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Waileuhauses in Hanau.
Amtliches ®rgee für §tak- uni Fmârcis Smu.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- upd Feiertage, mit belletristischer Beilage.
BerantwortL R«dâm: S. Schrecker in HM»»
Nr. 130
Ferusprechanschlutz Nr. 605.
Donnerstag den 4. Jimi
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1908
Amtliches.
Der Herr Minister des Innern hat auf Grund Allerhöchster Ermächtigung durch Erlaß vom 12. April d. J. (Nr. Ilb 1637) dem Landespferdezuchtverein zu Darmstadt die Erlaubnis erteilt, zu den öffentlichen Ausspielungen von Pferden, Fohlen und landwirtschaftlichen Geräten, die mit Genehmigung der Großherzoglich Hessischen Landesregierung in Verbindung mit den im Frühjahr und Herbst d. I. in Darmstadt statlfindenden Pferde- undFohlenmärkten veranstaltet werden sollen, auch im diesseitigen Staatsgebiete und zwar in den Stadt- und Landkreisen Frankfurt a. M. und Hanau, Lose zu vertreiben.
Die in Betracht kommenden Polizeibehörden des Bezirks wollen dafür sorgen, daß dem Vertrieb der Lose keine Hindernisse bereitet werden. (A II 3435.)
Cassel am 2. Mai 1908.
V 3577 Der Regierungs-Präsident.
J. V.: Schenk zu Schweinsberg.
Von beachienswerter Seite ist darauf hingewiesen worden, baß die auf den Straßen feilgehaltenen Mineral-Wässer, wie Selterser, Soda-Wasser u. a. m. an die Abnehmer stets eiskalt verabfolgt werden und daß der Genuß so kalten Wassers, welcher schon in normalen Zeiten leicht ernste Verdauungsstörungen von längerer Dauer nach sich ziehe, beim Drohen der Cholera die Neigung zu ähnlichen Erkrankungen befördere.
Im Auftrage des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelcgenheilen werden daher die Verkäufer von Mineral-Wässern im Ausschanke hiermit angewiesen, das Getränk fernerhin, gleichviel, ob die Cholera droht oder nicht, nur in einem der Trinkwasser-Temperatur entsprech enden Wärmearade von etwa IstâW .Celsius abzugeben. Gleichzeitig wird das Publikum vor dem Genusse eiskalter Getränke überhaupt,' also auch des zu kalten Bieres insbesondere aber der Mineral-Wässer gewarnt.
Cassel am 18. Mai 1908. (All 3752/08)
V 3809 Der Regierungs-Präsident.
J. V.: Schenk zu Schweinsberg.
Eandhms Hanau.
MmtmchlllM deß Milito LMMM.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher mache ich auf meine in Nr. 33 des „Hanauer Anzeiger" pro 1908 veröffentlichte Bekanntmachung vom 3. Februar er. — V 816 — soweit dieselbe die Eintragung der Abfohlungs- ergebnifse in das Deckregister und Einsendung des letzteren an die betreffenden Stationswärter betrifft, nochmals auf- merkjam. *
Hanau den 1. Juni 1908.
Der Königliche Landrat.
V 4000 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Politische Rundschau.
. Im englischen Unterhanse teilte der Generalpostmeister mit, daß die Vereinigten Staaten der Einführung des Pennyportos mit Großbritannien zum 1. Oktober 1908 zugestimmt hätten. Thorne (Arbeiterpartei) fragte, ob Edward Grey dem König anraten wollte, daß der Besuch Rußlands des Friedens wegen keinen amtlichen Charakter tragen möge. Der Staatssekretär erwiderte, er könne Seine Majestät nicht in dem erwähnten Sinne beraten. Als Thorne darauf fragte, ob dies so zu verstehen sei, daß die Regierung den brutalen Morden in Rußland zustimme, griff der Sprecher ein und bemerkte, diese Sprache sei einem" befreundeten Staate gegenüber nicht angemessen.
