Montag
15. J«nt
bis 15. Juli d. Js., beabsichtigte Vorträge aber bis spätestens L September d. Js. beim Zcutralvorstand Leipzig, Weststraße 4, anzumelden.
* Oratorienverein. Die verehrlichen Mitglieder werden auch an dieser Stelle auf die morgen abend im Stadt- schloß stattfinbende Chorprobe rrgebenst mit dem Bemerken hingewiesen, daß die Liste zum Einzeichnen für den Ausflug aufliegt und außerdem eine sehr wichtige Besprechung erledigt werden soll. Der Vorstand hofft auf zahlreiches und pünkt- liches Erscheinen. (Siehe Inserat).
* Der landwirtschaftliche Kreisverein Hanau machte am gestrigen Sonntag einen Ausflug zur Besichtigung der Jungviehweide bei Schloß Nauses im Odenwald, an dem der Vorsitzende, Herr Lanbrat v. B « ck e r a t h, und 55 Mitglieder teilnahmen. DaS Fürstlich Löwenstein'sche Gut Nauses, welches etwa 240 Morgen groß ist, wurde vor 5 Jahren von dem Landwirtschaftlichen Verein für Rheinhessen gepachtet und ganz als Weide angelegt. Der altertümliche Gutshof enthält die nötigen Stallungen. Bei der Besichtigung übernahm Herr Oekonomierat Dettweiler die Leitung. Auf den im besten Wuchs« stehenden Weiden tummelten sich mehr als 50 Fohlen und einige 70 Rinder. An dem prachtvollen Sommermorgen gewährten die belebten Weiden in ihrerßherrlichen Waldumgebung ein überaus reizvolles Bild. Nach der Besichtigung wurde ein gemeinschaftliches Mittagessen im „Gasthause zur Post" in Höchst i. O. eingenommen.
* Heiratsschwindelei. Der Betrugs- unb Diebstahlsprozeß gegen den Gelegenheitsarbeiter Franz Peschel hier, über den wir am Freitag unter obiger Spitzmarke ausführlich berichteten, wurde heute vormittag zu Ende geführt. Peschel erzählte mit großer Zungengewanbtheit eine lange sehr detaillierte Geschichte, durch die er bartun wollte, baß bas betrogene Mädchen, die Elise Schmidt, gewußt habe, daß er verheiratet sei und nur infolge ihres Fehltrittes, sowie in der Hoffnung auf Scheidung der P.'schen Eheleute mit ihm nach Amerika geflohen sei. Die Beweisaufnahme erstreckte sich demgemäß in der Hauptsache auch nur auf die diesbezüglichen Feststellungen, versagte aber vollständig. Nur eine Frau weiß zu bekunden, daß Frau Peschel anläßlich eines Tanzvergnügens im Falken hier am 3. Dezember 1905 zu den Mädchen, die mit einigen Männern nebst Peschel am Tische saßen, gesagt hat: „Ihr solltet euch schämen, euch mit verheirateten Männern herumzumachen." Ob dies aber die Schmidt gehört hat, ist nicht erwiesen. Und gar viele Umstände sprechen dagegen. Es ist ja auch vernünftigerweise kaum anzunehmen, daß bas Mädchen sich zu den Schritten hätte bereitfinden lassen, wenn sie gewußt oder auch nur geahnt hätte, daß es sich einem verheirateten Manne gegenüber befinde. Daß Peschel bei der Herbeischaffung derartiger Zeugen übrigens ziemlich skrupellos vorging, bewies das Zeugnis des vor einiger Zeit wegen Wilderei verurteilten Goldarbeiters Zink, der in Ebkrbach mit Peschel zusammen eine Zell« bewohnte. Dieser hatte in der Voruntersuchung unter dem Drucke von Peschels Ueberrebungen und Versprechungen zweimal für diesen günstige Aussagen gemacht, diese auch unter Eid zu wiederholen, brachte er aber nicht fertig. Er sagte die Wahrheit und blieb auch im übrigen allen gegenteiligen Behauptungen Peschels gegenüber dabei, daß