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Slmtliches.

Stadtkreis Ranau. Bekanntmachung.

Für die Wahl der Beisitzer und Ersatzbeisitzer für das Kartfmannsgericht sind folgende Vorschlagslisten ein*

gegangen:

D-rfchlagSlist- I» (Handlungsgehilfen.)

Beisitzer:

t.

8.

4.

1.

2.

S.

Bernhard Oehmichen, Robert Kroltzig, Heinrich Sandberg,

4. Adolf Lapp,

5. Max Kreutler,

6. Friedrich Drück.

Ersatzbeisitzer:

Christian Stoll, 4. Jean Voltz,

Wilhelm Seippel, 5. Ernst Keßler, Julius Bach, 6. Johann Schmitt.

Borschlaglifte II.

(Handlungsgehilfen.)

Beisitzer:

1. Charles Ferdinand Joseph, 4. Wilhelm Fleckenstein,

2. Friedrich Bierbrauer, 5. John Joshua,

8. Hermann Schüler, 6. Georg Gerhardt.

Ersatzbeisitzer:

1. August Schuch, 4. August David,

2. Konrad Helbig, 5. Paul Richter,

S. Joseph Gaertig, 6. August Brachmann.

Vorschlags liste III. (Kaufleute.)

Beisitzer:

1.

2.

8.

Julius Berlizheimer, Ernst Zimmermann, Bruno Clauß,

Ersatzbeisitzer:

4. Ernst Döring, 5. Albert Deines, 6. Heinrich Lossow.

1. Adolf Almeroth, " 4. Heinrich Deine«,

2. Wilhelm Kämmerer jun., 5. Paul Lauser,

8. Max Main,er, 6. Joh. Phil. Müller.

Hanau am 29. Januar 1908.

Der Vorsitzende des Kaufmannsgerichts.

Hild. 2401

Bekanntmachung.

Die Stadtgemeinde Hanau, vertreten durch den Magistrat, hat die wasserpolizeiliche Genehmigung zur Ausführung eines

Projekts für die Klärung und Ableitung der Abwâffer der Stadt Hanau nachgesucht. Auf der Gemeindebleicke der früheren Gemeinde Keffelstadt soll eine Pumpstation hochwasserfrei errichtet werden.

Einwendungen gegen die beabsichtigte Anlage sind binnen 14 Tagen, gerechnet vom Tage des Erscheinens dieser Be­kanntmachung, schriftlich in 2 Exemplaren oder zu Protokoll bei uns anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Ein­wendungen nicht mehr erhoben werden.

Zeichnung und Beschreibung de» Unternehmens liegen im städt. Sielbaubureau (Gemeindehaus zu Hanau-Keffel- stadt) zur Einsicht offen.

Gleichzeitig wird zur Erörterung der etwa eingelegten Einsprüche Termin vor unserm Kommissar 1. Beigeordneten Hild, auf

Dienstag den 25. Februar d. I., vorm. 10 Uhr, im Rathaus, Zimmer Nr. 1, anberaumt. Falls der Unter­nehmer oder die Widersprechenden zu diesem Termin nicht erscheinen, wird gleichwohl mit der Erörterung der Ein­wendungen vorgegangen werben.

Hanau den SO. Januar 1908.

Der StadtauSschuß des Stadtkreises Hanau.

Dr. Gebesch u S. 2577

Bekanntmachung.

DaS auf den Namen des Spenglers Franz Wolf in Hanau lautende Sparkassenbuch Nr. 1686 ist an­geblich abhanden gekommen. Der etwaige Besitzer wird aufgefordert, seine vermeintlichen Ansprüche bei dem unterzeichneten Borstand binnen 3 Monaten geltend zu machen, widrigenfalls das Sparkonto gelöscht und dem Verlierer ein neues Einlagebuch ausgestellt wird.

Hanau am 3. Februar 1908.

Der Borstand der Kreissparkaffe. 2617

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 3. Februar.

Handelsetat.

Präsident K r 3 ch e r eröffnete die Sitzung mit folgenden Worten: Sie stehen alle unter dem erschütternden Eindruck, welchen die Ereignisse in Portugal auf unS gemacht haben. Ich ersuche Sie, den Präsidenten zu ermächtigen, daß er der portugiesischen Gesandrschait den Ausdruck der Teilnahme des Hauses ausspricht. — Die Mitglieder, die sich inzwischen

erhoben hatten, stimmten zu. Bei der fortgesetzten Beratu"^ des HandelsetatS begrüßt

Abg. Frhr. v. Zedlitz die Auswerfung reichlicher Mittel zur Förderung des gewerblichen UnterrichtSwesen« Gleichwohl müsse alles nicht unbedingt Notwendige au» dem Etat herausgelassen werden und namentlich für die Ver­minderung des Schreibwerks gesorgt werden.

