Dimmler K Anzeiger
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Erscheint täglich mit Ausnahme der S«m-> und Feiertage, mit belletristischer Bâge.
Atk. 124 Fernsprechanschlutz Nr. 605»
Mittwoch den 27. Mai
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Fernsprechanschlutz Nr. 605» 1908
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14 Seiten
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Anstriches.
Stadtkreis Hanau.
Zwecks Ausführung des Baues des Hauptsieles II wird die Straßenstrecke der Philippsruher Allee von der Hellerbrücke bis zum Wasserturm Philippsruhe für die Zeit vom 1. k. Ntts. ab auf die Dauer von 6 bis 7 Wochen für Fuhrwerke, deren Breite mehr als 2,5 m und deren Gewicht mehr als 100 Zentner beträgt, gesperrt. Desgleichen ist diese Strecke für den Durchgangsverkehr und für Wagen gesperrt, welche mit Heu, Stroh oder Langholz beladen sind, sowie für Kraftfahrzeuge und für Möbelwagen.
Uebertretungen dieses Verbots werden auf Grund der Polizei-Verordnung vom 6. April 1877 (A.-BI. S. 137) mit Geldstrafe von 10 bis 30 Mk. eventl. mit entsprechender Haft bestraft.
Hanau den 25. Mai 1908.
Königliche Polizei-Direktion.
F 5141 v. Beck erath.
Der Herr Oberpräsident zu Cassel hat durch Erlaß vom 25. v. Mts. — Nr. 4110 — zu der von dem landwirtschaftlichen Kreisverein Hanau am 7. September d. J. gelegentlich einer landwirtschaftlichen Ausstellung beabsichtigten Verlosung von Pferden, Vieh, landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten, sowie Haushaltungsgegenständen zum Besten der Deckung der Kosten der Ausstellung und der Prämiierung von Zuchtvieh rc. die Genehmigung erteilt.
Der Vertrieb der Lose ist in dem Regierungsbezirke Cassel unb in dem Stadt- und Landkreise Frankfurt a. M. gestattet.
Hanau den 25. Mai 1908.
Königliche Polizei-Direktion.
5142 v. Beckerath.
Landkreis Hanau.
Bkkmllnchlngen des Königlichen LnndrntsNAts.
Wegen Vornahme von Dampfwalzarbeiten wird der Landweg durch Bruchköbel nach Oberissigheim von Nummerstein 0,0 bis 2,4 für Kraftfahrzeuge jeglicher Art, sowie für durchgehendes Lastfuhrwerk mit mehr als 20 Ztr.
Feuilleton
8» Miittii da SmiM Union 27. M1818.
2S./5. 1658 — 27./5. 1818 — 25-/5. (27.5.) 1908.
Eine Etappenstratze.
Ansprache des Pfarrers B ä r beim Familien-Abend der Johanniskirchengemeinde (24./5).
Motto: „Der Jungbrunnen deutscher Geschichte » ist das Stahlbad für die Gebresten
unseres Geschlechtes."
Zur Zeit der Erbauung unserer Johanniskirche lebte der melberuhmte Volksprediger Abraham a Santa Klara, ein in Deutschen Landen gar hochgeachteter und beliebter Kanzel- redner an dessen herzerquickendem Humor sich auch der Mensch des 20. Jahrhunderts noch erlaben kann, wenn er ihm nämlich im Stillen einige für unseren Geschmack allzu aufdringliche Narrenschellen von seinem Gewände abschneidet. Es wäre zu wünschen, daß über den Schlägen der Narren- stss^lchE und dem Geklingel der Schellenkappe doch die Schlage des goldenen Herzens solcher echt deutschen Männer — seines Schlages haben wir noch manche — und der Glocken- klang ihres heiligen Bußeifers von der vielgeschäftigen, ober- flachlichen, heillos zersplitterten und zerfahrenen Gegenwart nicht überhört wurde. Gibt es — Hand aufs Herz! — nicht auch heute Werg und Stroh genug, obwohl wir's so herr- weit gebracht, in das wiederum etwa der „Hanauische «uß- und Feuerprediger" vom Jahre 1681*), unser Langer- mann von der Johanniskirche, kraft des ihm innewohnenden Mophetengeistes, könnte er hier unter uns erscheinen, die -Brandfackel seines heiligen Zornes schleudern würde?! Wie enn überhaupt von der Vergangenheit und aus den Schicksen, Meinungen und Taten der hohen Väter gar viel für m / ^taße Zeit zu lernen. — Ich habe mich nun gefragt, " wan solche Kraftmenschen, bloße hauende Schwerter
*) Festschrift S. 871
Ladegewicht für die Zeit vom 27. Mai bis 6. Jimi b. J. polizeilich gesperrt.
