Leite 2
Gamstag
27. Juni
China hat der französischen Forderung beir. die Ent- schädigung der Familien der von Aufständischen erschossenen Solbaten und Offiziere nachgegeben, dagegen die Erwägung ocr anderen Forderungen abgelehnt.
Deutscher Aerztetag in Danzig. In der gestrigen Eröffnungssitzung widmete Geheimrat Löbker (Bochum) dem verstorbenen Geheimrat Becher (Berlin), dem Vorsitzenden der Aerztekammer Berlin-Brandenburg, einen Nachruf. Dann besprach Geheimrat Löbker die Krankenkassenfrage. Mit Recht, sagte der Redner, hat man jetzt anerkannt, daß das Krauken- kassengesetz so tief in die Interessen der Aerzte eingreift, daß sie verlangen können, gehört zu werden. Der nie gewollte Kampf mit den Krankenkassenvorständen ist fast überall zugunsten der Aerzte entschieden. Wir erkennen an, daß der Kampf vielfach Mißstimmung hervorgerufen hat, wir haben aber das Bewußtsein, in Laygmut und Geduld bis zur Grenze des Möglichen gegangen und den Krankenkassen entgegengekommen zu sein, soweit es nur ging (lebhaftes Sehr richtig I). Im vorigen Jahre sind zum ersten Male dem Reichskanzler unsere Wünsche mitgeteilt worden. Auf seine Veranlassung ist am 11. und 12. d. M. im Reichsamt des Innern eine Konferenz zusammengeireten, die die zukünftige Gestaltung des Verhältnisses zwischen Krankenkassen und Aerzten eingehend besprochen hat. Vertreter aller Anschauungen sind zu Worte gekommen, so daß der Zweck der Konferenz, die Information der Königlichen Staatsregierung, unzweifelhaft erreicht worden ist. Das eine steht fest, die Zeiten, wo die Aerzte weder als Sachverständige noch als interessiert bei der Krankenversicherungsgesetzgebung betrachtet wurden, sind vorüber (Beifall). Wir wollen eine friedliche Regelung der Verhältnisse zwischen Krankenkassen und Aerzten, deren Selbstverwaltung wir in keiner Weise antasten' wollen Zustimmung). Ein Teil unserer Forderungen und Wünsche darf freilich nicht auf Erfüllung rechnen. Namentlich der auf gesetzliche Einführung der organisierten freien Arztwahl. Wir haben daher keine Veranlassung, auf die Selbsthilfe zu verzichten (Zustimmung). Der Redner behandelt sodann die Streitigkeiten zwischen den Krankenkassen und den Aerzten in Köln. Es sei beschämend, daß sich einige Dutzend Aerzte gesunden haben, die mit der dortigen Kasse langfristische Verträge abgeschlossen haben. (Lebhafte Pfuirufe). — Geheimer Sanitätsrat Aschenhorn (Berlin) begrüßte den Aerztetag namens des preußischen Kultusministers. Es sei der aufrichtige Wunsch des Ministers, daß die berechtigten Wünsche der Aerzte bei der Neuregelung des gesamten Versicherungswesens tunlichst berücksichtigt werden. (Lebhafter Beifall.) Es sprachen dann noch Medizinalrat Sorma für den Regierungspräsidenten, Rektor Krohne für die Technische Hochschule und Stadtrat Trog für die Stadt Danzig. Darauf hielt Dr. Stephan (Mannheim) einen Vortrag über die Unterweisung der Schuljugend in der Gesundheitspflege. — In der Debatte nimmt die Frage, ob in der Schule sexuelle Aufklärung zu erteilen sei, den breitesten Raum ein. Schließlich wird folgender Antrag angenonnnm ^'.kDek^lrMkOg^M^ SeMiHeffen?" die Frage'" der Mitwirkung der Schule bei der sexuellen Aufklärung ist noch nicht spruchreif."
Hus Hab und fern. Hessischer Städtetag.
Dreihimdertjahrfeier der Stadt Wanfried a. W.
