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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Berank»»»«. Redakteur: «. « ch re L e< * Ham»

Mr. 104 Fernsprechanschlutz Nr. 605»

Montag den 4. Mai

Fernsprechanschlutz Nr. 605. 190 8

Amtliches.

Neber die Ergebnisse der bevorstehenden Wahlen zum Hause der Abgeordneten werden, gleichwie bei früheren Wahlen, durch die Wahlvorsteher und Wahlkommissare wieder Zählbogen und Zählkarten ausgefüllt werden.

Dies bringe ich mit dem Bemerken zur allgemeinen Kenntnis, daß diese Erhebungen lediglich statistischen Zwecken dienen. (A I 1885.)

Cassel am 23. April 1908.

Der Regierungs-Präsident.

______I. V.: Schenk zu Schweinsberg._______

Gemäß § 26 der Verordnung vom 30. Mai 1849 (Gesetz-Sammlung Seite 205 und Amtsblatt 1867 Seite 793) über die Ausführung der Wahl der Abgeordneten zur zweiten Kammer und des § 23 des Wahlreglements vom 14. März 1903 und 20. Oktober 1906 (Sonderbeilage zum Regierungsamtsblatt Nr. 4 vom 23. Januar 1907, sind zu Wahlkommissaren bei der bevorstehenden Abgeordnetenwahl von mir ernannt worden:

1. für den 1. Wahlbezirk pp.

14. für den 14. Wahlbezirk (Kreise Hanau Stadt und Land) Königlicher Landrat von Beckerath in Hanau. (A I 1741II).

Cassel den 14. April 1908.

Der Regierungs - Präsident.

V »237__________I. V.: Schenk.........

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.

, Nachdem der Plan betreffend die Abänderung der Flucht­linienVor dem Kanaltor und des Kanalplatzes" durch Beschluß vom 23. d. Mts. förmlich festgestellt worden ist, wird er auf Grund des § 8 des Gesetzes vom 2. Juli 1875 von nun an im Ralhause, Zimmer 21, während der Geschäftsstunden zu jedermanns Einsicht offengelegt.

Hanau den 27. April 1908.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 9805

. Unter den am Dienstag den 5. Mai d. I., nach­mittags 2 Uhr, im Hofe deS Althanauer Hospitals zur Ver­steigerung gelangenden Gerätschaften der Armenverwaltung befinden sich auch diejenigen Gegenstände, welche auf städtischem Besitz gefunden worden sind.

_ Die Eigentümer werden aufgefordert, ihre Ansprüche bis spätestens im Versteigerungstermin geltend zu machen.

Hanau den 30. April 1908.

Der Magistrat, Armenamt. 9765

Feuilleton.

Die HoWnigsbmg.*)

Von Wilhelm Schultz.

Kein Gau in den deutschen Landen ist so reich an groß­artigen Burgruinen wie der Elsaß. Dieses alte, heiß um­strittene Grenzland mit seinem blutburchtränkten Boden ist von jeher durch Raubzüge und kriegerische Verwicklungen oft und schwer heimgesucht worden. Wegen seiner Lage an der Hauptvölkerstraße des Mittelalters trachteten die jeweiligen Machthaber Frankreichs und andere zu allen Zeiten nach dem Besitz des Landes. Infolgedessen waren die zahlreichen Vogesenpässe von strategischer Bedeutung. Zu ihrer Sperrung luden gebieterisch die steilen und schroffen Berg- und Fels­hänge zum Bau von Schutz- und Trutzwehren gegen die anstürmenden Feinde ein. Bis in die Zeiten nach dem 30jährigen Kriege hatten die frühmittelalterlichen Burgen ihren strategischeil Wert behauptet. Ja, die Feste Lichten­berg mußte noch 1870 einen Tag lang von den Württem­bergern beschossen werden. Aber all die Burgen und späteren Festungsanlagen konnten nicht verhindern, daß in den Zeiten tiefster Ohnmacht und größter Zersplitterung Deutschlands der alte Erbfeind mitten im Frieden diese Grenzmark an sich riß. Erst als nach fast zwei Jahr­hunderten derselbe böfe Nachbar gegen seinen Willen die deutschen Stämme einte und in Feuer unb Blut zusammcn- schweißte, wurde sie von der Fremdherrschaft befreit.

Unter den vielen elsäßischen Paßsperren ist eine der schönsten und größten dir Hohkönigsburg. So stolz, wie

*) Quelle«: Bodo Ebhardt: Denkschrift über dieWi-derherstellung der HohkönigSburg; ders.: Zur Baugeschichte der HohkomqSvurg; ders.: Vortrag: die Burgen bei Elsaß; ders.: Führer durch die Hoy- külligSburg.

Bekanntmachung.

Ein schwarzer Jagdhund mit rostbraunen Abzeichen (Gordonsetter), männlich, ist hier als zugelaufen gemeldet.

Langendiebach den 1. Mai 1908.

Der Bürgermeister.

Rüger. 9837

Politische Rundschau.

Das Kaiserpaar auf Korfu.

