14. MN
selbst den Einfältigen und Schwachen zu ihrer eigenen Ueber- raschung, wie reich das Leben sein kann und welchen Schatz bürgerlicher Tugenden dies erwerbende Zeitalter sich noch bewahrt hat. Die Kampfgenoffenschaft in Not und Tod hatte ein festes Band der Treue geschlungen um die Herzen unserer Krieger, mit einem Schlage tausend gehässige Vorurteile zerstört, die den Süden von dem Norden trennten und der friedlichen Ueberredung nie gewichen wären. Auch eine altväterliche, von den starken Geistern des Radikalismus oft verspottete Wahrheit kam wieder zu Ehren: die Einsicht, daß nur fromme Völker frei und tapfer sind. Wie ein Naturlaut brach der Name Gottes über hunderttausend Lippen, als die Blüte unserer Jugend in dichten Haufen gleich gemähten Halmen hinsank. Und wahrlich, nicht blöde Unfreiheit des Denkens, nicht jene knechtische Angst, die noch in allen schweren Zeiten die Franzosen scharenweise nach Amuletten greifen ließ, sprach aus dieser deutschen Frömmigkeit. . . . Alle die zahllosen persönlichen Glaubensbekenntnisse, die das Geistesleben unseres Volkes mit edler Duldsamkeit umschließt, beugten sich andächtig vor der göttlichen Vernunft, die über den Schrecken und Nöten jener Tage sinnvoll waltete. Ohne den männlichen Glauben an das Ewige, daS über die niederen Sorgen des EinzeldaseinS hinausreicht, konnten unsere tapferen Heere nicht schlagen wir sie schlugen, nicht leiden wie sie litten."
Der Segen ist nicht auSgeblieben. An den Quellen dieser Kraft sollte die deutsche Nation gesunden; ein halbes Jahr später stand daS neue Deutsche Reich wie ein Wunder vor aller Augen da. Unser durch Jahrhunderte hindurch verstümmeltes, zerschlagenes deutsches Vaterland war wieder zu einem lebendigen Körper erweckt und beseelt, wie es seit Jahrzehnten das Sehnen aller deutschen Patrioten gewesen war. Nun ist Deutschland stark und einig und soll es mit Gottes Hilfe immerdar bleiben, wenn auch manchem übelgelaunten Nachbarn die Freude an bösen Anschlägen dadurch verdorben ist, daß Deutschland, daS Herz Europas, wieder in strotzender Kraft seinen Pulsschlag spüren läßt.
Auch unter der Regierung deS gegenwärtigen Kaisers hat sich das Deutsche Reich immer herrlicher entwickelt und gestaltet. Als echter Sproß der Hohenzollern zeigt sich unser Kaiser nicht nur als begeisterter und begeisternder Soldat, der unablässig auf die Verbesserung unseres Heeres sinnt und uns eine stets mächtiger werdende Flotte geschaffen hat, sondern auch als Friedensfürst im besten Sinne des Wortes. Unter dem Schutze des Schwertes haben Handel und Gewerbe einen früher nie erlebten Aufschwung genommen. Wohin man im Lande blickt, reden Neubauten aller Art von Deuschlands wachsendem Wohlstand. Die Lebenshaltung der unteren Volksschichten, im Vergleich zu früher, ist ungleich besser geworden; die Sparkasseneinlagen halten eine steigende Richtung ein. Für die Armen und Bedrängten ist durch unsere großartige Arbeiterschutzgesetzgebung gesorgt wie in keinem andern Lande der Welt.
Und dies alles war möglich, weil das, was unser Kaiser einst bei der Uebernahme des Erbes seiner Ahnen in feierlicher Stunde gelobt hatte, nämlich alle Zeit ein Mehrer des Reiches und der Segnungen des Friedens zu sein, sich erfüllt hat. So sollen unS die kommenden unvergeßlichen Gedenktage wieder das Gewissen schärfen, damit wir uns der schönen Gegenwart recht von Herzen freuen und be- geisterungsvoll in den Ruf einstimmen können: Heil unserem Kaiser und seinem erhabenen Hause! Hoch daS Deutsche Reich!
Politische Rundschau.
Das preußische Staatsministerium hat in seiner Sitzung am letzten SamStag den Vorschlägen deS Kultusministers über die Mädchenschulreform und die Immatrikulation der Frauen.an den Universitäten zugestimmt.