§§ Wanfried, 25. Juni. In ein stolzes und schmuckes Festkleid hatte das liebliche Werrastädtchen sich aus Anlaß seiner Dreihundertjahrfeier geworfen; ein bunter Fahnenflor zierte fast jedes einzelne Haus, Girlanden umrankten gar freundlich die Fassad'en, Transparente zeigten an, daß Bürgerschaft und Behörde wetteiferten, um das Gedenken an die Erhebung Wanfrieds zur Stadt festlich zu begehen. Das kleine, jetzt etwa 2500 Einwohner zählende Stäbchen, etwas fernab vom Weltgetriebe belegen, glich einem friedlichen, dabei aufstrebenden und sich neu reckenden Orte, als die goldene Abendsonne seine neue Vorstadt beschien, es zeigte sich als Werraperle, still in einem Kranze von Eichen, Buchen und Tannen verborgen. Aus allen Städten Kurhessens und des Fürstentums Waldeck und Pyrmont waren Vertreter herbei- geeilt, um heute als Präludium des Städtetages an der Dreihundertjahrfeier der Perle des Werratales, Wanfried, teilzunehmen. Lehrer Wilhelm Pippard - Wanfried hatte ein dreiaktiges Festspiel zur Stadterhebung Wanfrieds geschrieben, das heute abend vor geladenen Gästen zum ersten Male zur Aufführung kam. In bilderreicher, zu Herzen gehender Weise sind hier die Schicksale der Stadt Wanfried; vor allem sind Sie manigfachen Drangsale des kleinen Oertchens plastisch und lebenswahr geschildert, die ihm durch eine wohl- organisierte Räuberbande unter Leitung des „schönen Wilms" bereitet worden sind. Auch nach Wanfried kam der kühne Räuberhauptmann und war hier der Schrecken der Guts- Herrn, der Handelsschaft und Schiffer. Der 1. Jäger der Schützengilde hatte alles darangesetzt, um des frechen Räuber- hauptmanns habhaft zu werden, winkte ihm doch als Lohn eine süße und reizvolle Maid als Braut. Andere malerische Bilder ziehen auf; wir sehen die Gilden, die Fischer, Jäger, Schiffer, Schnitter und Schnitterinnen, sie schildern ihren mühseligen und schweren Beruf, freuen sich der reichen Ernte und des FangeS der Räuberbande und beschließen ein „Erntedankfest" abzuhalten. Die einzelnen Gilden, Elfen und Heinzelmännchen, führen nach Darbringung ihrer Grüße an den Bürgermajor allerliebste Reigen auf, mitten in dieses Fest kommt unerwartet Landgraf Moritzvon Hessen. Er nimmt die Huldigungen der Bürgerschaft und Gilden entgegen, freut sich ob der Meldung, daß die Bande deS RäuberhauptmannS Wilm, die ihm vielen Kummer bereitet durch ihre Plünderungen, endlich unschädlich gemacht ist und hält über die Räuber Gericht, die zum Tode am Galgen verurteilt werden. Der 1. Jäger der Schützengilde wird weaen seiner Verdienste bei Erareifuna des „schönen Wilm"
zum Leibjäger des Landgrafen ernannt, seine Braut empfängt der Landgraf huldvollst und weist dem jurtgen Paar eine Wohnung in seinem nenerbauten Lustschlosse an. Dann gibt er zum Zeichen seiner Huld und seines Dankes der Bürgerschaft durch den Bürgermeister bekannt, daß er Wanfried zur Stadt erhoben habe, weil seine Einwohner gar viel für ihn getan hatten, und nicht zuletzt bei Gefangen- nahme der Räuber viel Mannesmut gezeigt hätten. Im Wappen Wanfrieds soll der Eisenritter ständig geführt werden; bann verspricht der Landgraf noch, daß er jeden Stand schützen will, daß er für die Schiffahrt noch ganz besonders eintreten will. Dann nimmt er mit dem Volk am Erntedankfest teil, dieses Fest — und damit auch das Festspiel — schließt mit einem glänzenden Umzüge . . . In hübschen Bildern hat Lehrer Wilhelm Pippart versucht, die markigen Striche der Geschichte Wanfrieds in diesem einfachen Festspiel „Heil, Wanfried, heil" zu zeichnen ; man darf sagen, daß ihm dies gelungen ist, ohne der szenischen Darstellung irgendwie Abbruch zu tun. Im Gegenteil boten die einzelnen Aufzüge ganz wunderhübsche Bilder, die farbenprächtigen Kostüme jener Zeit waren getreulich kopiert, jeder der Mitwirkenden ging ganz in seiner Rolle auf und so haben sie denn alle Teil an dem guten Gelingen des Festspiels. Reicher Beifall lohnte den Autor und die Darsteller. Möge denn Klio, die Göttin der Geschichte, recht behalten mit ihrem Segenswunsche:
Heil, Wanfried! Heil, Wanfried, du lieblicher Ort! Es wachse und blühe dein Schimmer Des Glückes und Segens urewig fort!
