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Gcncral-Anzeiger
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re. Waijenhaufes irr Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Senn» und Feiertage, mit belletristischer Beil«-«.
verantmarL Redaktiur: 6. Schreck«, in Hauau.
Nr. 136a F-rnsprechanschluK Nr. 605.
Amtliches.
Stadt- und Landkreis ü^anau.
Gemäß den Vorschriften in den W 4 und 6 der Allerhöchsten Verordnung vom 25. Mai 1887, betr. die Einrichtung einer ärztlichen Standesvertretung (G.-S. S. 169) liegt die Liste der nach dieser Verordnung zu der int November d. Js. stattfindenden Neuwahl der Mitglieder der Aerztekammer für die Provinz Hessen-Nassau wahlberechtigten Aerzte aus dem Stadt- und Landkreise Hanau vom 16. bis einschlietzlich 30 d. M. an den Wochentagen während der Dienststnnden in den Geschäftsziinmern des Landratsamtes und der Polizei-Direktion zur Einsichtnahme öffentlich aus.
Einwendungen gegen diese Liste sind unter Beifügung der erforderlichen Bescheinigungen innerhalb 14 Tagen nach beendigter Auslegung bei dem Vorstande der Aerztekammer hierscibst anzubriugcn.
Hanau den 12. Juni 1908.
Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.
V 4231 v. Beckerath.
Landkreis Hanau.
VekmtmchlWn des Wiflifh Liiildriltsllmts.
Au die Schulvorstände des Landkreises.
Wie in Vorjahren so findet auch in diesem Jahre wiederum ein 4-wöchcntlicher Kursus zur Ausbildung von BolkSschuIlehrcrn in der Erteilung des Unterrichts an ländlichen Fortbildungsschulen vom 17. August er. ab statt.
Den Teilnehmern wird ein Zuschuß aus Staatsmitteln in Aussicht gestellt, vorausgesetzt, daß auch die Gemeinden ihr Interesse an der Sache möglichst durch Uebernahme eines Teiles der Kosten bekunden. Die Gemeinden können sich andererseits durch einen von den Lehrern auszustellenden Revers dahin sichern, daß diese die erhaltene Summe zurückzuzahlen haben, wenn sie die Gemeinde innerhalb Jahresfrist nach Beendigung des Kursus verlassen sollten.
Ich ersuche die Herren Vorsitzenden der Schulvor- stände, insbesondere diejenigen solcher Gemeinden, in denen ländliche Fortbildungsschulen bestehen ober- demnächst etwa gegründet werden sollen, mit tunlichster Beschleunigung festzustellen, welche der ihnen unterstellten Lehrer geeignet und bereit sind, an dem Kursus teilzunehmen. Bejahenden Falles bitte ich mit der Gemeinde wegen Gewährung eines Zuschusses zu verhandeln und mir bis spätestens den 18. l. Mts. die Anmeldung des Lehrers zukommen zu lassen. Hierbei ersuche ich anzugebcn:
1. in welcher Höhe die Gemeinde einen Zuschuß leisten will,
2. ob der Teilnehmer bereits an einem Kursus teilgenommen hat,
3. ob dessen Vertretung, durch die der Staatskasse Kosten nicht erwachsen dürfen, gesichert ist.
Der Termin ist genau einzuhallen. Fehlanzeigen sind nicht erforderlich.
Hanau den 10. Juni 1908.
Der Königliche Landrat.
V 4178 v. Beckera th.
Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.
Wegen der Gefahr der Verschleppung ansteckender Krankheiten dürfen an Familien, in welchen derartige Krankheiten herrschen, Bücher aus der Stadtbibliothek nicht entliehen ober abgegeben werden. Hat die Entleihung gleichwohl statt» gefunden, so dürfen die Bücher weder zurückgegeben, noch von dem Bücherwart angenommen werden, es ist vielmehr für dieselben Ersatz zu leisten. Dringend anzuraten ist ihre Vernichtung, um die Uebertragung der ansteckenden Krankheit auf andere Familienglieder 31t verhüten.