Aenderungen im Strafgesetz. Wie die„N. G. C." von gut unterrichteter Seite hört, sind Erhebungen im Gange, die zum Zwecke haben, die Strafrechtsordnung unserer Gesetzgebung zu ergänzen. Teilweise ist bereits in Vorbesprechungen eingetreten worden. Der in jüngster Zeit viel z-eirrte § 175 soll eine Verschärfung erfahren und zwar in dem Sinne, daß sittliche Verfehlungen, zu denen von dem Verführer Persönlichkeiten verleitet werden, die materiell von ihm abhängig sind, erheblich strenger bestraft werden, als dies bisher der Fall war. Weiterhin wird angestrebt, die Strafmaße für Tierquälerei zu erhöhen und den Begriff der Tierquälerei in weiterem Sinne als bisher auszulegen. Ebenso sollen alle Roheitsvergehen eine schärfere Ahndung finden, als sie der Gesetzgeber nach den bestehenden Vorschriften zuläßt. Des ferneren dürften die Gesetzesparagraphen, die sich mit Privatbeleidigungen befassen, geändert werden. Hierbei wird man wahrscheinlich soweit gehen, wie das französische Recht. Es wäre bann künftig ausgeschlossen, daß vor dem
Forum des Gerichtes der Wahrheitsbeweis für Dinge, die der Privatbeleidigung zugrunde liegen, geführt werden dürfte; ebenso würde die Möglichkeit fortfallen, Angelegenheiten aus dem Privatleben des einzelnen Staatsbürgers, die geeignet wären, das Ansehen der einzelnen Person öffentlich herabzusetzen, zu erörtern. (Man wird ohne weiteres zugeben müssen, daß die hier aufgeführten geplanten Aenderungen allgemeine Sympathie verdienen.)
Die Reichsfinanzreform. Wie die „N. G. C." hört, wird der Entwurf zur Finanzreform in diesen Tagen dem preußischen Staatsministerium zugehen. Der Entwurf wird dann von Staatssekretär Sydow dem Ministerkollegium vorgetragen und von diesem durchberaten werden. Die Arbeit, die seit dem Amtsantritt des Staatssekretärs geleistet worden ist, eröffnet, wie die Korrespondenz hört, die Aussicht, daß dem Reichstage ein großzügiger Reformplan, wie er für die Sanierung unserer Finanzen notwendig ist, vorgelegt werden wird. Es wird eine außerordentlich hohe Summe hierfür gefordert werden müssen, und man wird sich mit dem Gedanken vertraut machen müssen, daß um die Besteuerung von Branntwein, Bier und Tabak nicht herumzukommen sein wird. Ebenso dürften die Erbschaften noch in höherem Maße als bisher als Einnahmequelle für das Reich herangezogen werden. Die frühzeitige Einigung mit den Finanzministern der Einzelstaaten hat, wenn auch hier und da noch Differenzen bestehen, doch wesentlich zur Erleichterung der Arbeit beigeiragen.
Die preußischen LandtiMkmhlen.
Die Wahlmännerwahlen.
Bei den am 3, Juni, getätigten Wahlen handelt es sich nur erst um die Bestimmung der Wahlmänner, die dann am 16. Juni über die Wahl der Abgeordneten zu entscheiden haben. Aus der Parteistellung der Wahlmänner ist aber der endgültige Wahlausgang in den meisten Fällen bereits zu ersehen. Für die Parteibezeichnungen werden die nachstehenden Abkürzungen angewandt:
K — konservativ, Fk = freikonservatio, NL.= nationalliberal, FrVp = Freisinnige Volkspartei, FrVe Freisinnige Vereinigung, D =" Demokrat, S = Sozialdemokrat, Z =— Zentrum, DR = Deutsche Reformpartei, DS =r Deutsch-Soziale, B = Bund der Landwirte, M = Mittelstandspartei, P ----- Polen, D — Dänen, ChrS = Christlichsozial.
Die mit einem * bezeichneten Abgeordnetenhaus-Kandidaten gehörten schon dem Abgeordnetenhause an.
Hessen-Nassau.
Biedenkopf (bisher K). In Biedenkopf-Stadt erhielt v. Heimburg* (K) 11 Wahlmänner. Die Beteiligung war sehr schwach. Die Dörfer wählten alle konservativ.
Cassel-Stadt (Bisher NL). Dr. Schroeder* (NL) ist sicher gewählt. Die Sozialisten erhielten eine starke Minderheit.
UnterwesterMaldkreis (bisher Z). Von 255 Wahlmännern erhielt Dahlem* (Z) 195.
