Hanauer K Anzeiger
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ftdtââuck und Verlag der Buchdruck«« bd vâ M, Waisenhauses m Hanau.
Astliches Orzm für Sielt- ani LMKreis ganaa.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 122
Fer»sprecha«schl«tz Nr. 605
Moiitais den 25. Mai
F-rnsprechanschlutz Nr. 605» 1908
Amtliches.
Bekanntmachung,
Derserrdmrg von Pakete» während der Psingstzeit.
Die Versendung mehrerer Pakete mittels einer Post- pakrtadresse ist für die Zeit vom 31. Mai bis einschl. 7. Juni weder an inneren deutschen Verkehr noch im Verkehr mit dem Ausland — ausgenommen Argentinien — gestattet. Nach Argentinien sönnen auch in dieser Zeit mehrere, jedoch höchstens drei Pakete, mit einer Postpaketadresse versandt werden.
Berlin W 66 den 6. Mai 1908.
Der Staatssekretär des Reichs-Postamts, ' ____________I. A.: Gieseke.__________
Stadtkreis Hanau.
Die über das Gehöft des Bäckers Heinrich Trach, Schützenstraße 12 hier, verhängte Sperre ist aufgehoben. Hanau den 23. Mai 1908.
Königliche Polizei-Direktion.
P 5172____________v. Beckerath.___________________
Eandkreis Hanau.
Muntm-We« des Königlichen Lnndrntsnmts.
Der Kreistierarzt Witttt«ger hier ist in der Zeit vom 25. ds. Mts. bis 21. Juni beurlaubt Mit seiner Vertretung ist der Kreistierarzt Schirmer in Gelnhausen beauftragt.
Zur Vornahme der Ergänzungsschau nach den Vorschriften des Schlachtvieh- und Fleischbeschau-Gesetzes bleibt auch während der Beurlaubung des Kreistierarztrs dessen ständiger Vertreter, Tierarzt Hufnagel, zuständig.
Hana« den 23. Mat 1908.
Der Königliche Landrat.
V Sir. 3254 EL v. Beckerath.
Zwangsversteigerung
Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Hochstadt belegenen, im Grundbuche von Hochstadt Band 18 Blatt Nr. 851 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Maurermeisters Peter Burger M Hochstadt eingetragenen Grundstücke:
L. Kartenblatt X, Parzelle zu 788/236, Gebäudesteuerrolle 179, Hofraum, Hanauer Weg Nr. 1401/a,
• a) Wohnhaus mit Hofraum,
b) Stallgebäude A,
Feuilleton.
Der Siluklingshüter und F
(Mn Besuch in Heidelberg.) von Softf M. Juritttk-Frankfurt a. M.
(Nachdruck verboten.)
, In diesen Tagen erst wußte der Draht zu melden, daß m Karlsruhe in Gegenwart der Großherzogin-Witwe, der Großherzogin Hilda, der Prinzessin Max von Baden, von Ver- tretern der Stadt und einer Anzahl geladener Gäste die feierliche Eröffnung eines dem alten Hospital angegliederten Sträusschen Milchlaboratoriums erfolgt ist. Die Großher- ^gin-Witwe nahm Gelegenheit, in einer Ansprache die große Bedeutung der Sträusschen Bestrebungen, ihre hochwichtigen sanitären Endziele zu beleuchten. Der Name Natan Strâus lst in Amerika so populär und bekannt, wie der von Rot- lchild in Deutschland. Den „Milchkönig" nennt ihn die Presse. Natan Straus ist es, der seit etwa 16 Jahren in Amerika Hunderttausende mit keimfreier Milch versorgt, der m dem Säuglingstod zu steuern gewußt hat. Gebt jedem Säugling, dem die Muttermilch oder einwandfreie Milch nicht gereicht werden kann, pasteurisierte Milch und Ihr werdet die Säuglingssterblichkeitum 25-50 pCt. herabdrücken.
Diese Idee hat Natan Straus, der ein geborener Deutscher lst, und in seinen Jugendjahren nach Amerika auswanderte, durch 16jährige erfolgreiche Tätigkeit in Amerika bewiesen, ^verteilt im Sommer täglich in den Parks von 18000 bis ^0000 Glaser pasteurisierte Milch. Die städtische Behörde yat hierfür eigens Kioske in den öffentlichen Parks errichtet.
werden täglich in seinem Newuorker Laboratorium ufende von Flaschen guter Kindermilch bereitet. Im vorigen r "llein. über 3 Millionen Flaschen verteilt, halben Einkaufspreis. Nun hat adrett ^ Müchkomg die Fahrt über den Ozean an- getreteu, um ferne Bestrebungen, die in Amerika die Säug«
Große 2 ar 43 qm, Gebäudesteuernutzungswert 60 Mk.