Handelsminister Delbrück gibt eine entgegenkommende Antwort.

Abg. Metzer (natl.) tritt für eine Besserstellung bet Lotsen ein.

Abg. D e u m e r t (natl.) bemängelt, daß bei der Auf­stellung den Normativbestimmungen für die Ueberwachung der elektrischen Betriebe nicht genügend die rheinisch-westfälische Industrie gehört worden sei.

Handelsminister Delbrück erwidert, diese Bestimmungen würden nochmals geprüft werden, Staatszuschüsse für Lotsen werde er befürworten.

Auf Antrag S ch m e h l i n g (kons.) wird der Tit« Navigationsschulen an Sie Budgetkommission zurückverwiesen.

Äbg. Müller- Berlin (freis. Vpt.) hält eine bessere kaufmännische Ausbildung der Baugewerbeschüler für nötig. , Handelsministcr Delbrück verspricht eine Besserung des Lehrplanes der Schulen.

Abg. Funk (freis. Vpt.) beantragt Mittel für die Er­richtung einer Maschinenbauschule in Frankfurt a. M. und bittet den Minister im Interesse von Frankfurt, dessen zu­künftige wirtschaftliche Entwicklung wesentlich auf die chemische Industrie angewiesen ist, der neu zu errichtenden Maschinen­bauschult eine chemische Klasse anzugliedern.

Nach weiterer Debatte, an der sich die Abgg. Rauken (nat.-lib.), Schröder-Cassel (nat.-lib.), Funk (frs. Vpt.) und Schmedding (Ztr.) beteiligen, wird der Antrag Funk an die Budgetkommission verwiesen.

Äbg. Münsterberg (freif. Vgg.) bespricht die Ver­hältnisse an der Berliner Kunstgewerbeschule. Auf die Kunst­gewerbeschulen müsse der größte Wert gelegt werden. Man müsse am guten Alten festhalten, das Neue aber nicht ver­nachlässigen.

Abg. Hammer (kons.) bemängelt die neue Richtung im Kunstgewerbe. Sie verwende fast nur den weiblichen Körper in allerlei Verrenkungen. Geh. Rat MuthesiuS habe in vielen Kreisen Zustimmung gefunden.

Handelsminister Delbrück lehnt es ab, Muthcsius, bet Mitglied des Landesgewerbeamtes sei, wegen seiner Aeuße­rungen über das Kunstgewerbe zu maßregeln. Diese Aeuße­rungen habe Muthestus als Dozent getan. Er schätze das Feuer und den Eifer dieses Mitarbeiters und würd^ ihn nur ungern vermissen. Mit Kritisieren könne man daS Kunst-

Feuilleton.

Hanauer Stadttheater.

. — Hanau, 2. Februar.

„Brüderchen/'

Ein Kadettendrama in 3 Akten von R. Overweg.

Ich weiß nicht, wie alt Robert Overweg ist, Kürschner» sonst „allwissender" Literaturkalender führt ihn noch nicht an, und daher wird er wohl noch ziemlich jung sein. Aber die Routine de» rein theatralischen Handwerks ver­steht er wie ein alter, raffinierter Menager. Er weiß, daß „Schülertragödien" augenblicklich (im „Jahrhundert des Kindes") „aktuell" sind, aber er weiß auch, daß sog. „Militärdramen" noch immer dem Publikum gefallen. Also verbindet er flugS Schülcrleid und Militärisches. Und Robert Overweg ist auch sehr beleien. „Man nehme „Trau- muluS" so viel, aiS man zwischen vier >iicht kurzen Fingern fassen kann, „Zapfenstreich", „Rosenmontag" je zwei Teelöffelchen, einige Körnlein „A l t h e i d e l b c r g" und drei Prisen inS Tragische verkehrirs „Husaren- fieber", gebe eine lange Brühe grauer Sentimentalität und den stärksten Pfeffer von Hintertreppendramatik dazu: dann ist daS „Brüderchen" fertig." (Karl Strecker in der „Tâgl. Rundschau"). Und der Inhalt? Ein harter Oberst, dem Erziehung gleichbedeutend ist mit Züchtigung, zwingt feinen Sohn, den Oberprimaner der HauptkadeNenanstalt Groß-Lichterfelde, förmlich dazu, das Schulzeugnis zu fälschen. Aber er „zwingt" ihn auch dazu, einen Taler zu stehlen. Denn der arme HanS erhält zu einem Ausflug, bett die Kadetten am ersten Ferientage aufs Land machen, nur sage und schreibe eine lumpige Mark Taschengeld. Aber HanS „muß doch mithin", waS bleibt ihm da übrig, al» dem Kellner einen Taler m» Teller m MÄm«k • • • Der 1