Nach dem amtlichen Wahlergebnis der am 9. ds. im Wahlkreise Bromberg I vorgenommenen Stichwahl zum Reichstag wurden insgesamt 22 075 Stimmen abgegeben. Von diesen entfielen 14 508 auf den Gutsbesitzer Ritter- Stieglitz (kons.) und 7567 Stimmen auf den Redakteur D. Lebinski-Posen (Pole). Ersterer ist somit gewählt.
Die deutsche Hochseeflotte, bestehend aus zwei Geschwadern und einem AufklärungSgeschwader, verließ unter dem Kommando deS Prinzen Heinrich, der sich auf dem Flottenflaggschiff „Deutschland* befindet, Montag abend um 9 Uhr den Kieler Hafen und ging durch den Kaiser Wilhelm- Kanal in die Nordsee. Von dort auS wird sie, wie bereits gemeldet, eine Reife in den Atlantischen Ozean antreten, um daselbst Manöver vorzunehmen.
Kongo und Kamerun. Der französische Senat stimmte in seiner letzten Sitzung der Vorlage betreffend Genehmigung des Uebereinkommens über die Grenzregulierung zwischen dem Kongogebict und Kamerun zu.
Englisches Unterhaus. In der Diskussion über daS Schiffbaubudget kritisierte Lee das Flottenprogramm der Regiemtng als unzulänglich und stellte ihm das Programm Deutschl-nds gegenüber. Er erklärte, im Herbst 1912 werde Deutschland 17 Schiffe der Dreadnought- und der Jnvicibleklasse haben, während England nur 12 besitzen werde. Bezüglich der Zwistigkeiten innerhalb der Marine bemerkte der Redner, jedermann hege das Vertrauen, daß die Regierung fiü dieser ernsten Angelegenheit gewachsen zeigen werde, daß sie sie mit Takt, Unparteilichkeit und Festigkeit behandeln werde. (Beifall.) Der erste Lord der Admiralität McKenna bemerkie, er glaube nicht, daß das Haus Ursache habe, über die Dreadnoughifrage in Unruhe zu geraten. In diesem Augenblick seien in Deutschland fünf große Schiffe auf Stapel geiegt, während England zehn beinahe fertiggestellt habe. Im Juni 1911 werde England acht Dreadnoughts und vier Kreuzer haben, während Deutschland sieben Schiffe vom Dreadnought- und zwei vom Jnfleribletyp besitzen werde, vorausgesetzt, daß es sein Programm in der von ihm selbst fixierten außerordentlich kurzen Zeit zur Ausführung bringen werde, worüber man jedoch, wie er bemerken möchte, auf
feiten Deutschlands zu nicht allzu sanguinischen Hoffnungen berechtigt sei. McKenna fuhr in seiner Rede mit der Bemerkung fort, seine Kritik, die die Situation vom Jahre 1912 ins Auge fasse, habe mit dem Programm deS gegenwärtigen Jahres nichts zu tun. In Ausführung dieses Prograinms hätte sich England nur zu versichern, daß Deutschland nicht schneller bauen könne als Großbritannien und daß nach dem Programm des laufenden Jahres Großbritannien Mitte 1911 Deutschland überholt haben werde. Es sei unmöglich, die Tatsache außer Acht zu lassen, daß England durch die „Dreadnought" eine beträchtliche Ueber- legenheit gewonnen habe und es dürfte behauptet werden, daß die Existenz der Dreadnought alle anderen Arten von Kriegsschiffen zu vernachlässigen gestatte. Die große lieben lcgenheit, die England in den älteren Schiffstypen besitze und die 12 Dreadnoughts und Juvicibles gegenüber 9 auf feiten Deutschlands verbürgten England vollkommene Sicherheit im Jahre 1911. Diese unbedingte Sicherheit sei eine Lebensfrage für Großbritannien, aber darüber hinauszugehen, wäre nichts als Verschwendung. Im nächsten Jahr würde die Regierung in der Lage sein, die Fortschritte im Schiffbau anderer Staaten zu berücksichtigen und auf Stapel zu legen, was notwendig sein werde, nicht mehr und nicht weniger, um England im Jahre 1912 seine Sicherheit zu verbürgen. Redner schloß, indem er auf den kürzlichen Zwischenfall innerhalb der Marine zu sprechen kam, sprach Lee für das der Regierung entgegengebrachte Vertrauen seinen Dank aus und versicherte, daß es das Bestreben der i Regierung sein werde, Differenzen, die etwa bestehen sollten, aus- zugleichen. Es scheine ihm, daß diese Differenzen in der Presse stark übertrieben worden seien. Soweit sie die Admiralität beträfen, beruhten sie jedenfalls auf unerwiesenen Gerüchten. Auch glaube er, daß durch sie schon zu einer befriedigenderen Gestaltung der Dinge Veranlassung gegeben würde. (Beifall.) Der Abgeordnete Wyndham meinte, aus Mac Kennas Erklärungen könne der Schluß gezogen werden, daß eine starke Vermehrung der Flottenausgaben für die nächsten zwei Jahre stattfinden müsse. Der Parlamentssekretär der Admiralität, Namara, der über die gegenwärtig stattfindenden Flottenmanöver berichtete, betonte, die Art, wie 317 Kriegsschiffe mobilisiert würden, habe die Energie gezeigt, mit welcher die Schiffswerften die Jnstandsetzungsarbeiten ausführten. Was die großen Schiffe betreffe, so stehe England auf lange Zeit hinaus an der Spitze und werde voraussichtlich an der Spitze bleiben. Namara schloß mit der wiederholten Versicherung, daß die Regierung entschlossen sei, die unantastbare Vorherrschaft Englands zur See aufrecht zu erhalten.