2. Kartenblatt X, Parz. 791/266 rc., Garten im Jäger, Größe 2 ar 14 qm, Grundsteuerreinertrag 0,75 Mk.,
am 9. Juli 1908, vormittags 11 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle — Marktplatz 18, Zimmer Nr. 14 — versteigert werden. Hanau den 12. Mai 1908.
Königliches Amtsgericht Abt. 2. 11335
LMmrtMlicher SrttSitrtti Hm».
Nächste Versammlung Samstag den 39. d. M., nachmittags S1^ Uhr, im Gasthaus „zum goldnen Löwen" hier.
Tagesordnung r
1. Geschäftliche Mitteilungen.
2. Besprechung über die im September d. Js. staiifindende Bezirkstierschau.
3. Besprechung über die Anlage einer Jungviehweide.
4. Feststellung der Reise zur Besichtigung der Jungviehweide bei Schloß Nauses im Odenwald.
5. Mitgliederaufnahme.
6. Sonstiges.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, die vorstehende Bekanntmachung in ihren Gemeinden wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.
Hanau, den 24. Mai 1908.
Der Königliche Landrat.
v. Beckerath.
Hmm Dckkranktvkssse.
Bekanntmachung.
Die Ortskrankenkasse ist für das Publikum wie folgt geöffnet:
vormittags 8—1 Uhr, nachmittags 3—5 Uhr, Samstag 8—3 Uhr ohne Unterbrechung.
Meldescheine (An-, Ab- u. Verânderungs-
lingssterblichkeit, die 1891 noch 96,5 pCt. betrug, bis auf 55,8 pCt. im Jahre 1905 herabgesetzt haben, auch auf dem Kontinent und speziell in Deutschland populär zu machen, mit einem Worte: Er wollte auch in Deutschland helfen. Erfolgreich war bisher die Tätigkeit des amerikanischen Milchkönigs in Deutschland. Wohlgemerkt: Unentgeltlich hat er schon Pasteurisierungsanstalten in Liverpool, München, Dublin, Sandhaufen bei Heidelberg eingerichtet. Karlsruhe ist diese Woche gefolgt. Vorderhand will der deutsch-amerikanische Philantrop weitere Anstalten in Deutschland nicht mehr errichten. Da seine Tätigkeit also in dieser Beziehung, was eigene Anstalten anbetrifft, abgeschlossen ist, ist es inleressannt, Natan Straus selbst über seine Erfolge in Deutschland reden zu lassen.
In Heidelberg hat Straus seit seinem Weilen auf dem Kontinent, sein Laboratorium, von hier aus unternahm er seine Exkursionen, opferte Zeit und Geld, um seine Idee zu popularisieren. Ein soziales Werk hat Straus auch in Deutschland vollbracht, denn in Sandhaufen bei Heidelberg z. B. hat er in 3 Monaten die Säuglingssterblichkeit auf die Hälfte herabgedrückt. Von Frankfurt unternahm ich daher in diesen Tagen eine Fahrt nach Heidelberg, um Strauß persönlich über sein Wirken im Dienste der Säuglinge zu befragen. In seinem Laboratorium traf ich den Kinderfreuno an. Wie einfach und bescheiden! Man glaubt in dem Studierraum eines bescheidenen Gelehrten zu sein. „Ich will nichts von meinen Arbeiten haben, ich opfere gern, wenn ich nur den hilflosesten Geschöpfen der Welt, den Säuglingen, ihr Leben durch Ernährung mit gesunder Milch erhalten kann 1" So etwa bekannte im Laufe der mehr denn einstündigen Unterredung Straus sein Lebensziel.
Im September 1907, so erfuhr ich in der Unterhaltung, war Straus nach Europa gekommen, um den internationalen Kongreß für Säuglingsernahrung in Brüssel beizuwohnen. Ueber 400 Gelehrte und Mediziner von etwa 26 Nationen nahmen an diesem Kongresse teil. „Welche Unkenntnis", sagte Straus, sand ich da. Was in Amerika so unendlich viel Segen gebracht, so unendlich viel Sorgen und Kümmernisse den 9Jiüttern genornmen hat; man wußte davon nichts auf diesem Weltkongresse. Da entschloß ich mich auf dem
scheine) sowie Zahlungen werden mit vor.
mittags entgegengenommen.
Hanau den 25. Mai 1908.
Der Vorstand. 11363
I. Schabt, 1. Vorsitzender.
Politische Rundschau.
Jahrhundertfeier der Stadt Barmen.