diese ihn zu falschen Aussagen verleitet hat. Peschel dürste sich demgemäß nächstens noch wegen Verleitung zum Meineid zu veraniworien haben. DaS Urteil lautet mit Einschluß der anderthalbjährigen Gefängnisstrafe, die Peschel im Juli und September v. I. von der hiesigen Strafkammer erhielt, auf insgesamt sechs Jahre Zuchthaus, 1000 Mark Geldstrafe subs. weiter« 66 Tage Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust und Zulässigkeit der Polizeiaufsicht. In den Betrügereien zum Nachteil des Dienstmädchens Elise Schmidt sieht das Gericht eine einheitliche Handlung, da es dem Angeklagten offenbar gleich von Anfang an darauf ankam, aus dem Mädchen so viel als möglich herauszuholen. Mildernde Umstände seien mit Rücksicht auf die Verwerflichkeit der Handlungsweise dem armen Mädchen gegenüber ausgeschlossen. Auch der Diebstahl und der Betrug zum Nachteil des Bäckermeisters Roser, jenem Bekannten Peschels, von dem wir in unserem ersten Bericht sprachen, zeugten in Anbetracht besten, daß dieser ihn gastlich ausgenommen und ihm Wohltaten erwiesen hatte, von einer recht ehrlosen Gesinnung. Daß das Mädchen tatsächlich nicht wußte, daß Pesch«! verheiratet war, hielt das Gericht für voll erwiesen. Jm anderrn Falle hätte in den zahlreichen Briefen doch irgendwo ein Wort davon ober von einer beabsichtigten Scheidung stehen müssen. Der Staarsanwalt hatte 10 Jahre Zuchthaus und 1500 Mk. Geldstrafe beantragt. Die mitangeklagte Reuter ist in der Tat entflohen und zwar nach Luxemburg, wo sie ja schon früher eine Zeit lang mit Peschel zusammen lebte.
* Elektrische Straßenbahn. Heute früh wurde auf der Teilstrecke Ostbahnhof —Rosenau der B«trieb ausgenommen.
* The Royal Bio Co. (Direktion H^Hirdt), Die Vorstellungen des auf der Messe weilenden Unternehmens beginnen heute nachmittag.
* Lamboyfest. Zu einem echten und rechten Volksfeste gestaltete sich wiederum die diesjährige Lamboywaldfeier, worauf sich jung und alt schon lange vorher freut und seine Vorbereitungen trifft. Allerdings fiel die Feier in eine Festwoche, die schon an und für sich starke Ansprüche an die Geldbörse gestellt hatte, sodaß man Ursache haben durfte, mit gemischten Gefühlen dem den Schluß der Festeswoche bildenden Volksfeste entgegenzusehen. Daß alle schwarzen Befürchtungen nicht eintrafen, ist ein Beweis für die unverminderte Anziehungskraft, die das Fest auszuüben in der Lag« ist.
* Sportfest der Hanauer Btktori^ 1894. Wir machen darauf ausmersam, daß am kommenden Sonntag daS erste große Sportfest in einem Umfange stattsindet, rote es in Hanau noch nicht gezeigt wurde. An Konkurrenzen sind über 100 Meldungen eingegangen. ES haben u. a. . gemeldet der bekannte Metsterfchaftsgeher von Deutschland, Herr Preiß von der Hermania Frankfurt, im 40 Kilometergehen, sowie der Europameister im Diskuswerfen Herr Dörr von
Frankfurt, ebenfalls vom Fußballklub Hermania Frankfurt, und noch andere Größen des Athletiksports aus Frankfurt, Offenbach, Darmstadt, Wiesbaden, Mainz, Aschaffenburg, Hanau usw. Meldungen werden bis zum Freitag noch angenommen bei Herrn W. Althaus, Altstraße 5.
* Raummangel infolge starken Jnseratenanbranges gab heute Veranlassung zu einer Beschränkung des textlichen Teiles. Wir werden die folgenden Nummern desto reichhaltiger gestalten.