Heil, Wanfried 1 Heil, Wanfried für immer !
II.
§§ Wanfried, 26. Juni. Die Verhandlungen des 12. Hessischen Städtetages wurden heute vormittag halb 10 Uhr durch den stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Oberbürgermeister Dr. Eugen G e b e s ch u s - Hanau, mit herzlichen Worten derBegrüßung im festlich geschmückten großen Stadt- parksaale eröffnet. Der erste Vorsitzende, Herr Oberbürgermeister Müller- Cassel, war infolge eines Zusammen- iommens rheinisch-westfälischer Oberbürgermeister in Cassel an der Teilnahme an den Verhandlungen des Städtetages verhindert. Die diesmalige Tagung des Hessischen Städtetages erfreut sich äußerst zahlreichen Besuches; gegen 120 Teilnehmer aus allen Gauen Kurhessens und Wnldecken- Pyrmonis hatten sich in der schmucken Wcrrastadt eingefunden und folgten mit gespannter Aufmerksamkeit dem interessanten Gange der Verhandlungen. Oberbürgermeister Dr. Eugen Gebeschus eröffnete die Tagung, indem er auf den Zweck der Städtetage binwies. Einmal soll die Tagung erstrebt werden, daß sich zwischen den einzelnenBürgermeistern bessere und engere Beziehungen herausbilden, daß auf diese Weise dringende und wichtige Fragen der Kommunal-Verwaltung besprochen und geklärt werden können, und daß zum andern auch Rat und Hilfe chenVerwaitungsbeamten durch erfahrene MÄMMhMMr ME Min^M^M^Mtmnlm und Extraordinarium der Stadtverwaltungen kritischen Blickes betrachte, dann müsse man sagen, daß der V o r w u r f einer gewissen Leichtfertigkeit im Schulde n m a ch e n, der den S t ä d t e n gemacht werde, erklär- l i ch werde, seien doch die von den Städten ausgegebenen Schuldverschreibungen bereits auf über eine halbe Milliarde Mark gestiegen, bis April d. Js. soll diese Summe um weitere 90 Millionen Mark gestiegen sein. Solche Summen machen den Vorwurf einer Leichtfertigkeit erklärlich, dennoch sei er unrichtig, denn die Aufgaben der Städte steigen nicht allein durch die Ansprüche der Bürgerschaft, sondern rn erheblicher Weise auch durch die Maßnahmen und Wünsche der Aufsichtsbehörde. Gerade für Stadtverwaltungen gelte das Sprichwort: Rast ich, so rost ich! Wenn die Parole der Städte: „Vorwärts" laute, so könne es nicht wunder nehmen, wenn die Schuldenlasten größere und mitunter unangenehme werden. Er fei in der angenehmen Lage, mit Genugtuung feststellen zu können, daß die deutschen Städte die 38jährige Friedenszeit in angestrengtester Arbeit genützt haben; er gab der Hoffnung Ausdruck, daß noch lange Zeit hindurch der Frieden dem erwerbstätigen Bürgertum in Stadt und Land gewahrt bleiben möge und schloß mit einem Kaiserhoch. Oberbürgermeister Dr. Gebeschus gedachte des vor 100 Jahren ins Leben gerufenen Rheinbundes und hob die geschichtliche Reminiszenz besonders um deswillen hervor, weil die rheinisch-westfälischen Städte nunmehr auch wieder einen "Rheinbund geschlossen, der allerdings als „B u n d r h e i n i s ch e r S t ä d ! e" andere Aufgaben zu lösen hätte. Dieser Bund rheinischer Städte hält in diesen Tagen seinen Verbandstag in Cassel ab und deshalb könnte der erste Vorsitzende des Hessischen Städtetages, Herr Oberbürgermeister Müller-Cassel heute hier nicht präsidieren. Er bedauerte dies lebhaft und regte an, Herrn Oberbürgermeister Müller eine Begrüßungs- d c p e s ch e zu senden, was geschieht. Redner begrüßte sodann den Vertreter des Herrn Regierungspräsidenten, Ober- regierungsrat von Schenck zu Schweinsberg aus Cassel, ferner die beiden Fachreferenten des Herrn