Ein neuer Anschlag ans einen türkischen General. Aus Konstantinopel, 13. Juli, wird gemeldet: Gestern wurde auf dem französischen Dampfer „Sidon" während der Fahrt von Salonik nach Konstanii- nopel der General Fazil Pascha von einem türkischen Offizier ermordet. Der Dampfer traf heute früh in den Dardanellen ein. Die Pforte wird die Auslieferung des Mörders verlangen. — Zu dem Anschlag auf den General Fazil Pascha wird noch gemeldet, daß der General nur verwundet wurde. Der Attentäter soll ein Albanese sein.
Die Lage in Marokko.
Tanger, 13. Juli. Muley Hafid befahl auf ihm gegenüber geäußerte Wünsche hin, Abdel Malik, der bei Elksar gefangen genommen wurde, weil er nicht wie die von ihm befehligte irisische Mahalla Muley Hafid anerkennen wollte, die Ketten abzunehmen und ihn glimpflicher zu behandeln.
Die Vorgänge in Persien.
Täbris, 13. Juli. Eine Schar Revolutionäre hißte heute morgen auf dem Gebäude des ehemaligen En Schumens die rote Fahne. Mittags zog Rakhim Khan mit 1000 Reitern in die Stadt ein; er durchquerte das feindliche Stadtviertel Hiaban, ohne bei dessen Einwohnern, die ihre Waffen und ein Geschütz auslieferten, auf Widerstand zu stoßen; Rakhim Khan stellte sich mit seinen Truppen in dem dem Schah gehörenden Garten Bazischaman auf. Man erwartet die Belagerung des Stadtviertels Umirakhis, der noch im Widerstand beharrt und wo seit heute früh geschossen wird. Der Schah gab telegraphisch Befehl, keinerlei Maßregeln zu schellen, um den Ausstand schleunigst zu unterdrücken.
Zeppelins große Fahrt.