•
(:) Bergen, 15. Juni. (Gustav Adolffest.) Das diesjährige Gustav Adolffest der Klasse Bergen wurde am gestrigen Sonntag in unserer Gemeinde gefeiert und erfreute sich auch recht zahlreichen Besuches nicht allein unserer Gemeindeglieder, sondern auch, dank der günstigen Witterung, aus nah und fern. Im Hauptgottesdienste hielt Herr Pfarrer U r s p r u ch - Frankfurt die Festpredigt und zeigte an der Hand des Textes: Math. 9,38 11. f. V. wie Jesus das Vorbild aller Gustav Adolfarbeit ist. Er ist im jüdischen Land umhergegangen und hat die Armen, Elenden und Schmachtenden aufgesucht und sie um sich gesammelt, um ihnen den Weg zum Heile zu zeigen. Man redet soviel von Not in unsern Tagen, aber man übersieht die größte, daß sa. viele ihren Gott, die Religion, verloren haben und viele in der Diaspora ihren Glauben zu verlieren Gefahr laufen. Sic - dort zu finden, hat der Herr der Kirche die Augen geöffnet, und der Gustav Adolfverein ist es, der nach des Heilandes Vorbild den in der Diaspora Schmachtenden das teure Gut der Reformation zu bringen oder zu erhalten die Aufgabe hat, nachdem die Kirche Jahrhunderte lang an ihnen achtlos vorübergegangen ist. Aber hat das in unsern Tagen noch Wert? Doch Jesus hat, als er das Elend seines Volkes sah, nicht gesagt: Die Ernte ist vernichtet, sondern ausgerufen: Die Ernte ist da. Und nun zeigte der Festprediger, wie in der Diaspora (z. B. Spanien) auch die Ernte reif ist, daß eS der Arbeiter, Helfer nicht allein mit der Tat, auch im Beten und Geben dringend nötig ist. — An den Festgottesdienst reihte sich sodann eine Nachversammlung an, in welcher zunächst Herr Pfarrer Weber- Bergen, anknüpfend an das Bibelwort Pslm. 26,8, eine Ansprache hielt, in welcher er betonte, daß die Arbeit des Gustav Adolfvereins kein Kampf sei gegen die katholische Kirche, daß vielmehr beide Kirchen zusammenstehen sollten im Kampfe gegen den Unglauben unserer Zeit, im Kampfe um die heiligsten Güter. Das schließe aber nicht eine Auseinandersetzung zwischen beiden aus, die aber sein müsse eine des Christentums würdige. Und an diesem Austrag der Gegensätze helfe des Gustav Adolfverein mit. Herr Pfarrer Stoppel- Fechenheim forderte, an das Bibelwort Apost. Gesch. 28, 30 und 31 anknüpfend, daß das Evangelium „unverboten" verkündet und ausgebreitet werde gegenüber der Verwirrung der Geister unserer Zeit, der Parteispaltungen, unverboten auch in der Diaspora, durch keine menschliche Autorität gehemmt. Nachdem noch Herr Pfarrer Strobel- Frankfurt an einem Beispiel das Los der Evangelischen und der polnischen Diasporagemeinden geschildert und die Tätigkeit des Gustav Adolfvereins und dessen Erfolge hervargehoben, sprach noch Herr Pfarrer Weber das Schlußwort, worauf auch dieser Teil des Festes endete. Nicht unerwähnt bleibe, daß der trefflich geschulte Kirchenchor durch seine hübschen Gesänge beide Festesfeiern wesentlich verschönte.
Vereins- u. Bergnügnngsnachrichten
für Mentag den 15. Juni.
Turn- u. Fechtklub: 6—7'/,: Frauen-, 8'/,—10: Jugendabteilung.
Evang. Männer- und Jünglingsverein: Gesang (Ev. Bereinshaus.) Brieftauben-Klub: Versammlung in der Brauerei Orschler. Stenographen-Verein Stolzc-Schretz: Vereinsabend in der „Sonne". Gesellschaft „Heilerer Bund": Vereinsabend im „Deutschen Schützen". Verein „Hessischer Bund": Versammlung im „Hessischen Hof". Familien-Marken-Konsumverein „Einigkeit": Abends 8—10 Uhr: Marken- auflage und Annahme neuer Mitglieder (Vereinshaus „Concordia"). Zimmerstutzen-Klub „zum Kaiser Friedrich": Abends von 9—11 Uhr: Schießen.
Freiwillige Feuerwehr, 4. Komp., Zusammenkunft im „Schützenhof", b. Komp. Zusammenkunft bei Ulsamer.
Verein der Briefmarkensammler: Zusammenkunft im „Restaurant Mohr". Verein „Unner uns": Zusammenkunft „zu den vier Jahreszeiten". Erste Hanauer Karnevalgesellschaft: Vereinsabend im „Deutschen Haus". Gesellschaft „Lustige Brüder": Klubabend bei Heinrich Vowinkel.
Oeffentlicher Wetterdienst.
(Beobachtungendes Physikalischen Vereins, Frankfurt.) Voraussichtliche Witterung für die Zeit vom Abend des 15. Juni bis zum nächsten Abend.
Weiterhin heiter, trocken und warm.
Hus Hab und fern.