Hanau den 3. Juni 1908.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 12707
politischer (docken bericht.
Die P f i n g st f ei e r t a g e fielen diesmal in eine politisch bewegte Zeit : Wahlen im größten deutschen Bundesstaate und draußen Monarchenbegegnungen, Krisengefahren, Attentate, kurz eine Fülle bedeutsamer aktueller Ereignisse. Da bleibt für den Politiker wenig Zeit zur Sammlung und inneren Einkehr, und doch tut uns eine solche auch zur Gesundung des politischen Lebens dringend not; denn letztlich bergen doch alle politischen Fragen einen religiös-sittlichen
Samstag den 13. Juni
Kern in sich und führen auf die Stellung zu Gott und seinem Gesetze zurück. Goethe hat auch in dieser Hinsicht den Dingen auf den Grund geschaut, als er als das eigentliche Thema der Weltgeschichte den Kampf zwischen Glauben und Unglauben bezeichnete. Ohne die bewußte Abwendung von Gott und die Hingabe an die niedern Triebe der Menschennatur wäre die Existenz einer Partei vom Schlage der sozialdemokratischen gewiß nicht denkbar. So könnte uns keine größere Gnadengabe zuteil werden, als wenn die verjüngenden Himmelskräfte des Pfiugstgeistcs auch im politischen Leben ihre Wirksamkeit entfalteten und hier Auskehr hielten mit aller kleinlichen Parteisucht, allem vaterlandsfeindlichen Wesen und allem revolutionären Treiben. Mit der Bitte um ein politisches Pfingsten, das Licht und Kraft vom religiösen Pfingsten entlehnt, wollen wir daher unsere Alltagsarbeit wieder aufnehmen.
In O c st c r r e i ch ist der Generalstreik der Studierenden nunmehr leider zur Tatsache geworden. Es beweist dies, daß die deutschnationale Studentenschaft Oesterreichs von dem Geiste Bismarcks, dessen Verehrung sie bei jeder Gelegenheit bezeugt, bisher keinen Hauch verspürt hat; beim sonst würde sie sich doch ein klein wenig auf Realpolitik verstehen und einsehen, daß sic mit ihrer Behandlung der Wahrmundaffäre nur die Geschäfte der Juden, Tschechen, Polen usw. besorgt. Der alte Fluch der Deutschen, daß sie über die Verfolgung vermeintlicher Ideale ihre nationalen Lebensinteressen preisgeben, bestätigt sich hier wieder einmal an einem besonders krassen Beispiel.
In Frankreich hat die Ueberführung der Leiche Zolas nach dem Pantheon zu einer lebhaften Protestbewegung Anlaß gegeben und sogar ein Attentat auf den Major Dreyfus im Gefolge gehabt. Man kann daraus entnehmen, wie stark und weitverbreitet die nationalistisch-monarchische Unterströmung zurzeit in Frankreich noch ist. Im übrigen ist es Franzosen, die auf die Ehre und Reputation ihres Landes halten, nicht gerade zu verübeln, wenn sie einen Zola nicht zu den ruhmvollen Trägern der Größe Frankreichs gerechnet wissen wollen.
