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Hanauer K Anzeiger

SüMShttich 130 ant, monatlich 60 Pfg., für aW

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristisch« Beklage.

Ml. 119 F-rnsprechanschlettz Nr. 605»

Amtliches.

Wiederaufnahme des Wetternachrichten­dienstes in Norddeutschland.

Der während der Sommermonate der letzten beiden Jahre durchgeführte öffentliche Wetterdienst wird im laufenden Jahre mit dem 1. Mai wieder eingerichtet. Es soll durch Aus­gabe von Wettervorhersagen und durch rasche Verbreitung von Wetterkarten in erster Linie den Landwirten Gelegenheit gegeben werden, das jeweils bevorstehende Wetter bei ihren Arbeiten besser berücksichtigen zu können.

Den beteiligten Kreisen rufen wir nachstehend die wichtigsten Punkte über die Einrichtung des Wetterdienstes und seiner Aufgaben ins Gedächtnis zurück.

Das Gebiet Norddeutschlands ist in 10 Wetterdienst­bezirke eingeteilt, deren jeder eine Wetterdienststelle besitzt. Die Dienststellen haben ihren Sitz in Königsberg in Pr., Brom­berg, Breslau, Berlin, Hamburg, Magdeburg, Ilmenau, Weilburg, Frankfurt a. M. und Aachen. Alle diese Dienst­stellen empfangen an jedem Morgen durch ' Vermittlung der Hamburger Seewarte telegraphisch die Wetterbeobachtungen, die um 8 Uhr morgens an etwa 70 über ganz Europa ver­teilten Wetterstationen angestellt sind. Außerdem erhalten sie telegraphische Morgenberichie von einer Anzahl wichtiger Orte ihres Bezirks und Postkarten von einer größeren Zahl über Deutschland verteilter Stationen, die das Wetter des Vor­tages melden.

Mittels dieser verschiedenen Angaben werden Karten über die Witterungsverteilung in Europa hergestellt. Auf Grund von Vergleichungen dieser Karten mit denen der vorange­gangenen Tage sowie auf Grund genauer Beobachtungen der Witterungsvorgänge am Ort der Wetterdienststelle werden alsdann Wettervorhersagen für den nächsten Tag (von Mitternacht bis Mitternacht) aufgestellt. Diese Vorhersagen, die nach den klimatischen Unterschieden innerhalb des Bezirks für verschiedene Gebietsteile oft verschiedene Fassung erhalten, werden der nächstgelegenen Telegraphenanstalt bis 11 Uhr vormittags mitgeteilt, von dieser telegraphisch an alle Tele­graphenanstalten des Bezirks gegeben und während der Sommermonate dort von 12 Uhr mittags öffentlich ausge­hängt. Sie sind außerdem gegen mäßige Abonnementsge­bühren durch die Post zu beziehen oder telephonisch zu er­fragen. Die Vorhersagen kennzeichnen das Wetter kurz und sollen außerdem nach Möglichkeit regelmäßig aussprechen, ob am nächsten Tage Niederschläge zu erwarten sind.

Außer der Vorhersage wird während des ganzen Jahres eine gedruckte Wetterkarte in den Vormittagsstunden herge­stellt und baldmöglichst durch die Post verbreitet. Die Wetter­karte ist eine Landkarte, die mit einfachen und auf jedem

Feuilleton.

Lâcns- und Ltebcsllängc"

ausgewählte Gedichte von Joseph Holzman» ° Hanau.

Einhübsches, schmuck ausgestattetes Bändchen liegt vor uns, gefällig das Aeußere, feffelnd das Innere, von der Liebe und vom Leben klingend und singend. Weiche Sttmmungs- gebilde und Schöpfungen ernsteren Charakters ziehen in an­genehmer Reihenfolge vor dem Auge des Lesers vorüber und werden ihm sicherlich einige Befriedigung gewähren. Die nachfolgenden Gedichte sind der Sammlung entnommen:

Der Mutter Lled.

Das Liedlein war so einfach, Das meine Mutter fang; Doch oft und gerne lauscht' ich Des Liedes süßem Klang.

Und einstens sang sie wieder, Sie sang so wunderbar. Der Sonne gold'ne Strahlen Küßten ihr blondes Haar. Dott war's zum letzten Male, Daß meine Mutter sang. Doch übers Grab noch gittert Des Liedleins Wunderklang.

