1 8. Ma^___________________ soll den künftigen deutschen Kaiser der Zuruf der Turner begrüßen. Die erste Abteilung des Festzuges verkörpert, wie schon berichtet, die Entwicklung der Leibesübungen von der Urzeit an bis zur Entfaltung ihrer allgemeinen und hohen Blüte in der Turnerei. In verschiedenen farbenreichen Gruppen wird diese Entwicklung dargestellt, und es ist nichts gespart worden, um diesen Teil durch treue und prächtige Trachten und Ausrüstungen möglichst glanzvoll zu gestalten. Um den Turnern und sonstigen Zugteilnehmern Gelegenheit zu geben, auch diesen ersten Teil des Festzuges zu sehen, nimmt er in der Viktoria-Allee Aufstellung, worauf dann die Turner an ihm vorbei in den Festplatz einziehen.
* Johanniskirche. Mit Rücksicht auf die in der Kirche vorgenommenen baulichen Arbeiten werden nächsten Sonntag keine Gottesdienste gehalten.
* Kontrollabstempelnng ausländischer Lospapiere. Laut Beschluß des Bundesrats sind die an den deutschen Börsen zugelassenen ausländischen Lospapiere bis zum 16. Juli 1908 mit einem Kontrollstempel abzustempeln. Zur Abstempelung werden nur solche Lose zugclasien, bei deren Prüfung die bisherige Stempelmarke ober der Stempelaufdruck für nicht gefälscht befunden wird. Die Abstempelung der unten bezeichneten Lospapiere ist daher für jeden Besitzer zur Vermeidung späterer Verluste unbedingt erforderlich. Die baldige Einreichung der Lose empfiehlt sich, da Lose ohne Kontrollstempel später ihre Lieferbarkeit an den deutschen Börsen einbüßen; Kuponsbogen sind bei der Einreichung nicht beizufügen. Es kommen in Frage: Belgische Kommunal-Kredit 100 Fr.-Lose von 1868, Clary 40 st.- Lose von 1856, Donau-Regulierungs 100 fl.-Lose von 1870, Finnländische 10 Tlr.-Lose von 1868, Freiburger 15 Frcs.- Lose von 1860, Genua 150 Lire-Lose von 1869, Holland. Kommunal-Kredit 100 st.-Lose von 1871, Lütticher 80 Fr.- Lose von 1853, Madrider 100 Frcs.-Lose von 1869, Mailänder 45 Lire-Lose von 1861, Mailänder 10 Lire-Lose von 1866, Neapeler 150 Fr.-Lose von 1868, Oesterreich. Credit 100 st.-Lose von 1858, Oesterreich. 500 u. 100 st.-Lose von 1860, Oesterreich. 100 st.-Lose von 1864, Ofener 40 st.- Lose von 1859, Ostender 25 Fres. - Lose von 1858, Paiffy 40 fl. - Lose von 1855, Russische 100 Rubel- Lose von 1864, Russische 100 Rubel - Lose vn 1866, Salm-Reifferscheid 40 fl.-Lose von 1855, Stuhlweißenburg- Raab-Grazer 150 fl.-Lose von 1871, Türkische 400 Frcs.- Lose von 1870, Ungarische 100 fl.-Lose von 1870, Venediger 30 Lire-Lose von 1869, Wiener Rudolfstiftung 10 fl.-Lose von 1864. (Siehe heutigen Inseratenteil).
* Kauft am Platze! „Der Manufakturist" vom 9. Mai schreibt: Zu diesem wiederholt von uns behandelten kategorischen Imperativ finden wir im Jahresbericht der Handelskammer Wiesbaden folgende sehr zutreffenden Ausführungen : „Zu bedauern bleibt es, daß trotz der bekannten Leistungsfähigkeit der hiesigen Firmen, die in. Bezug auf die Preiswürdigkeit ihrer Waren auswärtigen Firmen mindestens ebenbürtig, häufig sogar überlegen sind, noch vielfach von auswärts bezogen wird. Es glauben Viele, sie würden von den Reisenden oder nach Katalogen auswärtiger Firmen vorteilhafter kaufen können als am Platze. Wenn sie aber mit Sachkenntnis und Objektivität die Angebote genau vergleichen würden, dürften sie in unendlich vielen Fällen geradezu das Gegenteil herausfinden." — „Der Manufakturist" sagt hierzu: Diese Stellungnahme der Wiesbadener Handelskammer verdient vollste Anerkennung. Wie bereits früher, so empfehlen wir auch bei dieser Gelegenheit den Detaillisten, in der Tagespresse den Ruf t „K a u f t a m P l a tz e I" öfter als bisher erschallen zu lassen.
