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Di« fünf gespaltene ißetitjeile ober beten Matt« 80 Wh» NA »«tramenteir di« Zeil, 36 Pfh,

er, WaijenhaujkS in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

«erantwortl. Redakteur i B. Schreck«« la Haamr.

Nr. 62 F-rnspr-chanschlutz Nr. 605.

Amtliches. Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in der Ge­markung Hanau belegene, im Grundbuche von Hanau Band 16 Artikel 953 zur Zeit der Eintragung deS Versteigerungs- Vermerkes auf den Namen der Ehefrau deS Tagelöhners Johannes Reust, Theresie geb. Sprenger in Hanau, jetzt in Frankfurt a. M., Allerheiligenstraße 81, eingetragene Grundstück Abt. I Nr. 1:

Krtbl. H Parzelle Nr. 90, BrandverfichcrungS-Nr. 23 der Hospitalstraße, Altstadt,

Wohnhaus, abgesonderter Abtritt (A) und Hof­raum 57 qm,

Jahresnutzungswert = 330 Mark eingetragen in der Grundsteuermutterrolle unter Art. 948, in der Gebäudesteuerrolle unter Nr. 1818

am 14« Mai 1908, vormittags 10 Uhr, ourch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle Marktplatz 18, Zimmer Nr. 14 versteigert werden.

Hanau den 4. März 1908.

Königliches Amtsgericht Abt. S. 5707

Stadtkreis Fjanau« Bekanntmachung.

Es wird darauf hingewiesen, daß in hiesiger Stadt und zwar in dem städtischen Gebäude ätangftrafte Nr. 41, gleicher Erve links, eine öffentliche Arbeitsnach- Welsstelle besteht, durch deren Vermittelung sowohl die hiesigen stellesuchcnden Arbeiter, Arbeiterinnen und Dienstboten als auch durchreisende Arbeiter Stellen zuge­wiesen erhalten.

Um diese Einrichtung für die beteiligten Kreise in noch höherem Maße als bisher nutzbringend zu gestalten, ergeht an die Arbeitgeber der Stadt und Umgebung die Bitte, bei Bedarf an Arbeitskräften jeder Art die obenge­nannte Arbeitsnachweisstelle in Anspruch nehmen zu wollen.

Offene Stellen, die nicht sofort durch unsere Anstalt be­setzt werden können, werden durch den Mitteldeutschen Ar- beitsnachweisverband (Sitz Frankfurt a. M.) an allen Plätzen der näheren und weiteren Umgebung in geeigneter Weise veröffentlicht.

Der Arbeitsnachweis geschieht kostenfrei.

Geschäftsstunden: vormittags von 81/» bis 121/* Uhr, nachmittags von 3 bis 6 Uhr.

Feuilleton.

Hanaucr Stadtthcatcr.

= Hanau, 11. März. Graf Essex.

Trauerspiel in fünf Akten von Heinrich Laube.

Heinrich Laube gehört zu jener Gruppe von Dichtern und Schriftstellern, die durch den bekannten Bundestags­beschluß vom Jahre 1835 unter dem SchlagwortDas Junge Deutschland" literarisch totgrmacht werden sollten. Er wurde später der erste Regisseur Deutschlands im 19. Jahrhundert, und in seiner Eigenschaft als Direktor des Wiener Burgtheaters (18491866) hat er durch Aus­bildung der Schauspieler und der Regiekunst sowie durch Ent­deckung neuer Talente (Grillparzer!) Unsterbliches geleistet. Aber als Dichter wurden ihm seine glänzenden direk­torialen Eigenschaften verhängnisvoll; er schuf in seinen Dramenkeine Menschen, sondern Regiepuppen", er legte infolge seines ausgeprägt starken DramaturgenstnneS für alles Technische diesem in seinen Schöpfungen eine zu über­triebene Bedeutung bei. So sind denn seine Dramen, in denen die Kulisse, der R e g i s s e u r m e h r r e g i e r t als der Dichter, als bloße Zeitproduklc schnell der Vergessen- Heit anheimgcfallcn ; nur die K a r l s s ch ü l e r " werden noch hie und da aufgeführt, weil der junge Schiller, der Dichter derRäuber", in ihrem Mittelpunkte steht. Und außerdem hat sich das TrauerspielGraf Essex" (1856) auf dem Repertoire gehalten. Und wenn auch diesem Bühnenwerk die tiefere, aus vollem Herzen quellende Beseelung fehlt, wenn eS auch in entsetz­lich poesielosen Jamben geschrieben ist und in der Katastrophe das Tragische mit dem Rührseligen oft verwechselt, so ist «S im ganzen doch immerhin eine respektable

Freitag den 13. März

Wir empfehlen die Einrichtung zu recht reger Benutzung. Hanau den 2. Januar 1908.

Der Magistrat.

Hild. 187

Dienstnachrichten ans dem Kreise.

