Hanauer K Anzeiger
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General-Anzeiger
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Mk. 18 Fernsprechanschluh Ne. 605»
Mittwoch den 22. Januar
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1908
Amtliches.
Stadt- und Üandkreis Hanau.
Der Herr Ober-Präsident hat dem Magistrat in Fulda zu der am 12. März d. Js. beabsichtigten Verlosung von Pferden, Wagen, Ackergeräten ic. zum Besten der Hebung dr» Fuldaer Pferdemarktes bte Genehmigung erteilt und den Vertrieb der Lose auch im Stadt- und Landkreis Hanau gestattet. Ich bringe dies zur öffentlichen Kenntnis und ersuche die Ortspolizeibehörden, dem Vertriebe der Lose keine Hindernisse zu bereiten.
Hanau den 17. Januar 1908.
Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.
V 859 v. Beckerath.
Eandkreis Hanau.
BtkmLmchuWn des Königlichen Landratsmis.
Unter den Schweinen zu Rüdigheim ist die Schweine- seuche festgestellt worden.
Hanau den 18. Januar 1908.
Der Königliche Landrat.
V 450 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Stadtkreis Hanau.
Am Donnerstag den 28. Januar 1908, vormittags von 9 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neustädter Rathauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt.
Hanau den 21. Januar 1908.
Der Vorsitzende deS Gewerbegerichts.
Hild. 1757
" Handelsregister.
Firma A. Grubener in Hanau.
Der Kaufmann Karl König in Hanau ist auS der Gesellschaft ausgeschieden.
Der Kaufmann Emil Dörr in
Hanau ist in
das Geschäft als persönlich haftender Gesellschafter ein« getreten, dasselbe wird von Emil Dörr und dem seitherigen Inhaber Rudolf Treusch in Hanau
Feuilleton.
Der „Deutsche Abend" des ev. Bundes.
„Der Protestantismus in der modernen d «u t s ch e n D i ck t u n g ", so lautete das Thema des Vortrages, den Pfr. Börsch am 19. Januar in unserer Mitte hielt. — Er begann mit einer Definition deS Begriffes des Protestantismus. Derselbe bedeutet ihm nicht etwa bloß ein Lehrgebäude, sondern eine sittlich-religiöse Weltanschauung, eine christliche Kulturmacht. In seinem Lichte empfängt alles Irdische und Menschliche, Natur, Ehe und Familie, Staat und Kirche, Kunst und Wissenschaft ein höheres, ewiges Gepräge.
Aber läßt nun auch unsere moderne Dichtung deS protestantischen Geiste? einen starken Hauch verspüren? Redner glaubt, daS trotz manchem Wenn und Aber — bejahen zu können, und sucht,, das zu beweisen, indem er eine Reihe bekannter moderner Dichter in protestantische Beleuchtung rückt. Ihm hebt moderne Dichlung nicht etwa mit Grillparzer und Mörike an, die er schon zu den Klassikern rechnet, auch nicht mit Gutzkow, Freiligrath, Geibel u. a. — Dagegen nennt er Hebbel und Ludwig Leute von heute und zugleich Künstler mit protestantischer Ader, mögen auch beide dem Christentum nach seiner dogmatischen und kirchlichen Fassung fremd gegenübcrstehen. B. begründet seine Behauptung mit einem knappen Eingehen auf ihre Persönlichkeit und ihre Werke. In raschem Fluge geht's dann vorwärts. Reuter wird gegrüßt, er ein Protestant von dem Scheitel bis zur Sohle. Man kann ihn .sich garnicht anders vorstellen, so wenig wie Onkel Bräsig als Teilnehmer an der Echternacher Springprozcjfion. Und neben dem Kind der Tiefebene steht der Sohn der Berge, GottfriedKeller, der, ob er gleich alle Religion ablehnt, religiös denkt und dichtet, ein Mann von hohem Idealismus und sittlicher Strenge, Worin sich aber all sein Suchen und Sehnen wie in einem Brennspiegel sammelt, ist sein Vaterland; ihm jubelt er in festlichen Stunden zu.
' unter unveränderter Firma als offene Handelsgesellschaft fortgeführt.
Hanau den 15. Januar 1908.
Königliches Amtsgericht Abt. 5. 1779
Hanauer Ortskrankenkasse.
Bekanntmachung.
Die Frist zur Einlösung der noch im Umlauf befindlichen Beitrags- u. Eintrittsmarken endigt mit dem
8t Januar 1908.
Nach diesem Zeitpunkt werden keinerlei Marken mehr zurückgenommen und dieselben hiermit gleichzeitig als wertlos erklärt.
Hanau den 14. Januar 1908.
Der Borstand der Hanauer Ortskrankenkasse.
