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w. Wais«chaus«» in Hamm.

Erscheint tâgktch mit Ausnahme 's« Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Serrmheeril. Redaktrur; L. V ch raS« i(Mn

Nr. 157 Fernspr-chanschltttz Nr. 605,

Mittwoch den 8. Juli

Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1908

Amtliches.

Stadtkreis I^anau. Bekanntmachung.

Die Schttldienerstelle an der höheren Mädchenschule hierselbst ist vom 1. Oktober d. Js. ab anderweitig mit einem Militäranwärter zu besetzen.

Das Gehalt beträgt 1400 Mk., steigend von 3 zu 3 Jahren um je 100 Mk. bis zum Höchstgehalt von 1700 Mk. jährlich. Von dem Gehalte werden für freie Wohnung und Heizung 250 Mk. in Abzug gebracht.

Für Besorgung der Reinigung einschl. Stellung der Reinigungsgeräte werden 450 Mk. jährlich gezahlt. Die Anstellung erfolgt gegen einmonatliche Kündigung mit Ruhe­gehaltsberechtigung.

Geeignete verheiratete Bewerber, welche mit der Bedienung einer Zentralheizung vertraut sind, wollen sich alsbald unter Vorlage ihrer Zeugnisse und eines selbstgeschriebenen Lebens­laufes schriftlich bei uns melden.

Hanau den 1. Juli 1908.

Der Magistrat.

Hild. 14305

Städtisches Wannen- nnd Brausebad.

Vangertstratze 2 (Eingang: Große Dechaneistraße).

Geöffnet für Männer:

Montag, Mittwoch, Donnerstag und Samstag von 812 Uhr vormittags und 28 Uhr nachmittags.

Sonntag von 812 Uhr vormittags.

Geöffnet für Kranen:

Dienstag und Freitag von 812 Uhr vormittags und 28 Uhr nachmittags.

Preise der Bäder:

Brausebad mit Wäsche 10 Pfg.,

Wannenbad mit Wäsche 25 Pfg., Wannenbad ohne Wäsche 20 Pfg.

Hanau den 2. Januar 1908.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 357

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Geeichtsbauten Hanau.

1, die Erd- und Maurerarbeiten des Gerichts­gebäudes,

2, desgl. des Gefängnisses und Beamtenwohnhauses,

3, Lieferung der Ziegelsteine

4, 5,

6,

ff

ff

ff

des Kalkö c jY des Kieses u. Sandes ^ â Gebäude, des Portlandzements

sollen in öffentlicher Ausschreibung vergeben werden.

Unterlagen werden, soweit der Vorrat reicht, gegen post- und bestellgeldfreie Einsendung von je Mk. 4 für Los 1 und 2, von je Mk. 3 für Los 3 bis 6 zugeschickt. Zeichnungen sind von 1012 Uhr vorm. und von 46 Uhr nachm. cinzusehen. Angebote sind bis zum Eröffnungstermin, 25. Juli 1908, vorm. 10 Uhr,, versiegelt und mit kennzeichnender Aufschrift versehen, einzureichen. Die Zu- schlagSfrist beträgt drei Wochen.

Hanau den 4. Juli 1908, Nußallee 13 a. 14325

Der Königliche Laudbauiuspektor.

Politische Rundschau

Staatssekretär Dernburg hat Rhodesia verlassen und wird sich heute Dienstag über Prieska in dasDamara- land begeben.

Oesterreichisches Abgeordnetenhaus. Im Ab­geordnetenhaus wurde der sozialdemokratische Dringlichkeits­antrag betreffend daS Verbot von weißem Phosphor, sowie den Beitritt zur Berner Konvention, angenommen. Im Laufe der Debatte erkannte Handelsminister Fiedler die Dringlichkeit der Angelegenheit an, wobei er erklärte, er werde das für die Erzeugung von Zündbölzeru mit weißem Phosphor zum Schutze der Arbeiter ausgearbeitete Programm dem Jndustrierate und dem Arbcitsbeirate zur Begutachtung Vorleben. Das Handelsministerium werde nicht starr auf seinem bisherigen Standpunkte beharren, sondern die Gut­achten eingehend prüfen. Das Haus begann sodann die Verhandlung des sozialdemokratischen Dringlichkeitsantrage« betreffend die Einführung des allgemeinen und gleichen Wahl­rechtes in einigen Landtagen.

