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General-Anzeiger

Amlliihtâ GrgM fit Stob und KuMreis Sanin

Anzeiger

Sinrück««g»gEjst,

ta ÄtOametteil bte Seite 85 %,

es, WalfenhaujeS in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: Ä. Schreck,, h H«a»

Nr. 63 ^-rnsprechanschltch Nr. «05.

Vie bmtikeNlllllM umfaßt außer ß.NnttthaltsUsßlati 16 Seiten

Amtliches.

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.

Arbeitsuchende in der Zeit vom 7. bis 13. März 1908:

1 Juwelier, 1 Kutscher, 1 Schlösser, 1 Schuh­macher, 3 Tagelöhner, 1 Tapezierer.

Gesucht werden mehrere Tienstn-ädchen für hier und auswärts.

Hanau den 14. März 1908.

Städtische Arbeitsvermittelunqsftelle. 5909

Handelsregister.

Firma Heuser & Hain.

Unter dieser Firma ist heute mit dem Sitze zu Großauheim eine offene Handelsgesellschaft eingetragen worden, welche am 15. Februar 1908 begonnen hat.

Persönlich hastende Gesellschafter sind:

1. Graveur Johann Friedrich Heuser in Großauheim,

2. Ziseleur Karl Heinrich Hain daselbst.

Hanau den 10. März 1908.

Königliches Amtsgericht 5. 5881

" ^""" -^--- -^r' . - .- -^......-........""'.....n.

Bekanntmachung.

Einstellung von Dreijährig- und Vierjährig-Freiwilligen für die Matrosenartillerie-Abteilung Kiautschou in Tsingtau (China).

Einstellung: Oktober 1908, Ausreise nach Tsingtau: Januar 1909, Heimreise: Frühjahr 1911 bezw. 1912. Bedingungen : Mindestens 1,67 Meter groß, kräftig, vor dem 1. Oktober 1889 geboren (jüngere Leute nur bei besonders guter körperlicher Entwicklung).

In Tsingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täg­lich 0,50 Mark Teuerungszulage gewährt.

Meldungen mit genauer Adresse sind unter Beifügung eines Meldescheins zum freiwilligen Diensteintritt auf drei bezw. vier Jahre zu richten an:

Kommando der Stammabteilung der Matrosenartillerie Kiautschou, Cuxhaven.

Feuilleton.

Der GcblirMagèliusiclt.

Wiedergabe eines lustigen Erlebnisse» durch K. Lub-wski.

(Nachdruck verboten.)

In den Rundbogen des Steinportals, durch das der Verkehrsweg zum alten Schloß der Grafen Sendrick ging, war ein sonderbarer Spruch gehauen:

Ihr sollet keine Farbe angreifen, ehe sie gut trocken ist." Die Linie der Sendricks wies zurzeit nur ein Neis auf: den jungen Grafen Eberhard, der bei der Garde diente und daS Bewirtschaften der großen Herrschaft Pribbernow seinem Jugendfreund, dem Pastorssohn Wilm Peters, tiberließ. Der hatte leider den alten Spruch mit seiner ewig jungen Weisheit nicht richtig verstanden. Sonst hätte er in seines Herzens überströmender Seligkeit unmöglich sein zartes Ge­heimnis preisgeben können. Nach, dem offiziellen Schluß des letzten landwirtschaftlichen Vereinsfestes wiederholte sich nämlich zwischen ihm und seinen Bekannten mindestens sechs­mal folgendes Gespräch:

Wollen Sie eine Flasche Wein mit mir leeren, Herr Nachbar?" fragte er in bester Laune.

Sie haben wohl in der Lotterie gewonnen? war die regelmäßige Gegenfrage . . . Und er antwortete, förmlich zum Neid herausfordernd:Ganz recht. Aber sprechen Sie noch nicht darüber.

Da saßen sie nun, stießen miteinander an und machten Wilm Peters allerhand verständige Vorschläge zur Unter­bringung seines Mammons, bis sie endlich die volle Wahr­heit berâuS hatten:

PeterS hatte auf dem Erntefest bei AmtsratS DaudeS die schöne Grete Zanders aus Dresden kennen gelernt und sich vor acht Tagen in aller Stille mit ihr verlobt.-- Nun schwirrten unzählige Fragen um ihn herum:

Ob der Vater auch Landwirt wäre?"

Bewahre, ein großer Künstler in Farben. Landschafter." Ob viel Geld da sei?"

Samstag den 14. März

S» I II !»............ .11

Bekanntmachung.

Einstellung von Dreijährig-Freiwilligen für daS III. See- balaillon in Tsingtau (China).

Einstellung: Oktober 1908, Ausreise nach Tsingiau: Januar 1909, Heimreise: Frühjahr 1911. Be' '.ngungen: Mmdestens 1,65 Meter groß, kräftig, vor den 1. Oktober 1889 geboren (jüngere Leute nur bei besonders guter körper­licher Entwicklung). Bauhandwerker (Maurer, Zimmerleute, Dechdecker, Tischler, Gla'er, Töpfer, Maler, Klempner usw.) und andere Handwerker (Schuster, Schneider, Gärtner usw.) bevorzugt.

In Tsingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täg­lich 0,50 Mark Teuerungszulage gewährt.

Meldungen mit genauer Adresse sind unter Beifügung eines Meldescheins zum freiwilligen Diensteintritt auf drei Jahre zu richten an

Kommando des IIT. Slammseebataillons, Wilhelmshaven.

Bekanntmachung.

Das Proviantamt kaust noch Roggenstvoh (Flegcl- und ungepreßtes Maschinenstroh), und Wiesenhett letzter Ernte zu den gangbaren Tagespreisen.

Die Einlieferung der Naturalien kann ohne vorherige Anmeldung und an jedem Wochentage von 812 Uhr vormittags sowie, mit Ausnahme des Samstags, von 24 Uhr nachmittags erfolgen.

Hanau den 2. März 1908.

Königliches Proviant-Amt.

politische Rundschau.

Zum Nnterstaatssekretär im Reichs - Postamt ist der Direktor im Reichs - Postamt Franck, der Geheime Ober - Postrat und Vortragender Rat im Reichs - Postamt, Granzow, zum Direktor im Reichs-Postamt ernannt worden. Franck trat 1871 in den höheren Postdienst ein. 1893 wurde er zum Oberpostrat und ständigen Hilfsarbeiter, 1894 zum Geheimen Postrat und vortragenden Rat im Reichs- Postamt, 1900 zum Geheimen Ober-Postrat befördert. Als vortragender Rat hat er im Reichs-Postamt das Etatsreferat inne gehabt. 1905 wurde er zum Direktor im Reichs- Postamt befördert. In dieser Stellung hat er bisher die vierte Abteilung des Reichs - Postamts (Perionalverhälinissc, Etats-, Kaffen- und Rechnungswesen) geleitet. Granzow trat ebenfalls 1871 in den höheren Postdienst ein. Im Jahre 1896 wurde er ständiger Hilfsarbeiter im Reichs - Postamt, 1898 Geheimer Postrat und Vortragender Rat. 1900 wurde

Nicht, daß er wüßte. So ein Künstlerhaushalt koste Un­summen.

Aber kochen kann sie doch wenigstens?" fragt« der dicke Administrator Borrich den Glücklichen. Der lachte so recht sorglos:

DaS wird sie wohl nicht können, Nachbar. Aber, sie ist noch jung genug, es zu lernen." Seit diesem leichtsinnigen Ausspruch kam sein sonniges Glück aus den Nebelschleiern nicht heraus. Beinahe täglich hielt sich der eine oder der andere für verpflichtet, ihn zu warnen. Be­sonders der Schwarzseher Minkmann spielte sich als Vor­sehung auf.

Ich hatte mal einen Vetter", erzählte er,dessen Frau konnte auch nicht kochen . . . ." Peters entgegnete darauf:Sehen Sie . . es ist eben alles schon einmal.da­gewesen." Aber daS sogenannte dicke Ende der Erzählung gab ihm doch zu denken.

Der Vetter sollte durch dieseschlechtere" Hälfte seine brillante Stellung verloren haben und jetzt Steine klopfen. DaS war nun gerade nicht Wilm Peters Lieblingsbe­schäftigung. Darum schrieb er seinem schönen Schatz'noch am nämlichen Abend:

.....Wie wäre es, wenn Du die letzten vier Wochen Deiner Freiheit zum Besuch einer guten Kockscknle benutztest? Tue mir den Gefallen, mein goldenes Lieb!"--Aber das goldene Lieb lackte ihn in ihrer Antwort tüchtig aus: Was würde wohl Papa dazu sagen und die befreundeten Familien? Nein, nein: Später sei das etwas ganz anderes, und er würde schon sehen."--

Als er sie endlich durch den Torbogen in das stolze Heim, dessen rechten Flügel sie bewohnten, als sein Weib geleitet hatte, sah und staunte er wirklich. Die junge Frau hatteeine Persekte" mitgebracht. Sie leben herrlich und in Freuden und freuten sich der wundervollen Gerichte, die nicht nur köstlich mundeten, sondern auch ebenso ausiahen. Als ihm aber diePerfekte" die erste Vierteljahrsrechnung präsentierte bei den städtischen Kaufleuten wurde nämlich auf Buch entnommen lief sein Gesicht blaurot an. Sie hatte sich dazu klugerweise die Woche vor seinem GeburtS- taa auSersehen. zu dem. alle Nachbarn zu. Kaffee und Abend-

Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1908

er zum Ober - Postdirektor in Düsseldorf ernannt, 1901 wiederum ins Reichs - Postamt berufen und 1902 zum Ge­heimen Ober-Postrat und vortragenden Rat befördert. Als solcher hat er das Personalreferat verwaltet.