Regierungspräsidenten, die Herren Regierungsräte Roetger und Goldschmidt aus Cassel, ferner Herrn Landrat Kammerherrn von K e u d e l l - Eschwege, die beiden Delegierten des nassauischen Städtetages, die er herzlich willkommen hieß. Er gedachte sodann des Todes des Herrn Bürgermeisters Meister in Waldkappel, eines trefflichen und fleißigen Mitgliedes, dessen Gedächtnis die Versammlung in üblicher Weise ehrte. Bürgermeister Keßler- Wansried entbot den Willkommensgruß Wanfrieds und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Darbietungen des hiesigen Ortsausschusses unter Leitung des H«rrn Kammerhe rrn v. Scharfenberg-Kalkhof allgemeinste Befriediguug auslösen möge. Der Vertreter des nassauischen Städtetages gab der Hoffnung Ausdruck, daß cs gelingen möge, einen gemeinsamen hessisch-nassauischen Städte tag ab- zuhalten. Der nassauische Städtetag habe dazu bereits
Biebrich am Rhein auserfehen und er würde sich freuen, hier die Kollegen aus Kurheffen und Waldeck-Pyrmont recht zahlreich im nächsten Jahr begrüßen zu können. (Beifall.) Herr Oberbürgermeister Dr. Gebeschus-Hanau gab seiner Freude Ausdruck, daß eine solche Einladung ergangen sei, er selbst sei Nassauer, habe einige Zeit in nassauischen Verwaltungen gearbeitet und könne sagen, daß viele Beziehungen zwischen Nassau nnd Kurhessen bestehen, die einen gemeinsamen hessisch-nassauischen Städtetag geradezu gebieterisch fordern. Herr Oberregierungsrat von Schenck zu Schweinsberg überbrachte kurz die Grüße des Herrn Regierungspräsidenten und wünschte den Verhandlungen besten Verlauf.
Man trat nunmehr den einzelnen Punkten der Tagesordnung näher. Herr Stadtrat Boedicker - Cassel erstattete den Geschäftsbericht. Im Laufe des Geschäftsjahres ist die Stadt Ziegenhain dem Verbände der hessischen und waldeckischen Städte zugetreten; es gehören nunmehr 54 hessische und 4 waldeckische Städte dem Hessischen Städtetage an. Mit der Ablösung der Beamtenprivilegien hatt« sich der Hessische Städtetag wiederholt beschäftigt und beantragt, daß sich ein allgemeiner Preußischer Städtetag mit dieser für jede Kommune so wichtigen Angelegenheit eingehend beschäftige. Die Staatsregierung bestrebt sich indes bereit» selbst, diese Ablösung mit der Neuregelung der Beamtengehälter vorzunehmen; natürlich soll jede Härte nermieben werden, aber die Städte werden doch in der Lage sein, bie Beamten bis zu lOO°/o zu den Gemeindeabgaben zu veranlagen. Herr Bürgermeister Strauß- Hersfeld erstattete den Kassenbericht. Die Einnahmen betrugen 1420.44 Mk., die Ausgaben 1087.40 Mk. Die ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes, die Herren Oberbürgermeister T r o j e- Marburg, Bürgermeister Vocke- Eschwege und Stadtrat Boedicker- Cassel wurden durch Zuruf wiedergewahlt. Herr Bürgermeister Roesler- Schmalkalden, Oberbürger- meister a. D., hielt sodann einen sehr instruktiven Vortrag über das Gesetz vom 15. Juli 1907 gegen die Verunstaltung von Ortschaften und landschaftlich hervorragenden Gegenden und Vornahme von örtlichen Verschönerungen in mittleren und kleineren Städten. Redner hob hervor, daß dieses Gesetz für jede Stadt den Vorteil habe, daß es ihr die Handhabe gibt, charakterische Bauten durch unschöne Nebenbauten nicht herabsetzen zu lassen, daß ferner Straßenzüge durch nicht in dem Bau- oder Fassadenstil entworfene Bauten nicht entstellt würden, denn diese Bauten brauchen nicht genehmigt zu werden. Ferner ist gegen verschiedene Ausartungen der Reklametätigkeit