Friedrichshafen, 13. Juli. Graf Zeppelin versammelte heute abend im „Deutschen Haus", seinem Hauptquartier, wie stets am Vorabend neuer Versuchsfahrten, den Kreis seiner alten getreuen Mitarbeiter und Gäste. An das gemeinsame Mahl schloß sich, wie üblich, eine Art von Paroleausgabe. Wie der „Frkf. Ztg." gemeldet wird, ist für die große Fahrt die genaue Strecke noch nicht vorher zu sagen, doch geht sie sehr wahrscheinlich über Schaffhausen, Basel, Straßburg, Mannheim nach Mainz und über Stuttgart zurück nach Konstanz und wieder hierher. Graf Zeppelin ist außerordentlich zuversichtlich, obwohl Regen natürlich einen erschwerenden Umstand gerade bei großer Fahrt be- demen würde. Er unterhielt sich noch angeregt und lebhaft wie immer mit seinen Gästen. Zugegen waren u. a. seine Tochter Gräfin Helene, sein Neffe Graf Ferdinand und dessen Gattin, Reichskommissar Lewald, Geheimrat Hergesell, der alte Freund des Grafen, Ingenieur Gradenwitz, Dr. Hugo Eckener, Major Hesse vom Generalstab, Kapitän Mischke vom Reichsmarineamt, Major Groß (der Konstrukteur des Reichsmilitärluftschiffs, also sozusagen „die Konkurrenz"), Major Sperling vom Lusischifferbatalllon, Major Lehmann von den Verkehrstruppen, Prof. Aßmann-Lindenberg, einer der führenden deutschen Meteorologen, auch ein österreichischer Genieoffizier und mehrere jüngere Offiziere vom Luitschiffer- bataillon. Von den Genannten werden voraussichtlich folgende die Fernfahrt mitmacben: Hergesell als Reichskommissär, Mischke für das Marineamt, Sperling und Haupt- mann v. Jena für das Kriegsministerium, außerdem der Graf Zeppelin als Führer, sein Neffe, sowie Baron Bassus- München als „Aeronauten", Oberingenieur Duerr, sowie die alten erprobten Steuerleute und Monteure, letztere in
doppelter Besetzung. Insgesamt wird also daS Luftschiff wahrscheinlich achtzehn Personen an Bord haben. Heute in der achten Stunde, abends, endete der Regen. Das Wette» zeigte aufklärende Tendenz. Auf dem Santis lag Neuschnee. Das ist ein gutes Witterungsvorzeichcn für das Bodenseegebiet. Es unterliegt sonach kaum einem Zweifel, daß die „große Fahrt" morgen, Dienstag, mittags ein Uhr beginnt.
M WlW zu
vor H Geschumeuen.
Berlin, 13. Juli.
Die „Deutsche Warte" berichtet:
Nach zweitägiger Pause wurde die Verhandlung am Montag wieder ausgenommen. Der Angeklagte machte, als er Montag in bekannter Weise in den Saal getragen wurde, einen außergewöhnlich hinfälligen Eindruck. Die Aufregungen der letzten Tage und die außerordentliche Hitze haben so ungünstig auf den Gesundheitszustand des Angeklagten eingewirkt, daß der alte Hauèarzt des Fürsten privatim die Besorgnis aussprach, daß eine plötzliche Erregung die Herztätigkeit in bedenklicher Weise beeinflussen könnte. Während der Angeklagte sonst auf dem Liegestuhl eine sitzende Stellung einnahm, lag er heute lang ausgestreckt und war noch blasser als sonst.
AIs Landgerichtsdirektor Kanzow am Montag, dem 12. Verhandlungstage, die Sitzung eröffnete, fehlte beim Aufruf der Zeugen niemand. Nur Graf Kuno von Moltke meldete sich beim Aufruf nicht. Dagegen ist der Privatlehrer Hans Meyer aus München zur Stelle; er erklärte seine Verwunderung darüber, daß er aus der Zeitung habe erfahren müssen, er sei angeblich unauffindbar gewesen. Die vom Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel neuerdings geladenen beiden Schöffen, die im Städele-Prozeß in München mitwirkten und Uber den Eindruck, den sie von den Zeugen Riedel und Ernst empfangen haben, vernommen werden sollen, sind noch nicht erschienen. Es meldete sich der Darlehensvermittler Reibe- danz, der in einer der Verteidigung am Freitag zugegangenen Karte gemeldet hatte, daß Riedel in einem hiesigen Cafè sich dahin geäußert habe: wenn der Fürst eine anständige Summe bezahlt hätte, würde er nicht gegen ihn ausgesagt haben. Zeuge Riedel ist hierüber sehr aufgebracht und erklärte auf dem Wandelgange ziemlich erregt, daß dies eine ganz haltlose Unterstellung und kein Wort davon wahr sei. Unter den Zeugen befand sich am Montag auch wieder der Oberhofmarschall Graf August von Eulenburg. Nach den Dispositionen des Vorsitzenden sollte am Montag eine ganze Reihe Zeugen vernommen werden, darunter Handelsmann Borchardt- Falkenihal, Leibjäger Emanuel Barsch-Liebenberg, der dem Angeklagten auch hier in der Charite hilfreich zur Seite steht, die Kriminalkommissare v. Tresckow und Dr. Kopp, Dr. Magnus Hirschfeld, Kriminalschutzmann Tietze usw.
Eine Erklärung des Angeklagten.