Der Taglöhner Peter Köhler in Hüttengesäß ist zum Nachtwächter der Gemeinde Hütlengesäß bestellt und verpflichtet worden.

Der Taglöhner Konrad Wehrheim in Kilian­städten ist zum Feldschützen der Gemeinde Kilianstädten be­stellt und verpflichtet worden.

Gefundene nnd verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 lederne Markttasche. Abzuholen im Waisenhaus.

Hanau den 13. März 1908.

politische Rundschau«

Militärische Gehaltserhöhungen ebenfalls verschoben. Die Heeresverwaltung hat nach einer offiziösen Meldung die Ausführung der Absicht, dem Reichstage einen Nachtragsetat zu Aufbefferung der Diensteinkommen für die unteren Grade bis einschließlich zum Hauptmann aufwärts vorzulegen, aus naheliegenden Gründen ebenfalls bis zum Herbst verschieben müssen. Es wird jedoch daran festge­halten, daß diese Gehaltserhöhung mit rückwirkender Kraft vom 1. April 1908 bewilligt wird und daß an ihr nicht Nur die im aktiven Dienst befindlichen, sondern auch die nach dem 1. April 1908 verabschiedeten Offiziere und deren Hinterbliebene teilnehmen sollen. Doch besteht nicht die Ab­sicht, die vor dem 1. April 1908 verabschiedeten Offiziere und deren Hinterbliebene an den Folgen der Gehalts­aufbesserung teilnehmen zu lassen.

Der Prinzregent von Bayern hat anläßlich seines gestrigen Geburtstages 48 Strafgefangene begnadigt. Unter diesen befinden sich zwei zu lebenslänglichem Zuchthaus Ver­urteilte.

AuS Dentsch-Südwesiafrika wird amtlich gemeldet: Am 8. März wurde eine deutsche Patrouille, die aus einem Sergeanten, drei Reitern und zwei Eingeborenen bestand, bei Kubub, zwischen KoeS und Gazis, am Westrande der Kalahari, von etwa 25 Hottentotten erschossen. Der nach Norden abziehende Gegner wurde durch Oberleutnant Müller mit 26 Reitern verfolgt. Auch in diesem Falle dürfte es sich, wie bei früheren Ueberfällen in jener Gegend, um Leute

Leistung, die namentlich durch echte Theaterrollen tem­peramentvollen Künstlern Gelegenheit gibt, ihr Licht leuchten zu lassen. Und deshalb will ich auch gleich in medias res gehen und sagen, daß die effektvolle Tragödie hier brillant dargeboten wurde. Der Spielleiter, Herr Rudolf Korff, hatte seines Amtes weise gewaltet, hatte langatmige Szenen kräftig, aber ganz mit Recht, zusammengestrichen und das Stück mit Geschick ausgestattet. Wundervoll wirkten be­sonders die stilvollen Toiletten der Agierenden. In der Titelrolle gastierte Herr Gustav Feigel vom Hoftheater in Sigmaringen. Ich kann ihn nicht genug loben. Alles, aber auch alles war von einer sicheren und vornehmen Kunst getragen. Eine echte Egmont-Gestalt, war erein herrlicher Held" voller Glanz und Kraft und von eckt innerem Adel. Einen besseren Nachfolger des Herrn Korff, den so viele Theaterfreunde mit schweren Herzen scheiden sehen, kann man sich kaum wünschen. DieKönigin Elisabeth" kreierte Frl. Rohn-Resse! un gemein glücklich. Ihr Vortrag war fein durch­dacht und temperamentvoll, sie traf den nötigen Ton, die große Geste einer Königin. Und ihr Spiel im vierten Akt, der so ungeheure Anforderungen stellt, wardaS vollende Spiel einer volle n d e t e n Heroine". Da brach in der rechten Weise die ver­haltene Liebe in verhaltenen Tönen in ihrem Vor­trag zitternd durch, da klang Eifersucht hinein in das Knirschen und Weinen der Wut! Es freut mich aufrichtig, das schreiben zu können, denn ich habe bisher Frl. Rohn- Ressel nie solch uneingeschränktes Lob spenden können. Und uneingeschränktes Lob muß ich auch Frl. Else Plaschke spenden. Seele und Poesie war in ihrem klangvollen Vortrag, und in ihren Gesten trat wundervolle, naiv schlichte Natürlichkeit und glaubhafte Treuherzigkeit entzückend und erfreulich in Erscheinung. Sowohl in der beweglichen Munterkeit der köstlichen Liebes- szene im 2. Akt wie auch in deu erschütternden Szenen des

Fernsprechanschlutz Nr. 605« 1908

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Simon KopperS handeln. Die kleinen Karasberge wurden von einer Kompanie abgesucht, nachdem dort in letzter Zeit eine Hottentottenbande verschiedene Viehdiebstähle verübt hatte. Der Patrouille gelang es, der Bande sämtliches ge­stohlenes Vieh und Eingeborenengerät abzunehmen. Von dem Kommando der Schutztruppe sind die erforderlichen weiteren Maßnahmen zur Unschädlichmachung der erwähnten Banden in die Wege geleitet worden.

