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Hanauer K Anzeiger
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General-Anzeiger
MW Organ fit SW uni Landkreis Sana«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Amtliches.
Candkreis Ranau. Bekllmtmtzngen hes Königlichen LnnörktsllintZ.
Unter den Schweinen zu Langenselbold ist die Schweinestuche festgestellt worden.
Hanan den 24. Juni 1908.
Der Königliche Landrat.
V 4452 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Handelsregister.
Firma Friedrich Läger.
Unter dieser Firma betreibt in Hanau der in Hanau wohnhafte Fabrikant Friedrich Läger eine Silber- marenfabrik und Metalldruckerei als Einzelkaufmann. Hanau den 19. Juni 1908.
________Königliches Amtsgericht 5» 13797
Handelsregister.
Firma Heinrich Fix.
Unter dieser Firma betreibt in Wachenbuchen der in Wachenbuchen wohnhafte Diamantschleifereibesitzer Heinrich Fix ein Handelsgeschäft als Einzelkaufmann.
Hanau den 10. Juni 1908.
Königliches Amtsgericht 5. 13801
Firma Carl Heinemann.
Unter dieser Firma betreibt in Hanau der in Hanau wohnhafte Kaufmann Carl Heinemann ein Handelsgeschäft als Einzelkaufmann.
Hanau den 15. Juni 1908.
â Königliches Amtsgericht 5» 13799
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 silberner Teelöffel, 1 silbernes kleines Bröschchen (3 Glöckchen mit dem Buchstaben A. C. L. in Wilhelmsbad), 1 Portemonnaie mit 5 Mk. und Schlüssel (Festplatz des Kriegervereins am Wolfsgang), 1 schwarzseidener Damen-Sonnenschirm, 4 kleine Schlüssel an einem Röllchen.
Verloren: 1 rotbraunes Täschchen (Inhalt 1 weißes Taschentuch, 5 Schlüssel und 2 Schlinken), 1 goldene Namensbrosche (Lotty), 1 Milch-Lieferbuch.
Entlausen: 1 Bernhardiner-Hündin, gelb mit weißen Abzeichen, 11 Monate alt.
Hanau den 30. Juni 1908.
Politische Rundschau.
Die französische Deputiertenkammer verhandelte gestern in erster Lesung über eine Vorlage, Verträge zwischen dem Gouverneur von Algier und der Studiengesellschaft zu Uenza betr. die Konzession für eine Eisenbahn von Boene zum Dschebel-Uenze mit eventueller Verlängerung nach Budakra und Verträge über verschiedene Hafenanlagen im Hafen von Boene gutzuheißen. Zevaes (Soz.) mißbilligt in heftigen Ausdrücken den Plan, die Konzession für die Eisenbahn einem internationalen Syndikat zu übertragen, zu dem bekanntlich auch Krupp gehört. Der Redner fügte hinzu, dasselbe Syndikat habe die Bergwerks-Konzession im Departement Meurthe und Mosel erhalten. Er protestiere gegen die Zerstückelung von nationalen Gebieten durch internationale Finanzgesellschaften. Vaillant (Soz.) stellte den Antrag auf Vertagung der Debatte bis nach der Interpellation über die Bergwerks-Konzession. Berichterstatter Perrien betonte, daß der Patriotismus nichts zu befürchten habe. Es handle sich darum, 200 Kilometer Eisenbahnen zu bauen ohne Kosten für den Staat. .Der Bau werde von französischen Arbeitern ausgeführt werden. Die Leitung der Eisenbahn werde ausschließlich in französischen Händen liegen. Das Unter- nehmen werde zum Wohlstände Algeriens beitragen. (Beifall.) Etienne erklärte, das Projekt sei lange geprüft; er warf den Sozialisten vor, daß sie, zu deren Programm cs gehöre die Annäherung unter den Völkern zu fördern, sich über den internationalen Wettbewerb beunruhigten. Die französischen Interessen seien vollkommen gewahrt Jaurös erklärte: Das Parlament müsse über dieses Syndikat^aufgeklärt werden, das auch ein Bergwerk und die Häfen Marokkos ausbaute. Redner beantragte darauf Vertagung "der Beratung. Fmanzminister Caillaux gab die Er- kläruna ab, die Regierung habe dem Projekt einmütig zuge-
Dienstag den 30. Juni
stimmt; sie sei aber mit der Vertagung einverstanden, damit die Anhörung des Ministers der öffentlichen Arbeiten, Barthou, im Parlament ermöglicht werde. Der Antrag der Sozialisten wurde mit 448 Stimmen gegen 120 Stimmen angenommen. Das Haus nahm sodann mit 489 Stimmen gegen 62 Stimmen den Kredit von 400 000 Francs für die Nordlandsfahrt des Präsidenten Fallières an. Ein Ab- änderungsantrag Vaillant (Soz.), von der Summe 50 000 Francs zu streichen, um die Reise nach Rußland zu verhindern, wurde nach einer Erklärung Pichons abgelehnt; in dieser führte Pichon aus, das Bündnis mit Rußland bleibe die Grundlage der auswärtigen Politik Frankreichs und bedrohe niemand. (Beifall.)
