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Daimler W Anzeiger

Sio-tchGM 130 M ««Mich 60 Pfz., sät aufc »W Bbomâtm mit iw betwsseabett Postauffchlaß. tüt risylw Nummer testet 10 Pfz.

BeteMlbrutf und Verlag der Buchdruck-rei de» verein. W, WaisuchauseS Hanau.

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Amtliches VkW fit Mt- Mi FMKreis |mi.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Die staszespLlte«« Petitjeil« ebet betet Steint 90 U» im «eklameatell Me Seite 15 U^

Bettmheetil Redakteur: G. «chreüei kt (um.

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Fernsprechanfchltth Nr. 605.

Montag den 29. Juni

Fernsprechanschlutz Nr. 605

1908

*

Amtliches.

Bekanntmachung.

Auf Grund des § 105 e der Reichsgewerbeordnung be­stimme ich in Abänderung der Bekanntmachung vom 25. März 1895 Amtsblatt Seite 74 ff unter Ic Bäckerei- und Konditoreigewerbe" zu 2, daß in Zeile 2 dort das Wortzehn" inacht" verändert wird. Danach dürfen künftig in Konditoreien Arbeiter an allen Sonn- und Feiertagen nur während 8 Stunden, jedoch längstens bis mittags 12 Uhr beschäftigt werden.

Im übrigen behält cs bei den Bestimmungen unter 2 sein Bewenden.

Cassel den 9. Juni 1908.

Der Regierungs - Präsident.

I. V.: Schenk.

Eandkreis Hanau.

BekMtMchuWN des Million LMMM.

Nach Art. 7 IV Ziffer 3 Abs. 2 der Anweisung vom 5. März 1894 zur Veranlagung der Be- triebssteuer abgedruckt in der Extrabeilage zum Amts­blatt für 1894 Seite 98 haben die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher von allen zur Anmeldung kommenden vorübergehenden betriebssteuerpftichtigen Be­trieben dem Landrat Anzeige zu erstatten. Diese Anzeige hat auch Angaben über die Höhe der Betriebs­steuer, sowie darüber zu enthalten, ob die Steuer, wie .es angeordnet worden, von dem nachsuchenden Verein oder Gastwirt re. gleichzeitig bei der Erlaubnis- erteilnng entrichtet worden ist. Die Höhe der BL-, triebsteuer bestimmt sich nach § 60 des Gewerbesteuergesetzes bezw. Art. 3 der gedachten Anweisung und beträgt

für jeden von der Gewerbesteuer freigelassenen

Gewerbetreibenden . . . . 10 Mark für jeden in der Gewerbeklasse IV besteuerten

Gewerbetreibenden . . . . 15 Mark für jeden in der Klasse III besteuerten Ge­werbetreibenden .....25 Mark u. s. w.

Da im Laufe des Sommers öfters Festlichkeiten der Gesang- und Turnvereine, Waldfeste rc. veranstaltet werden, so bringe ich vorstehende Vorschrift den Herren Ortsvor­ständen und Gutsvorstehern in Erinnerung und erwarte deren pünktliche Beachtung.

Hanau den 17. Juni 1908.

Der Königliche Landrat.

St 2045 v. Beckerath.

Feuilleton.

Dorothea Grimm, die Mutter der Brüder Grimm.

(Zu ihrem hundertjährigen Geburtstag.)

Im Mai des Jahres 1808 lag in der Marktgasse Nr. 17 |tt Cassel eine nur wenig über 50 Jahre alte Frau auf dem Sterbebette. In der Todesnacht träumte sie, daß die Franzosen verlören Cassel war seit anderthalb Jahren französisch und die Hessen siegreich auf einer Wolke himmelan stiegen. So bewegte das Schicksal des Vaterlandes noch das Gemüt der sterbenden Frau. In tiefstem Schinerz umstanden sechs Kinder das Sterbebett derliebsten Mutter", der Witwe Dorothea Grimm; es waren ihre Söhne Jakob und Wilhelm, Karl, Ferdinand und Ludwig und ihre einzige Tochter, Lotte. Nur die zwei Aeltesten vermochten sich zu rrnähren, die übrigen waren noch unversorgt und das war der größte Kummer der Sterbenden. Doch Jakob und Wilhelin, die ihr ganzes Leben hindurch vereint blieben, gewährten in ihren, Hause den noch Unversorgten lange Jahre hindurch eine Freistatt.