_ * Turnerisches. Mit Eintritt der lang ersehnten besseren Witterung hat die Turngemeinde ihren Turnbetrieb ins Freie verlegt und finden die Turnstunden der Jugend- abteilung Dienstag, Donnerstag und Samstag von 7^2 bis 9 Uhr statt. Die Spielmannschaft übt außer Samstag auch Mittwoch abends von ß1^ bis 9 Uhr auf dem Spielplatz der Turngemeinde.
* Zur guten Duelle. Wie weisen wiederholt auf oas heute stattfindende Konzert der beliebten Sängertruppe, die Lustigen Tiroler, hin. Die Gesellschaft hat sich während ihrer kurzen Anwesenheit in unserer Stadt durch ihr zum Vortrag gebrachtes dezent gehaltenes Familienprogramm äußerst beliebt gemacht und können wir einen Besuch nur empfehlen, da uns die Truppe in Kürze verlassen wird, um ihren Verpflichtungen in anderen Städten nachzukommen. (Siehe Inserat.)
* Aus dem Zoologischen Garten in Frankfurt a. M. Das vor kurzem vom weißen Meer importierte Renntier-Paar überraschte durch einen ganz unvorhergesehenen Familienzuwachs. Das reizende Junge befindet sich äußerst wohl und wird von der Mutter fürsorglich gepflegt. Die Fortpflanzung von Renntieren in unseren Klimaten ist eine höchst bemerkenswerte Seltenheit. Die Renntiere vom weißen Meer bilden eine besondere geographische Abart dieses interessanten hochnordischen Nutztieres und zeichnen sich durch bedeutende Größe und auffallend helle Färbung aus, sie gelten allgemein als die schönste Lokalrasse. Hoffentlich gelingt es, den munteren Sprößling des hiesigen Paares am Leben zu erhalten. Die Wasserbecken in den Volieren des Vogelhauses werden durch neuangekommene kleine Stclzvögel, wie Pfuhlschnepfen, Kiebitze und Kampf- laufer wirkungsvoll belebt. In der großen Mittelvolière fallen besonders die schonen und seltenen Weka-Rallen aus Neuseeland auf. Außerordentlich lohnend ist z. Zt. ein Be- 'uch des Aquariums. Die Seewasserabteilung bietet uns wieder neue ^merkwürdige Seetiere aus Triest, die Tier- k v „^üßivasserabteilung wurden wesentlich vermehrt und die Behälter zum großen Teil neu und geschmackvoll ^ngenchtet, während die Reptiliensammlung die seit ihrem Venehen wohl beste und interessanteste Besetzung aufweist, erwähnt sei hier nur, daß z. Zt. 7 Arten Riesenschlangen, „ „ Krokodile und 9 Arten Giftschlangen ausgestellt sind.
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* Ravenstein's Wegemarkierungskarte vom gesamten Taunus mit Rhein- uns Lahntal sowie großen Teilen des Westerwaldes. Diese in 9fad)em Farbendruck auf Leinwandpapier in sehr handlichem Formate hergestellte Karte reicht von Gießen bis Mainz, von Münzenberg bis Coblenz und bringt erstmals die gesamten Wegemarkierungen dieses großen Gebietes auf einer klaren und übersichtlichen Karte in den Originalfarben. Für das zur Darstellung gebrachte Gelände waren seither 5 verschied e n e Karten nötig; dabei fehlte aber das sehr wertvolle Gesamtbild des Jneinandergreifens der einzelnen Routen. Bei dem sehr billigen Preise von nur Mk. 1.50 werden bald alle Touristen im Besitze der Karte sein. Ganz besonders kann dieselbe aber für Wanderungen durch den ganzen Taunus, zu denen sie geradezu unentbehrlich ist, empfohlen werden. Bezogen werden kann die Karte durch alle Buch- und Papierhandlungen, sowie von Ludwig Ravensteins Verlag, Frankfurt a. M.