Schabl, Vorsitzender. 1169
Politische RundTd^au.
v. Eckardt +♦ In Weimar ist am Montag der kaiserliche Generalkonsul a. D. Geheimer Regierunggrat Dr. v. Eckardt gestorben. — Eckardt war ein bekannter Publizist, der in seiner livländischen Heimat als Mitglied der liberalen baltischen LandeSpartei durch Kampfartikel in den dortigen deutschen Zeitungen eine Reform der Verfassung und einen engeren Zulammenschluß der drei Ostseeprovinzen anstrebte. 1867 bis 1870 redigierte er gemeinsam mit Gustav Freytag die „Grenzboten". Dann war er Redakteur des „Hamburg. Korresp." und der „Hamburger Börsenhalle". In Hamburg wurde Eckardt zum Scnatssekrctär gewählt. 1882 trat er als Geheimer Regierungsrat in den preußischen Staatsdienst über. 1885 wurde er Generalkonsul in Tunis, 1889 in Marseille, 1892 in Stockholm, 1897 in Basel, 1900 in Zürich. Kurze Zeit später trat er in den Ruhestand. Als Publizist war er ungemein fruchtbar. Zahlreiche Schriften erinnern an seine gewandte Feder und haben in weiten Kreisen Beachtung gefunden.
Gegen die Neuordnung der ftetnfrteififle» bähren haben der Zentralausschuß Berliner taufmânnifdter, gewerblicher und industrieller Vereine und der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller in ihrer Plenarversammlung vom 20. Januar energisch Stellung genommen. Auch die Kieler Handelskammer beschloß eine Protesteingabe an
Auch in Gustav Freitag begegnet uns ein Vertreter deS bürgerlichen Realismus in protestantischer Lebensführung. Freitag ist der Lobredner eines soliden Mittelstandes. ArbeitS- freudigkeit und Pflichttreue, tiefes Verständnis für deutsches Wesen in den Segen der Reformation eignet seinem poetischen Schaffen. Wäre er in einem Milieu aufgewachsen, das neben den sozialen und nationalen Problemen dem religiösen volleres Bürgerrecht bewilligt hätte, würde er gewiß auch auf dieser Seite des Protestantismus gefochten haben. Energischer tritt hier Wilhelm Heinrich Riehl auf den Plan.
Nachdem dann zwei Männer, die sonst unsere Zeit so gerne zu den ersten zählt, Paul Heyse und Friedrich Spielhagen, bei aller Würdigung ihrer hohen künstlerischen Eigenschaften als Feinde und Verwüster evangelischer Glaubensgewißheit haben bekämpft werden müssen, nachdem ferner andere flüchtig erwähnt worden sind, wie der edle Storm, der zwar Christus und Christentum verleugnet, aber — und das ist doch wieder echtprotestantisch — als Verkörperung höchster Lebenwerte die Ehe feiert: prüft Referent zwei Humoristen, den gröberen Wischer und den leiser lachenden, tiefer fühlenden Raabe. Raabe vor allem ist stark protestantisch bestimmt. Er ist der geborene Widersacher des modernen Fatalismus, der Verteidiger der Gottesfurcht und graden Sitte, ihn dünkt Luther ein großer Held und die Reformation ein Gcisterfrühling ohne Gleichen. — Mit dem Jahrzehnt von 70—80, dieser Schwindel- und Gründer- periode, in der die Dichtung zur Dirne wurde, wird kurzer Prozeß gemacht, um dann einem Dichter zu huldigen, der den Tanz um'S goldene Kalb niemals mitmachte und dem schnöden Mammon und seinen Kreaturen scharf zu Leibe ging: Theodor Fontane. Besonders sein Roman: „Vor dem Sturm” verdient den Titel eines preußischprotestantischen Romans.
Erwähnt werden dann noch 3 Oesterreicher, Katholiken von Geburt, und doch unseres Geblüts. Maria von Ebner- Eschenbach, Ludwig Anzengruber und Peter R o s s e g g e r.
Und nun wird deS Poeten gedacht, in dem am meisten protestantische» Blut pulsiert: Conrad Ferdinand
den Reichskanzler gegen die Vorlage des Reichspostamts über bis Beseitigung der Pauschalgebühr im Fernsprechverkehr.
Die Budgetkommission des Reichstags setzte gestern die Beratung des MiliiâretatS fort und nahm zu dem Kapitel „Artillerie- und Waffenwesen" eint von Erzberger (Zir.) eingebrachte Resolution an, nach welcher Arbeiten für die Militärverwaltung nur an solche Firmen zu vergeben sind, die bezüglich der Arbeitsbedingungen die gesetzlichen Vorschriften innehalten und, falls Tarifverträge am Orte deS Betriebes gelten, nicht hinter den Bestimmungen dieser Tarifverträge zurückbleiben. Ferner soll die Militärverwaltung die Festsetzung oder Neuordnung von Arbeitsbedingungen in den Miliiärbetrieben unter Mitwirkung der Arbeiterausschüsse vornehmen. Die Kommission nahm weiter einen Antrag Gröber an, nach welchem den Arbeitern auch an gesetzlichen Feiertagen der Lohn gezahlt werden soll. Nächste Sitzung findet heute statt.
