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Has aller Mell.
Preetz HarSeu.
B-rliN, 30. Dezbr. Diö Serhanbhtng beginnt mit her Verlesung der eidlichen Vernehmung SchweningerS und dessen Gattin. Schweninger erklärte, er habe Moltke anfangs der 80er Jahre, wie er glaube, beim Obertribunalrat Halverger, kennen gelernt und ihn seitdem sehr selten gesehen. Er habe aeqen Moltke in keiner Weise feindliche Gesinnungen und stehe mit ihm auf dem Höflichftitsstandpunkt. Auch eine Verstimmung bestehe seinerseits nicht. Harden glaube er 1802 in Varzin kennen gelernt zu haben, wo er ihm von Bismarck vorgestellt wurde. Aus der ersten Begegnung entwickelte sich ein noch heute bestehender, dauernder, sehr sreundlchasticher Verkehr. Seit drei bis vier Jahren duze er sich mit Harden. Während seines Münchener Aufenthalts sei Harden nur bei zwei Gelegenheiten bei ihm gewesen. zuletzt im vergangenen Herbst. vorder schöffengerichtlichen Verhandlung. Schweninger erklärte weiter, bei dieser Gelegenheit sei Harden zweimal in Schwaneck gewesen. Bei diesen Besuchen sei die Erbprinzessin von Meiningen zugegen gewesen, die damals in SchweningerS Behandlung gewesen sei. Er nehme an, daß Harden hiervon gewußt habe: Harden sei bis 10 Uhr abends mit Schweninger und der Erbprinzessin zusammen gewesen. Ob an diesem Abend über den schwebenden Prozeß gesprochen worden sei, könne er nicht sagen. Bei dem zweiten Besuche Hardens am folgenden Tage sei, soweit er sich dessen entsinne, zwischen Harden und der Erbprinzessin über Hohenau gesprochen worden. Die Erbprin- zesfin habe ihr Bedauern, Erstaunen und ihre Ungläubigkeit über dessen angeblichen Verfehlungen geäußert und ungefähr hinzugefügt. daß solche Dinge wohl bis in die höchsten Kreise hinein vorkämen, wie man wisse. Seit der Zeit, wo er in Schwaneck wohne, habe er, Schweninger, mit Harden im Bneswschftl gestanden. Er glaube aber, daß über die in« himinietten Artikel hierin kaum etwas Erhebliches vorkam. Ueber Sinn und Zweck der Artikel habe Harden ihm nichts Erhebliches mitgeteilt. Schweninger fuhr fort, er sei erstaunt gewesen, als im Mai die Hetze gegen Harden begonnen habe, «nd er habe sich gefragt, wo Harden beleidigt haben sollte, als er den Artikel nochmals gelesen habe. Zur Freisprechung habe er ihn beglückwünscht. Auch anläßlich der Erkrankung nnd des Wsihnachtsrestes habe er ihm seine Wünsche geschickt. Tran v. Elbe habe er seines Wissens im Jahre 1905 m Lichterfelde kennen gelernt, wohin sie auf Einladung von Zchweningers Frau gekommen sei. 1902 und 1903 sei sie öfter gekommen, eingeladen und üneingeladen. Seitdem habe er sie wenig gesehen, glaube sie aber während seines Verkehrs ziemlich genau kennen gelernt zu haben. Die Gespräche feien allmählich sehr vertraulich geworden und hätten sowohl ärztliche Fragen wie eheliche Zerwürfnisse betroffen. Von TriongL-AerKiftung habe er nichts bemerkt, hätte sie aber KroVachten müssen, falls ihre Wirkung noch vorhanden gewesen wäre. Don einer schweren Erkrankung der Gräfin in den Jahren 1898 und 1899 habe er aus ihren Erzählungen Teuntui» erhalten. . Seiner .Ueberzeugung . nach habe Frau ch Elhefzu viel gedoktert. Als er sie kennen lernte, hielt er ihre Gestmdhelt im allgemeinen sehr fest. Die Ursache der von ihr mitgeteilten Erkrankung könne teilweise die eheliche Nichthefriedigung gewesen sein, nicht lediglich Trional-Ver- giftung. In diesem Sinne glaube er sich zu Harden geäußert zu haben. Im übrigen, gebe er zu, daß seine Erfahrungen über Trional-Vergiftung ziemlich gering seien. Ob Frau v. Eibe, während sie bei Schweninger verkehrte, über