Hanauer K Anzeiger
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 154 Fernsprechanschlust Nr. 605.
Amtliches.
Stadtkreis F)anau* Bekantttmachuttg.
Arbeitsuchende in der Zeit vom 27. Juni bis 3. Juli 1908:
1 Ausläufer, 1 Dächdecker, 1 Fabrikarbeiter, 1 Fahrbursche, 1 Cisendreher, 1 Hausbursche, 1 Schuhmacher, 2 Tagelöhner.
Im Monat Juni erhielten Stellen zugewiesen: 6 Ackerknechte, 1 Dienstmädchen, 10 Feldarbeiter, 2 Fahrburschen, 1 Gartenarbeiter, 1 Gatterschnitter, 3 Hausburschen, 1 Küfer, 1 Kupferschmied, 1 Putzfrau, 6 Schlosser, 3 Schuhmacher, 13 Tagelöhner, 4 Viehfülterer.
Hanau den 4. Juli 1908.
Städtische ArbeitsvermittelungssteKe. 14121
Konkursverfahren.
Ueber das Vermögen des Bauunternehmers August Bonifer in Großauheim, Inhabers der Firma August Bonifer daselbst, ist heute am 2. Juli 1908, nachmittags 4 Uhr 56 Minuten, das Konkursverfahren eröffnet. Der Rechtsanwalt Osius in Hanan ist zum Konkursverwalter ernannt. Offener Arrest und Anzeigepflicht sowie Termin zur Anmeldung bis zum 2t. Juli 1908. Erste Gläubiger- versammlung am 23. Juli 1908, vormittags 9 Uhr. Prüfungstermin am 4. September 1908, vormittags 9 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht 5 hier, Marktplatz Mr. 18, Zimmer Nr. 5.
Hanau den 3. Juli 1908. 14075
Der Gerichtsschreiber des Kgl. Amtsgerichts 5.
Kreissparkasse zu Hanau.
Die Kreissparkasse verzinst Spareinlagen mit 3^/« °/o.
Die in den ersten drei Tagen eines Monats bewirkten Einlagen werden vom 1. des betr. Monats ab verzinst und Einlagebücher kostenfrei ausgestellt.
______________Der Vorstand.________323 Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 silbernes Halskettchen mit Anhänger, auf demselben 2 Kätzchen (auf dem Tennisplatz von Wörner).
Verloren: 1 Zehnmarkstück, 1 Portemonnaie mit etwas über 1 Mk., 1 silberne Damenuhr mit goldener Kette, 1 Schildpatt-Haarkamm, 1 silberne Herren-Zilinderuhr mit einfacher silberner Kette (in der Nähe des Westbahnhofs).
Zugeflogen: 2 Kanarienvögel, der eine mit Ring am Fuß mit den Zahlen 4, 7, 9, 8, 6.
Entlaufen: 1 schwarzer englischer Rehpinscher mit braunen Abzeichen.
Hanau den 4. Juli 1908.
Fürst Weilburg vor beii AsilMrem.
Berlin, 3 Juli.
Die Vernehmungen des heutigen fünften Verhandlungstages begannen wie gewöhnlich pünktlich um 11 Uhr. Das Befinden des Angeklagten Fürsten zu Eulenburg, der bisher sichtlich unter der tropischen Hitze des Gerichtssaales gelitten hatte, scheint heute bei der kühleren Witterung besser zu sein. Sein Aussehen ist etwas frischer, seine Haltung sicherer. Wie gestern, so werden auch heute sämtliche Zeugen in den Saal gerufen, um bald darauf zum größten Teile bis auf morgen wieder entlassen zu werden. Im Saale bleibt vorläufig nur Justizrat Bernstein, dessen Vernehmung fortgesetzt wird.