* Häute-Versteigerung. Gestern fand in Sachsenhausen die 77. Häute- und Felle-Versteigerung der Fleischer- Innung statt, der sich die Städte Darmstadt, Hanau, Offenbach, Nürnberg und Erlangen anschloffen. Von Frankfurt wurde folgendes Gefälle auf den Markt gebracht: 1365 Ochsenhäute, 938 Kuhhäute, 199 Rindhäute, 114 Bullenhäute, 6604 Kalbfelle, 2060 Hammelfelle. Der Besuch war schwächer wie gewöhnlich, doch herrschte rege Kauflust, so daß binnen kurzem das gesamte Gefälle glatt begeben wurde. Kuh-, Rind- und Ochsenhäute zogen gegen letzte Auktion etwas im Preise an, Kalb- und Hammelfelle mußten dagegen eine Kleinigkeit nachgeben. Die Blößen blieben unverkauft. Es wurden folgende Preise erzielt für Frankfurter Ware: schwarze Kuhhäute bis 70 Pfd. 39 Pfg., über 70 Pfd. 37 Pfg., besch. schwarze Kuhhäute 34 Pfg.; rote Kuhhäute bis 70 Pfd. 45-461/» Pfg., 71—80 Pfd. 441/: bis 46 Pfg., 81-90 Pfd. 45 Pfg., 91-100 Pfd. 44 Pfg., über 100 Pfd. 43^2 Pfg., besch. rote Kuhhäute bis 80 Pfd. 42^2 Pfg., über 80 Pfd. 42^2 Pfg.; schwarze Rindhäute 44 Pfg., besch. schwarze Rindhäute 38 Pfg.; rote Rindhäute bis 60 Pfd. 50^2 Pfg., 61—70 Pfd. 51 Pfg., 71—80 Pfd. 50 Pfg., über 80 Pfd. 49 Pfg., besch. rote Rindhäute 46 Pfg.; Bullenhäute bis 100 Pfd. 34 Pfg., über lOO Pfd. 29 Pfg., besch. Bullenhäute 28 Pfg.; bunte Ochsenhäute bis 80 Pfd. 40^2 Pfg., 81-100 Pfd. 38 Pfg., über 100 Pfd. 37 Pfg., besch. bunte Ochsenhäute 34^/r Pfg.; rote Ochsenhäute bis 80 Pfd. 44 Pfg., 81—90 Pfd. 45 Pfg., 91-100 Pfd. 43^2 Pfg., 101-110 Pfd. 40 Pfg., 111-120 Pfd. 39 Pfg., über 121 Pfg. 40 Pfg., besch. rote Ochsenhäute bis 80 Pfd. 40 Pfg., 81—100 Pfd. 39 Pfg., 101—110 Pfd. 38 Pfg., über 110 Pfd. 36'/- Pfg.; Kalbfelle mit Kopf unter 6 Pfd. 4.10 Mk., 6—7 Pfd. 5.90 Mk., 7—8 Pfd. 7 Mk., 8—9 Pfd. 8.10 Mk., 9- 10 Pfd. 8.90 Mk., 10—11 Pfd. 9 Mk., 11 Pfd. und mehr 8.90 Mk.; Kalbfelle obne Kopf unter 6 Pfd. 5.10 Mk., 6-7 Pfd. 6.70 Mk., 7—8 Pfd. 8.10 Mk., 8—9 Pfd. 9 Mk., 9—11 Pfd. 9.70 Mk., 11 Pfd. und mehr 9.60 Mk.; Blößen: unverkauft; große Wollfelle 4.40 Mk., kleine Wollfelle 2.80 Mk., Lammfelle 2 Mk.
* Pfandverschleppung. Die Oöermühke bei Langenselbold wechselte im Herbst v. I. durch Zwangsversteigerung den Besitzer. Der seitherige Inhaber, Müller und Landwirt Georg Heinrich B., hatte kurz vorher 25 Treibriemen verkauft und glaubte infolgedessen, daß diese nicht mit zum versteigerten Besitztum gehörten. Der neue Besitzer erkannte aber die geltend gemachten Eigentumsrechte nicht an und ließ die Riemen einen Tag vor B.'S Auszug, am 1. Oktober v. I., pfänden. B. nahm die Riemen aber nichtsdestoweniger mit. Er behauptet, dies nur getan zu haben, weil er die Riemen als sein Eigentum betrachtete und sie vor Beschädigung oder Diebstahl in der leerstehenden Mühle bewahren wollte. Das Schöffengericht Langenselbold nahm jedoch an, daß es ihm um eine Schädigung des neuen Besitzers zu tun war und verurteilte ihn wegen Pfandverschleppung zu 2 Monaten Gefängnis. Die Strafkammer hält eine Schädigungsabsicht nicht für erwiesen, zumal B. sofort den Ortsdiener und kurz darauf auch den Gerichtsvollzieher von der Mitnahme benachrichtigte, und erkennt auf Freisprechung.