Uebertretungen dieses Verbots werden auf Grund der Polizei-Verordnung vom 6. April 1877 (Reg.-Amtsblatt Seite 137) mit Geldstrafe von 10 bis 30 Mark, subsid. mit entsprechender Haft geahndet.
Hanau, 26. Mai 1908.
Der Königliche Landrat.
V 3831 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Konkursverfahren.
Ueber das Vermögen ^des Spezereihändlers August Gee in Hanau-Kesscistadt ist heute am 25. Mai 1908,. nachmittags 2 Uhr 40 Minuten das Konkursverfahren eröffnet.
Der Kaufmann Conrad Hestermann in Hanau ist zum Konkursverwalter ernannt.
Offener Arrest und Anzeigepflicht, sowie Termin zur Anmeldung bis zum 25- Juni 1908. Erste Gläubigerversammlung am 19. Jimi 1908, vormittags 11 Uhr. Prüfungstermin am 10. Juli 1908, vormittags 11 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht 5 hier, Marktplatz Nr. 18, Zimmer Nr. 5.
Hanau den 25. Mai 1908. 11475
Der Gerichtsschreiber Kgl. Amtsgerichts 5.
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
G e f u n d en: 1 Kinder-Regenschirm.
Verloren: 1 goldener Kettenring, 1 kleine dreieckige eiserne Platte.
Hanau den 27. Mai ,1908.
............................ii- " -'--.........'-
- Englisches Unterhaus.
Die Zusammenkunft König Eduards mit dem Zaren.
London, 26. Mai. In der heutigen Sitzung des Unterausschusses fragte O ' Grady (Arbeiterpartei) den Premierminister Asquith, ob angesichts der gegenwärtigen Beziehungen zwischen der russischen Regierung und den Mitgliedern der ersten Duma die englische Regierung Schritte unternehmen wolle, damit die geplante Zusammenkunft zwischen den Herrschern beider Länder unterbleibe. Premierminister Asquith erwiderte mit dem Hinweis, daß der König den Besuch noch nicht erwidert habe, den der Kaiser von Rußland nach seiner Thronbesteigung dem englischen Hofe abgestattet habe und daß zugleich der König dem russischen Hofe anläßlich seines eigenen Regierungs-
und Feuerbrände aus der Vorzeit beschwören könnte, wie diesen Langermann oder jenen Abraham, daß s i e uns heute abend einmal hier eine Vorlesung hielten, wie würden s i e d a s wohl a n f a n g e n? Es ist ja seit den Tagen, da Saul bei der Hexe zu Endor einkehrte, bekanntlich immer eine heikle Sache, Geister und Schatten der Vergangenheit zu beschwören, und zumal Geister aus so entlegener Zeit. Man muß sie erst ein wenig zurechtstutzen, sie in Lack und Klack und Frack stecken, damit sie gesellschaftsfähig werden. Denn so sagt man, „die Vergangenheit ist für die Gegenwart immer das Unvollkommene!" Und gegen solche Modernisierung sträubt sich nun einmal ihr muskulöses Kraftmenschentum. Das bloße hauende Schwert will nichts von der prüden Scheide wissen. Und der Feuerbrand fragt nicht nach der polizeilichen Genehmigung. Darum ist mir "ein klein wenig bange, wage ich's doch, jene verzeihlichen Recken der Rede an meiner Statt hier auftreten zu lassen. Sie könnten etwa unterlaufende