Dorothea Grimm war auch in Cassel geboren und zwar am 20. November 1755 als Tochter des Sekretärs Johann Hermann Zimmer, der 1798 als hessischer Kanzleirat a. D. in Hanau gestorben ist. Hier in Hanau lernte st- den Advokaten Philipp Wilhelm Grimm kennen der 1.51 m Steinau geboren war. Nachdem er ^tctbneiictm in Hanau, d. h. Justizbeamter für das Amt Büchertal geworden war, verheiratete sich das Paar im Anfang deS Jahres l. 83. Im Frühjahr 1791 übersiedelte die ^amthe, mit fünf Söhnen, nach Steinau, wohin der Vater als Justizamtmann der Aemter Steinau und Schlüchtern versetzt worden war. Von da ab dauerte das schöne Glück der Familie nur noch W Jahr^ dann starb der «M

Durch die am 1. Januar d. Js. in Kraft getretenen Unfall-Verhütuugs-Vorschristen für landwirt­schaftliche Geräte ist u. a. ungeordnet, daß jede Sense auf dem Wege von und zur Arbeit entweder mit einer die Schneide und Spitze vollständig verdeckenden Scheide von Blech, Leder oder Holz versehen sein oder in der ganzen Länge der Schneide umwickelt oder mit abgeschlagener, an den Stiel sestgewundencr Schneide getragen werden muß. Auch ist untersagt, abgeschlagene Sensenklingen in Viehställen oder anderen Wirtschaftsgebäuden unbeweglich zu befestigen, um an den Klingen Stroh zu schneiden.

Sicheln müssen bei der Beförderung von und zur Ar­beitsstätte mit der Spitze nach unten getragen werden. Werden sie auf Wagen mitgeführt, so müssen sie mit der Spitze nach unten fcstgesteckt werden,

Heu- und Mistgabeln müssen mit nach unten ge­richteter Spitze, Aexte, Beile und Hacken mit nach unten gerichteter Schneide festgelegt werden, wenn sie auf beladenen Wagen befördert werden.

Etwaige Belehrung hierüber können auf den Bürger­meister-Aemtern, woselbst ein Exemplar der Unfall-Verhütungs- Vorschriften ausliegt, oder im Bureau der landwirtschaftlichen Unfallversicherung Kreishans eingeholt werden.

Es wird dieses mit dem Bemerken zur öffentlichen Kennt­nis gebracht, daß bei Zuwiderhandlungen gegen die obigen Bestimmungen sowohl gegen die Betriebsunternehmer als auch die Versicherten hohe Strafen festgesetzt werden.

Hanan den 26. Mai 1908.

Der Vorsitzende des Sektionsvorstandes Hanau-Land

der Hessen-Nassauischen landw. Berufsgenossenschaft.

U 1341 v. Beckerath.

Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises, in deren Gemeinden und Gutsbezirken Zu- und Abgänge an Einkommen- und Ergänzungssteuer vom 1. April d. J. ab bis jetzt vorgekommen und die noch im Rückstände mit der Einreichung der vorgeschriebenen Auszüge aus den Kontrollen sind, fordere ich aus, das Versäumte alsbald nachzuholen.

Hanau den 25. Juni 1908.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau.

St 2117 J. V.: Siemo n, Reg.-Assessor.

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.

Für die projektierte Pumpstation an der Gipsmühle werden zur Vergebung ausgeschrieben:

Für die Kinder war die Steinauer Zeit, die noch 6i§ 1805 währte, die schönste ihres Lebens. Als vierzigjähriger besuchte im Jahre 1826 Wilhelm Grimm das stille Oertchen im lieblichen Kinzigtal, das er seit 20 Jahren nicht mehr betreten hatte. Wie prächtig schildert er dies in einem Briefe, aus dem ich mir nicht versagen kann, folgende Stelle hier mitzuteilen:

Die letzte vergnügte Zeit dieses Jahres", so schreibt Wilhelm, habe ich in Steinau verlebt, wo ich im Spätsommer, eines Ge­schäftes wegen, mich 14 Tage aufhalten mußte. Wir haben dort großenteils unsere Kindheit zugebracht, und unsere Freude an der Natur mag wohl durch die schöne Gegend geweckt sein. Seit zwanzig Jahren war ich nicht dort gewesen, Du hast so etwas schwerlich er­lebt, aber wie mir zu Mute war, als ich den Bergen und Tälern, den Bäumen, Bächen, wovon ich vieles vergessen hatte, und wovon mir eins nach dem andern, so wie ich nur ein Stückchen erblickte, wieder einfiel das ist nicht zu beschreiben. Es war um Mittagzeit, die Sonne schien rein über die Häuser, ein dünner Rauch stieg aus den Schornsteinen, und ich dachte, ich führe heim zu meiner Mutter, könnte vor ihrem Haus halten und hinauf zu ihr steigen, die feine, von manchen Sorgen gebückte Frm! mit dem liebreichen und blassen Gesicht würde midi oben empfangen und den Tisch für mich gedeckt haben. Mein erster Gang war in unsern ehemaligen, zienilich großen Garten, durch eine Lücke in der Hecke gelangte ich hinein, ich erkannte alle Bäume, selbst die Spuren eines von uns in die Erde gegrab enen mistbeetähnlichen Blumengärtchens fand ich wieder. Der steinerne Tisch in der Laube war umgestttrzt und die hölzerne Bank unter einem Lindendach mit der Aussicht ins Freie, welche die Mutter hatte anlegen lassen, verschwunden. Ich habe sie da in völliger Einsamkeit mit den reinsten Tränen beweint, es war mir gerade so, als lebte sie, und ich sghe sie in dem weißen Musselin-Mantel, den sie damals trug, auf dem krummen Pfad über die Wiese in den Garten zu uns kommen. Wir liefen ihr alle entgegen, küßten sie, und sie saß im Sommer jeden Nachmittag mit ihrer Arbeit auf dem Platz. Die Glocken in der Stadt schlugen die Stunde mit dein alten Ton an, und gegenüber lag der ziemlich hohe mit Fichten bewachsene Wald, der mir immer geheimnisreich vorkam. Ich kam mir wie ein Gestorbener vor oder wie ein Geist, der wieder auf die Erde nach dem gewohnten Platz zurückgekehrt ist, und in diesem Gefühl erregte nur meine eigene Körper­lichkeit, daß ich mich und meine Schritte sehen konnte, eine Art Grausen. Jeden Tag machte ich einen Gang nach einer anderen Gegend, alles fiel mir wieder ein, selbst der Weg, den ich mit dem Vater, der nun dreißig Jahre tot ist, am Nachmittag vor der Nacht, in ter er krank wurde, machte; er zog miâ einen Rai«. der mir zu

1. die betriebsfertige Lieferung eines Laufkran s von 5000 kg Tragfähigkeit bei 13,0 m freier Linge und 8,0 m Hubhöhe einschl. 20,0 m Laufbahn und

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_ Die Lieferungsbedingungen sind im Sielbaubureau Hanau- Kesselstadt, Hauptstraße 4, in den Dienststunden aufgelegt und werden zum Preise von 1 Mk. pro Los an Interessenten abgegeben.

Die Angebote sind verschlossen und mit vorgeschriebenet Aufschrift versehen spätestens zum 15. Juli, Vorm. 11 Uhr, an uns einzusenden. Die Eröffnung der Angebote erfolgt am 15. Juli, vorm. II1/» Uhr, in Gegenwart etwa erschienener Anbieter im Zimmer Nr. 1 des Rathauses.

Hanan den 25. Juni 1908.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 13671

politische Rundfdtau«

Während der Fahrt der See-Deputation der Stadt Nürnberg auf dem gleichnamigen Kreuzer wurde an den Kaiser ein Funkentelegramm gesandt. Der Kaiser er- widerte auf gleichem Wege folgendes: Herrn Oberbürger­meister Dr. v. Schuh, KreuzerNürnberg". Ich danke Ihnen und den Vertretern der Stadt Nürnberg herzlich für Ihre patriotischen Grüße von hoher See. Es war mir eine große Freude, das stolze SchiffNürnberg" heute in voller Fahrt zu sehen. Möchte dasselbe sich im Dienste deS Vater­landes bewähren. Wilhelm I. B.

