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W. WaijenhauseS in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: «.Schrecker * H^».

Nr. 64 F-rnsprechanfchlutz Nr. 605.

Montag den 16. März

F-rnsprechanschlutz Nr. 605

1908

Amtliches.

Eandkreis Hanau. BekMtmßNgen lies KöiligliAn LMratsamts.

Das Neichs-Eisenbahnamt beabsichtigt vom 1. April d. I. ab einenAnzeiger für Maßnahmen im Eisenbahn­verkehr zur Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen" (Eisenbahn-Tierseuchenanzeiger) erscheinen zu lassen. In dem Blatte sollen alle den E s e n b a h n v e r k e h r be­rührenden veierinärpolizcilichen Anordnungen in- und aus­ländischer Behörden die ausländischen nur, soweit sie für den deutschen Verkehr von Interesse sind zur Veröffent­lichung kommen. Außerdem werden darin sonstige wichtigere, den Tierverkehr betreffende Maßnahmen (z. B. Einrichtung von Tränkstationen und Trankanstalten und dergleichen mehr) nachrichtlich bekannt gegeben werden. Bezweckt wird, den Eisenbahn- und Veterinärbehörden wie auch dem Publikum zu ermöglichen, sich über derartige Anordnungen zuverlässig und im Zusammenhänge zu unterrichten, und damit einem bestehenden Mangel abzuhelfen. Die Übersichtlichkeit des Blattes wird dadurch erhöht werden, daß ihmVormerk- blättelr" für Las Reich, die einzelnen Bundesstaaten (bei Preußen für jede Provinz) und für die außerdeutschen Länder beigegeben werden, die nach den im Anzeigeblatte zu er­lassenden Anweisungen zu ergänzen sind. Hierdurch wird Lem Leser die Möglichkeit geboten, sich über alle für die ihn interessierenden Gebiete geltenden Vorschriften jederzeit leicht Kenntnis zu verschaffen. Das Anzeigeblatt wird somit da­zu beitragen, die Durchführung der angeordneten Maßnahmen zu sichern und die Beteiligten vor Zuwiderhandlungen zu bewahren. DaS erste Stück soll alle zur Zeit gültigen An­ordnungen enthalten, auch soll ihm außer den Vormerk- blâltern eine Zusammenstellung der Gesetze und Verord­nungen, worauf die zur Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen getroffenen Anordnungen beruhen, beigegeben werden. Aenderungen und Ergänzungen dieser Zusammen­stellung sollen künftig gleichfalls im Anzeiger bekannt ge­macht werden re.

Im Hinblick darauf, daß mit dem Anzeiger nicht nur eine Einrichtung, die eine schnelle und zuverlässige Unter­richtung über alle den Eisenbahnverkehr berührenden veterinär- polizeilichen Vorschriften ermöglicht, sondern auch ein gemein­sames Organ für die Veröffentlichung der von den ver­schiedenen Veterinärpolizelbchörden ausgehenden Verfügungen geschaffen wird, ist eine weitgehende amtliche Verbreitung des Blattes erwünscht.

Bestellungen auf den Anzeiger werden die Postanstalten und die bezeichnete Geschäftsstelle des Anzeigers entgegen-

Feuilleton

XVII. Wissenschaftliche Sitzung »er Senckenbergischen Naturforschenven Gesellschaft.

Frankfurt a. M., 7. März 1908.

Vorsitzender: Direktor Professor Dr. August Knob­lauch.

Professor Dr. O. Körner, Rqstock, spricht über:

Können vie Fische hören?

Die Frage, ob die Fische hören können, hat bei Zoologen, Physikern, Physiologen und Ohrenärzten großes Interesse erweckt, weil ihre Entscheidung zur richtigen Bewertung der einzelnen Teile des menschlichen Gehörorgans wichtig fit. Der Hörnerv endet nämlich beim Menschen und den höher organisierten Wirbeltieren in einem komplizierten Organe, dem Labyrinthe, das aus dem Vorhof, den Bogengängen und der Schnecke besteht. Während man früher alle diese Teile mit dem Gehörsinn in Beziehung brachte, kommt man neuerdings immer mehr zu der Anschauung, daß nur m der Schnecke' gehörsempfindliche Nervenendigungen vorhanden sind, während Vorhof und Bogengänge mit dem Gehöre nichts zu tun haben, sondern allein zur Erhaltung des Körpergleichgewichts dienen. So wahrscheinlich auch diese Annahme geworden ist, so konnte sie doch beim Menschen noch nicht mit Sicherheit bewiesen werden. Tie Fische nn nun die einzigen Wirbeltiere, die zwar einen Vorhof und Bogengänge, aber keine Schnecke haben; gelingt es nachzu- weisen, daß sie hören, so kann man auch dem Vorhofe und den Bogengängen eine Gehörsunktion md)t abfnra in.