Die Wirren in Persien. Aus Täbris, 29. Juni, wird gemeldet: Der russische Generalkonsul fuhr gestern in Begleitung seines Sekretärs, fernes Dragomans und dreißig Kosaken durch die Stadtteile, in denen die Kämpfe stattgefunden haben. Heute ist nicht geschossen worden. Die Einwohner der unruhigen Stadtbezirke hielten heute im Konsulate eine Versammlung ab, in der sie über Maßnahmen zur weiteren Beruhigung der Stadt berieten. — Laut einer Meldung aus Urmia ist dort und in der Umgegend Ruhe eingetreten.
Die Unruhen in Mexiko. Die Regierung wies die Bundesorgane in Texas zur strikten Durchführung der Reutralitätsgesetze an. Das Kriegsrecht ist im nördlichen Mexiko proklamiert worden. Mehrere Revolutionäre wurden standrechtlich erschossen. Nachrichten aus Texas besagen, daß die mexikanische Regierung zweifellos die Situation beherrsche, sofern nicht Soldaten zu den Revolutionären übergingen.
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Hochstapeleien.
Der dritte Lewandowski-Prozetz. (Nachdr. verb.) S. u. H. Berlin, 29. Juni.
(10. Tag.)
Aus der Samstagssitzung ist noch ein interessanter Zwischenfall nachzutragen. Der Gefängnisaufseher Heinrich erschien an Gerichtsstelle und machte Mitteilung, daß Frau Lewandowski versucht habe, eine Frau Hautmann, die sich in Untersuchungshaft befindet, zu einem Meineide zu verleiten. Frau Hautmann wurde sofort als Zeugin geladen und während Frau Lewandowski abgeführt war, machte die Zeugin folgende Angaben: Frau Lewandowski, mit der sie zusammen in einer Zelle im Untersuchungsgefängnis saß, habe sie veranlassen wollen, vor Gericht zu erscheinen und auszusagen, sie sei früher bei ihr als Plätterin tätig gewesen. Ueber die zu machende Aussage habe Frau Lewandowski ihr einen Zettel übergeben, den sie aber der Oberaufseherin . übergeben habe. In diesem Kassiber war eine ganz raffiniert abgefaßte Zeugenaussage niedergeschrieben, die Frau Hautmann vor Gericht abgeben sollte. Die Zeugin bekundete weiter, daß die Angeklagte Frau Lewandowski mit der als Zeugin bereits ver- nommenen Untersuchungsgefangenen Fräulein Reimers in mehreren Fällen beim Spaziergange im Gefängnishof Kassiber gewechselt habe. Die Reimers, nochmals eingehend vernommen, erklärte hierauf, daß sie ihre abgegebene Aussage nicht beschwören wolle. Sodann wurde noch eine zweite Untersuchungsgefangene.vorgeführt, die ebenfalls von Frau Lewandowski einen Zettel zugesteckt erhalten hat. Auf dem Zettel stand nur: 5000 Mark. Sie hat den Zettel zerrissen und weggeworfen. — Wie aus den Bemerkungen des Vorsitzenden hervorging, dürfte auf Grund dieser Manipulationen gegen Frau Lewandowski ein neues Verfahren wegen Verleitung zum Meineide eingeleitet werden. — Die heutige Sitzung fand wieder im großen Schwurgerichtssaale statt. Es wurde in der Zeugenvernehmung fortgefahren. — Ein Gerichtsvollzieher bekundete, daß er von Januar 1906 bis Juni 1907 40—50 Zwangsvollstreckungen bei der Familie Lewandowski vorgenommen habe. — Darauf wurde die Untersuchungsgefangene Frau Hautmann nochmals vernommen. Sie kommt weinend in den Gerichtssaal und erzählt, sie sei von den Beamten bedroht worden, weil sie