17. Junk
Mittwoch
Stift 3
Das grobe EiseMhnuuM von Tremcherl M Gericht.
(Unber. Nachdr. Verb.) 8. & H. Gtiesen, 16. Juni.
(2. Tag.)
Aus der Vernehmung des Angeklagten Lokomotivführer Kriebel, des Führers des dem D-Zug vorangegangenen Güterzuges ging noch hervor, daß er wohl an der Ausbesserungsstelle einen Stoß verspürte, daß er ihn aber für keine Gefahr für den nachfolgenden D-Zug hielt. Er habe auch kein Mittel gehabt, den D-Zug auf' der Strecke zu benachrichtigen. Vors.: Sie konnten doch aber auch auf der Strecke halten? Angekl.: Ich bin schon einmal wegen Haltens auf freier Strecke mit 6 Mark Geldstrafe belegt worden. Der nächste Angeklagte Schaffner Möge hat den Güterzug als Zugführer begleitet. Er hat ebenfalls den Ruck verspürt, aber zunächst an eine Zugzerreißung geglaubt. Für solche Fälle besage aber die Dienstinstruktion, daß ein sofortiges Halten nicht gestattet sei. Vors.: Wenn Sie etwas so Auffälliges merkten, dann hätten Sie doch daran denken müssen, daß der D-Zug hinter Ihnen war. Hat Ihnen Kriebel nicht gesagt: Es war ein Ruck, daß man glaubte zu entgleisen. Angeklagter: Ich habe das vielleicht nicht verstanden, es war so viel Geräusch. Er habe sich nach der Ankunft in Gnesen mit dem übrigen Zugversonal über den Ruck unterhalten. Dabei habe der Angeklagte Prochmann gesagt, eigentlich hätte ein Signal gegeben werden müssen. Der nächste Angellagle, Hilfsbremser Prochmann schilderte sehr drastisch, ivie er den Ruck verspürte: „Donnerwetter, denke ich, was ist das?. Ich leuchtete mit der Laterne hinunter und sehe da die Auskofferung. Da sage ich mir, es ist am besten, du gibst das Signal 20 nach der 'Wärterbude 32." Als Ursache des Stoßes habe er angenommen, daß Kies auf die Schienen gerollt sei. In Thalsee habe er das Signal erneuern wollen. Es seien aber auf dem Perron so viel Ziegel aufgeschichtet gewesen, daß er niemand erblicken konnte. Da beschloß er, in Gnesen die Sache dem Zugführer zu melden. In Gnesen war aber der Zugführer schon fort. Der Angeklagte sagte daher zu den übrigen Beamten, daß sie doch hätten das Signal 20 geben müssen, wie er es getan habe. — Der nächste Angeklagte Hilfsbremser Pokutta macht seine Angaben im gebrochenen Deutsch und erregt durch seine schwerfällige Ausdrucksweise die Heiterkeit des Auditoriums. Er gibt an, er habe ebenfalls einen großen „Rucksack" gespürt. (Große Heiterkeit). Er hat dem Stoß keine Bedeutung beigelegt, da er schon stärkere Stöße mitgemacht habe. — Die beiden letzten Angeklagten, die Hilfsbremser Müller und Duhr machen ungefähr die gleichen Angaben. — Damit ist die Vernehmung der Angeklagten beendet.
Die Sachverständigen wurden schon im voraus vereidigt, damit im Laufe der Verhandlung bereits Fragen an sie gerichtet werden können.
Darauf wurde in die Zeugenvernehmung eingetreten. — Eine ganze Reihe von Lokomotivführern bekunden, daß die Unglücksstelle sich schon seit Monaten in einem sehr schlechten Zustande befunden habe, sodaß sie auf der Maschine beim Passieren Stöße und Schwankungen merkten. — Bahnmeister Schulz stellt dem Angeklagten Hilfsrottenführer Wasniak ein gutes Zeugnis aus. Er fei ein nüchterner Mensch, der immer seine Arbeiten gut durchgeführt habe. — Zeuge Bauführer Sieczynski trägt in sehr temperamentvoller Weise die Behauptung vor, daß das Unglück durch eine Dynamitexplosion erfolgt sei. (Heiterkeit.) Bei einer Entgleisung könnten die Schwellen nicht so brechen, wie es geschehen ist. Es könne auch ein anderer Sprengstoff als Dynamit in Frage kommen. Er habe in Südafrika 10000 Sprengungen gesehen und kenne die Geschichte. Er sei auch in Konstantinopel gewesen und habe dort Bahnen gebaut. Kein Mensch könne austreten und behaupten, daß eine Entgleisung an dem Unglück Schuld sei. — Die vom Vorsitzenden befragten Sachverständigen bekunden einmütig, daß eine Explosion irgendwelcher Art ausgeschlossen sei. Die Schwellenbrüche bewiesen deutlich, daß es sich um eine Entgleisung handelt. — Weitere Zeugen bestätigen, daß die in Betracht kommende Strecke schon verschiedentlich Unregelmäßigkeiten aufgewiesen habe.