Englisches Unterhalts. Großes Interesse findet die Erörterung der Arbeiislosenbill, die von der Arbeiterpartei und einigen extremen Radikalen unterstützt wird. Sie legt der Lokalbehörde die Verpflichtung auf, jedem Arbeitslosen Arbeit zu verschaffen oder ihn zu erhalten. Der Entwurf sieht auch die Behandlung arbeitsscheuer Personen vor. Ramsay Macdonald erklärte, daß die Arbeiterpartei den Grundsatz des Rechtes auf Arbeit vertrete. Schatzkanzler Asquith trat der Bill entgegen, indem er ausführte, daß es sich um einen neuen Grundsatz handle. Sollte dieser Aner­kennung finden, dann würde cs zu Klippen führen, die viele Mitglieder des Hauses nicht ahnten, und das Problem der Arbeitslosigkeit noch bedeutend schwieriger gestalten. Die Regierung sei indessen mit dem gegenwärtigen Gesetz über den Gegenstand nicht einverstanden, und wenn er sich auch nicht verpflichten wolle, ein besonderes Gesetz einzubringen, so könne er doch dem Hause die Versicherung geben, daß die Regierung von ihrem ernsten und dringenden Wunsche nicht Abstand nehmen werde, irgend ein praktische Maßregel ein­zuführen, um diesem brennenden, chronischen Uebel entgegen­zutreten. Das Gesetz wurde in zweiter Lesung mit 265 gegen 116 Stimmen abgelehnt und mit 241 gegen 95 Summen eine Resolution Maddison (Arbeiterpartei) ange­nommen, welche besagt, daß das Haus, obgleich es bereit sei, jeden praktischen Vorschlag in Erwägung zu ziehen, der dem Uebel der Arbeitslosigkeit entgegentrete, dennoch eine Maßregel ergreifen könne, die mehr Perionen beschäftigungs­los machen würde, als unterstützen könnte. Das Haus hoffe aber, daß die Regierung sogleich über die in dem zu erivartenden Bericht der Armengesetzkommission in betreff der Arbeitslosigkeit vorgeschlagenen Maßnahmen in Erwägungen treten werde.

Die Sasse in Marokko. General d'Amade tele­graphierte vorgestern um 5 Uhr abends: Die Truppen biwakieren bei Ued Tama;er. Die Verproviantierung ge­schieht über Ber Reschid. Im Lager fanden sich die Stämme Mzab und Zamza ein, um ihre Unterwerfung anzuzeigeu. Die Zamza sprachen den Wunsch aus, Settat wieder zu be­setzen. Die Gegend zwischen Settat und Ber Reschid be­völkert sich wieder. Die Bevölkerung nimmt die limdwirt- schafilichen Arbeiten wieder auf.

Die Pforte teilte mit einer Note den sechs Botschaflern mit, daß sie das Mandat des Generalinspektors, der zwei Zivilagenten, der Finanzkommission, General di Giorgi Paschas und der fremden Gendarmerieoifiziere bis zum

brot gebeten waren. Ec brauchte sie also zu notwendig, um ihr grob zu kommen,

Aber er vergaß daS alles. Der Vetter und das Steine­klopfen fielen ihm plötzlich ein, und er wurde inne, daß er sich auf dem besten Weg zu derselben Karriere befand. Er sagte ihr beSbalb knapp und klar seine Meinung. Und sie setzte ihren Federhut auf und verließ die Stätte ihrer kurzen Tätigkeit.

---Nun waren Herr und Frau Peters allein. Frau Grete rang die Hände und lief ratlos durch die Zimmer.

Laß anspannen I" jammerte sie.Ich muß zur Stadt und eine Kochfrau werden."

Hier ist jeder seine Kochfrau allein," sagte er hart.Sieh nur zu, wie du fertig wirst. Das einfache Abendessen für meinen Geburtstag ist die Frau des Hofmeisters imstande zu bereiten. Und das bißchen Kuchen wirst du ja wohl backen können."

Sie hatte keinen Mut zur Verneinung. Sie lief in ihr himmelblaues Boudoir und schloß sich mit dem Koch­buck ein.

Drei Tage später ging das Einrühren und Kneten loS.

Sie besorgte es flink und umsichtig, und der Teig sah sehr vertrauenerweckend aus. Tine, das junge Mädchen für alles und nichts, mußte den Kückenofen heizen, und Frau Grete häufte eigenhändig so viel Buckenscheite dazu, daß er glühte. Tine hatte allerdings zahlreiche Bedenken:Waruni man nicht draußen in dem richtigen Ofen backe, wie alle anderen Leute . ."

Frau Grete hatte sich nicht entschließen können, ihren ersten Versuch unter den Augen des heizenden Schäfers und der mithelsenden Tagelöh^erssrauen zu besorgen. Sie über­hörte Tines Anzüglichkeiten und heizte unverdrossen weiter. DaS war ungefähr um 10 Uhr vormittags.

Zwei Stunden später pflanzte sich ein SchreckenSruf von Mund zu Mund.

Dat HerrenhuS brennt . ." Sie kamen alle gelaufen, um löschen zu helfen, es war aber nur der traurige Rest der verbrannten Kuchen, der die Lusr mit dickem Qualm füllte.

An diesem Schreckenstage flossen in Frau Gretes EH« die ersten ricktiaen Tränens Sie aebaren einen wilden Esser.