Limburg (bisher (Z). Von 190 Wahlmännern erhielt Cahensly* (Z) 169. Die Liberalen hatten Wahlenthaltung proklamiert.
Unterlahnkreis (bisher NL). Von 160 Wahlmännern entfallen auf Heydweiller* (NL) bis jetzt mindestens 145.
Wiesbaden-Untertaunuskreis (bisher NL). Für Bartling wurden bisher 242, für Alberti (FrVp) 112, für Vogtherr (S) 14, für Schneider (Z) 9 Wahlmänner gezählt. 46 Stichwahlen haben in Wiesbaden stattzufinden. Die übrigen Wahlmänner sind noch unbekannt. Die Wahl von Bartling* (NL) ist gesichert.
Obertaunus-Frankfurt-Laud (bssher NL). v. Bülow* (NL) erhielt 123, Goll (FrVp) 56, Stumpf-Brentano (Z) 49, Rudolph (S) 63 Wahlmänner. Schwalbach mit 5 Stimmen fehlt noch. Stichwahl zwischen v. Bülow und Rudolph.
Cassel. In Eschwege-Schmalkalden ist die Wiederwahl v. Christens (FK). in Frankenberg-Kirchhain diejenige des LandratS Riesch (FK) sicher.
Gelnftausen-Schlüchtern (bisher K). Für Meyen- schein* (K) bis jetzt 240, für Prof. Arndt (FrBer) 30, Wagner (S) 3 Wahlmänner gewählt.
Heesfeld-Rotenburg (Bisher DR). Bisher sind gewählt für Türke (K) 94 Wahlmänner, für Werner (D R) 97, für Bodelschwingh (B) 36. Die Wahl Türke (K) gegen Werner (D R) in der Stichwahl erscheint gesichert.
Hünfeld-Gersfeld. Hier sind 114 Wahlmänner für Drinnenberg (Z) gewühlt; andere Kandidaten sind nicht aufgestellt.
Frankfurt-Land. Bei der heutigen Landtagswahl wurden in der Stadt Homburg v. b. Hj Hr die National- liberalen 44 Wahlmänner und für das Zentrum 10 Wahlmänner gewählt.
Marburg. In Marburg-Stadt erhielt Landrat Neqe- lein (K) 20, Professor Reissert (NL) 41, Professor Schücking (Fr Ver) 17, Dißmann (S) 2 Wahlmänner. Nachrichten
vom Lande zufolge ist die Wiederwahl Negeleins wa^' scheinlich.
Rheinprovinz.
Köln. Im Wahlkreis Krefeld ist die Wiederwahl Königs* (Z), im Siegkreis-Mühlheim a. Rh. die Wahl der Zentrumskandidaten Geyer*. Dr. Becker* und Broos, im Kreise Rees die Wiederwahl von Fritzen* (Z), in Mörs die Wiederwahl von Vorster (sreik.) gesichert. In Wetzlar erhielt Stockmann* (K) 101, vom Rath (NL.) 70, Dr. Kollmann (FrVp) 36 und Kremser (S) 7 Wahlmänner.
Mütheim-Ruhrort Die Wahl Küchens (NL) ist gesichert.
Neutz-Grevenbroich. Marx* und Graf Spee* (Z) haben bisher eine große Mehrheit gegen Brüning und Busch (Blockparteien). Die noch fehlenden Landbezirke wählen durchweg ultramontan.
Köln-Stadt (bisher Z). Zentrum 1131, Liberale 281, Sozialisten 86 Wahlmänner.
Cffcn-Land. Die Wahl des Zentrumskandidaten Giesberts gegen den Nationalliberalen Huffmann ist gesichert.
Mülheim a. RH. (bisher Z). Zentrum 75, Liberale 54, Sozialdemokraten 47 Wahlmänner.
Crefeld-Stadt. Von 464 Wahlmännern sind 446 definitiv gewählt. Davon sind 306 für den Zentrumskandidaten Dr. ^önig, 136 liberal, 4 sozialdemokratisch.
Adenau-Ahrweiler (bisher Z). Sämtliche Wahlmänner gehören dem Zentrum an. Es war kein liberaler Gegenkandidat aufgestellt.
