerhotel. Der vierzehnte Stock des Wolkenkratzers Belmont in Newyork ist in einer der letzten Nächte der Schauplatz eines heftigen Kampfes zwischen einem amerikanischen Hoteldieb und dem Major Mortyn Cookson Pom 1. englischen Suffolk-Regiment gewesen. Major Cookson war mit seiner Gattin auf der Rückreise nach London im Hotel Belmont abgestiegen und das Paar hatte sich in zwei nebeneinanderlwgenden Zimmern, die durch eine offene Tür verbunden waren, zur Ruhe be­geben. Niemandem im Hotel war es ausgefallen, daß ein elegant gekleideter junger Mann in demselben Stock wie Major Cookson ein Zimmer gemietet hatte. Zwei Stunden nach Mitternacht schlich dieser Gentleman auf den Hotelflur. Er fand die Türen zu den Zimmern des Majors, die über­dies Alarmvorrichtungen hatten, verschlossen. Nathan Levine er war der Hoteldieb unternahm darauf ein tollkühnes Wagnis. Er kletterte aus dem Fenster seines Zimmers, 70 Meter über der Erde, auf die Brüstung und schwang sich von da in das Fenster des benachbarten Zimmers, wo die Gattin des Majors schlief. Der Räuber band der Schlafen-

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den die Hände und wollte sie mit dem geladenen Revolver in der Hand zwingen, ihm das Versteck ihrer Wertsachen zu verraten. Mrs. Cookson gelang es, trotz der Todesdrohungen des Verbrechers einige durchdringende Schreie auszustoßen, durch die der Gatte erwachte. Der Major sprang blitzschnell ins Zimmer, überwältigte nach kurzem verzweifeltem Kampf den Räuber, schleppte ihn auf den Korridor und schlug Alarm. Im Nu waren fast alle Gäste und das Hotelpersonal auf den Beinen. Major Cookson, ein muskulös gebauter Mann, hielt den Hoteldieb solange zu Boden, bis die Polizei eintraf, die den Offizier zu seiner Tat beglückwünschte. Man fand bei Levine einen zweiten Revolver, einen Dolch, zwei elektrische Laternen, ein Päckchen roten Pfeffer und mehrere Phiolen mit Betäubungsmitteln. Im Verhör gab der Räuber an, er habe die Hoteldiebstähle nur begangen, um einem schönen Weib, das er liebe, kostbare Juwelen zu Füßen zu legen.

Warnung vor dem Serienlos-Schwindel. Welch einträgliches Geschäft der Serienlosschwindel ist, ergab eine Verhandlung in der Mannheimer Schöffengerichtssitzüng vom Freitag. Der 25 Jahre alte Kaufmann Friedrich Otto Um­städter aus Ludwigshafen übernahm im November 1906 oon einem J. Schäfer ein Serienlosgeschüft und zahlte dafür nicht weniger als 26 000 M. Sein Geschäft nannte er großspurig Bank-, Effekten-, und Kommerzhaus. Von November 1906 bis Mai 1907, wo die Einstellung des Betriebes durch die Polizei erfolgte, hatte er eine Einnahme von 31000 M wovon 17 000 M. reiner Verdienst waren. Es ist wie immer meist Geld von ärmeren Leuten, die das Verlangen nach einer besseren Lebenslage solchen Händlern in die Arme wirft. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 250 Mk.

Hus Ranau Stadt und Eand*

Kaitau, 15. Juli.

* Eiseubahufragen. Ein Leser unseres Blaites übermittelt uns die Abschrift einer von ihm dem Magistrat der Stadt Hanau übersandten Eingabe. Diese Eingabe lautet:

Ich bitte mir die gehorsamste Bitte gestatten zu wollen, in eine Erörterung der Frage eintreten zu wollen, ob sich der Umbau der Eisenbahnlinie Wilhelmsbad Hanau-West Hanau-Ost durch eine Entlastung dieser Linie vermeiden läßt.