fieberische Erregungen, Nervenzustände und dergleichen klagte, könne er nicht sagen, doch könne er bestimmt sagen, daß sie von den ehelichen Zuständen, die sie während des Zusammenseins mit Moltke' erlebt hat, er« zählt bet. Während der ganzen Zeit der Bekanntschaft mit Frau v. Elbe habe er sie für eine ziemlich gesunde Frau gc- Haiten. Er habe die Ueberzeugung und habe sie auch in häufigeren, in den Jahren 1900 bis 1906 entweder im Beisein der Gräfin oder in über sie geführten Gesprächen ausgedrückt, daß ihm die Gräfin durchaus normal erscheine und daß sie nicht zu phantastischen Uebertreibungen geneigt sei, wenn er auch Harden gegenüber erklärt haben könne, daß sie in der Erregung einmal etwas mehr gesagt haben könne, als sie verantworten könne. Er halte sie deshalb doch nicht für hysterisch. Ihre Darstellung sei klar, ruhig und kalt gehalten gewesen und für eine in einen so schwierigen Prozeß verwickelte Frau sogar ungewöhnlich verständig und sicher abgegeben worden. So- weit er sich erinnere, habe Frau v. Elbe ihm gelegentlich Mitteilungen über das Eheleben gemacht. Sie habe erzählt, daß ihr Gatte sie gegriffen habe. Sie könne auch gesagt haben, daß er sie geschlagen habe. Sie habe ihm die Streitigkeiten mit ihrem Gatten stets in der Weise dargestellt, daß er daraus schließen mußte, ihr Gatte trage allein die Schuld an den Streitigkeiten. Er wisse genau, daß die Gräfin sich ihm gegenüber über blaue Stellen beklagte, die von Mißhandlungen ihres Gatten herrühren sollten. Betreffs des Verhältnisses des Grafen zum Fürsten Eulenburg habe sie gesagt: Der Graf hat den Fürsten mehr lieb wie mich. Er hatte den Eindruck, daß Moltke ein süßlicher, weibischer Mann sei, ein Eindruck, der seines Wissens in Schlesien und in der Bekanntschaft von SchweningerS Frau geteilt habe. Er könne sich erinnern, daß die Gräfin in seiner Gegenwart von An angeblichen Aeußerungen ihre« Gatten „Frauen sind K^retts" und „er wolle sie als Märchen haben" erzählt Auch Kosenamen ihres Gatten gegenüber Eulenburg tjabe sie ihm genannt. Die Taschentuchaffäre habe er, wie " gwube, erst aus den Zeitungen erfahren. Den Wunsch, Harden kennen zu lernen, habe die Gräfin ihm und seiner Frau gegenüber geäußert. Sie habe dabei gesagt, vielleicht ane/”1 H^'dèn einen Rat geben. Auf Grund dieser ^uusweS hätten sie die Gräfin mit Harden bekannt gemacht. DaS Gespräch, das darauf zwischen beiden Üatifanb, habe er »Ml nutangehört. Er entsinne sich auch nicht, daß Harden und Frau v.Mbe noch einmal in seiner Wohnung zusammen gesprochen hatten, Es sei möglich, daß er Harden Wüt«
Teilungen über baS von Frau v. Elbe ihm und feiner Frau Mitaeteilte gemacht habe. Es sei auch möglich, daß er Harden, der nach feiner Meinung an der Sache keine Freude hatte, gebeten habe, sich Frau v. Elbes anzunehmen. In Gesprächen mit Harden habe er erwähnt, daß Moltke zwar nicht selbst Politik treibe, aber für seinen Freund Eulenburg als Beobachter, Vertrauensmann und Berichterstatter sehr wichtig sei. Woher er dies wisse, könne er nickt mehr sagen. Er habe Harden and) »itmaref« Urteil über Eulenburg er- zählt, besonders daß SiSmerct das Wirken Eulenburgs, namentlich auf dem Gebiet« der Personalien und in der Rolle des befreundeten und unverantwortlichen Ratgebers für unheilvoll gehalten habe, wiederholt auch von geschlechtlich abnormer Veranlagung Eulenburgs gesprochen habe, die, verbunden mit einer Neigung inS Mystische, den Fürsten nicht zum Vertrauten deS regierenden Herrn gnalifi» ziere. Woher die Ansicht Bismarcks über die geschlechtliche Abnormität Eulenburg stamme, könne er nicht