Der Urheber des Anschlages gegen den Präsidenten m3 Petersburger Obergerichtshofes, Krascheninnikow, der 19« jährige Sohn eines Arbeiters, wurde verhaktet. Er gestand

das Verbrechen ein und erklärte, aus Protest gegen eine Reihe von Seiten des Gerichtshofes in politischen Angelegen­heiten gefällter Urteile gehandelr zu haben. Die Verwundung Krascheninnikows ist ungefährlich.

In der Reichsduma erstattete gestern die Ausglei­chungskommission ihren Bericht über die Kredite zum Bau neuer Panzerschiffe. Die Duma beschloß, sich der Meinung ihrer Kommiffionsvertreter anzuschließen und die Kredite zu verweigern. Der Handelsminister hat in der Duma einen Gesetzentwurf betreffend die Alters- und Jnvaliditätsversiche- rung der Arbeiter eingebracht.

In vatikanischen Kreisen wird die Meldung des Matin", daß der Papst sehr leidend sei, als Erfindung bezeichnet.

Die Wirren in Perffen. Der russische Vertreter in Teheran erhielt, wie die Petersburger Telegraphen-Agentur aus zuverlässiger Quelle erfährt, von seiner Regierung den Auftrag, die Forderung des englischen Geschäftsträgers um Genugtuung für die von der persischen Regierung durch Auf­stellung eines Wachtpostens vor der englischen Gesandtschaft beobachtete für England beleidigende Handlungsweise gemäß der zwischen Rußland und England in den persischen An­gelegenheiten herrschenden Solidarität beim Schah zu unter­stützen.

Ein Opfer der Revolution in Paraguay. Die Gesandtschaften der Vereinigten Staaten und Italien? in Asuncion (Hauptstadt von Paraguay) hatten während der aufständischen Bewegung durch Geschützten« zu leiden. Eine Granate tötete einen Parlamentär der amerikanischen Ge­sandtschaft. Der amerikanische Gesandte und der italienische Geschäftsträger reichten bei der neuen Regierung Be­schwerde ein.

Marokko-Debatte.