Diese Entlastung scheint möglich durch Bau der Hauptlinie Wilhelm sb adH anau-Nord Rückingen Langenselbold O r t Langen­selbold Staatsbahnhof und eventuell durch eine Verbindung OffenbachMainkur (oder B i s ch o f s h e i mR umpenheim), durch welche letztere zugleich die Frage eines hessischen Abgeordneten beant­wortet wäre:Was gedenkt Preußen zu tun, um Offen­bach für die durch die Linie SachsenhausenFrankfurt- Ost zu erwartende Verkehrseinbuße zu entschädigen?"

Der Verkehr HanauFrankfurt a. M. würde sich dann auf die Linie verteilen:

1. Hanau-OstFrankfurt Hauptbahnhof,

2. Hanau-OstSachsenhausenFrankfurt-Ost,

3. Hanau-OstHanau-West Wilhelmsbad Frankfurt-Ost,

4. LangenselboldRückingenHanau-Nord Wilhelmsbad (Frankfurt-Ost),

5. LangenselboldHanau-Nord Wilhelmsbad Mainkur OffenbachFrankfurt Hauptbahnhof. Bei dieser Ver­teilung des Verkehrs dürfte voraussichtlich die Linie Hanau-OstHanau-West- Wilhelmsbad hinreichend ent­lastet werden können.

Mit dieser Ordnung der Dinge würden vermieden die mit dem geplanten Umbau verbundenen Unzuträglichkeiten; es würde erhalten die Rentabilität des Kapitals, welches die Linie Hanau-OstHanau-West Wilhelmsbad gekostet hat und welches durch den Umbau zu einem toten Kapital ge­macht wird. Für diese Ordnung der Dinge sprechen ferner: a) lokale Interessen: 1. die Hebung der Bedeutung des Bahnhofs Hanau-Nord mit seinem Anschluß nach Friedberg, Büdingen und Langenselbold nebst Hütteugesäß, 2. die Ver- kehrsintcressen der von der Hauptlinie Hanau-NordRückingen durchschnittenen Gegend, 3. der Anschluß an die Freigerichter Kleinbahn; b) Interessen des Durchgangsverkehrs, besonders auch BerlinMetz. Seit dem Jahre 1884 besteht ein Durchgangsverkehr Berlin Ritschenhausen- Mannheim SaarbrückenMetz. Dieser Verkehr ist bis heute nicht zur ganzen Entwicklung gelangt, weil er durch nichtpreußische Landesteile führt und insofern preußische Interessen schädigt der Verkehr an Frankfurt a. M. vorbeiführt und umgekehrt die Linie RitschenhausenEbenhaipen heute noch nicht zweigleisig ist, der Verkehr von Bayern nach Preußen nur in geringem Maße hineingeführt wird. Wenn der Ver­kehr selbst unter diesen Verhältnissen nicht leiden soll, muß eine neue Linie geschaffen werden, und diese ist Berlin Meiningen Flieden Schlüchtern Langenselbold Frank­furt a. M. (über Hanau-Ost und Hanau-Nord eventuell MainkurOffenbach Frankfurt Hauptbahnhof und Frank- furt-Ost)BirkenfeldMerzigMetz. Von dieser Linie ist: a) im Bau: MerzigMetz; b) beschlossen: Flieden Schlüchtern; c) betrieben: Meiningen direkt Erfurt durch das Eisenbahnkomitee SteinbachHollenberg; â) dieser Linie ist günstig: «) das Projekt: 1. der Amt Saas-Bahn in S.-M., 2) des Tunnels FladungenKaltennordheim und

3. GersfeldBischofsheim, welche Meiningen vom Verkehr ausschließen und durch die viel nützlichere Linie Flieden Meiningen überflüssig werden; ß) die Interessen des Kinzig­tals und Frankfurts a. M.