Korfu, 3. Mai. Die Majestäten machten gestern nach­mittag mit ihren Umgebungen noch einen Ausflug in Auto­mobilen nach Pantaleone. Zur Abendtafel auf derHohen- zollern" waren der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland geladen. Heute vormittag hielt der Kaiser Gottesdienst an Bord derHohenzollern" ab.

Kabinettskrise in Persien.

Teheran, 2. Mai. Das Kabinett hat demissioniert, der Schah hat die Demission angenommen. Einen Grund zur Demission bildete die angebliche Einmischung der fremden Mächte in die inneren Angelegenheiten Persiens.

Teheran, 3. Mai. Die vom Schah angenommene Demission des Kabinetts wurde durch den Mangel an Mitteln zur Auszahlung der von den Beamten und dem Militär dringend geforderten Gagenrückstände veranlaßt.

Grenzunrnhen.

Petersburg, 3. Mai. Aus Urmia wird vom 29. April gemeldet, daß die an der Grenze des Dolabezirks stehenden Kurden der Bevölkerung vorfchluzen, in türkische Untertanenschaft zu treten nnd daß sie im Weigerungsfälle mit neuen Ucberfällen drohten. Einige Dörfer erklärten sich zu dem verlangten Schritte bereit; andere weigerten sich und rüsten zum Widerstande. Die persischen Behörden entsandten 250 Infanteristen und 60 Reiter dem bedrohten Bezirk zur Hilfe. Das Kommando über die Grenzsestung Tschiarik und die Bewachung der Straße Urmia - Salmas wurde dem Kurden Bek Schckak Symko übertragen, der als Anhänger der Türken gilt. Symko, der mit 600 Reitern erschien, ver­trieb seinen Amtsvorgänger, Ismail Aga.

Teheran, 3. Mai. Aus den Städten Khoi, Salmas und Urmia wird gemeldet, daß am 28. April die Kurden zahlreiche Dörfer in der Umgebung zerstört, über 2000 Per­sonen getötet und Eigentum und Vieh der Bewohner geraubt haben. Sie bedrohen jetzt die genannten drei Städte. Auch in Azerbaigan sind Unruhen ausgebrochen, welche Verluste an Menschenleben und Eigentum im Gefolge hatten.

Tâbris, 3. Mai. Im Grenzorte Maranda verwehrte

ihr Name, so kühn erhebt sie sich auf steilem Bergkegel am Ostrande des alten deutschen Wasgenwaldes unweit Schlett- stadt. Im Osten breitet sich zu ihren Füßen die ober­rheinische Tiefebene auS. Ueber diese hinweg schweift der Blick des Burgbeschauers bis zum Straßburger Münster mit seinem Hinterlande, zum Kaiserstuhl mit dem Schwarzwald im Hindergrunde, zum Schweizer Jura und dem Berner Oberlande. Im Westen zieht sichlängs der französischen Grenze der mit finsteren Tannenwäldern bedeckte Gebirgs­stock hin. Stolz und trotzig schauen die festen Türme und Zinnen der Burg auf die etiva 500 Meter tiefer gelegenen Pässe des Leber- und Weilertales hinab.

Von wie hoher Bedeutung diese Feste gewesen ist, ergibt sich ausdem Umstande, daß Oesterreich seit Sigismunds Zeiten, besonders seit 1520, mit eifersüchtiger Sorge über den Zustand des Baues wachte, über den Hunderte und Hunderte von Schreiben zwischen der Innsbrucker und der vordcrösterreichischen Regierung gewechselt wurden, die immer wieder dartun, daß die Hohkönigsburg allezeit hoch bewertet war, »sonderlich dieweil dieses Haus Hohenkunigsperg nit ein gemein schlecht Haus, sondern ein treffliches Ortschloß, daran König!. Maj. und den vorderen Erblanden viel ge­legen ist' (1533)".Noch in einem »Gutachten des Statt­halters, der Regierung und Kammerräte oberösterreichtscher Lande auf der von Sickingen Anlangen Hohenkunigsperg betreffend vom 14. Januar 1533 heißt es: »Obwohl das Schloß Hohenkunigsperg von dem Hause Oesterreich zu Lehen gerührt, ihm das Eigentum daran vorhin zugestanden und solches Schloß ihm nach des Grafen von Tierstein Tode unmittelbar heimgefallen wäre, so bat doch nichts desto weniger Kaiser Maximilian gegen Erlegung einer großen Summe das Lehen noch bei Lebzeiten des Grafen von diesem zurückgekauft, mit Rücksicht auf die Sicher­heit der vorderen österreichischen Lande, indem von dem Schlosse Hohenkunigsperg aus, falls es in fremden Händen, die vorderen Erblande hart bekriegt und

die Bevölkerung dem neuen Gouverneur das Betreten der Stadt; es kam zu einem Handgemenge mit den Reitern des Gouverneurs, wobei einige Personen getötet und verwundet wurden.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 2. Mai.

Am Bundesratstische: Sydow, Dr. Nieberding, Twele.