Freihett auf den Bergen

Ich steh auf luftiger Bergeshöh; Schon glanzt die Sonne herauf. Vergangen ist mein Leid und Weh. 8rei atmet die Serie auf.

Donnerstag den 21. Mai F-rnsprechanschlutz Nr. 605. 1908

Blatt erklärten Zeichen die Verteilung des Luftdrucks über ganz Europa darstellt und Angaben über Temperatur, Be­wölkung, Niederschlag und Wind an den einzelnen Be- obachtungsstationcn enthält. Sie gibt also einen Ueberblick über die Wetterlage in Europa um 8 Uhr vormittags des Kartenausgabetages. Außerdem enthält die Karte eine kurze sachliche Schilderung der Witterungsverteilung und eine all­gemeine Wettervorhersage. Diese Karten erleichtern somit dem Leser das Verständnis für die am eigenen Wohnort be­obachteten Witterungsoorgänge und geben ihm die Möglich­keit, seine eigenen Anschauungen über das Wetter zu ver­vollkommnen. Es wäre sehr zu wünschen, daß seitens der Gemeinden auf die Wetterkarte abonniert würde, um sie an allen Telegraphenanstalten, Dienstgebäuden, Schulen oder an sonst geeigneten Plätzen öffentlich auszuhängen. Auch ist zu hoffen, daß zahlreiche Private von der Möglichkeit des billigen Abonnementsbezuges (monatlich 50 Pfg.) Gebrauch machen. Sämtliche Postanstalten nehmen Bestellungen entgegen.

Da der Wert der Wetterkarten durch tunlichst beschleunigte Zustellung erhöht wird, wird alles versucht werden, um die Zustellung an die Abonnenten noch im Laufe des Ausgabe­tages zu bewirken, soweit dies überhaupt nach den postalischen Einrichtungen möglich ist.

Es muß auch jetzt wieder ausdrücklich hervorgehoben werden, daß der Wetternachrichtendienst eine neue Einrichtung ist, die immer noch mehr oder weniger den Charakter eines Versuchs trägt und dementsprechend zu beurteilen ist. Wenn demnach zurzeit nicht erwartet werden kann, daß sich der Wettervorhersagedienst als eine durchweg einivandfreie Ein­richtung erweist, so wird doch dies Ziel um so eher und um so vollständiger erreicht werden, je mehr die beteiligte Be­völkerung durch verständnisvolles Eingeherk auf die geschilderten Verhältnisse zur Ueberwindung der Schwierigkeiten und zur Förderung des Gelingens beiträgt.

Vorstehendes bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis. Den Herren Bürgermeistern empfehle ich wiederholt die Be­schaffung der Wetterkarten, soweit diese noch nicht gehalten werden.

Hanau den 14. Mai 1908.

Der Königliche Landrat.

V 3434 I. V.: Siemon, Reg.-Affeffor.

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.

Nachdem der Fluchtlinienplan für den Salisweg

Strecke Frankfutt-Hanauer Eisenbahn bis Hauptstraße durch Beschluß vom 12. d. Mts. förmlich festgestellt worden

Mit Jubel begrüßt ich den neuen Tag Hier oben auf freier Erd', Wo frei das Volk ein wüchsiger Schlag, Beschirmt den heiligen Herd.

Noch seh ich die Flammenzeichen glühn In schwarzer Wetternacht, Für Recht und Freiheit die Wackeren ziehn In die blutig-heiße Schlacht.

Begeisterung flammt durch meine Brust; Wohl eine Welt fühl' ich mein Und jubelnd sing ich, mit Herzenslust, Mein Lied in die Berge hinein.

Willkommen mir, Du freie ®ryi In Sturm und Sonnenschein Möcht ich, der edlen Väter wst, Dein freier Sohn wohl sein.

Frühlingsmorge«

Wonnig ist der Frühlingsmorgen, Lüfte ziehen wunderweich, Wecken mild im Tal die Blumen Und des Waldes grün Bereich.

Und die Aeste wogen leise Hin und her ein Wunderklang; In den Wipfeln singen Vöglein Ihren ersten Maiensang.

Bächlein hüpft durch grüne Auen, Murmelt trauten Morgengruß, Und versteckt die Blümlein tauschen Lebenswarmen Liebeskuß.