Im weiteren Verlauf der Zeugenvernehmung äußern sich r^ch verschiedene Eisenbahnbeamre sehr absprechend über die Beschaffenheit der Gleise an der Unfallstelle. Ein Lokomotivführer bekundet, daß seine Maschine auf der Strecke bei Thalsee einmal mehrere Achsen- und Federbrüche erlitt. Zeuge Bauunternehmer Berger hat nach dem Unglück die Umarbeiten zu Ende geführt. Er erhielt von der Eisenbahnverwaltung die Anweisung, nunmehr nur noch bei Tage mit den Arbeiten fortzufahren. Zeuge Dietbrenner erklärt, daß in 2 Fällen in Gnesen die D-Züge während der Nacht angehalten wurden, weil Lokomotivführer den Stationsleiter in Gnesen die Meldung erstattet hatten, daß das Gleis bei Thalsee -gefährlich sei. Zeuge Lokomotivführer Fuchs hat einmal in Gnesen an den Stationsleiter die Meldung gegeben, die Strecke bei Thalsee sei gefährlich, man mögendem D-Zuge das Haltesignal geben. Die Meldung wurde telephonisch nach Thalsee weitergegeben. Von dort kam aber die Nachricht, das Halten der D-Züge sei nicht nötig, weil man bereit das Signal „Langsame Fahrt" gegeben habe. Dem Zeugen Regierungsrat Dietrich-Gnesen war die Bahnmeisterei unterstellt. Er hat den Umbau der Gleisstrecke bei Thalsee angeordnet. Eine Mitteilung an die Stationen, daß der Umbau begonnen habe und daß er sortgeführt werde, sei nicht ergangen. Die Auskofferung sei nicht gerade zweckmäßig angelegt gewesen. Aber sie war nicht direkt gefährlich, wenn die Zuggeschwindigkeit unter 45 Kilometer blieb. Die Lösung von 3 Bolzen bedeutete allerdings eine Betriebs- gesahr. Auch hätte bei der tiefen Auskofferung statt des Signals „Langsame Fahrt" die rote Laterne, also das Signal „Halt" gegeben werden müssen. Er habe in den fraglichen Tagen sehr viel Arbeit gehabt, sonst würde er öfter nach der Ausbesserungsstelle hinausgegangen sein.
Eine ganze Reihe von Zeugen werden entlassen, auf andere wird verzichtet. Darauf trat die Mittagspause ein.
In der Nachmittagssitzung bekundete Regierungsrat Dietrich (Gnesen) noch, daß nach seinen Ermittlungen der Untergrund der Strecke weniger aus Kies als aus vermischtem Kalksandstein bestanden habe. Er sei es gewesen, der angeordnet habe, daß ähnliche Arbeiten in Zukunft an einen Unternehmer vergeben und nur bei Tage vorgenommen werden sollten. Nach dem Unglück sei auch vom Preußischen Eisenbahnminister ein Erlaß ergangen, daß bei so tiefer Auskofferung nicht nur das Signal „Langsame Fahrt" gegeben werden soll, sondern das Haltesignal. Da der Sachverständige Kreisarzt Dr. Haack (Gnesen) anderweit dringend beschäftigt ist, wird sein Gutachten schon seht entaeaenaeuommen.
Er bekundet: Ich habe nach dem Unglück im Auftrage des Staatsanwalts die Leichen der zu Tode gekommenen Personen untersucht. Sämtliche Leichen ließen schon bei äußerer Besichtigung schwere Beschädigungen erkennen. Die Art der einzelnen Verletzungen kann ich jetzt natürlich nicht mehr an« geben. Bei den 8 Leichen, die ich auf dem Trümmerfeld vorfand, handelte es sich um Zersplitterungen derArme und Beine, Zusammendrücken der Brust, Quetschungen des Bauches, um einen Wirbelbruch, Schädelbrüche usw. Sämtliche Verletzungen waren durch stumpfe Gewalt hervorgerufen. Keine ließ den Verdacht aufkommen, daß der Tod auf andere Weise, etwa durch Gewalt herbeigeführt sei. Zwei Verletzte starben bald darauf. Darauf wurde dieser Sachverständige entlassen.