Schulter an Schulter". In derNowoje Wremja" warnt ^eutc. Menschikow unter der UeberschriftSchulter an TSchWW^rtndrülglich vor einem bcutsch-cussischen Konflikt; er tritt scharf für eine Befestigung der deutsch-russischen Be­ziehungen ein. Die englische Einkreisungspolitik müsse not­wendig den Weltkrieg herbeiführen, wobei außer den Drei- bundmächten auch Schweden, Rumänien und die Türkei aus Deutschlands Seite stehen. Das französisch-russische Bündnis stehe nur auf dem Papier; der in Frankreich herrschende Radikalismus hasse die russische Regierung, daher werde Rußland bei einem englisch-deutschen Konflikt allein die Zech« bezahlen müssen. Nur die radikalen Parteien Rußlands, sowie die Polen hätten ein Interesse an der Herbeiführung eines deutsch-russischen Krieges.

Die Krise in Persien. Aus Teheran wird gemeldet: In dem vom Schah veröffentlichten Reskript bestätigt dieser die Konstitution und berauint die Neuwahlen zu den Medschlis nach drei Monaten an. Alle Teilnehmer der letzten Bewegung mit Ausnahme der Hauptagitatoren und Verschwörer, werden amnestiert. Der frühere Präsident der Medschlis, Mnntas ed Dauleh, ist in die französische Gesandtschaft ge-

hoch war, herauf und ich empfand noch seine sanfte und warme Hand die die meinige faßte. In dieser Wehmut lag doch eine Lust, die ich mit nichts in der Welt vergleichen kann, und die ich nur der Einsam- keit, in der ich nach immer befand, denn ich ließ niemand mit mh gehen, verdankte. Auf den Kirchhof, wo Großvater, Vater und der jüngste Bruder namens Eduard liegen, konnte ich nicht, da das Tor verschlossen war und ich niemand zum Begleiter wollte: endlich fand ich in einem nebenliegenden Garten einen Platz, wo die Kirchhofs­maner etwas eingefallen war, und ich mit Hilfe eines Baumes empor­steigen konnte. Ich sprang hinter einem großen weißen Leichenstein hinab, es war gerade der meines Großvaters. Ich las die Inschrift, vierzig Jahre, solang als mein ganzes Leben bisher gedauert hat, ist er dort Pfarrer gewesen und vor etwa hundert Jahren von Hanau dorthin gekommen. Soweit gewisse Nachrichten gehen,, stammt meine Familie aus Bergen, wo gegen 1593 ein Grimm, ich glaube IöHanneI, 3^tttgtof tour, von bei an haben nur bett S^annnoaum vollständig ... , ~ ,

Wilhelm schildert dann noch, wie er die Stadtkrrche za Steinau besuchte, sich dort einschloß, die Grabsteine seiner Vorfahren aufsuchte und alten Erinnerungen nachhing. DaS stille Städichen Steinau hat auch für den Hanauer manch Anziehendes. Das alte Schloß der Grafen von Hanau ist recht interessant, ebenso das Rathaus und der Amtshof;. die Gegend ist lieblich und auf der Veranda von HalbreiterS Gasthof sitzt es sich gar angenehm, wenn die Sonne unter­geht und in der Ferne die Ruine der Burg Brandenstein erleuchtet" wird.

Wie nun die Witwe noch zehn Jahre nach dem Tode ihres Mannes in Steinau verblieb, sich der Erziehung ihrer Kinder widmete, dann nach Cassel übersiedelte; wie die Döhn«

heranwachseu, studieren und schon früh erkennen lassen, daß sie im Reiche des Geistes hervorragend werden, das schildert alles Prof. A. Stoll in Cassel in einer soeben erschienenen Broschüre*), welche gelegentlich des 100jährigen Todestage-

*1Dorothea Grimm, die Mutter der Brüder Grimm. Zu ihrem Andenken an ihrem hundertjährigen Todestag 1808 27. Mai 1908. Mit vier Abbildungen. Von Adolf Stoll, Proftssor am Kgl. Friedrichs-Gymnasium zu Cassel. Preis 50 Pfg. Erlös für WohItätigkeitSzweckc. Cassel 1908. Kommissionsverlag von Gebrüder Wdit, Kgl. LoMchdâ" »> HM m Oh»».