sagen. Er erinnere sich ferner der Aeußerung Bismarcks, daß ein kaiserlicher Adjutant, der sich offiziell gar nickt mit Politik beschäftige, auf politische ©filschliesse mehr Einfluß haben könne, als der Reichskanzler, schon weil er den Herrn öfter sehe und sich dessen Stimmungen schmiegsamer anpasse. Bezüglich der Kamarillapolitik habe Bismarck geäußert, _ wenn solche Sacken so dumm gemacht würden, daß der regierende Herr die Absicht merke, ober daß sie von draußen haarscharf nachweisbar sind, so könnte sich die Kamarilla nirgends halten. Er, Zeuge, habe, wie er glaube, diese Aeußerungen Harden mitaeteilt. Er erinnere sich, daß in seiner Gegenwart und der von Frau v. Elbe davon gesprochen wurde, daß Moltke, solange er dem Berliner Hofe nahestand, sehr häufig Eulenburg über politische Vorgänge und Stimmungen berichtet habe. Er erinnere sich indessen nicht, daß er Zweifel in diese Aeußerungen geseift habe. Er glaube sich auch der Aeußerung Frau v. E beS zu entsinnen, sie fei von ihrem Gatten in ihr Zimmer eingeschloffen und von ihm entlassen worden. Er glaube sich auch zu entsinnen, daß Frau von Elbe sagte, das Schlimmste sei, daß niemand glauben werde, wie gewaltsam der Graf, den die Welt nur als einen sanften, sentimentalen Herrn kenne, gegen sie gewesen sei. Er könne nicht sagen, ob Frau v. Elbe in diesem Zusammenhangs Moltke ironisch den „Süßen Kuno" oder „Tütü" genannt habe. Diese Ausdrücke feien ihm aber seit langer Zeit bekannt und auf den Grafen Moltke angewendet worden. Ob Harden von Frau v. Elbe außer den Eheakten anderes Material zur Verfügung hatte und ob Frau v. Elbe bei der Weitergabe dieses Materials Veröffentlichung oder Verwertung in der Politik wünschte, wisse er nicht. Er vermute, daß sie durch Harden eine Beschleunigung des Eheprszesses wünschte. Wenn er Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Frau v. Elbe gehabt hätte, würde er Harden, dessen schlechten Gesundheitszustand und Ueberbürdung mit ernster, ehrlicher Arbeit er kannte, nicht gebeten haben, Zeit und Mühe an der Sache der Gräfin zu verwenden. Seiner Ueberzeugung nach habe Harden bei der Abfassung der inkriminierten Artikel sich weder von persönlichem Haß, noch von unlauteren Motiven leiten lassen und auch Graf Moltke nicht als einen unehrenhaften Mann, sondern alSdaS schädliche Werkzeug eines anderen bezeichnen wollen und habe als Politiker diese Erwähnung im Interesse deS Reichs für nötig gehalten. Er halte Harden für unfähig, sich als Politiker und Publizist von anderen als fachlichen Beweggründen leiten zu lassen. Harden fei nach feiner Ansicht auch da, wo er manchem objektiv irrend zu fein scheine, von dem leidenfchaftlichen Wunsche erfüllt, nach bestem Wissen dem Vaterlande zu dienen. Von dem Erscheinen der Artikel wußte er vorher nichts. Bei dem letzten Besuch Hardens in Schwaneck habe er gesagt, wie kommen die Leute nach monatelangem Schweigen dazu, plötzlich in den Artikeln etwas zu suchen. Die Gerüchte über den Grafen Moltke in sittlicher Beziehung seien ihm insofern zu Ohren gekommen, als er gelegentlich'über ihn und seine Freunde den Ausdruck „Front- ve'rwechslung" gehört habe. Wo dieser Ausdruck gefallen sei, könne er nicht sagen, er habe sich auch nicht darum gekümmert, ob er eine tatsächliche Grundlage habe. Ueber den schwebenden Prozeß habe er mit Harden nicht korrespondiert. Mit der Aeußerung desselben, er gehe lieber ins Zuchthaus, als daß er sich mit dem Grasen Moltke versöhne, habe bet« selbe seiner Meinung nach sagen wollen, es gebe für ihn keine Versöhnung, nachdem ihn Graf Moltke einmal verklagt habe.