ausgesagt, daß Kassiber weitergegeben worden sind, ohne daß die Beamten etwas davon gesehen haben. Sie will durchaus nicht mehr in das Gefängnis zurück, sondern will in ein anderes Gefängnis gebracht werden. Der Vorsitzende verspricht der Zeugin, daß er mit dem Gefängnisdirektor Rücksprache halten werde. Die Zeugin beruhigt sich dann und gibt an, daß etwa vier bis fünf Mal Kassiber von der Frau Lewaitdowski an andere weitergegebeu worden seien. — Frau Lewandowski gibt an, daß auf dem Zettel nur die Worte gestanden: Wenn etwas mächtiger ist als das Schicksal, io ist eS der Mut der ihn unerschütterlich trägt. Di» Zeugin u'l-r^ daß es ihr geschienen habe, als ob Frau
Feri»sprechanschlich Nr. 605. 1908
es!!!— ■"■ng^*""^-^^ III IIIIII— Lewandowski die Reimers gar nicht gekannt und daß Frl. Reiners wahrscheinlich gar nicht bei Frau Lewandowski in Stellung gewesen sei, daß also Frau Lewandowski sie »rst zu der falschen Aussage verleiten wollte. Dar Frl. ReinirS sollte zu der angeblichen Nichte einem Frl. v. W., die der Ehemann Lewandowski verkuppelt hatte, hingehen und ihr Vorhaltungen darüber machen, daß die Tante des Frl. v. W. sie, ins Zuchthaus gebracht, der liebe Gott würde sie dafür bestrafen. — R.-A. Coßmann (der an Stelle des R.-A. Dr. Halpert jetzt den Reichsgrafen verteidigt) bemerkt hierzu: Das ist wohl schon die Vorbereitung für ein Wiederaufnahmeverfahren. — Der Kaufmann Rosenthal hat dem Grafen für 1800 Mk. Anzüge geliefert. Dieser hat versprochen, sie zu bezahlen, denn er wolle in seinem Walde für 100 000 Mk. Holz schlagen lassen. — Nach einer Pause verkündete der Vorsitzende, daß der Gerichtshof zahlreiche Anträge der Verteidigung auf Ladung neuer Zeugen abgelehnt habe. Abgelehnt wurde auch der Antrag eines Lokaltermins im Frauengefängnis um fcstzustellen, wo Frau Lewandowski und Frl. Reiners durch die Heizröhren miteinander in Verkehr getreten sind. R.-A. Coßmann stellt fest, daß Frau Lewandowski das Geld, das für die in Umlauf gesetzten Wechsel einkam, eingezogen habe und daß der Graf immer leere Taschen hatte. — Der Vorsitzende teilt dann mit, daß der Mitinhaber, der Firma Berger u. Collani, Herr Kurth, schon seit mehreren Wochen verschwunden ist, sich aus Lehnitz bei Oranienburg gemeldet hat und als Zeuge jetzt erschein«: wolle. — Dann kamen verschiedene Automobilzeugen zu Wort, die von Frau Lewandowski veranlaßt worden sinh, dem Grafen ein Automobil zu liefern. Ein Automobil kostete 40 000 Mk. und wurde mit Wechseln von 50 000 Mk. bezahlt, wobei sich Frau Lewandowski poch 1000 Mk. herauS- zahlen ließ. Drei Stunden nach dem Kauf wurde das Automobil wieder versetzt. Ein anderes Mal kaufte der Gras selbst ein Automobil für 25 000 Mark, das dem Vorbesitzer nur 12 000 Mk. gekostet hatte. - Verschiedene Zeugen über die Wechselaffären des Grasen vernommen, erklären, daß sie die Wechsel nur deshalb genommen, weil ein Pastor und ein Reichsgraf unterschrieben hatte. Der Graf erzählte außerdem, daß er mit dem Kaiser und dem Kronprinzen im Automobil gefahren fei. — Der Graf erinnert sich all dieser Sachen nicht. Dann wird um 5 Uhr die Sitzung auf Dienstag 9 Uhr vertagt.