Der Vortragende bespricht zunächst den Wandel derAn- Khauungen über das Vorhandensein oder Fehlen m Geh bei Fischen von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart ur hebt die großen Schwierigkeiten hervor, die hier der Beob­achtung und dem Experimente entgegenstehen. Es sei caiau. folaendeS hervorgehoben : . o

Da in der Luft erzeugter Schall nur schwer in das

nehmen. Der Bezugspreis (einschließlich der Postzustellung) beträgt 3 Mark für das Kalenderjahr. Auch für 1908 wird mit Rücksicht auf den Umfang der dem ersten Stück beizu- gebenden Anlagen der volle Bezugspreis erhobey.

Hanau den 10. März 1908.

Der Königliche Landrat.

V 1859 v. Beckerath.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher mache ich auf die Bestimmung im Art. 881 der Ausführungs-An- weisung vom 25. Juli 1906 zum Einkommensteuergesetz auf­merksam, wonach die Einkommen- nnd Ergänznngs- steuer-Zn- und Abgangslistett für das II. Kalb­jahr 1907 mit den zur Begründung der Zu- und Ab­gänge gehörigen Belägen am 20. ». Mts. dem Unter­zeichneten einzureichen sind.

Hanau den 14. März 1908.

Der Vorsitzende

der Einkommensteuer - VeranlagnngS - Kommission für den Landkreis Hannu.

St 1028 I. V.: Siemon, Reg.-Assessor.

Unter den Schweinen zu Fechenheim ist die Schweine- seuche erloschen.

Hanau den 13. März 1908.

Der Königliche Landrat.

V 1906 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Unter den Schweinen zu Bergen ist die Schweineseuche festgestellt worden.

Hanau den 12. März 1908.

Der Königliche Landrat.

V 1870 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Stadtkreis Hanau.

Ansschreiben.

Die Küchcuabsälle und das Gespül des städtischen Pffege- Hauses soll vergeben werden. Angebote werden bis zum 23. » M., vormittags 9^2 Uhr, im Zimmer Nr. 15 des Rathauses entgegengenommen.

Hanau den 11. März 1908.

Der Magistrat, Armenamt.

Hild.____________ 5925

Gefundene und verlorene Genenstände :c.

Gefunden: 1 Portemonnaie mit 15 Pfg., 1 große silberne Gürtelnadel (zwei Flügel mit weißen Perlen besetzt!, HMMmMnMHBrflMHmiamMMHMHMIIMMMMai! Wasser eindringt, so ist bei den Versuchen nur im Wasser selbst erzeugter Schall anzuwenden. Stets muß auf das sorgfältigste berücksichtigt werden, daß die Fische sehr gut sehen und ein außerordentlich feines Hautgefühl haben; bei den Versuchen muß also jede sicht- und fühlbare Be­hauptung, daß Teichfische durch das Läuten einer Glocke zur Fütterung herbeigerufen werden könnten, dahin auf­geklärt, daßsie das Läuten und das Herannahen des Fütteres sehen oder auch den Schritt des letzteren auf einem Stege durch die dabei erzeugte Erschütterung wahrnehmen, aber niemals herbeischwimmen, wenn keine solche Erschüt­terung stattfindet und die Glocke für sie unsichtbar geläutet wird.

WaS das Hören des im Wasser selbst erzeugten Schalles betrifft, so haben alle Versuche, bei denen eine gleichzeitige Reizung des Gesichts und des Gefühls völlig ausgeschlossen war, ergeben, daß die Fische darauf niemals reagierten, während sie der geringste Gesichts- oder Gefühlsreiz sofort in die Flucht jagte. Von den hierher gehörigen Versuchen werden namentlich die von Kreidl, Zenneck, Parker, Biegelow und Ma rage, sowie die des Vortragenden eingehend dargelegt und kritisch besprochen. Die Tatsache, daß eSmusikalische" Fische gibt, die Geräusche erzeugen können, beweist nicht, daß diese Geräusche von den Fischen auch gehört werden, denn es sind sogenannte accidentelle Geräusche, die bei allerhand Bewegungen von Haut- und Knochenteilen nebenbei entstehen und deshalb wohl nicht die Bedeutung eines gegenseitigen Verständigungsmittels zu haben brauchen.

Immerhin kann als sicher nur behauptet werden, daß die Fische auf den Schall nicht in merkbarer Weise reagieren. Damit ist die Möglichkeit, daß sie trotzdem eine gewisse Hör- sishigkeit haben, nicht ausgeschlossen. Es ist neuerdings von Piper gezeigt worden, daß im Labyrinthe eines abge- schuittenen Hechtkopfes sich gewisse elektrische Erscheinungen (Aktionsströme) nachweisen lassen, sobald im Wasser ein Ton erzeugt wird. Da man ebensolche Ströme in Sehnerven erzeugt hat, indem man die Netzhaut durch Licht reizte, glaubt Piper, daß sein Experiment die Existenz des Gehörsinnes bei den Fischen beweise.