Nach Erledigung mehrerer Rechnungssachen bittet bei der Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben der Schutzgebiete

Abg. Erzberger (Ztr.) den vorläufigen Abschluß über die Einnahmen und Ausgaben der afrikanischen Schutzgebiete, des Schutzgebiets Neuguinea, Karolinen, Palau, Marianen und Samoa künftig so rechtzeitig fertigzustellen, daß er noch bei der Etatsberatung benutzt werden könne. Wünschenswert sei es, zu erfahren, nach welchen Grundsätzen bei den außer- etatsmäßigen Ausgaben verfahren werde.

Die Uebersicht wird an die Rechnungskommission ver­wiesen.

Es folgt die Fortsetzung der zweiten Lesung des

Versicherungsvertrages.

Abg. Dove (frs. Vgg.): Die linksliberale Frattionsge- meinschaft wird der Vorlage und den Resolutionen zustimmen, aber den Antrag Albrecht ablehnen. Man darf den Wohl­tätigkeitscharakter der Einrichtungen der Werkspensionskaffen nicht ausschalten, sonst beseitigt man große, segensreich wirkende humane Besttebungen. Bei Krupp dürfte doch durch die bisher gezahlten 16 Millionen manche Sorge be­seitigt sein.

Abg. Cuno (frs. Vpt.): Durch die Pensionskaffen der industriellen Betriebe wird eine Stetigkeit des Arbeitsver­hältnisses geschaffen, die im beiderseittgen Interesse der Arbeiter und Unternehmer liegt. Die Klagen über die Ein­schränkung des Ssibstbestimmungsrechts der Arbeiter sind übertrieben. Im Beamtentum wird dies sogar als ein großer Vorzug angesehen und wer ist denn absolut unab­hängig im wirtschaftlichen Verhältnis ? Auch ich als Bürger­meister bin an meine Stellung gebunden. Tritt ein Beamter aus seiner Stellung aus, dann verliert er auch seine Pensions­ansprüche. Immerhin ist eine größere Sicherung der Arbeiter- ansprüche geboten, nur dürfen sie nicht übersehen, daß der momentane Vorteil, beim Arbeitswechsel eine gewisse Rück­zahlung zu erhalten, weit hinter dem zurückbleibt, den die Pensionsaussicht bietet. Die Wohlfahrtseinrichtungen sollten als Ergänzungen des Arbeitsvertrages angesehen werden in dem Sinne, daß nicht der Arbeiter eine Wohltat empfängt, sondern der Unternehmer sollte es als seine Pflicht ansehen, dem Arbeiter eine Sicherheit zu bieten. Der Anttag Al­brecht ist aber nicht das richtige Mittel, dies zu erlangen. (Beifall.)

Abg. Hengsbach (Soz.) Die jetzigen Wohlfahrtsein­richtungen sind nichts als eine Wohlfahrtsplage. Wenn

belästigt werden könnten. Aus diesem Grunde raten Statt­halter, Regierung und Kammerräte dem Kaiser, daS Schloß nicht aus der Hand zu lassen; cs würde die Begebung einer so starken Befestigung der Erblande die von Lothringen, die Eidgenossen und andere Nachbarn mit Befremden und Be­sorgnis erfüllen."

Das Jahr der Errichtung der Hohkönigsburg und der Name ihres Erbauers ist nicht bekannt. Sie stammt aus der Blütezeit des elsässischen Burgenbaues unter den Hohen- staufen und erhebt sich auf dem schon 774 urkundlich er­wähnten und für eine Zufluchts- und VcrteidigungSstättc be­sonders geeignetenStophanberge". 1147 werden die Hohen­staufen zum ersten Male als Besitzer der Feste, dascastrum Estufin (Stephans Lager) genannt. Ihnen folgten als Inhaber der Burg im 13. Jahrhundert die Herzöge von Lothringen. Alte Riltcrgcschlechtcr wurden mit ihr belehnt, so die von Werd, Rathsamhausen, welche vom Kaiser den EhrentitelKönige der Kesselflicker" erhalten hatten, Hohen­stein und Oettingen. In der Mitte des 15. Jahrhunderts war die Hohkönigsburg, infolge Vernachlässigung ihrer Be­sitzer, ein Schlupfwinkel für Wegelagerer und Raubritter ge­worden. Zur Steuerung der überband nehmenden Unfichrr- heit auf den vorüberführcnden Straßen und zur Beruhigung des umliegenden Landes zogen die vereinigten Städte und Bischöfe von Basel und Straßburg, Erzherzog Siegmund von Oesterreich und der Burgherr von dem benachbarten Rappolt- stein gegen sie zu Felde, eroberten und zerstörten sie 1462. Von diesem romanisch-frühgotischen Baue sind uns vor allem in achtunggebietenden Resten die ältesten Türme erhalten. Die von den Eidgenossen aus ihren Stammsitzen bei Solo­thurn und Basel vertriebenen Grafen Oswald und Wilhelm Tierstein baten das ihnen wohlgesinnte Haus Habsburg um Belehnung mit demzerprochen Schloß Hohenkunigsperg" zur Gründung eines neuen Erbsitzes.In dem großartigen Maßstabe, den die heutigen Reste aus spätgotischer Zeit" zeigen, bauten sie die Burg 147981 wieder auf. Lange