Frau Schweninger bekundete, sie sei eine Nichte des Grafen Moltke. Seit der Trennung ihrer ersten Ehe mit Lenbach sei zwischen ihren Verwandten und ihr eine Entfremdung eingetreren. Eine feindliche Stimmung gegen ihren Onkel habe sie nicht. Mit Frau v. Elbe fet sie seit dem Jahre 1900 etwa bekannt, als sie in der Scheidung mit dem Grastn Moltke lag; sie habe ihr leib getan. Seit ihrer neuen Ehe habe der Verkehr mit der Frau v. Elbe fast ganz aufgehört. Sie glaube, daß Frau v. Elbe mit Harden zur Beschleunigung ihres Eheprozesses bekannt zu werden wünschte. Es könne fein, daß sie und ihr Mann Harden Einzelheiten aus dem Eheleben der Gräfin Moltke erzählt habe. Bei der ersten Beaegnung der Gräfin mit Harden war die Zeugin zugegen. Die Gräfin sprach über ihr Ehe- leben und erzählte ‘im wesentlichen, wie die Zeugin sich zu erinnern glaubt, dasselbe, was sie vor dem Schössengericht aussagte und machte auf die Zeugin einen gelassenen und glaubwürdigen Eindruck. AuS ihrer Kinderzeit habe sie die Erinnerung, daß Kuno Moltke ein etroaS süßlicher, weibischer Mann war. Die Freundscha't desselben mit dem Grafen Eulenburg sei ihr unsympathisch ausgefallen, ohne daß sie an perverse Neigungen bacbte. Die Zeugin erklärt, daß Frau v. Elbe zu Harden über Mißhandlungen durch ihren Gatten gesprochen und ihm allein die Schuld an den ehelichen Zwistigkeiten gegeben habe. Sie glaube auch, daß Frau v. Elbe Harden detaillierte Schilderungen ihres Ebelebens machte. Auf Einzelheiten könne sie sich nicht besinnen. Sie glaube nicht, daß Frau v. Elbe ein publizistisches Einschreiten i Hardens erwartet habe. Ob sie Harden außer den Ehe- | scheidungSalten anderes Material gegeben habe, wisse sie I
nicht. Anch könne sie nicht sagen, welchen Grund Harden zur Vorössentlickung der Artikel hatte. Sie sei aber gleich ihrem Gatten überzeugt, daß er lediglich politische Motive dazu hatte. Harden habe ihnen gegenüber geäußert, er begreife nicht, wie man glauben'könne, daß er den Grafen Moltke beleidigen wollte. Harden habe der Gräfin ebenso geglaubt wie der Zeugin. Sie könne noch sagen, daß Harden sich nur sehr ungern mit der EhrscheidungSgeschichte befaßt habe.
Im Anschluß an die Verlesung des Protokolls betonn* Harden, die Hilfe, die er der Gräfin leisten sollte, sollte darin bestehen, daß er sich mit Moltkes Anwalt Sello in Verbindung setzte. Ueber Hardens ®u. ste bei Sello entspinnt sich eine Kontroverse zwiscken beiden, wobei Harden erwähnt, Sello habe ihm geschrieben, daß er an seiner „bona fides" nicht zweifle. Auf eine Bemerkung des Oberstaatsanwalts Jsenbiel erklärt Harden, er habe in dem Brief an Sello barauf hinaewiesen, daß sich die Ehescheidung zu einem großen politischen Skandal auSwachsen könnte. Hierauf werden noch zwei Artikel der „Zukunft* verlesen, in denen der Angeklagte auf die Motiv« und die Bedeutung der früheren Artikel zurückgekommen war. Auf eine Anfrage deS Vorsitzenden erklärt Sello, er könne auf seinen der von ihm geladenen Zeugen verzichten, die bekunden sollten, daß die Aussaaen der Frau v. Elbe daS Gegenteil der Wahrheit sind. Jsenbiel hat nichts dagegen, wenn auch der Vorwurf der Homosexualität, der dem Nebenkläger gemacht worden sei, schon zur Genüge wideNegt ist. Bernstein weist darauf hin, daß in den Artikeln der „Zukunft" nicht» von dem Eheleben Moltkes stehe. DaS Gericht beschließt di« Vernehmung der noch geladenen Zwgen. Die