Es wurde in der Zeugenvernehmung fortgefahren und eine neue Gruppe von Zeugen vernommen, nämlich die Passagiere des verunglückten D-Zuges, die über den furchtbaren Stoß Bekundungen machten, der den Zug zur Entgleisung brachte. Ihre Aussagen sind sehr verworren und unklar und heben sich gegenseitig auf, sodaß aus diesen Zeugenbekundungen sich ein klares Bild des Geschehenen schlecht ergibt.
Morgen werden die Verhandlungen fortgesetzt.
Hus Hab und fern.
§S Cassel, 16. Juni. Der Ausgang der Wahlen zum preußischen Landtag in unserm Bezirk hat nur wenig Ueber- raschungen gebracht; die Freikonservativen haben einen Wahlkreis, Eschwege, Herrschaft Schmalkalden, verloren, dafür aber einen, Hersfeld, Rotenburg, gewonnen; die deutsch-soziale Partei hat den von ihr bisher innegehabten Wahlkreis Cassel- Land-Witzenhausen an die Konservativen abgetreten, die deutsche Reformpartei hat ihren einzigen Sitz in Hersfeld- Rotenburg an die Freikonservativen verloren, und die Nationalliberalen haben ziemlich überraschend einen Sitz, Eschwegè-Schmalkalden, mit 10 Stimmen Mehrheit gewonnen, und damit den bekannten Abgeordneten v. Christen-Werleshausen von der parlamentarischen Schaubühne abgedrängt. Im Wahlkreis Cassel-Land-Witzenhausen war nach der gestern mitgeteilten Stimmparole der Sozialdemokraten der Ausgang der Wahl nicht mehr zweifelhaft; immerhin überraschte es dennoch, daß der konservative Kandidat, Rittergutsbesitzer von Stockhausen-Abgunst, der Vorsitzende der Laudwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Cassel, mit 16 Stimmen Mehrheit gewählt wurde, da der Deutschsoziale Lattmann vor fünf Jahren nur mit 5 Stimmen Mehrheit den Sieg erringen konnte. Auch das Ergebnis im Kreise Hersfeld- Roteuburg konnte nach der vorauSgegangenen Wahlmännerwahl und nach dem ganzen Wahlkampfe schlechterdings nicht überraschen; man hatte indes selbst in den dem bisherigen Vertreter Werner (deutsche Resormpartei) nahestehenden Kreisen nicht exwartet, daß er eine derartige Niederlage (136 Stimmen für den srcikonstrvativen Landrat Tuercke, 109 Stimmen für Werner) davontragen werde. Die in konservativem und Zeutrnmsbesitz befindlichen Wahlkreise erwiesen sich wieder durchweg als bombensicher; selbst der Versuch der Resormpartei, in den Kreis Hofgeismar-Wolfhagen eine Bresche zu schlagen, erwies sich als gänzlich verfehlt, denn der Reformer Hauptmann a. D. Siinous-Cassel konnte nur ganze 29 Stimmen auf sich vereinigen, während der bisherige konservative Abgeordnete von Pappenheim mit 158 Stimmen im ersten Wahlgang glatt wiedergewählt wurde. Gut hat auch der altbewährte nalionalliberale Abgeordnete Rentner Junghcnn-Hanau abgeschnitten, der in der Stichwahl mit ganz überwiegender Mehrheit gegen Lind (B. d. L.) Le wählt worden ist.
SS Cassel, 16. Juni. Das Schwurgericht verhandelte heute mit Hilfe eines Dolmetschers aus Bochum gegen den 20 jährigen Dienstknecht Josef S o c i l i k aus Russisch-! Polen wegen Körperverletzung mit Todeserfolg. Der Angeklagte hatte am 21. Februar d. Js. den Landwirt Wilhelm Bangert aus Hohenkirchen (Kreis Hofgeismar) gelegentlich einer ihm zuteil gewordenen Züchtigung in den Unterarm gebissen, wodurch Blutvergiftung entstand und Bangert am 29. Februar im hiesigen Landkrankenhause an den Folgen dieser Blutvergiftung verstarb. Der Angeklagte wurde daraufhin am 5. März in Eschwege verhaftet; er war mittlerweile von Baugert entlassen und in der Hempfingschen Brauerei in Eschwege in Dienst getreten. Das Schwurgericht sprach den Angeklagten auf Antrag des Staatsanwalts frei, da nach der Beweisaufnahine angenommen werden mußte, daß der Angeklagte in Notwehr gehandelt hatte. — Der R itt er- gutsbefitzer Fischer ans Freienhagen, der wegen u n= entschuldigten Fernbleibens als Geschworener gestern zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt worden war, erhielt heute 200 Mark Geldstrafe, weil er wieder unentschuldigt fehlte.