Akademischer Lehrstuhl für Missionskunde. Durch die Berufung des Misstonsinspeklors HauSleUer aus Barmen zum ordentlichen Profeffor für Missionskunde an der Universität Halle ist die akademische Nobilitierung der Miisionswissenschaft vollendet und damit das Lebenswerk deS hervorragendsten wissenschaftlichen Missionsmanncs in der Heimat, des Professors D. Warneck in Halle, mit dem schönsten Erfolge gekrönt. Als Professor Warneck, nachdem er sein Pfarramt niedergelegt hatte, zum ordenü. Honorar­professor für Misstonswissenschaft nach Halle berufen wurde, handelte es sich um den Versuch, die Misfionswissen- schaft innerhalb der theologischen Fakultät heimisch zu machen. Dieser Versuch ist durch ein Jahrzehnt hervorragender Lehr- tätigfeit D. Warnecks so geglückt, daß die Fakultät jetzt, da Professor Warneck sich den Anstrengungen akademischer Vor­lesungen nicht mehr gewachsen fühlt, einstimmig die Schaffung einer bleibenden ordentlichen Professur für Missionskunde in Halle durch Berufung des Inspektors Haußleiter beantragt und erwirkt hat. Zum Nachfolger Haußleiters in der Leitung der Rheinischen, Missionsgcsellschaft ist Inspektor Spiecker berufen worden.

In der hessischen Zweiten Kammer erklärte Staatsminister Braun in seiner Etatsrede die Lage der Landwirtschaft im Gegensatz zu der von Handel und Industrie nur als teilweise befriedigend. Für einen nachhaltigen Seuchenschutz müsse gesorgt werden. Ein Problem, das zu lösen wäre, sei die Arbeiterfrage in der. Landwirtschaft; auch hier werde Abhilfe möglich sein, wenn das Zurückfluten der Industrie die Arbeiter zwinge, wieder zur Landwirtschaft zu- rückzukehren. Zur Erhaltung und Gesundung des Mittel­standes seien Reformen der Grund- und Gewerbesteuer dringend notwendig. Weiter müsse dem Mittelstände g«- Holfen werden durch Erleichterung und Förderung des Zu­sammenschlusses und durch Genossenschaften und Besteuerung des kapitalistischen Großbetriebes, wie Warenhäuser und Konsumvereine. Es frage sich nur, ob man dabei dem preußischen oder dem sächsischen Muster folgen solle, b. h. dem Staat oder den Gemeinden die Besteuerung überlassen solle. Weiter verbreitete sich der Minister über den Reichs- weingesetzentwurf, der eine ganze Reihe von tiefeinschneidenden Aenderungen mit sich bringe. Der Minister erklärte sich

4. und 5. Aktes war sie, in ihrer Wärme nnd Grazie der Empfindung eine echte deutsche Gretchen-Gestalt, von gleich überzeugender Echtheit, sodaß man im Zuschauerraum durch ihre ungekünstelten Herze n s- töne ergriffen, wirklich ergriffen war. Ich habe Frl. Plaschke bisher fast nur inNebenrollen" gesehen und sie bisher für eine Schauspielerin zweiten Ranges gehalten, habe aber diese irrige Meinung nunmehr schnell und reuig korrigiert und freue mich, daß ich ihr großes Können vor Schluß der Saison noch ein­mal in einer tiefen schauspielerischen Auf­gabe bewundern kann, wenn sie nämlich in der Engel- Ha r d s ch e n Bearbeitung derG e l i e b t e n D o rn r o s e" die Titelrolle spielt. Die übrigen Mitwirkcnden habe ich schon so oft loben können, daß ich diese- Mal wohl etwas summarisch verfahren darf. Herr Krack alsSir Robert Cecil" war wie immer vortrefflich; es hieße Zeit, Tinte und Papier verschwenden, wollte man sein glänzendes Charakterifierungsvermögen immer wieder von neuem in der rechten Weise loben. An Herrn Wieberg gefiel mir besonders der dramatisch be- lebte Vortrag in den undankbaren, rein erzählenden Partien des Dramas. Frl. Alide Ballin spielte, wie immer, mit Geschmack und Ernst, wohl temperiert und nachdenklich. Mir fällt bei dieser Künstlerin immer wieder der schöne S p r e ch t o n und die sichere Beherrschung ihrer Rolle auf. Die Herren Perine, Strobel,, Bernhard», Kunz, Pröls und nicht zuletzt Herr Sinz wußten aus mehr oder minder kleinen Episodenrollen lebendige Menschen zu schaffen. So ging derGraf Essex" in ausgezeichneter Besetzung unter großem Beifall in Szene. Herm. Olaf.