Aermste! — er wollte Musiker werden und küßte gern die Portierstochter. Und schon dafür wollte ihn der böse Papa verprügeln. Und nun gar dieses! Der^ Diebstahl kommt nämlich selbstverständlich „heraus", durch das gerade­zu erstaunlich feine Ehrgefühl den Kellners, dem der Wirt 20 Mk. bietet, damit er schweigt. . . . Aber er schweigt nicht. . . . Und der arme Han« muß sich nun aus dem Fenster stürzen, denn sonst wäre es keine „Tragödie". Ihre Wirkung hat Overweg gestützt durch geradezu raffinierte Stimmungsmätzchen, die selbst bei ver­wöhntem Publikum nie versagen. Und so ist eS nicht verwunderlich, daß „dies Gemisch von dreister Mache und Sentimentalität" selbst in Berlin —

allerdings nicht in eurem „fathronablen" Theater den „Premierentigern", sondern einem bescheidenen Publikum int bescheidenen Norden — ziemlich gefiel . . .

Auch hier fand das Kadettendrama lebhaften Beifall. Und daS verdankt Overiveg in erster Linie der außerordent­lich treffsicheren Regie des Herrn Direktor Steffi er. Es ist erstaunlich, welcher Unwissenheit man selbst beim ge­bildeten Publikum begegnet, sobald von der Regie die Rede ist. (Vielleicht wäre es nicht so, wenn unsere deutschen Theaterdirektoren sich endlich entschlössen, für Regie daS deutsche Wort „Spielleitung" zu setzen.) Unter einem „Regisseur" stellt man sich vielfach einen Mann vor, der daS Klingelzeichen gibt usw. Und doch ist er der eigent­liche „es prit créateur", wie der Franzose treffend sagt, der „schöpferische Geist". Einer unserer angesehensten Theater- kritiker vergleicht ihn einmal mit einem genialen Baumeister und fordert fünfzig Prozent der Anerkennung einer abge­rundeten Darstellung für ihn. Und das ist nicht zuviel. Denn der Regisseur muß oft genug nicht nur das Werk in­szenieren, sondern auch den einzelnen Darstellern die Rollen­auffassung „kintrichtern". Erzählen doch die, die es wissen können, sogar von einer unserer berühmtesten Schau­spielerinnen, daß sie sich einen „Privatregisseur" halte, der ihr dir Rollen „euutaule" ... Uud wd6 lichtvoll, MW

I mag eS Herrn Direktor Steffi er gekostet haben, bi- namentlich der zweite Akt, die große Kadettenszene, in solch munterer Natürlichkeit klappteI „Fünfzig Prozent" der in allen Punkten gelungenen Auf­führung wollen wir Herrn Stefftrr gern und dankend gut­schreiben . . .

Es ist aber auch eine unleugbare Tatsache, daß geradezu derartig innerlich verlogene, sentimentale Stücke hohe Anforderungen an die Künstler stellen. Denn vom Erhabenen bis zum Lächerlichen ist hier oft nur ein ganz kleiner Schritt. Und die hiesige Darstellung zeugte von dem redlichen Bemühen aller Mitwirkungen, von ihrem besten zu geben. Namentlich der Darsteller de» „Helden", Herr Bernhardy, gab da» mit Intelligenz ausgearbritete Seelengemälde eines etwas brüchigen Charakters trefflich. Er hätte im Dortrag hie und da etwas mehr differenzieren können, aber es gelang ihm sonst, bie Unnatur der dichterischen Mache. durch sein Spiel, da» er zu seinen glücklichsten Leistungen zählen darf, zu verdecken. — Wuchtige und glaubhafte Töne fand Herr Korff, der den sympathischen Oberleutnant Engler natürlich und vornehm verkörperte. Auch Herr W i e b e r g interessierte als hartherziger Oberst durch Natürlichkeit des Vortrags und geschickte« Spiel. Die flatterhafte Frau des Obersten hatte in Frl. Dallin eine intelligente Vertreterin, auch Frl. Weiser al» „Tante" konnte recht befriedigen. Ungemein fesselte Herr Georg Land als „Selektaner". Es war eine außerordentlich abgerundet, Leistung, die er bot. Da war kein Zuviel in den Hand- beivegungen, nichts CutrierieS in der gespreizten Art bet Kadcttcngrsten. Und vorzüglich war auch der schnarrend liäsclndt Ton seines Vorirags! — AuS der Summe der Nebenrollen sei noch lobend erwähnt das Spiel de» Herrn Krack, der mit drolliger Nüancierung die prächtige Type eines „kleinen Hoteliers" gab. Aber auch die übrigen Mit­wirkenden verdienen, wie schon gesagt, Lob.

Her». Olef.