Unter der großen Zahl von Zeugen, die gestern von der Staatsanwaltschaft geladen worden sind, befindet sich u. a. Landgerichtsdirektor Lehmann und Landgerichtsrat Simonsohn von jener vierten Strafkammer, die den Moltke-Harden- Prozeß in zweiter Auflage geführt hat; ferner Sanitätsrat Dr. Speck (München). Dieser ist heute vormittag bereits eingetroffen. Er wird auf seinen Wunsch außer der Reihe, während die Vernehmung Dr. Bernsteins unterbrochen wird, als Sachverständiger gehört. Er soll über die Glaubwürdigkeit und den Geisteszustand einer der HauptbelastungSzeugen, nämlich der Frau Bauerreis, Auskunft geben. Diese war im Jahre 1884 im Hotel zur Post in Murnau (Oberbayern) Dienstmädchen und will während dieser Zeit dreimal gesehen haben, wie Fürst Eulenburg in Gemeinschaft mit einem Münchener Hofrat an einem jungen Kutscher Handlungen vorgenommen hat, die mit dem Wortlaut des EideS, den Fürst Eulenburg geschworen hat, in Trasseiem Widerspruch stehen. Frau BauerreiS will sich der einzelnen Vorgänge, ob-
Samstag den 4. Juli
wohl sie fast ein Vierteljahrhundert zurückliegen, noch genau entsinnen ; sic will damals ihre Beobachtungen dem inzwischen verstorbenen General Exzellenz von Horn mitgeteilt haben. Das Gutachten des Sanitätsrates Dr. Speck geht, wie wir hören, dahin, daß die Glaubwürdigkeit der Zeugin nicht über jeden Zweistl erhaben ist, da sich Bedenken mit Bezug auf ihre geistige Zurechnungsfähigkeit geltend gemacht haben. Der Sachverständige bezieht sich dabei auf das frühere Gutachten eines Bezirksarztes, dem zufolge Frau Bauerreis vor Jahren schon einmal wegen geistiger Minderwertigkeit entmündigt worden sei. Nach der Abgabe des Speck'schen Gutachtens wird Justizrat Dr. Bernstein als Zeuge weiter gehört. Seine Vernehmung zieht sich bis über die Mittagstunde hin.
Um 1'*2 Uhr wird das Verhör des Justizrats Bernstein abgebrochen und eine halbstündige Pause gemacht. Die Verhandlung hat den Fürsten derart angestrengt, daß er völlig ermattet in seinen Sessel zurückgesunken ist. Im Nebenraume, wohin man ihn während der Paule bringt, nimmt der Angeklagte in Gegenwart seiner Familienmitglieder etwas Erfrischung zu sich.
Um ’/i2 Uhr werden die Verhandlungen wieder ausgenommen. Justizrat Bernstein wird weiter verhört. Er ist derjenige Zeuge, der während des ganzen Prozesses an Gerichtsstelle verweilen wird, weil auf sein Zeugnis während fast aller Momente, die sich im Prozeß abspielen, Bezug genommen werden muß. Um ^sS Uhr beginnt die Vernehmung des Kriminalwachtmeisters Müller, der seit langen Jahren im Polizeipräsidium unter Herrn von Tresckow arbeitet. Wie verlautet, soll er über die Gerüchte Auskunft geben, die in bezug auf den Fürsten Eulenburg bei der Behörde eingelanfen sind. Es handelt sich hierbei um diejenige Affäre, bezüglich derer Kriminalkommissar von Tresckow im Molike-Harden-Prozeß keine Genehmigung zur Auslage vom Polizeipräsidenten erhalten hat. Diesmal scheint das Polizeipräsidium dem Ersuchen des Gerichtshofes willfahrt zu haben. Nach Beendigung seiner Vernehmung bittet Kriminalwachtmeister Müller den Vorsitzenden um Entlassung, da er morgen seinen Urlaub antrete. Darauf wird Oberlandesgerichtsrat Mayen (München) in den Saal gerufen. Er hat, wie noch erinnerlich sein dürfte, in jenem Prozesse gegen den Redakteur Stâdele präsidiert, der, wie bekannt, die Grundlage des heutigen Eulenburgprozesses bildet. Oberlandesgerichtsrat Mayer soll insbesondere darüber Auskunft geben, welchen Eindruck die Zeugen Ernst und Riedel bei ihrer Vernehmung gemacht haben und ob nach Ansicht des Zeugen den Aussagen von Ernst Riedel wahre Tatsachen zugrunde liegen Der Zeuge präzisiert seine Aussage dahin, daß sowohl Ernst wie Riedel den Eindruck voller Wahrhaftigkeit gemacht haben, und daß er keine Bedenken trage, ihren Worten zu glauben. Gegen !/s4 Uhr wird die Verhandlung vertagt. Der Angeklagte Fürst Eulenburg wird nach einer ^/sstündigen Spazierfahrt durch ben Tiergarten der Charilè wieder zu- geführt. (B. Lok.-A.)