Paris, 7. Juli. (Kammer.) In seiner Anfrage an den Minister des Aeußern führte Jaurès aus, die Besetzung von Azemur widerspreche den Weisungen, die General d'Amade erteilt worden seien, und der Verpflichtung, die Frankreich vor ganz Europa übernommen habe, sich auf das Schauia- Gebiet zu beschränken. Jaurès erinnert an die Note der Agence Havas, durch welche sich die Regierung auS freien Stücken an seine Seite gestellt habe. Im weiteren Verlauf seiner Rede setzte Jaurès auseinander, daß die Regierung durch das Vorgehen d'Amades in die Gefahr komme, in eine falsche Situation zu geraten und den Anschein zu erwecken, als ob sie die Operationen von Abdel Aziz unterstütze. Diese Bloßstellung Frankreichs müsse durchaus vermieden werden. Jaurös schloß, in dem er eine neue, weitgehende Heimscndung der französischen Truppen aus Marokko auf das entschiedenste befürwortete. (Beifall auf der äußersten Linken.) Minister Pichon erklärte, der Zwischenfall von Azemur sei durch die Kommentare in der Presse entstellt und übertrieben worden. Sobald die Regierung das Telegramm von General d'Amade erhalten habe, habe sie genaue Nachrichten verlangt und die Instruktion, daß zwischen beiden Sultanen nicht inter­veniert werden dürfe, erneuert. Die Antwort d'Amades sei heute vormittag eingetroffen. General d'Amade erklärte, sein Rckoguoszierungsmarsch hätte die Sicherung der Ruhe des Schauiagebietes zum Gegenstände gehabt. Die KriegS- munition sei über Azemur in jene Gegend gelangt und Azemur habe sich geweigert, nach Mazagan bestimmte Kuriere pas­sieren zu lassen. Der Minister fügte hinzu, Azemur werde von seinen eigenen Bürgern verwaltet. Die Ruhe dort sei nie so vollkommen gewesen wie jetzt. General d'Amade habe die Genugtuung bekommen, ohne einen Kanonen- oder Flintenschuß abfeuern zu müssen, er sei ohne Waffen und ohne Bedeckung nach Azemur zurückgekehrt. Zurzeit befinde sich kein französischer Soldat in Azemur; eS herrsche voll­kommen Ruhe dort. General d'Amade habe nicht nur das Vertrauen der Regierung bewahrt, sondern auch ihre An­erkennung und Dankbarkeit für seine glänzende Campagne verdient. (Beifall auf allen Bänken, außer auf denen der äußersten Linken.) Minister Pichon schloß mit der Bemer­kung, die Regierung bleibe dem von ihr mehrfach in der Kammer dargelegten, der Würde Frankreichs entsprechenden Politik und von ihr bisher für die Erhaltung des europäi­schen Friedens betätigten Eifer treu. (Lebhafter Beifall auf allen Seiten des Hauses, abgesehen von der äußersten Linken.) Jaurès äußerte darauf seine Verwunderung, warum General d'Amade nichts von der viel wichtigeren Tat­sache gesagt habe, daß ihm die Truppen Abdel Aziz in Azemur zuvorgekommen seien. Ministerpräsident Clemenceau unterbricht hier mit dem Einwurf, die Regierung habe da­von keine Nachricht erhalten. Jaures äußerte darüber sein Bedauern. Es sei schlimm, daß die Regierung absichtlich vor einem Teil der Wahrheit die Augen verschließe. Es nütze nichts, die Aufmerksamkeit dadurch abzulenken, daß man

von der Tapferkeit der Truppen spreche. Wir wollen, daß man sagen soll, General d'Amade ist nur ein Dien« der Vaterlandes. Wir wollen, daß man unseren guten Willen erkenne, das Vertrauen, das man den Worten Frankreich« entgegenbringt, zu bewahren und keinem Menschen zu g«- statten, entgegen unserem Willen uns in Verwickelungen hineinzuziehen, für die das Vaterland die Verantwortung zu tragen hat. (Beifall auf der äußersten Linken.) Da Pichon hierauf nicht weiter antwortete, war der Zwischenfall «ledigt und man ging zur Weiterberatung der SteuergesetzeS über.

Paris, 7. Juli. Die Anfragen über Marokko, bi« Jaures in der Kammer heute nachmittag stellen wird, werden von der Regierung entsprechend dem im heutigen Minister- rate gefaßten Beschlusse beantwortet werden.

Fürst Ww zu Eulenburg nur den Wumenen.

Berlin, 7. Juli. DerBerl. Lokalanz." erhält nach stehende Mitteilungen:

Die heutige Sitzung des Schwurgerichts im Prozeß be# Fürsten Eulenburg wurde vom Vorsitzenden, LandgerichtS- direktor Kanzow, wieder pünktlich um 11 Uhr eröffnet. Beim Aufruf der Zeugen zeigte sich, daß alle vorgeladenen Zeugen zur Stelle waren, der Angeklagte, der nach einem umlaufen­den Gerücht in der Nacht einen so bedenklichen Schwäche- anfall gehabt haben sollte, daß sein Erscheinen an Gerichts­stelle fraglich wäre, wurde in der gewöhnten Art in den Schwurgerichtssaal getragen. Es "hatte den Anschein, als wenn er in besserer körperlicher Verfassung sich befände als an manchem der vorhergegangenen Tage. Nur scheint er manchmal eine Müdigkeit in den Augen mühsam zu be­zwingen, wie jemand, "der Morphium-Einspritzungen be­kommen hat.