-1. Gießen, 16. Juni. A n s Not, Krankheit und Mißgeschick zum Verbrecher geworden ist der Bahnwärter Roth, der auf Station Treis bei Hungen die Fahrkarten ansgab. Roth hatte bei einem Gehalt von 820 Mark eine Familie von s e ch s K i n d e r n zu ernähren, er hat sein ganzes Vermögen z u g e s e tz t. Infolge Krankheit und Mißgeschick geriet er so in Geldverlegenheit, daß er Fahrgelder in Höhe von nur 42,25 Mark veruntreute und Belege fälschte. Gestern hatte er sich vordem hiesigen Schwurgericht zu verantworten. Bahnbehorde, Arbeitskollegen und Bürgermeisterei gaben ihm die besten Zeugnisse. Er wurde zu der geringsten zulässigen Strafe von 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Geschworenen reichten ein Gnadengesuch für ihn ein.
Burg Hanstein, 14. Juni. Die dreitägige Feier des 600jährigen Bestehens der Burg Hanstein und ihres ununterbrochenen Besitzes in der Familie v. Hanstein hat heute ihr Ende erreicht. Der heutige Sonntag war für die allgemeine Volksfeier vorgesehen. Die festlich geschmückte Burg war für das Publikuin wieder geöffnet und zu Tausenden strömten die Scharen aus näherer und weiterer Umgegend herbei. In den zu Füßen der Burg liegenden Dörfern und auf der benachbarten -Teukelskamel" herrschte ein seltenes
Treiben. Für die zur Jubelfeier versammelten Mitglieder der Familie v. Hanstein fand heute in der seit 1554 bestehenden alten Kapelle in Unterstem ein Fcstgoitesdienst statt, dem sich ein Essen in Unterstein, der Besitzung des Seniors und ein Ausflug in das romantische Steinetal anschlossen. Die Familie v. Hanstein hat beschlossen, die Wiederherstellungâ- arbeiten an der Burg nach den Plänen des Architekten Bodo Ebhardt, des Erbauers der Hohkönigsburg, fortzusetzen und zu diesem Zwecke größere Summen bereitgestellt. Schon jetzt gewahrt man innerhalb und außerhalb' der Burg auf Schritt und Tritt Veränderungen. Bei den Ausgrabungen ist u. a. der alte Burgbrunnen und das Burgverließ, das berühmte oder berüchtigte „Semmelan's Loch" frei gelegt worden. Die Arbeiten sollen nur dem Zweck dienen, die alte Zwingburg vor weiterem Verfall zu schützen. — Für diesen Sommer wird mit einem Besuch Kaiser Wilhelms auf der Burg Hanstein von Wilhelmshöhe aus gerechnet, nachdem im letzten Sommer die Kaisertochter die Burg besucht hat.
Aschaffenburg, 15. Juni. Aus dem Geldbricfbeutek des Bahnpostkurses Mainz—Aschaffenburg, Zug 192, wurden in der Nacht vom 4. auf 5. Juni auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weise zwei Gcldbriefe gestohlen. Der Wert des einen war mit 6400 angegeben, der deS andern mit 200 Mk. Trotz der eifrigen Nachforschungen hat man von dem Täter bis jetzt keine Spur.
Hus Hanau Stadt und Eand.
Hanan, 17. Juni.
* Zur Wahl eines Abgeordneten für den Wahlkreis Hanau, Stadt und Land, traten gestern nachmittag 3 Uhr die am 3. und 5. d. Mts. gewählten Wahlmänner im Saale „zum deutschen Haus" unter Vorsitz deS Wahlkommissars Königl. Landrats v. Beckerath zusammen. Nach Vornahme der erforderlichen Formalitäten schritt man zur Abstimmung, bei welcher im ganzen 319 Stimmen abgegeben wurden. Hiervon fielen auf Herrn Junghenn (natlib.) 151, auf Herrn G. Lind (Bund der Landwirte) 77, auf Herrn Stcin-Hochstadt (Soz.) 70, auf Herrn Goldschmidt - Berlin (lib. Ver.) 21 Stimmen. Somit mußte eine engere Wahl erfolgen zwischen den Herren Junghenn und Lind, wobei Herr E. Junghenn (natlib.) mit 168 Stimmen zum Abgeordneten gewählt wurde. Auf Herrn Lind (B. d. ßanbw.) entfielen 22 Stimmen. Die sozialdemokratischen Wahlmänner wie auch ein Teil der Wahlmänner des Bundes der Landwirte übten bei der engeren Wahl Wahlenthaltung.