1 Brille, 2 Theater-Billets,. 1 silberner Ring mit 2 kleineren roten Steinchen und 1 größerer blauer Stein, 1 neuer ge­fütterter Damenschuh mit Pelzbesatz.

Verloren: 1 Portemonnaie mit 22 Mk., 1 Perl­täschchen (Inhalt 1 kleines Portemonnaie, Taschentuch und Kämmchen), 1 Lesebuch der 6. Klaffe (Eberhardschule).

Entlaufen: 1 schwarzes Huhn.

Hanau den 16. März 1908.

Politische Rundschau.

Der Premierminister des australischen Bundes­staates, Deakin, 'führte in einer über die Landesverteidigung gehaltenen Rede aus, daß Australien jedem Angriff schutzlos preisgegeben wäre, wenn nicht die Suprematie der englischen Flotte vorhanden wäre. Die Bewohner Australiens müßten einsehen, daß sie nicht erwarten könnten, den Schutz dieser Flotte zu genießen, ohne zu ihren Kosten beizutragen. Australien könne gute Seeleute liefern, brauche aber Schiffe. Er machte den Vorschlag, 430 000 Pfd. St. jährlich zur Instandhaltung des Kriegsbafens und der Küstenverteidigung zu bewilligen, ferner 230 000 Pfd. St. zum Bau einer Heimats- ffotille. Deakin erstattete genauen Bericht über die Ver­mehrung der Ausgaben, die durch das neue Landesver- teidizungsgesetz veranlaßt worden sei. Er erklärte weiter, daß Australien in Zukunft 200 000 Mann ausgebildete Truppen und eine Flotille von 15 Schiffen für Lie Hasen- und Küstenverteidigung besitzen würde. (Beifall.) Zum Schluß forderte Deakin die Anwesenden zu einem drei­maligen Hurra für die Sidney anlaufende amerikanische Flotte auf.

Französische Kammer

Paris, 13. März. Die gesamte Presse bespricht die gest­rige Jnterpellationsverhandlung in der Kammer. Mehrere Blätter meinen, daß die Mehrheit lediglich aus Abneigung gegen Combes, der seit einiger Zeit als künftiger Minister­präsident auftrete, für Clemenceau gestimmt habe. Die Kammer, welche am Dienstag einen von der Regierung be­kämpften Antrag angenommen hatte, habe gestern dielen Antrag abgelehnt, weil sie sah, daß sich sonst die Be­strebungen Combes verwirklichen könnten. DieHumanitv" sagt, die Kammer habe gestern den skandalösten Gesinnungs­wechsel gezeigt, der jemals dagewesen sei. Aber Elemenceau, der seiner Mehrheit eine so arge Demütigung auferlegt habe, habe sich selbst einen schweren Schlag versetzt. Ein Bericht­erstatter erzählt, Clemenceau habe nach der Kammersitzuno erklärt: Ich wünsche nur eins, daß ich jedesmal, wenn ich auf dem Punkte stehe zu fallen, von Herrn Berteaux inter­pelliert werde.

Am Schluß der letzten wissenschaftlichen Sitzung dieszn Winters spricht der Vorsitzende namens der Direktion deo Mitgliedern und Gästen den herzlichen Dank aus für das rege Interesse, das sie den Vorlesungen und Vorträgen auch im neuen Museum entgegengebracht haben. Der außer­ordentlich starke Besuch beweist, daß daS Interesse der Frank­furter Bürgerschaft für die Senckenbergische Gesellschaft auch in das neue Haus mit eingezogen ist. Die Schausammlung des Museums hat sich eines so starken Andranges zu er­freuen, wie nie zuvor. Am 20. Oktober wurde sie dem großen Publikum eröffnet und bis 31. Dezember hatten bereits 19 782 Personen das Museum besichtigt. Im neuen Jahr» hat der Andrang noch zugenommen, im Januar waren 4509 Personen, im Februar 7420 im Museum. Dies zeigt uns, daß wir auf dem richtigen Wege sind und wir werden alles daran setzen, die Schausammlung nach jeder Richtung hin zu vervollkommnen.

Albumblätter.

Das Glück, kein Reiter wird'» erjagen, Es ist nicht dort und ist nicht hier;

Lern' überwinden, lern' entsagen, Und ungeahnt erblüht eS dir. Fontane.

Die schönste und herrlichste Wirkung eines in seiner Uri vollkommenen Werkes ist, daß cs un» zwingt, die Unlust über unsere eigenen Mängel, indem es diese in ihrer ganzen Größe erregt, über der Freude an ihm zu vergessen.

Otto Ludwig.

ES würde vieles erträglicher werden, wenn man weniger selbstzufrieden wäre und die Vaterlandsliebe nicht immer mit der Selbstbewunderung verwechselte! G. Keller.

*

Die Zudringlichkeiten junger Dilettanten muß man mit Wohlwollen ertragen: sie werden im Alter die wahrsten Verehrer der Kunst und des Meister». Goethe.