* Viehseuchen. Im Regierungsbezirk herrschen zur Zeit in folgenden Ortschaften Viehseuchen: Schweineseuche (Schweinepest): Stadtkreis Cassel: Cassel; Landkreis Cassel: Ochshausen, Oberzwehren, Harleshausen, Sandershausen, Niedervellmar, Niederzwehren; Kreis Eschwege: Grebendorf; Kreis Fritzlar: Obervorschütz, Brünchenhain, Werkel; Kreis Gelnhausen: Kassel, Rothenbergen, Mernes, Eiden- gesâß, Wittgenborn, Leisenwald; Landkreis Hanau: Ostheim, Eichen, Rüdigheim, Niederdorfelden; Kreis Hofgeismar: Hombressen, Niedermeiser, Gottsbüren; Kreis Melsungen: Melgershausen; Kreis Rotenburg: Oberthalhausen; Kreis Schlüchtern: Dellings; Kreis Herrsch. Schmalkalden: Asbach; Kreis Ziegenhain: Ibra. Influenza der Pferde. (Brustseuche): Stadtkreis Castel: Castel; Kreis Hofgeismar: Beberbeck; Kreis Witzenhausen: Unterrieden, Ermschwerd; Kreis Ziegenhain: Holzburg.
* Marktpreise. Im Monat April 1908 betrug in Hanau der Durchschnittspreis für 100 kg Weizen Mk. 20.90, Roggen Mk. 19.35, Gerste Mk. 19.54, Hafer Mk. 17.18, Erbsen (gelbe) zum Kochen Mk. 19.—, Speise- Bohnen (weiße) Mk. 24.50, Linsen Mk. 40.63, Eßkartoffeln Mk. 5.88, Richtstroh Mk. 4.74, Krummstroh Mk. 3.79, Heu Mk. 6.90, Rindfleisch im Großhandel Mk.' 130.50; im Kleinhandel für 1 kg von der Keule Mk. 1.70, vom Bauche Mk. 1.55, Schweinefleisch Mk. 1.80, Kalbfleisch Mk. 1.53, Hammelfleisch Mk. 1.50, Speck (geräuchert) Mk. 2.20, Eßbutter Mk. 2.61, Eier ein Schock — 60 Stück Mk. 3.90.
* Ladenpreise. Im Monat April 1908 betrug in Hanau der Durchschnittspreis für 1 kg Mehl zur Speisebereitung aus Weizen 35 Pf., Roggen 26 Pf., Gcrstcn- Graupe 45 Pf., -Grütze 38 Pf., Hafergrütze 48 Pf., Hirse
33 Pf., Reis, Java (mittlerer) 48 Pf., Kaffee, Java-, mittlerer (roh) 2 Mk. 20 Pf., gelber (in gebrannten Bohnen) 2 Mk. 80 Pf., Speisesalz 21 Pf., Schweineschmalz 1.60 Mk.
* Wäschediebstahl. In der Nacht vom 13. zum 14. d. M. wurden aus einem Garten am Saliswege Wäschestücke im Gesamtwerte von etwa 170 Mk. gestohlen. Unter den gestohlenen Sachen befanden sich weiße Damen-Unter- röcke, ein weißes Batistkleid im Werte von 67 Mk., eine Bluse, farbige Bettbezüge, weiße Damenhemden rc. Am andern Morgen wurde ein großer Teil der gestohlenen Wäschestücke auf der anliegenden Wiese und im Krebsbach zerschnitten vorgefunden. Es gewinnt sonach den Anschein, als ob ein Racheakt oder ein Bubenstreich vorliegt. — Weiter erfahren wir, daß in der vergangenen Nacht am Forsthaus 3 große Bettüberzüge, 1 weißgestreiftes Leinentuch, gezeichnet N. W., ein schwarz und weiß kariertes Hauskleid, sowie aus einem Garten an der Leipzigerstraße 3 weiß und grau karierte Hauskleider und andere Wäschestücke gestohlen worden find. Sachdienliche Mitteilungen werden auf Zimmer Nr. 1 der Kgl. Polizeidirektion entgegengenommen.
* Entsprungener Zuchthäusler. Der am 30. Sept. 1905 vom Gießener Schwurgericht wegen Totschlags zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilte Maurer Gottlieb Karl Bauer aus Glashütten ist am Montag aus dem Philippshospital bei Goddelau, wo er zur Beobachtung seines Geisteszustandes untergebracht war, entwichen. Bauer hatte am 11. Septbr. 1905 in Büdingen den Fuhrmann Wilhelm Bieber erschossen. Der Flüchtige ist ohne jede Mittel.
Oeffentlicher Wetterdienst.
(Beobachtungendes Physikalischen Vereins, Frankfurt.) Voraussichtliche Witterung für die Zeit vom Abend des 15. Mai bis zum nächsten Abend.
Noch vielfach trübe mit Niederschlägen.