Die mit der Linie BerlinH ana uMetz verbundene Verkehrssteigcrung läßt ebenfalls den Bau der Entlastungs­linie LangenselboldRückingenHanau-Nord Wilhelmsbad und die Führung einiger Züge »on Flieden und Bebra über RückingenHanau-Nord nach Frankfurt-Ost wünschenswert erscheinen. Vorerst würde bei dieser Führung die Linie Hanau-OstFrankfurt Hauptbahnhof mehr für Züge nach Aschaffenburg frei."

* Verliehen. Dem Amtsgerichtsassistenten Labitzke dahier wurde der TitelAmtsgerichtsselretär" verliehen.

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* Anmeldung neuer Ferusprechauschlüsse. Wir machen die Leser unseres Blattes darauf aufmerksam, daß Fernsprechanschlüsse, deren Herstellung in der Zeit von August bis Oktober gewünscht wird, spätestens bis zum 1. Augu st bei der Fernsprech-Bermittelungsanstalt angemeldet sein müssen, an die die Sprechstelle angeschlossen werden soll.

* Urlaub für Eisenbahn-Beamte und Arbeiter. Der preußische Eisenbahnminister v. Breitenbach hat auf Ein­gabe des Ausschusses der Deutschen Turnerschaft hin die preußisch - hessischen Eisenbahn - Direktionen angewiesen, den Beamten, Hilfsbeamten und Arbeitern, die deutsche Turner sind, auf Wunsch Urlaub und freie Fahrt auf allen StaatS- bahnen zu gewähren, wenn sie nach Frankfurt zum Deutschen Turnfest wollen.

* Evangelischer Bund zur Wahrung der deutsch-protestantischen Interessen. Die Zweigverein« des Stadt- und Landkreises Hanau beabsichtigen, am Sonn­tag den 26. Juli auf demRöthelberge bei Sangen« selbold ein Bundeswaldfest abzuhalten, bei dem der neue dritte Bundes-General-Sekretär, Herr Pfarrer Lehmann aus Halle a. d. Saale, sprechen wird. Näheres wird noch in der nächsten Woche an dieser Stelle bekannt gegeben werden. Der Vorsitzende des Langenselbolder Zweigvereins, Herr Lehrer Berg, ist bereit, den Bundesmitgliedern auf Anfrage einstweilen nähere Auskunft zu erteilen.

* Kinderheilanstalt Bad Orb. Die dies- jährige Generalversammlung der Kinderheil­anstalt wurde am Montag nachmittag unter dem Vorsitze des Herrn Landrats von Gröning-Gelnhausen im Anstaltsgebäude zu Orb abgehalten. Der Generalversammlung ging zunächst eine Vorstandssitzung. voraus, in der die zur Tagesordnung stehenden Punkte vorerst durchberaten wurden. Der Kassen­führer wurden einstimmig für die Jahresrechnungen 1905/06 dechargiert. Hierauf gab Herr Landrat von Gröning an der Hand des Berichts und der Jahresrechnung einen Üeberblick über die beseitigen Fiuanzverhältnisse und das abgelaufene Betriebsjahr 1907. Aus dem Bericht geht hervor, daß daS Betriebsjahr 1907 auch in finanzieller Hinsicht günstig abge­schlossen hat. Namens der Versammlung sprach Herr Land­rat v. Gröning Herrn Sanilätsrat Dr. Hufnagel den Dank der Versammlung aus für die vorzügliche Vermögensverwal­tung. Die Generalversammlung stimmte ferner dem Projekte des Vorstandes, ein neues Badehaus zu erbauen, zu. Das neue Badehaus soll anstelle des alten, das infolge seiner Defekte den jetzigen Ansprüchen nicht mehr genügt und des­halb abgerissen werden soll, errichtet werden. Nach den Skizzen, die Herr Bauführer Schmidt-Gelnhausen der Ver­sammlung vorlegte, erhält das neue Babehaus mit Wasch­küche usw. 12 Badezeiten und ist veranschlagt zu ca. 32 000 Mark. Da die Kinderheilanstalt laut Salinenkaufvertrag nur 18 Solbadezellen betreiben darf, sollen im alten Badehaus 4 Zellen für Süßwasser, eine Massagezelle und eine zur Auf­bewahrung von Utensilien re. eingerichtet werden. Das 25- jährige Bestehen der Anstalt soll im nächsten Jahre festlich begangen werden. Herr Landrat v. Gröning schlug vor, das Jubiläum mehr in einer dem Charakter. der Anstalt ent­sprechenden Weise zu begehen, z. B. soll ein Festgottesdienst vorangehen, dem sich daun die Feier in der Kinderheilanstalt anschließen würde. Eine Festschrift, die der Mitbegründer, Herr Pfarrer Fr. Hufnagel-Kesselstadt, verfaßt, und die den Werdegang der Anstalt veranschaulichen soll, wird an diesem Tage erscheinen. Wenn möglich, wird die Feier am Gründungstag (23. Mai) abgehalten. Doch wird die Wahl des Tages, wie die Art der freier, dem Vorstände überlassen. Nach der Versammlung begaben sich die teil­nehmenden Herren zur Besichtigung des am Walde des WintersbergeS angekauften Spielplatzes.