Auf der Rhede von Reval hat die Z u s a m m e n kunft des russischenKaiserSmitdemKönigevonEngland stattgefunden. An diese Zusammenkunft haben sich eingehende Preßerörterungen geknüpft. Von dem größten Teil der russischen Presse wird das Ereignis zu deutsch-feindlichen Hetzereien benutzt. In erfreulichem Gegensatze hierzu aber stehen Auslassungen der offiziösen „Rossija", sowie des Präsidenten der Reichsduma, Chomjakow. Die „Rossija" stellt fest, daß neue Abkommen oder Verträge nicht zur Erörterung stehen, hebt alsdann hervor, daß die englisch-russische Aunäherung keine Verletzung der alten freundschaftlichen Beziehungen Rußlands zu Deutschland bedeute, und weist endlich mit dankenswerter Schärfe und Deutlichkeit die Verdächtigungen Deutschlands als Störenfriedes zurück. Chomjakow ferner begrüßt zwar die Anuäherung zwischen England und Rußland als ein Friedenspfand, setzt dann aber hinzu: „Wir wollen bestnachbarliche Beziehungen mit Deutschland unterhalten. Aus einem etwaigen Bündnis mit England sind deutsch-russische Komplikationen zu erwarten, wobei England als Inselstaat ruhig zusehen und Rußland schließlich der verlierende Teil sein würde." Es wäre dringend zu wünschen, daß derartige Stimmen in stärkerem Maße, als dies bisher der Fall ist, bei der Masse in Rußland Gehör fänden.
Politische Rundschau.
Im Neichsamt des Innern fanden in den letzten Tagen unter dem Vorsitz des Staatssekretärs von Bethmann- Hollweg Sitzungen über die Reform der Krankenkassen statt, an denen zahlreiche Vertreter der Aerzteschaft und hervorragende Mitglieder von Krankenkassen neben vielen höheren Beamten aus den Reichsämtern und preußischen Ministerien teilnahmen. Wie verlautet, galten die Beratungen hauptsächlich der Stellung der Krankenkassen bei der beabsichtigten Reform der sozialpolitischen Gesetzgebung, sowie der Erörterung der Wirkung der neuen vereinfachten Organisation auf die Zwecke der Krankenkassen und auf das zukünftige Verhältnis zwischen Kassen und Kaffenärzten.
Die Lage in Persien. Der „Köln. Ztg." wird aus Teheran vom 12. Juni telegraphiert: Die Provinzen wollen den Schah absetzen. Ueber 500 bewaffnete Mitglieder der geheimen Gesellschaft hielten die Gegend des Parlamentes zwei Tage besetzt. Der Schah ließ sie auffordern, wegzugehen und sandle Kosaken hin, worauf sie sich zurückzogen. Das Ausehen des Schahs wächst.
Deutsche Kolonialgesellschaft.
Bremen, 12. Juni. Die heutige Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft wurde von dem Präsidenten,
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1908
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Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, mit einer Ansprache und einem Ueberblick über die Entwicklung der Gesellschaft während des letzten JahreS eröffnet. Der Unterstaatssekretär im Reichskolonialamt, v. Lindequist, sprach seinen Danl dafür aus, daß es der Kolonialverwaltung so leicht gemacht werde, mit der Kolonialgesellschaft in Verbindung und leichter Fühlung zu bleiben. Sodann wurde der Geschäftsbericht für 1907 debattelos genehmigt, dem Vorstande Entlastung erteilt und die Wahl der Vertrauensmänner zur Prüfung der Jahresrechnung vorgenommen. Der eingebrachte Antrag auf Schaffung einer Kolonialgesetzgebung wird zurückgezogen, da die Kommission des Reichstages in gleichem Sinne arbeitet. Zu dem nächsten Punkte: Die Eingeborenenfrage im Hinblick auf die wirtschaftliche und politische Entwicklung unserer tropischen Kolonien sprechen die Herren Konsul z. D. v. Vohsen und Reichstagsabgeordneter Stabsarzt a. D. Dr. Arning, deren Ausführungen mit lautem Beifall ausgenommen wurden. Ueber diesen Punkt entspann sich eine lebhafte Diskussion, an der sich u. a. Geheimrat Professor Dr. Paasche beteiligte, der für die weiße Kleinsiedlung eintrat und die verdienstvolle Tätigkeit der Missionen anerkannte.
Deutscher Flottenverein.