Die Gattin des Angeklagten wurde vorläufig entlassen mit dem Bemerken, daß sie nicht täglich anwesend zu seht brauche. Es ist übrigens eine irrtümliche Aufnahme, wenn behauptet worden ist, die Frau Fürstin weile während bet Verhandlung im Sitzungssaale. Das wäre, da die Fürstin als Zeugin vernommen werden soll, natürlich prozessual un- zulässia. In Wirklichkeit hält sich die Fürstin im Vorzimmer zum Schwurgerichtssaale auf, wohin der Angeklagte zunächst stets gebracht wird, ehe er seinen Blatz vor dem Richlertische einnimmt. Selbstverständlich sind die Verbindungstüren zwischen diesem Vorzimmer und dem Schwurgerichtssaale ge­schlossen.

Der als Zeuge geladene Kunstmühlenbesitzer Grad (Starn­berg) ricktete an den Vorsitzenden die dringende Bitte, nun­mehr möglichst bald vernommen zu werden. Er weile nun schon volle neun Tage in Berlin, ohne vernommen zu wer­den. Durch die Abwesenheit von der Heimat, und da et keine ausreichende Vertretung habe, erleide er große geschäft­liche Verluste und da er nur über die in Starnberg m Um« lauf gewesenen Gerüchte aussagen solle und diese DuSsag« kaum mehr als fünf Minuten "in Anspruch nehmen roerbe, so bitte er dringend, recht bald nach Hause fahren zu dürfen. Seinem Gesuche soll stattgegeben werden. Für heute stand zunächst die weitere Vernehmung des Zeugen Riedel und bit Prüfung seiner Glaubwürdigkeit" zu erwarten. Es war je­doch an den Vorsitzenden ein Schreiben des Zeugen Jakob Ernst gelangt, in welchem dieser um baldige Vernehmung bat, da er bei seiner Herzkrankheit ein längeres Warten und die damit verbundene Aufregung nicht aushalten würde. Infolgedessen wurde zunächst der Zeuge Riedel noch nicht weiter vernommen, sondern Zeuge Ernst aufgerufen. Es wurde die Anordnung getroffen, daß Zeuge Riedel in d« Zwischenzeit keine Gelegenheit fände, mit anderen Personen zu sprechen.

So wurde dann also der Fischermeister Jakob Ernst am Starnberger See heute als erster Zeuge vernommen. Der Zeuge hat bekanntlich in München neben dem Zeugen Riedel die belastendsten Aussagen gegen den Fürsten zu Eulen­burg gemacht.

Wie wir hören, ist er in seiner heutigen Vernehmung bei seiner damaligen Schlußdarstellung geblieben. Er ist 44 Jahre alt, katholischer Religion und unbestraft. Er ist in seinem bayrischen Dialekt noch viel schwerer zu verstehen alS Riedel und mußte die verschiedensten Standorte im Saal« einnehmen, da bald vom Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel, bald von den Geschworenen erklärt wurde, daß sie den Zeugen nicht verstehen. Es soll, wie wir hören, Dr. HanS Fischer (Karlhorstl gewissermaßen als Dolmetsch der deutschen Sprache geladen werden, der die Aussagen dieses Zeugen ins Hochdeutsche übertragen soll. Während der Aussage des Ernst soll eS wiederholt zu hochdramatischen Szenen gekommen sein. Er wurde von dem Vorsitzenden in zu Herzen gehender, fast väterlicher Art ermahnt, "nichts als bte reine Wahrheit zu sagen. Er solle an seine Kinder und an seine kürzlich verstorbene Frau denken, er solle sich auch ver- gegenwärtigen, wieviel Wohltaten er von dem Fürsten ge­nossen. Aber er dürfe fick auch dadurch nicht beeinflussen lassen, sondern müsse nur die reine Wahrheit sagen. Gott lasse sich nicht spotten und der irdische Richter auch" nicht. Wenn er damals in München die Unwahrheit gesagt hab«, so soll» er eS beide sagen. Jakob Ernst, der einet sehr anfo