* Selbstmordversuch. Der wegen homosexueller Ver­gehen steckbrieflich verfolgte Besitzer des Promenadenhotel» in Bad Salzhausen, August O. aus Hanau, unternahm im Bahnhofshotel in Schwerin (Mecklenburg) einen Selbstmord­versuch, indem er sich eine Kugel in den Kopf schoß und sich dadurch schwer verletzte.

* Eigarren = Wickelsormen = Fabrikation. Die Cigarren-Fabrikatiou hat wiederum durch das in heutiger Nummer veröffentlichte D. R.-Patent 200 909, gelöst von der Firma Gebrüder Zahn in Hanau, eine hervorragend« Neuerung erfahren, da dieses Patent nicht nur der Nach­ahmung von Handarbeits - Cigarren, sondern der gesamten Cigarrenfabrikation zugute kommt, in dem die Formen auch für jede Art Fabrikation und sogar für Wickelmaschinen her­gestellt werden. Wir wollen nicht verfehlen zu bemerken, daß es der obigen Firma gelungen ist, in den letzten Jahren die Formenfabrikation durch Erfindung neuer Maschinen umzugestalten, wodurch es möglich ist, jede Cigarren-Fasson auch in Formenarbeit, die bekanntlich billiger ist wie Hand­arbeit, anfertigen zu können. Der Firma wünschen wir besten Erfolg.

* Liebe Nachbarn. Der Landwirt Heinrich L. in Niederrodenbach wurde von seinem Nachbarn, dem Wagner Joh. B., zur Anzeige gebracht, weil er angeblich beim Um» graben seines Hausgartens über die Grenze gegraben habe. In der gestrigen Schöffengerichtssitzung stellte sich aber her­aus, daß, wenn tatsächlich unter dem die Grenze bildenden Drahtgitter ein Spatenstich hindurchging, dies nur auf eine kleine Unvorsichtigkeit zurückgeführt werden kann und eine strafbare Aneignungsabsicht ausgeschlossen ist. Es wird dem­gemäß auf Freisprechung erkannt. Ein weiterer, die nach­barliche Freundschaft treffend illustrierender Verhandlungsfyll betraf den Fabrikarbeiter Jakob T. hier, der von einem Nachbarn, dem Schmied Jean St., darob zur Anzeige ge­bracht wurde, weil er an einem Sonntagmorgen auf einem gepachteten Kartoffelacker Unkraut jätete. Wochentag« hat er, da er auswärts arbeitet, hierzu keine Zeit. Der die Anzeige machende Nachbar, der übrigens selber öfters Sonn- tags auf dem Acker arbeitete, ohne von T. je denunziert worden zu sein, gibt offen zu, daß er aus Rache handelt«. Er war mit T. Kinderraufcreien halber hintereinander ge­kommen. Die Beweisaufnahme ergab zwar, daß bit Arbeit