Hus Dab und fern«
r. Marburg, 14. Mai. In der heutigen Stadiver- ordnetensitzung wurde mitgeteilt, daß die an die Regierung gerichtete Eingabe, die Eisenbahn durch das Wohratal anstatt nach Kirchhain nach Marburg zu führen, in ablehnendem Sinne beschieden worden sei, weil die Linie zu teuer würde.
Heesfeld, 14. Mai. In Bad Hersfeld ist mit dem Bau eines großen Sanatoriums für Magen-, Darmleiden und Stoffwechselerkrankungen begonnen worden. Die Leitung der Anstalt wird ein Spezialist, Herr Dr. med. Böttcher in Elberfeld übernehmen. Die Pläne sind von Herrn Architekt Poppe in Frankfurt a. M. angefertigt worden. Der Hersfelder Lullusbrunnen, eine schon im Mittelalter angesehene und vielbesuchte alkalisch-sulfatische Quelle ist die stärkste Glaubersalzquelle des Deutschen Reiches. Hersfeld im schönen, mit Wäldern umgebenen Fuldatale gelegen, ist Station der Hauptlinien Hamburg-München, Berlin- Frankfurt und der Nebenbahn Hersfeld-Treysa. Prospekt« unentgeltlich durch die Hersfelder Brunnengesellschaft.
Darmstadt, 13. Mai. Der Schuhmacher O h l von Babenhausen, der am 28. Dezember v. I. seine Frau in der Wohnung durch Messerstiche tötete, ist auf Grund eines psychiatrischen Gutachtens außer Verfolgung gesetzt und aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Das nach längerer Beobachtung erstattete Gutachten geht dahin, daß der stark nervöse und leicht erregbare, aber sonst normale Ohl sich bei der Bluttat durch starke Gemütsbewegung (Eifersucht, Zorn und verschmähte Liebe) in einem die freie Willcns- bestimmung ausschließenden Zustand der Bewußtlosigkeit oder krankhafter Störung der Geistestätigkeit befunden habe. Ohl hatte seine Frau im Verdacht verbotener Beziehungen zu einem kurz vorher entlassenen Gesellen gehabt und eine hierdurch veranlaßte Szene endigte damit, daß er sie blindwütend durch etwa 60 Stiche tot zu Boden streckte, worauf er sich in höchster Verzweiflung tmd Reue selbst der Behörde stellte.
)( Offenbach a. M., 14, Mai. Die Stadtverordnetenversammlung setzte in ihrer heutigen Sitzung den städtischen Steuerausschlag pro 1908 auf 154,8 Prozent fest, was gleichbedeutend ist mit einer Erhöhung um rund 31 Prozent. Gegenüber dem Voranschlag des Vorjahres ist ein Mehraufwand von 888 000 Mk. durch Steuererhöhung zu decken. Eine längere Debatte entspann sich zwischen den Wortführern der bürgerlichen und sozialdemokratischen Fraktion über die Wertzuwachssteuer und die Besitzwechsclabgabe. Stadtv. Ulrich bemängelte, daß der Voranschlag diese von ihm beantragten Steuerarten unbeachtet gelassen habe, worauf ihm entgegnet wurde, daß eine Vorlage über diese Steuern doch noch nicht eingegangcn sei, also auch Beträge über das Ergebnis, da entsprechende Unterlagen fehlen, nicht in den Voranschlag eingestellt werden konnten. Ueber die Zweckmäßigkeit einer Besitzwechsclabgabe waren die Meinungen zwischen den Führern der bürgerlichen und sozialdemokratischen Partei geteilt.
O Mühlheim a. M., 14. Mai. Der größte Forscher der Neuzeit auf dem Gebiete der Bienenzucht, Herr D i ck c l- Darmstadt, wird Sonntag den 17. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, im „Bayrischen Hof" dahier einen Vortrag halten. Alle Freunde der edlen Imkerei sind hierzu eingeladen.
Gießen, 14. Mai. Nach einer Mitteilung, die der Oberbürgermeister heute in der öffentlichen Stadtverordneten- sitzung machte, ist aus Wiesbaden hierher die Nachricht gelangt, daß es höchst zweifelhaft ist, ob der Kaiser am Montag, an welchem Tag« er hier erwartet wurde, nach Gießen kommt. Es sei auch zweifelhaft, ob der Kaiser in diesem Jahr überhaupt hier eintrifft.
11. ordentliche Bezirksversammlung der Bäckermeister Mitteldeutschlands.
M Eschwege, 13. Mai. In Anwesenheit von über 200 Bäckermeistern aus allen Gauen Mitteldeutschlands, vornehmlich aus Kurhessen, tagte heute nachmittag der Fweig- verband Mitteldeutschland des deutschen