Tausendfach die Säfte sprießen; Sonne lacht von blauen Höhn Und an Eck und Enden klingt es: Frühling, du bist wunderschön.

ist, wird er auf Grund des § 8 des Gesetzes vom 2. Juli 1875 von nun an im Rathause, Zimmer 21, während der Geschäftsstunden zu jedermanns Einsicht offen gelegt.

Hanau den 16. Mai 1908.

Der Magistrat.

Hild. 11061

Bekanntmachung.

Die Turngemeinde Hanau hat den Reinertrag des zum Besten der Kinderkrippe auf geführten Festspiels:Der Streit der Jahreszeiten" mit 132 Mk. an uns gezahlt, worüber hiermit dankend quittiert wird.

Hanan den 9. Mai 1908.

Das Kuratorium der StiftungKinderkrippe".

Dr. Gebeschus. 11063

Politische Run dich au.

Der Kaiser beim Fürsten Bülow. DieNord­deutsche Allgemeine Zeitung" meldet: Der Kaiser sagte sich gestern bei dem Reichskanzler und der Fürstin Bülow zum Frühstück an. Hierzu waren geladen: Staatssekretär von Bethmann-Hollweg, die Staatsminister v. Tirpitz, v. Einem, Delbrück, v. Moltke und Sydow, die Unterstaatssekretäre v. Loebell und Stemrich, Vizeadmiral Müller, der Gesandte v. Flotow, Wirkl. Legattonsrat Frhr. von dem Bussche- Haddenhausen, die diensttuenden Flügeladjutanten Oberst Frhr. v. Marschall, Major Neumann-Cosel, der Kommandeur des 2. Garde-Ulanen-Regiments, Oberstleutnant und Flügel- adjutant v. Bülow und Hauptmann v. Schwartzkoppen.

Preußischer Landtag. Der im Juni neu zu wählende preußische Landtag wird Ende Juni oder Anfang Juli einberufen werden. Das geschieht, um der Bestimmung der Verfassung zu genügen, wonach das Abgeordnetenhaus binnen 90 Tagen nach den Neuwahlen einzuberufen ist. Es trifft aber nicht zu, wenn gemeldtt wird, daß das Abge­ordnetenhaus dann schon in irgendwelche materiellen Ver­handlungen eintreten wird. Vielmehr wird das Haus auf Grund einer königlichen Order vertagt werden (wodurch die Diäten in Fortfall kommen) und erst im Spätherbst seine Arbeiten aufnehmen. Erst dann wird auch die Thronrede verlesen werden.

Eifenbahu-Betriebsergebnifse. Die Betriebsein, nahmen der preußisch-Hessischen Staatseisenbahnen haben im April d. I. im Personenverkehr 3,1 Millionen, gleich 7,14 Prozent mehr, im Güterverkehr 2,5 Millionen gleich 2,46 Prozent weniger, insgesamt einschließlich der sonstigen An­nahmen 7 Millionen gleich 0,48Prozent mehr als im gleichen

Ueber die Wipfel.

Ueber die Wipfel ist hingegangen Leise ganz leise die eilende Zett; Blümlein sind verwelkt verblühet, Bäume zeigen ihr Sterbekleid.

Stille warb ich mit scheuem Erbeben Einstmals im Mai um die Liebst« hold ; Ach die Blätter sind abgefallen Und oerborrt der Liebe Sold.

Ferne muß ich unstät wandern Bäume zeigen ihr Sterbekleid: Ueber die Wipfel ist hingegangen Lesse ganz leise die eilende Zeit.

Heckenröslet«.

Wie mich dqs Heckenröslein traut Beguckt, wie es so freudig schaut Hervor aus dunklem Blättergrün: Will mich an'S duftend Herze zieh«. Wie lieblich lächelt's im lauen Wind, Wie wiegt es sein Kffpfchen, das luftige Kind Wie träumt es vergnügt in die Welt hinein, Umwoben vom goldenen Sonnenschein.

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Der Fischerknabe»

Ein Fischerknabe angelt

An sonnigem Meeresstrand:

Da kam ein Nixlein geschwommen Zu ihm her an das Land. * Der Knabe beugt sich nieder Und küßt es auf den Mund ; Die Angel fiel ins Wasser Ihn zog es tief'in den Grund. Doch als drei Tage verstrichen, Lag tot der Knabe am Land Die Nixen tanzen den Reigen Um ibn am sonniaen Strand.