Wie wir hören, hat der Angeklagte bei Beginn der Verhandlung erklärt: So lange ihm die Schmerzen nicht die Besinnung raubten, würde er mit seiner letzten Kraft seine Ehre und Unschuld verteidigen. Medizinalrat Dr. Hoffmann bestätigte, daß das rechte Bein wieder stark geschwollen ist, daß der Angeklagte heftige Schmerzen erleiden muß und die Aerzte der Charité ihm dringend abgeraten haben, an Gerichtsstelle zu erscheinen.
Sehr eingehend wurde Kriminalkommissar von Tresckow vernommen. Er ist vom Polizeipräsidenten von der Pflicht der Amtsverschwiegenheit entbunden. Er bearbeitet seit 15 Jahren das Ressort der in das Gebiet des § 175 fallenden Vergehen und der damit verbundenen Erpressungen. Er soll erklärt haben, das er mancherlei über die sexuellen Neigungen des Fürsten Eulenburg gehört habe, aber es sei il;m nicht zu Ohren gekommen, daß er sich gegen § 175 vergangen habe. Die Gerüchte hätten sich zur Zeit des Moltke-Hardenprozesses verdichtet, sodaß er vom Polizeipräsidenten den Auftrag erhalten, nach Liebenberg zu fahren, um mit dem Fürsten unter vier Augen Rücksprache zu nehmen. Der Fürst habe ihm das Ehrenwort gegeben, daß er sich nie gegen den § 175 vergangen, noch sonstiger homosexueller Handlungen schuldig gemacht habe. Der Zeuge soll weiter gesagt haben, er habe dem Fürsten vorgehalten, daß viel davon gesprochen werde, daß er in Wien als Botschafter in eine häßliche Erpresseraffäre verwickelt gewesen sei und er, obwohl im Botschaftshotel selbst eine Badeeinrichtung war, doch eine Badeanstalt aufgesucht habe, in welcher Homosexuelle zu verkehren pflegten. Der Angeklagte soll daraus erklärt haben, der Arzt habe ihm gewisse Bäder verordnet, die er nur dort habe nehmen können. Der Zeuge hat dem Fürsten vorgehalten, daß er nach umläufenben Gerüchten ja an einen Erpresser 60000 Kronen bezahlt haben sollte. Der Fürst habe ihm darauf geantwortet, er besitze gar nicht die Mittel, um einem gemeinen Erpresser eine solch hohe Summe zu geben. Der Zeuge hat nach seiner Bekundung dem Fürsten ferner vorgehalten, daß es allgemeines Kopfschütteln erregt habe, daß er mit seinem Kammerdiener in einem Zimmer geschlafen habe. Herr v. Tresckow hat dem Fürsten auch vorgehalten, daß nach Gerüchten er auch in der Badeanstalt von Podeyn in der Schönhauser Straße verkehrt und in Beziehungen zum Grafen Louyay gestanden haben soll. Der Angeklagte soll hierauf erwidert haben, daß viele Gerüchte, die über ihn in Umlauf gewesen sein sollen, sich wahrscheinlich aus einen andern Mann seines Namens beziehen dürften.
Der Vorsitzende soll an den Angeklagten die Frage gerichtet haben, ob ihm etwa bekannt sei, daß der Zeuge Geritz homosexuelle Neigungen habe. Es sei doch immerhin auf» fällig, welche Karriere dieser gemacht habe. Vom Unteroffizier bis zum Rendanten und Auilsvorsteher sei doch ein weiter Weg. — Der Angeklagte soll erklärt haben, ihm sei von solchen Neigungen des G. nichts bekannt. Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel soll darauf Herrn v. Tresckow daran erinnert haben, daß dieser ihm selbst erzählt habe, in hiesigen homosexuellen Kreisen sei Herr Geritz als „der schöne Geritz" bekannt. Zeuge von Tresckow konnte sich nicht einer derartigen Mitteilung erinnern. Erwähnt wurde, daß der Hofschauspieler Arndt vor wenigen Tagen im Gerichtsgebäude erschienen sei und Mehreren Vertretern der " Press« Mitteilung über den Zeugen Ernst gemacht habe. Danach soll Ernst in einem Gespräch Herrn Arndt gesagt haben: wenn der Fürst eine größere Summe geopfert hätte, würde er ihn nicht verraten haben. Ueber dies« Aeußerung des Hofschauspielers Arndt wurde Dr. Georg Mode als Zeuge vernommen. Er soll bestätigt haben, daß Herr Arndt decartiaes gesagt hat. Nach dem Eindruck