Danzig, 12. Juni. Die gemeinsame Sitzung des Ge- samtvorstandcs des Deutschen Flottenvereins, für die zwei Tage in Aussicht genommen waren, hat bereits heute ihren Abschluß gefunden und einen friedlichen Verlauf genommen. Zu verdanken ist dies dem energischen Eintreten deS westpreußischen Provinzialverbandes, besonders der Tatkraft des Oberpräsidenten von Jagow.
Hus Hanau Stadt und Tand
Hanau, 13. Juni.
* Lamboyfest. Begünstigt von prachtvollem Wetter vollzog sich gestern abend die Vorfeier des Lamboyfestes in der üblichen Weise. Schon in früher Nachmittagsstunde zogen die Einwohner unserer Stadt in großen Scharen dem Walde zu, in dem sich bald ein heiteres ungezwungenes Leben und Treiben entfaltete, das bis zur anbrechenden Dunkelheit währte.
* XI Deutsches Turnfest 1908 zu Frankfurt a. M. Der Finanz-Ausschuß veröffentlicht im heutigen Annoncenteil unserer Zeitung die Bekanntmachung betreffend den V 0 r v e rk a u f v 0 n D a u«r k a r t e n. Es werden hiernach für Herren, Damen und Kinder bis zu 14 Jahren besondere Karten zum Preise von 5 Mk. 3 und 2 Mk. ausgegeben, die während des ganzen Festes, das einschließlich Vorfeier, Hauptfeier und Nachfeier vom 11. bis zum 26. Juli d. J. dauert, jederzeit zum beliebigen Eintritt auf den Festplatz berechtigten. Die Karten sind nur persönlich gültig und werden auf Namen ausgestellt. Das Verzeichnis der Verkaufsstellen ist aus der Anzeige ersichtlich. Die Großartigkeit der ganzen Veranstaltung, die an Umfang und Bedeutung alle bisherigen Turnfeste weit übertreffen wird, das reichhaltige und vielseitige Programm werden wohl viele veranlassen, sich eine solche Dauerkarte zu kaufen.
* Bergtheater bei Thale am Harz. Am 25. Juli kommt Karl Engelhards dramatisches Gedicht in drei Handlungen „Frithjof und Ingeborg" im Bergtheater (Dir. Dr. Wachler) zur e r st m a l i g e n Aufführung. Das Drama behandelt einen nordischen Sagcn- stoff, der auch der bekannten Tegner'schen „Frithjofsage" zu Grunde liegt.
* The Royal Bio Co. (Direktion H. Hirdt), das größte transportable Unternehmen für lebende, sprechende, singende und musizierende Photographie, ist wiederum aus dem Meßplatze eingetroffen. Morgen Sonntag nachmittag wird die erste Vorstellung gegeben. Die erstklassigen Darbietungen, das stets dezente Familienprogramm haben dem Unternehmen einen vorzüglichen Ruf verschafft, sodaß auch diesmal der Zuspruch des hiesigen Publikums nicht fehlen wird. Die Direktion weist besonders darauf hin, daß das Unternehmen nicht zu verwechseln ist mit den in allen Städten eingerichteten Kinematographen.
* Subskription. Im Inseratenteil der vorliegenden Zeitung veröffentlichen wir eine Subskriptionseinladung der Preußischen Zentral-Bodenkredit-Aktiengesellschaft auf ihre 4°/oigen unverlosbaren Zentral-Pfandbriefe vom Jahre 1907. Der zur Zeichnung aufgelegte Betrag ist ein Teil der im Juli vorigen Jahres eingeführten Anleihe, welche seitdem an den Börsen von Berlin, Breslau, Köln, Dresden, Frankfurt a. M., Hamburg und München regelmäßig notiert wird. Gegenwärtig ist der Tageskurs 98,30, während der ZeichnungSpreis zu der am Mittwoch den 17. Juni er. statt« findenden Subskription auf 97,öG°/o festgesetzt ist. Die An-