eine Handhabe geboten und endlich sollen Prachtstraßen einen einheitlichen Charakter erhalten können. Redner gab den Rat, nicht bei Handhabung dieses Gesetzes kleinlich zu sein und vor allem zu vermeiden, etwa die Bauherrn hinsichtlich der Stilwahl oder Bauaus- sührung terrorisieren zu wollen. Ohne Zweifel sei es wertvoll, wenn mit Maß und Ziel das Gesetz ortsstatutarisch ausgenützt werde. Regierungsrat Goldschmidt - Cassel, Baudezernent des 'Herrn Re Fernst gHräsid enteil) 'yoo hervor,' daß der Schwerpunkt des neuen Gesetzes darin liege, daß jetzt nicht mehr die Baupolizei, sondern die Stadtverwaltungen das Aufsichtsrecht darüber haben, ob im Stile oder der Charakteristik der Stadt entsprechend bei Neu- oder Erweiterungsbauten vorgegangen werde. Herr Bürgermeister Strauß- Hersfeld gedachte des geschichtlichen und landschaftlichen Wertes der alten kurhessischen Holzbauten, die nach dem Wortlaut und Sinne des Gesetzes überall erhalten werden könnten. Und das sei sehr wertvoll. Besonders wertvoll sei der § 4 des Gesetzes für solche Städte wie Hersfeld, wo neben dem industriellen Charakter sich ein Badeleben geltend zu machen beginnt. Da sei es wertvoll, mit Hilfe eines solchen Gesetzes zu sagen: hier darf nur im Stile eines Badestadtviertels gebaut werden. Man brauche indes nicht kleinlich zu sein mit der Umgrenzung des Stile und des Charakters der Bauten eines Straßenviertels, jedenfalls sei es wichtig, daß der Magistrat es selbst in der Hand behalte, was er zulassen will und nicht, sich keiner Kommission auf Gnade und Ungnade ergebe. Im übrigen könne er nur wünschen, daß jede Stadt in Kurhessen von diesem Gesetz Gebrauch machen möchte. (Beifall). Herr Oberbürgermeister T r o j c-Marburg war der Ansicht, daß der Magistrat, im Falle eine kunstverständige Kommission ihn beratet, viel dazu beitragen könnte, daß die Bebauung der Stadt so erfolge, daß den Bauherrn keine größeren Lasten erwachsen, sich aber die Städte dabei derart bessern könnten, daß sie ein gesuchter Aufenthalt für Pensionäre würden. Nach einigen erläuternden Schlußworten des Vorsitzenden wurde der Gegenstand verlassen.
III.
88 Wanfried, 26. Juni. Ueber die V e r«i n f a ch u n g desGeschäftsganges und Verminderung bei Schreibwerks bei den Stadtverwaltungen sprach Herr Stadtrat Boedicker - Cassel. Er wies darauf hin, daß dies ein Kapitel sei, das stets in Bürgermeisterversammlungen und auf Städtetagen auf Aktuellitât Anspruch habe. Vieles sei ja durch das Vorbild der Regierung schon gebessert, allerdings sei es ja noch nicht so weit, wie eine Stadtverwaltung — es war indes nicht Schwarzenborn — glaubte, als sie den Antrag stellte, mit der Anschaffung der notwendigen Schreibutensilien so lange zu warten, bis die Regierung diese Frage geregelt habe. (Heiterkeit.) Dadurch, daß man die Höflichkeitsfloskeln fortläßt, werde schon viel Zeit, Papier und Tinte gespart. In dieser Richtung seien die Militärbehörden vorbildlich, deren Schreiben sich durchweg einer lapidaren Kürze erfreuen. Natürlich brauche man hier auch nicht zu übertreiben, wie el beispielsweise ein Bürgermeister getan habe, der von der Regi«rung ein sehr langes Schreiben erhielt in dem er gefragt wurde, ob denn der Magistrat immer noch nicht an eine Errichtung eines Schulhause» denke und darauf antwortete: „Antwort auf Sie Anfrage vom so und so vielten: „Reinl" Der Bürgermeister: Kurz." (Schallende Heiterkeit.)'Redner gab sodann Vorschläge, wie man di« Führung der Journale »er-