Derbheiten auf mein Konto setzen. Dich Abraham, heilig klarer, kenne ich zudem zu gut, als daß ich nur einen Augenblick zweifelte, du würdest es genau wieder so machen wie vor 200 Jahren, würdest wuchtigen Schrittes nicht rechts nicht links schauend, unbeirrt von dieser glänzenden modernen Eleganz nnd Ueberfeinerung, ungerührt vom Liebreiz der „Jungfrawen", von denen du ebenso unbündig wie ungalant urteilst: „sie sind nix wert", nicht achtend des entzückenden Gesanges der goldklaren Nachtigallenkehlen, der uns heute abend erfreut, hier heraufsteigen und im Stil deiner berühmten dauernden Philippika also anheben.*) „Ich will auch heute predigen von Nuß, aber nicht von Aerger- nuß, wiewohlen ihr ein Aergernuß seid vor allen Landen mit eurem schnöden Kaltsinn, eurer Herzenshärtigkeit und Genußsucht, mit euren vollen Kirchen und eurem leeren Lamboywald" (o Abraham, das fängt ja gut an; also
♦) Nebenbei bemerkt: ich beziehe mich auf historische Worte. Daß Abraham übrigens der kathol. Kirche angehörte, der Einwand schreckt mich nicht. D«S tut seiner hohen hinieden großen, in der Ewigkeit vollendeten GerechtigkcitSlicbe keinen Eintrag. Hören Sie selbst, ob er nicht trotzdem und vielleicht gerade darum ein unparteiischer Zeuge und Richter und also ein passender Gast in unserer Mitte zu sein vermag.
ai trittes noch den üblichen Besuch schuldig sei, den er den Herrschern und Staatsoberhäuptern aller anderen Staaten Europas bereits abgestaltet hab«. UeberdieS hatten der König und die Königin seit sieben Jahren nicht Gelegenheit, ihren Neffen und ihre Nichte zu sehen. Der Premierminister schloß seine Rede mit der Bemerkung, daß die auswärtigen Beziehungen beider Länder durch diesen Besuch nur gewinnen könnten und daß die inneren dadurch in keiner Weise berührt würden.
O ' G r a d y erwiderte auf die Red« deS Premierministers, indem er zunächst darauf hinwies, daß England seit jeher in den Augen Europa» als der Hort der repräsentativen Institution gegolten habe und indem er sodann dem Minister die Frage vorlegte, ob es ihm bekannt sei, daß hundert Mitglieder der ersten Duma und fünfzig Mitglieder der zweiten Duma, wie gemeine Verbrecher behandelt, in Sibirien oder in Gefängnissen schmachten oder ihr gerichtliches Verfahren erwarten, das wahrscheinlich niemals stattfind«n werde. Sri es ferner dem Minister bekannt, daß in Rußland noch immer amtliche und nichtamtliche Morde ungesühnt bleiben, daß die Urheber solcher Taten vom Zaren dekoriert worden seien und daß Personen, die man im Verdacht« habe, der Regierung unfreundlich gegenüberzustehen, auf geheimnisvolle Weise verschwänden — mitten in ihrem Freundrskreise oder mitten iw ihrer Arbeit? (Beifall.) — Der Redner schloß seine Anfrage mit der Aufforderung, die Volksvertreter möchten dem Könige nahrlegen, den Besuch von Reval seines offiziösen und repräsentativen Charakters zu entkleiden.