* Gemeindebeamienverein. Die 4. Hauptversammlung des Verbandes der Gemeindebeamten des Regierungsbezirks Cassel findet am 4. und 5. Juli er. in Melsungen statt. Aus der reichhaltigen Tagesordnung sei erwähnt: Punkt 2, Kassenbericht, erstattet vom Schatzmeister, Herrn Stadtkämmerer Kalb-Fulda und Punkt 8b, wonach das aufnahmefähige Alter für Mitglieder des Bezirks» Verbandes vom 20. auf das 17. Lebensjahr herabgesetzt werden soll.'
* Kunst-Glasbläserei. Eine der größten Sehenswürdigkeiten auf der Messe ist unstreitig die Kunst-Glasbläserei, ein Unternehmen, das bisher leider noch nicht in dem Maße, wie es wohl angebracht wäre, Beachtung gefunden hat. Es werben vor den Augen des Publikums aus Glas geblasen: Tiere, Blumen, Vögel, Vasen, Nippsachen u. s. w. Es ist wirklich lohnend und interessant, dieser Wunderarbeit zuzusehen. Die geblasenen Gegenstände können auch sofort angekauft werden. Der Besuch des Unternehmens kann nur warm empfohlen werden.
* The Royal Bio Co. (Direktion H. Hirdt), die Krone aller Kinematographen. Die Anziehungskraft, die das auf dem Meßplatze befindliche Unternehmen von Anfang an ansübte, hält erfreulicherweise an, ein Beweis für die Gediegenheit der Darbietungen und der Leistungsfähigkeit. Das Programm ist ein derart reichhaltiges, daß jede Vorstellung den Besuchern Neues, Interessantes zu bieten vermag, woraus sich auch wohl der starke Zuspruch erklärt. Wir können aus eigener Beurteilung heraus den Besuch der Vorstellungen nur empfehlen.
* Gastspiel des Frankfurter Künstler-Ensemble- (Direktor Hermann Elzenheimer). Hochamüsante Familien« Vorstellungen, die von jung und alt besucht werden können. Aus dem Riesenprogramm sind heroorzuheben: Soli, Gesangsduette, Spiel-Duo-Szenen, Terzette, sowie kleinere Possen, Schwänke und Lustspiele. Die Gesellschaft spielt während der Messe im Gasthaus „Zur Germania" und erfreut sich eines zahlreichen Besuches. Donnerstag (Fronleichnam) finden zwei Vorstellungen statt, um 4 Uhr und 8 Uhr, mit neuem Programm, ebenso noch an den drei letzten Tagen. Dem Publikum wird zugleich der schöne schattige Garten (300 Personen fassend) empfohlen. (Siehe Jnferat.)
* Turne»» in Fortbildungsschulen. Vertreter der Deutschen Turnerschaft, des Zentralausschusses für VolkS- und Jugendspiele und des deutschen Turnlehrervereins haben sich vor kurzem in Berlin unter dem Vorsitze des Reichstagsabgeordneten von Schenckendorff mit der Fürsorge für die schulentlassene Jugend beschäftigt und u. a. folgendes beschlossen: „Die Körperpflege ist mit dem Verlassen der Volksschule nicht abgeschlossen^ sondern muß in den folgenden Entwickelungsjahren der Jugend fortgesetzt werden. Um die gesamte Jugend in diese körperliche Ausbildung einzubeziehen, ist die Durchführung der Pflichtfortbildungsschule für alle Knaben und Mädchen des 14. bis mindestens des 17. Lebensjahres und die Einfügung körperlicher Uebungen in den Erziehungsplan dieser Schule notwendig. Für diese Uebungen sind mindestens zwei Wochenstunden für alle Schüler erforderlich. Fortbildungsschüler, die in geeigneten Vereinen und unter sachverständiger Leitung gleichwertige Leibesübungen in ausreichendem Maße betreiben, können vom Turnunterricht der Fortbildungsschule befreit werden. Bestehenden Vereinen kann, wenn sie über ausreichende Einrichtungen und Lehrkräfte verfügen, die regelmäßige Fürsorge für die Körperpflege der schulentlassenen Jugend Überhmtpt oder zum Teil übertragen werden. Dies wird sich da empfehlen. tun eine LortbUdunasschule bisher nickt htCte6i abe»