Trier. In der Stadt Trier sind 124 Zentrumswahlmänner und 36 Liberale gewählt. Auf dem Lande sind fast ausschließlich ZentrumSwahlmünner gewählt worden. Die Wahl der Zentrumskandidaten ist gesichert.
Kreuznach (bisher NL). Bis jetzt sind 291 nationalliberale Wahlmänner gewählt. Das Zentrum enthielt sich der Abstimmung. Die Wahl der nationalliberalen Kandidaten Hackenberg* und Engelsmann* ist sicher.
Saarburg-Merzig-Taarlouis (bisher Z). 660 Zentrumswahlmänner sind hier gewählt. Es war kein liberaler Gegenkandidat aufgestellt.
Es sind hier ausschließlich Wahlmänner für die Zentrumskandidaten Euler* und Glattfelder* gewählt worden.
Geilenkirchen-Heinsbcrg-Crkèlenz (bisher Z). Hier sind mit minimalen Ausnahmen nur Wahlmänner für die Zentrumskandidaten Gutsbesitzer Schlick und Amtsgerichtsrat v. Eynatten* gewählt worden.
Bonn (bisher Z). Im Stadtkreis Bonn erhielten Faßbender* und Hauptmann* (Z) 236, Hauenstein und Schmidt (NL) 82 Wahlmänner : im Landkreis Bonn und Kreis Rheinbach ist mit großer Mehrheit ebenfalls das Zentrum gewählt worden.
Düsseldorf (bisher Z). Auf Kirsch und Dr. Schmitt (Z) sind hier 698 Wahlmänner entfallen ; auf Kehren und Schmidt- Ernsthausen (NL) 305, auf die Sozialdemokraten 58 Wahlmänner. Stichwahlen in 87 Fällen.
Gelvcrn-Kcmpcn (bisher Z). Die Wahl der Abgg. Hoeveler (Z) und Underberg (Z) ist gesichert.
Düren-Jülich (bisher Z). Hier sind fast ausschließlich die Wahlmänner für die Zentrumskandidaten Rentner Stupp* und Postverwalter Busch* gewählt worden.
Daun-Prüm-Bitburg (bisher Z). Hier sind 395 Wahlmänner ausschließlich für das Zentrum gewühlt. Die Liberalen haben sich der Wahl enthalten.
Elberfeld-Barmen (bisher NL FrVp). Die vereinigten Liberalen erhielten 487, die Sozialisten 284, die Konservativen 222 Wahlmänner. Stichwahlen sind in 104 Fällen notwendig, die für die Liberalen günstig sind. Außerdem stehen noch drei Bezirke aus.
Koblenz-Tt. Goar (bisher Z). Für Müller* (Z) und Wellstein* (Z) würben 446, für Gräff und v. Osteroth (NL) 106 Wahlmänner gewählt. Es fehlen nur 3 Bezirke.
Nemvied Altenkirchen (bisher K und Z). Das Zentrum erhielt 148, die Liberalen 48, die Konservativen 31 Wahlmänner.
Schleiven-Montjoie Malmevh (bisher Z). Hier sind einige wenige Liberale sonst nur Wahlmänner für die Zen- trumskandidaten, Hauptlehrer Kesternich und Bürgermeister a. D. Fleuster, gewählt worden.
Cleve (bisher Z). Eine große Mehrheit für den Frhrn. v. Loë-Bergerhansen (Z) ist hier gesichert.
Soliugen-Rcmschciv-Lrunep (bisher NL und FrDp). Die vereinigten Liberalen Eickhoff (FrVp), Friedberg (NL) und Gottschalk (NL) erhielten 637, das Zentrum 136, die Sozialisten 393, die Sozialliberalen 26, die Christlichsozialen 27 Wahlmänner. Der liberale Sieg ist sicher
Mettmann. Die Wahl Böttingers* (NL), der von allen bürgerlichen Parteien unterstützt wird, ist sicher. Die Sozialdemokraten errangen nur eine geringe Stimmenzahl
Duisburg-Oberhausen. Die Wahl des National- liberalen Dr. Beumer ist gesichert.
München-Gladbach. Hitze* und Mies* (Z) haben bis ;etzt o40, Goeters und Peltzer iBlockparteien) 200 Wahl- «X^ ausstehende Wahlbezirke können di.
Zentrumsmebrhert nur noch verstärke».