')*( Alzenau, 15. Juni. In dem Bezirke des königl. bayrischen Amtsgerichtes Alzenau leben unter der überwiegend katholischen Bevölkerung über 300 Protestanten, welche bisher zur evangel. Pfarrkirche in Aschaffenburg gehörten, aber seit dem Jahre 1892 in Wasserlos, wo ihnen durch die Güte deS Herrn Rittergutsbesitzers H. Mumm von Schwarzenstein ein Betsaal eingeräumt wurde, ihren gottesdienstlichen Mittelpunkt haben. Nachdem bereits im Jahre 1895 in Schöllkrippen ein Bethaus und im Jahre 1901 in Laufach ein Betsaal, seit 1905 ein steinernes turmgeschmücktes Kirchlein, das schon dem im Bahnzuge vorbeifahrenden Reisenden durch seine eigenartige Bauart auffält, entstanden waren, wurde nun im Jahre 1 9 0 4 in Alzenau, dem Hauptorte des Bezirks, ein evangel. Verein gegründet, der sich die Aufgabe stellte, auch hier ein kleines, den Be- völkerungSverhältnissen entsprechendes Gotteshaus zu erbauen und dadurch das religiöse Leben unter den Protestanten in Alzenau und Umgebung zu fördern. Dem gen. Vereine, her sich auch der Gunst der vermögenden Klassen und der Unter« stützung durch die G u stav - Adolf-Stiftung erfreute, ist es unterdessen gelungen, an der von Alzenau über die
Anhöhe nach Wasserlos führenden Straße ein Grundstück zu erwerben, wo am gestrigen Sonntage, vormittags 10 Uhr die feierliche Grundsteinlegung des in aller Einfachheit zu erbauenden Kirchleins stattfand. Der ansprechend mit Fahnen usw. geschmückte Festplatz, von alten, schattenspendenden Kastanienbäumen umgeben, bot bei dem herrlichen Sonnenschein eine schöne Aussicht auf das Gebirge und in das Kahltal. Zahlreiche Diaspora-Protestanten waren aus der Umgebung teils mit der Bahn, teils zu Fuß gekommen, um dieser für ihr religiös-kirchliches Leben bedeutungsvollen Feststunde beizuwohnen. Bereits von halb 10 Uhr ab versammelte sich eine aus allen Bevölkerungsklassen bestehende große Festgemeinde, insbesondere waren auch zugegen, zum Teil mit ihren Familienangehörigen, Mitgliedrr der verschiedenen staatlichen und kommunalen Behörden, Vertreter des Großgrundbesitzes, der Industrie usw. Eingeleitet wurde die einfache Feier durch eine kurze, vom 84. Psalme ausgehende, die Bedeutung der Stunde würdigende Ansprache des Pfarrers Adolf R e i n d e l - Aschaffenburg, in der auch hingewiesen wurde auf daS schätzenswerte Entgeg«nkomm«n, daS die wohl aus allen Gegenden deS deutschen Reiches stammenden, im Kahltale zerstreut wohnenden Protestanten bisher hier gefunden haben, ähnlich wie einst den heimatlosen böh- mährischen Brüdern durch den Grafen NicolauS von Zinzendorf am Hulberge im östlichen Sachsen eine zweite Heimat bereitet wurde. — Möge Gottes Segen ruhen auf dem Bau dieser gottesdienstlichen Stätte und auf der Sammlung und kirchlichen Versorgung der in der Umgebung zerstreut wohnenden evangelischen Glaubensgenossen I — Die Ausführung des Bauplanes ist der Firma L u d o r f f - Alzenau übertragen worden. Voraussichtlich wird der Bau in diesem Herbst« vollendet werden.