Die neuen Maschinengewehr-Abteilungen. Di- Erfahrungen des russisch-japanischen Krieges haben die hohe Bedeutung des Maschinengewehrs für den heutigen Stieg schlagend bewiesen. AuS den Berichten, die der Kölnischen Zeitung vom Kriegsschauplatz zugingen, wurde die moralische und materielle Wirkung, den die Waffe auf die russischen Truppen ausübte, in lebhaften Farben geschildert, und die Heere aller großen Mächte sind seitdem eifrig beschäftigt, dauernde Formationen mit Maschinengewehren aufzustrllen. Rußland hat bie Maschinengewehr-Kompanien, die bisher den Divisionen zugeteilt waren, in Kommandos zu vier oder zwei Gewehren den einzelnen Infanterie-Regimentern und selbständigen Bataillonen angegliedert, bei der Kavallerie jedem regulären Regiment ein Kommando zu zwei Gewehren. Die Aufstellung ist noch nicht vollendet. In Frankreich sollen in nächster Zeit eine größere Anzahl von Maschinengewehren an die Truppe abgegeben werden. Die österreichisch-ungarische Armee hat soeben organische Bestimmungen über Maschinengewehr-Abteilungen erhalten. Es erbalten danach jedes Infanterie-Regiment, jedes Kaiserjäger-Regiment und jedes Jägerbataillon eine Maschinengewehr-Abteilung zu je zwei Gewehren mit einem Friedensstand von 1 Offizier, 12 Mann und 15 Pferden. Die Mannschaften sollen intelligent, kräftig, von vomüalicher Sehschärfe, im Felddienst gut ausgebildet und „Schützen" ober „Scharfschützen", d. h. im Besitz der Schießanszeichnung sein. Sie werden zuerst bei den Kompanien ausgebildet und dann nach dem ersten Dienst-
Meyer. Er ist kein Volksdichter, aber voll Kraft und Schöne, jedes seiner Werke ein Bekenntnis, ein Eintreten für die Selbständigkeit des Individuum« und die persönliche Verantwortung, für die großen religionspolitischen Aufgaben der Zeit; er ist ein freier Geist, aber kein Freigeist, ein Protestant bis in« Mark der Knochen. Frisch und froh klingt sein Lutherlied: Alle Römlinge ducken sich, wenn er den Landgrafen Philipp aus dem Kerker seine scharfen Pfeile schleudern läßt. • Wer protestantisch fühlt, dem zuckt jeder Nerv, sobald er Hüttens letzte Tage liest. Zuletzt wirft der Vortragende dann noch die Frage auf: Wie steht es mit der allerjüngsten Dichtung? Nach seiner Meinung fehlt es nicht an tüchtigen Talenten, aber die Blütezeit, die man uns verhieß, ist nickt erschienen — und was das Entscheidende: kaum ein Dutzend Poeten kann und darf der Protestantismus für sich beanspruchen. Sudermann wenigstens ist der Mann nicht. Und die anderen ? Kretzer, Ernst Otto, Speck, Steinhausen, Sohnrey, A l g e n st e d t, die beiden Schweizer H e s s e und H e e r sind' ohne Zweifel wackere Schriftsteller, in protestantischer Luit atmend, aber keine Propheten protestantischer Weltanschauung, keine Lotsen durch die Not und daS Suchen unseres Geschlechts. Nur einer hätte ei werden können — nicht F r e n s s e n — über den der Redner den Stab bricht — wohl aber Gerhard Hauptmann. Der halte das Feng dazu, ein ganzer Dichter, ein tiefer Denker, ein ernster" Charakier, ein Mann voller Sehnsucht nach bei Lebens Duft und Blüte, nach Genesung und Liebe. Aber es scheint, es soll nicht sein. Einen Mißgriff und Mißerfolg nach dem andern läßt uns Hauptmann erfahren. Er merkt« wohl kaum, der Grübler, an dessen immer einsamer werdendes Lebensufer nur die Wellen blinder Vergötterung einschläfernd schlagen. Jammerschade! So müssen wir eine« anderen warten. Und wir sind der Zuversicht, eS kommt der Dichter von Gottes-Gnaden, dessen Kunst mithelfen wird, daß auf dem Boden evangelischer Freiheit und protestantischer Frömmigkeit unser Volk erstarke und sich da» Wort erfülle:
Am deutschen Wesen Soll noch die Welt genesen.