Hus Hanau Stadt und Eand«
Hanau, 4. Juli.
* Hauptversammlung des Kantoren- und Organs st cnver eins in Gelnhausen (Steitzsaal) Montag den 6. Juli, vormittags 10 Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Vortrag von Choralvorspielen. Abends 7 Uhr: Geistliche Mustkaufführung, bei welcher hervorragende Kräfte ihr Bestes bieten werden. (Siehe Inserat.)
* Einmalige Zulage an Lehrer. An sämtliche Lehrer unseres Bezirkes ist laut Zeitungsnachrichten folgender Erlaß gerichtet: „Königs. Regierung, Abt. für Kirchen- und Schulsachen hat in Ausführung des Gesetzes vom 12. April d. Js. zufolge Verfügung vom 25. Mai Ihnen eine ein» malige Zulage von 150 Mark gezahlt, wovon ich Sie im Auftrage^der Königl. Regierung benachrichtige mit dem aus- rücklichen Hinweis, daß Sie nach obigem Gesetz verpflichtet sind, diesen erhaltenen Betrag an den dortigen Schulverband, für dessen Rechnung lediglich die Staatskaffe die Zahlung bewirkt hat, demnächst zurückzuzahlen, sobald die mit Rückwirkung für den 1. April 1908 in Aussicht genommene Abänderung des Lehrerbesoldungsgesetzes in Kraft getreten sein wird.
* Eine schädliche Liebhaberei kleiner Kinder ist das Lutschen von Roheis: Wo ein Eiswagen hält, um einen Metzger oder Wirt mit dem kühlenden Material zu versorgen, da stellen sich auch gleich die kleinen Straßen- bummier ein und jeder Brocken Eis, der aufs Pflaster fällt, wird von ihnen schleunigst zwischen die Zähne genommen. Da gibts denn hernach Leibweh, und die Eltern können sich nicht' erklären, warum dem Fritz oder der Lina heute das Mittagessen nicht schmeckt: die Kinder haben sich einen Magen
Fernsprechanschlutz Nr. 605,
1908
katarrh geholt. Man sollte dem kleinen Volke den Genuß von Roheis aufs allerstrengste verbieten.
* Landwirtschaftliches Fest. Die Vorarbeiten für das große landwirtschaftliche Fest in Hanau, das vom 3. Ml 7. September d. J. auf dem Exerzierplätze an der Lamboystraße abgehalten wird, sind lebhaft im Gange. Die Einzel» Ausschüsse haben fleißig gearbeitet und die Grundlinien fü« die Veranstaltung festgelegt. Daß neben ernster Arbeit auch dem Unterhaltungsbedürsnisse reichlich Rechnung getragen werden wird, darf wohl als selbstverständlich angesehen werden. Sänger und Turner werden beitragen, das Fest zu verherrlichen und am letzten Tage, einem Volksfeste, wird sich noch ein interessantes Schaustück vollziehen, ein Ochsenbraten. So glauben wir annehmen zu dürfen, daß das landwirtschaftliche Fest in Hanau sicherlich nicht hinter anderen Veranstaltungen zurückstehen wird. Der Verlosung S- Ausschuß hat den Vertrieb der Lose tatkräftig ausgenommen. Die Lose finden guten Absatz, da bekanntlich auch die Gewinnaussichten als günstig und die Gewinne selbst als begehrenswert zu bezeichnen sind. — Der Preß-Ausschuß wird eine Festschrift herausgeben, die einen Jnseraten-Anhang enthält und dadurch Gelegenheit bietet, Empfehlungen anzubringen, die für die kaufkräftige Bevölkerung unserer Main- und Kinzigkreise bestimmt find.