Der EulenSnrk-Piozeß.
Unber. Nachdr. verb. S. & H. Berlin, 29. Juni.
Der im In- und Auslande mit ungeheurer Spannung erwartete Eulenburg-Prozeß hat heute vormittag 11 Uhr im großen Schwurgerichtssaale des Landgericht? Berlin I seinen Anfang genommen. Fürst Philipp zu Eulenburg undHerte- feld, Graf v. Sandels, Herr zu Liebenberg, Wirklicher Ge- heimer Rat und Ritter des Schwarzen Adlerordens hat sich unter der schweren Anklage des Meineides und der Verleitung zum Meineide zu verantworten. Man muß weit zurückgreifen in der deutschen Prozeßgeschichte, ehe man auf ein forensisches Ereignis stößt, das die Gemüter annähernd so erregte, wie das Drama des seinerzeit einflußreichsten Mannes in Deutschland.
Die Vorgeschichte des Prozesses greift bekanntlich zurück bis auf die Artikel Maximilian Hardens in der „Zukunft", in denen halbversteckt angedeutet wurde, daß in der Umgebung des Kaisers Personen zu finden seien, die in ihrem Geschlechtsleben normwidrig veranlagt und dabei einen großen Einfluß auf die Persönlichkeit des Monarchen auS» übten. Zu diesem Kreise, der sogenannten „Liebenberger Tafelrunde" zählte Harden die inzwischen aus. dem Heere entfernten Grafen Hohenau und Lynar, den früheren Botschaftsrat Lecomte, den Berliner Stadtkommandanten Grafen Kuno von Moltke und den Grafen Philipp zu Eulenburg. Durch Vermittlung deS .Kronprinzen erhielt der Kaiser Kenntnis von den Artikeln in der „Zukunft" und die Folge war, daß die genannten Mitglieder der Hofgesellschaft in Ungnade fielen und ihrer Aemter verlustig gingen. Als einziger der Tafelrunde klagte gegen Harden Graf Kuno von Moltke. Die Verhandlung endete aber mit der Freisprechung HardenS. Nun nahm die Staatsanwaltschaft die Sache in die Hand und betrieb ein neues Verfahren vor der Strafkammer, daS mit der Verurteilung Hardens zu 4 Monaten Gefängnis endete. Dieses Urteil ist bekanntlich inzwischen vom Reichsgericht aufgehoben worden. Bei diesen beiden Prozessen war auch die Person des Fürsten Eulenburg vielfach in den Vordergrund getreten. Er hatte es aber abgelehnt, vor dem Schöffengericht zu erscheinen. Jedoch trat er in dem Prozeß, gegen den Schriftsteller Brandt wegen Bsteibi- gung des Reichskanzlers im November 1907 als Zeuge auf und erklärte unter seinem Eide, daß er sich in seinem Leben niemals strafbarer Handlungen in Bezug auf den § 175 hab« zu Schulden kommen lassen. Auch im zweiten Hardenprozeß gab er sein Zeugnis dahin ab, daß er niemals Schmutzereien getrieben habe. Dann kam der sensationelle