Barmen, 23. Mai. Der Himmel ist regenfr«, die Stadt herrlich geschmückt. Pünktlich 10 Uhr 49 Minuten traf das Kronprinzenpaar zur Jahrhundertfeier der Stadt Barmen auf dem Hauptbahnhofe ein. Die hohen Herrschaften wurden empfangen vom Oberbürgermeister Voigt, dem Minister des Innern, v. Moltke, dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz, Frhrn. v. Schorlemer, und dem Regierungspräsidenten von Düsseldorf, Schreiber. Der Kronprinz trug die Uniform der Pasewalker Kürassiere, die Kronprinzessin ein lila Kleid mit hellgelbem Ueberwurf. Nach der Begrüßung fuhren die Herrschaften nach dem Rathausplatz, wo das Kronprinzenpaar von Fanfaren begrüßt wurde. Ein l200köpfiger Männerchor trug die „Allmacht" von Lachner vor. Bei der Grundsteinlegung zum Rathausneubau hielt Oberbürgermeister Voigt eine Rede, in der er zunächst den Kronprinzen und die Kronprinzessin bewillkommnet» und kür ihr Erscheinen dankte. Er versicherte die Anhänglichkeit und Treue der Bevölkerung Barmens an daS Herrscher- Haus, warf dann einen geschichtlichen Rückblick auf die B«- drückung Deutschlands durch Napoleon und erwähnte bett Jubel der Barmer bei der Besitzergreifung des Bergischen Landes durch die preußische Krone am 5. April 1815. Redner schilderte sodann die Entwicklung der Stobt, ihre öffentlichen Einrichtungen und Gebäude und des gemeinnützigen Sinn ideal denkender Männer. Mit dem Jahre der Barmer Jahrhundertfeier falle das hundertjährige Jubiläum der ersten preußischen Stâdteochnung zusammen. Nachdem der Oberbürgermeister über die Bedeutung der Selbstverwaltung der Städte gesprochen, betonte er, daß das neue HauS ein Haus der Arbeit für das Wohl der Bürger sein soll«. Hierauf wurde eine Kapsel mit der Urkunde über die Grundsteinlegung und einige Münzen mit dem Bildnis des Kaiserin den Grundstein gelegt. Zum Schluß bat der Oberbürgermeister den Kronprinzen, die ersten drei Hammerschläge auf den Grundstein zu vollziehen. Mit einem Hoch auf beg Kaiser schloß die Rede. Die Anwesenden stimmten begeistert in das Kaiserhoch ein. Der Kronprinz dankte; es würd« ihm eine Denkschrift mit der Geschichte der Stadt Barm«»
Kontinent zu bleiben, um auch hier mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln den Säuglingen zu helfen, um so auch das Los der deutschen armen Mütter zu erleichtern. Ich habe meinen Vorsatz ausgeführt und jetzt nach einem Jahre den Erfolg geerntet, daß die Großherzogin-Witwe von Baden sich gleichfalls an die Spitze meiner Bestrebungen gestellt hat. Sehen Sie, es ist schwer, dem Neuen ohne Tamtam den Weg zu ebnen. Man konnte und wollte anfangs nicht glauben, daß ich unentgeltlich ohne jeden Verdienst, ohne jede Ent- lohung, sich meinen Bestrebungen opfere. WaS ich tue, sollt« jede Stadt von sich aus in Angriff nehmen. Die Städte versteht man mit Licht und Wasser, führt das Dampfroß über Gefilde und Tristen, hinauf in schwindelnde Bergeshöhe, achtet man aber mit gleicher Liebe und Sorgfalt auch der armen Säuglinge? Die liegen in schmutzigen Windeln in düsteren Kammern und werden mit schlechter Milch kümmerlich ernährt. Schützet zuerst die Säuglinge, denn die kleinen Erdenwürmer sollen doch unsere Zukunft sein, für sie wird doch sonst gearbeitet und rastlos immer Neues geschaffen.
Während Strans so sprach, ging er von Apparat zn Apparat, unterstützt von seinem Assistenten und experimentierte weiter.
„Dem Säugling die beste Nahrung, das ist mein Sebent«
„Worin besteht eigentlich Ihre Methode?" fragte ich.
„Hören Sie bitte! Die rohe Milch wird in besonderen Apparaten bis 70 Grad Celsius erhitzt, wird 20 Minuten lang auf dieser Temperatur gehalten und muß dann schnell abgekühlt werden. Dadurch sind alle krankhafte» Keime und Bazillen getötet, der Nährwert der Milch ist nicht geringer als der Rohmilch und das Kind bekommt gesunde Nahrung. Das ist alles!" y a
„Und die Kosten?"
Straus zuckte die Achseln. „Kosten" fragen Sie. „Ich nähere mir die Ausgaben nicht, ich notiere mir lieber di« Erfolge. Was nützt mir mein Geld, wenn ich tot bin. Die Anstalten, die ich jetzt in Deutschland errichtet habe, haben Abertausende verschlungen. Ich werde jetzt als Abschluß meiner Tätigkeit auf dem Kontinen: mit