* Kraukeuträper-UebiMK. Am 30. Juni ist in Darmstadt eine Krankenträger-Kompanie zu einer vierzehn- tägigen Uebung zusammengetreten. Dazu stellen die neun Jufanterie-Regimeter deS Armeekorps je 20 bis 80 Unteroffiziere und Mannschaften, die in dem Mobilmachung-falle für diesen Dienst vorgesehen sind. Dem Major Frhr. Schenck zu Schweinsberg ist die militärische, dem General-Oberarzt Dr. Thiele, Divisionsarzt der 25. Division, die fachtechnische Le-tung der Uebung übertragen. Den Dienst alt Chefarzt versteht Oberstabs- und Regimentsarzt Dr. Schneider vom Garde-Drag oner-Regiment Nr. 23; ihm sind zur Unterstützung zwei Stabsärzte, 3 Oberärzte und 1 Assistenzarzt und von jeder Division 1 SanitätS-Vizefeldw ebel und 5 Sanitätsunteroffiziere beigegeben.
* Verwaltung und Verwahrung von Wert' papieren. Wir machen auf die heutige Bekanntmachung der Landeskreditkasse zu Cassel, betreffend die Verwaltung und Verwahrung von Wertpapieren besonders aufmerksam. Nähere Auskunft erteilt diehiesigeLandeS-Renterel (Römerstraße 7.)
* Sommerfest des Gesangvereins „Tonblüte". Wir verweisen an dieser Stelle nochmals auf das morgey Sonntag auf dem „Forsthause" stattfindenbe Sommerfest bei Gesangvereins „Tonblüte". Den Vorbereitungen nach zu urteilen, steht den Besuchern ein recht vergnügter Nachmittag bevor.
* Sommerfest. Auf den schön gelegenen Terrassen und anschließendem kleinen Sportplatz der „Schönen Aussicht" (Kaisers Bierkeller) feiert morgen Sonntag der Rah- fahrerklub „Adler"-Kesselstadt sein 10jährigeS Stiftungsfest. Der mit dem Feste verbundene Preiskorso bewegt fich nachmittags 3 Uhr, unter Vorantritt einer Musikkapelle, durch die Straßen Kesselstadti nach dem Festplatz. DaS Fest verspricht ein recht amüsantes zu werden, zumal da» Festkomitee eifrig bemüht ist für abwechslungsreiche Unterhaltung Sorg» zu tragen.
* Kaufmännischer Verein. Wir möchten nicht verfehlen, nochmals auf den morgen mittag stattfindenbe« Familienausflug hinzuweisen. Abfahrt 2 Uhr 27 Minuten nach Niederrodenbach über Buchberg nach Langenselbolh 'Rest. Gerhold), hierselbst gemütliches Zusammensein mit Tanz. Bei genügender Beteiligung Rückfahrt abend» 10 Uhr mittels Extrazug ab Kleinbahnhof Langenselbold. Mitglieder sowie deren Freunde sind höflichst eingeladen und wirb uw zahlreiche Beteiligung gebeten.
* Katholischer Arbeiterverein. Morgen ist gemeinsamer Familienausflug nach bet Lieb freuen Haide. Aufbruch 2.19 von Hanau - West, 2.25 von Hanau-Ost. An dem Wallfahrtsort beginnt nach 3 Uhr die Feier zu Ehren des 50jährigen Priesterjubiläum», bei der Herr Dechant Braun von hier die Festpredigt hält.
* Im „Deutschen Haus" findet heute abend ein großes Garten-Konzert des Salon-Orchesters „Apollo" statt, auf das wir ganz besonder» Hinweisen möchten, da ein genußreicher Abend zu erwarten ist. Bei ungünstiger Witterung findet das Konzert im Saale statt.
* Sommerfest. Der Klub „Amieitia" veranstaltet morgen nachmittag im schönen Garten de» Gasthaus^ zum Elefanten ein Sommerfest. An Unterhaltung für Groß und Klein wird kein Mangel sein.
* Von den Apotheken ist morgen nachmittag
2—9 Uhr bie Engel-Apotheke geöffnet.