Premierminister Asquith gab seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß in der Form der Fragestellungen die inneren Angelegenheiten eines fremden Staates zur Sprache gebracht worden seien, gleichgültig, um welchen Staat es sich dabei handele. Er glaube, die Gründe genugsam dargelegt zu haben, die allein dieser Reise zu Grunde liegen. (Beifall.) Wenn O'Grady ferner gefragt habe, ob dieser Besuch seines repräsentativen Charakters nicht entkleidet werden könne und ob sich der Regierung nicht ein Präzedenzfall in der Tatsacke biete, daß England seine Verbindungen mit Serbien aus Gründen gelöst habe, die im Vergleich mit den jetzigen Vorgängen in Rußland als geringfügig erscheinen müßten, so habe er, schloß der Premierminister, darauf zu erwidern, daß er eine Analogie zwischen diesen beiden Fällen nicht zu finden vermöge.
Ward (Arbeiterpartei) fragt an, ob Premierminister Asquith die Gefahren bebaut habe, die dem Staatsoberhaupt aus den gegenwärtigen Verhältnissen in Rußland erwachsen könnten. — ©ine Antwort hierauf wurde nicht gegeben. O'Grady kündigte einen VertagungSantrag an, um die Aufmerksamkeit auf die Haltung der Regierung zu
ironisieren kannst du auch I Aber die du meinest, laß dir daS in Klammern sagen, die sind ja gar nicht hier!) Du aber würdest ohne Wimpernzucken fortfahren: Nein, ihr windigen Gesellen, verzeiht es mir, ihr Mannen und Frauen, daß ich euch also titolir', ich will auch nicht predigen von Kümmernuß und Betrübnuß, wiewohlen unsern Herrgott gar arge Kümmernuß und Betrübnuß überkommet, wannen er eurem Treiben zuschauet. Auch nicht von Haselnuß und Wälschnuß will ich reden, sintemalen Jahreszeit und Witterung dazu wenig aufmuntert, sondern vom hl. Johannuß." Nicht wahr, da lachen wir und fallen ihm ins Wort, nicht nur der Wortunform wegen, sondern auch im Bewußtsein unseres besseren geschichtlichen Wissen?: Ach, bester Abraham, mit dem haben wir von der Johanniskirche ja gar nichts zu tun! Das würde er aber, zielbewußt und voll goldener Rücksichtslosigkeit, wie er nun einmal ist, ganz und gar überhören und also perorieren: „Als welcher ist gewesen zu seinen Zeiten ein gewaltiger Bußprediger, der euch so nötig wäre wie daS liebe Brot. Wie er auch einstmalen von seinem Geist geschicket eurem M. Johanni Lau- renzio Langermannio, meinem Zeitgenossen, so mich aus dem Reiche der Schatten heraufgeleitet und nun hier an meiner Seiten stehet, daß auch er nicht vor Gold und Wappen und sella curnlis Halt gemacht und gezittert, sondern unerschrocken gesaget: es ist nicht recht, daß Du sie hast (wie ihr des Weiteren nachlesen möget in der Festschrift, so in euer aller Händen ist S. 87), und ich sage euch heute im Maße des Geistes des hl. Johannuß, so mir unwürdigem Maden- sack zuerteilet: Es ist nicht recht, daß ihr sie habt, nämlich eure iemaßen ohn Zweifel gar schlicht und einfältige, jedennoch ziere, Gemüt < rechende Johnnniskirche, zumalen anjetzo im Schmuck Elchen bunten Fenster prangend! Sothanèn TenipIum tu t ihr gar nicht! WaSmaßèn ihr ihn nicht zu schätzen in als den Ort, da Gottes Ehre wohnet' Ansonsten ihr um nicht so veröden '.assen würdet, daß klagend und stöhnend Laren und Lemuren aus dem Schattsnlande darin umherirren, wannen der Pastores Stimme überall an die Wände anprallet und im leeren Gestühl sich verfanget als welcher Geister sind eurer Ahnen, so einst ihren sauren Schweiß an die Erbauung dreier Kirche gewandt. Wo nun das