-1. Nidda, 14. Juni. Die 27. Jahresversammlung des VogelsbergerHöhenklubS tagte heut« unter dem Vorsitze des Forstmeisters Dieffenbach - Schotte» im „GambrinuS". Die Hauptversammlung war noch nie ss stark besucht, waren doch aus 20 Zweigvereinen 1289 Mitglieder vertreten, darunter Frankfurt mit 238, AlSfeld mit 131, Lauterbach mit 170, Schotten mit 145, Gießen mit 57, Vilbel mit 16. Der Zweigverein Darmstadt war ent* schuldigt. Im Jahresbericht wird mit lebhafter Befriedigung konstatiert, daß die Mitgliederzahl eine Zunahme von 422 Mitgliedern erfuhr; fünf neue Zweigvereine rourben aufg«« nommen: Frankfurt, Büdingen, Vilbel, Gießen und Orten- berg. Damit ist die Mitgliederzahl auf 1553 gestiegen. Der Verein wird von mehreren Städten unterstützt, z. B. von Gießen, Schotten und Lauterbach, dank der Bestrebungen deS Höhenklubs hebt sich fortgetzt der Vogelsberg, die Zahl der Sommerfrischler und Touristen steigt erfreulich, die Sommerfrischen Lehrerheim bei Schotten und Hochwaldhausen werden jedes Jahr stärker besucht. Das gleiche gilt vom Klubhaus auf dem Hoherodskopf, hier stieg die Zahl der jährlichen Uebernachlungen von 411 auf 534. Leider fehlt es seither an guten Bahnanschlüssen nach Frankfurt und Umgegend. Der Zentralausschuß hat die Förderung der Jugendwanderung in die Hand genommen; von privater Seite ist die Erbauung einer Schüler- und Studentenherberge bei Hochwaldhausen geplant. Sie soll 25 000 Mark kosten und in zwei Jahren fertig sein. Das Klubhaus hat eine bedeutende Vergrößerung erfahren; es wurden hierzu 8500 Mark ausgegeben. Interessant und für manchen überraschend sind die Mitteilungen über den Stand der Arbeiten des Bismarcksturms auf dem Taufstein. Der Bau wurde im Juni 1907 begonnen, am 30. Juli fand die Grundsteinlegung statt, doch in der Nacht vom 5. zum 6. September erfolgte bei einer Höhe von 12 Meter der Einsturz infolge der ungünstigen Verhältnisse, darauf wurde ein großer Teil des Bauwerks abgetragen. Gegenwärtig schweben Verhandlungen darüber, ob auf den angebauten Strebpfeilern weitergebaut, oder ob das Ganze abgebrochen werden soll. Mehrere Redner fordern entschieden den Abbruch. Die F e r t i g st e I l u n g des Turmes ist infolge des Einsturzes nicht vor 1909 z u erwarten. Die Kosten des Turmbaues betragen jetzt nach den neuen Plänen rund 20 000 Mark, eS sind noch rund 6000 Mk. aufzubringen. Der Zweigverein Gedern regt an, nach Vollendung deS Bismarcksturms auf dem Tausstein, einen massiven Ern st Ludwigsturm auf der Herchenh«iu«r Höhe zu erbauen. Als Ort für die Hauptversammlung 1909 meldeten sich Frankfurt, Grebenhain und Laubach. Nach kurzen Worten des Professors Bender-Frankfurt zogen die Vertreter von Laubach und Grebenhain ihre Meldung zurück, die Versammlung findet also 1909 in Frankfurt statt. An die schön verlaufene Jahresversammlung schloß sich nachmittags ein Spaziergang nach Bad Salzhausen.
F. C. Frankfurt, 14. Juni. Auf dem Delegicrteniag des Reichsverbands gegen die Sozialdemokratie, der kürzlich hier in Frankfurt tagte, wurde Fürst Franz Josef zu Isen- burg-Birstein als Ehrenvorsitzender des zu bildenden Provinzial- ausjchusses für die Provinz'Hessen-Nassau ernannt. Ueber die Tätigkeit des Reichsverbandes in Hessen-Nassau würbe bemerkt, daß im Regierungsbezirk Cassel die Erfolge günstiger seien, wie im Wiesbadener Bezirk. Im letzteren stände man der Institution skeptisch gegenüber, was z. T. auf politisch- konfessionelle Gründe zurückzuführen sei. In der Provinz bestehen z. Zt. 28 Ortsgruppen und 9 Sammelstellen mit rund 6700 Mitgliedern.
Rüdesheim a. RH., 11. Juni. Eine nichtsnutzige Tat ist am Rheinufer unterhalb Schloß Rheinstein verübt worden. Das der Niederwaldbahngesellschaft gehörige, zum Anlegen ihres Dampfers „Niederwald" und MotörbooteS „Germania" bestimmte eiserne Brückenponton ist in der Nacht wm ersten Pfingstfeiertag von ruchloser Hand auf dem Boden durch vier fingerdick« Löcher angebohrt worden, um es zum Sinken zu bringen, eine Absicht, bte beim Betrete« der Brücke durch größere Menschenmassen auch verwirklicht worden wäre. Glücklicherweise ist die Tat rechtzeitig entdeckt und der Schaden beseitigt worden. Einige Gegenstände wurden in dem Ponton gefunden, die vielleicht auf die Spur der Täter führen dürften.