frühere Kammerfrau der Gräfin, Fräulein Maye, erklärt, daß sie sehr unter bet Launenhaftigkeit der Gräfin zu leiden hatte. Die Angestellten hätten alle den Grafen bedauert. Fratt v. d. Marwitz, eine Nichte MoltkeS, erklärt, die Mutter der Gräfin habe ihre Tochter als ungeraten und verlogen be» zeichnet. Trotz beS Hinweises des Vorsitzenden, daß Frau v. Heyden dies bestritten habe, erhält die Zeugin ihre Behauptung aufrecht. Frau v. Elbe habe auch ihr gegenüber zugegeben, daß sie an allem schuld sei; ihr Gatte sei immer sehr Heb zu ihr gewesen. Die frühere Gesellschafterin Baroe nesse Saß schildert Frau v. Elbe als sehr leichtfertig nah nicht wahrheitsliebend. Sello bemerkt, die früher« Frau Y. Kruse habe vor der Verlobung mit Moltke glühende Liebesbriefe an diesen geschrieben. Gräfin Dankelmann, eini Schwester beS Grafen Moltke, erklärt, ihr Bruder habe ihr im Jahr« 1892 den tiefen Eindruck geschildert, den Frait v. Kruse auf ihn gemacht habe. Bis sie ihren schwerkranken Mann pflegte, habe er ihr seine Verlobung mit d«selben mt| dem Bemerken mitgeteilt: „etwas beS Glücke» zu viel für einen alten Knaben wie ich." Mein Bruder war begeistert von der Frau. Die Zeugin schildert dann, wie die Gräffts immer launischer wurde und eifersüchtig auf sie und all« bu Freunde ihre» Bruders war, so daß dieser ihr schtteb, daß eS wohl besser sei, bie Verlobung zu lösen. Frau v. Kruse kam dann zu der Zeugin und erfidrte, fit könne ohn« b«f Grafen nicht leben. Auf den Hinweis der Zeugin, sie sollt doch auch an die Erziehung ihres Sohnes denken, erklärt« jene: „ich liebe nur Kuno, ich will ihn besitzen, wa» ist mif der Sohn !* Die Zeugin bat darauf ihren Bruder, sich wiedet zu versöhnen. Mit schluchzender Stimme fügt bit Zeugt» hinzu, dies sei die schwerste Schuld ihre» Lebens, denu darunter habe ihr unglücklicher Bruder aufs tiefste gelitten. Dit Launenhaftigkeit dèr Frau v. Kruse habe immer mehr zugenommen. Vor der Nordlandreise 1897, von der fit Moltk» abhalten wollte, gab eS eine furchtbar« Szene. Sie forbertsi Moltke zum Spaziergangs im Garten Dankelmann» auf. Nach 20 Minuten kam dieser zurück, bleich und aufgeregt und bat den Sohn der Zeugin, im Garten nach seiner Braut zu suchen, bie ganz verzweifelt sei. Nach langem Suchesi kam diese auf Dankelmann zu und sagte: „rette mich vor ihm" und kehrte schreiend ins Schloß zurück, wo sie sich geger^ die Tür mit dem Kopf und dem Rücken warf. Die Zeugift verbat sich solche Szenen und brachte jene zu Bett. Graf Eulenburg schrieb später nach der Hochzeit an die Zeugin, die Sache müsse zu Ende gebracht werden, sonst gehe Kunö zugrunde. Er habe ein geschwollenes Auge. Acht Tag« später sei ihr Bruder gekommen, den sie kaum wieder erkannte. Er habe ihr daS Elend seiner Ehe erzählt und hatte am linken Arm wohl zwanzig Wunden, wie von einem Raubvogel mit den Krallen gehackt, und sagte, diese hätte ihm feine Frau beigebracht. Der Graf fuhr sodann zum Anwalt, um sich über die ScheidungSgründe zu erkundigen. Di- Gräfin bat dann die Zeugin um einen VerlöhnungSversuch, Auf Befragen deS Oberstaatsanwalts Jsenbiel und deS Justizrats Sello bekundete die Zeugin, daß Moltke viele Frauen- freundschaften hatte. Auf weitere Beweisaufnahme wird allseitig verzichtet. Es folgen die Gutachten der Sachverständigen. — Medizinalrat Hoffmann erklärte, er habe auf Grund des hier Gehörten und Gesehmen feinen Anhaltspunkt bafür, daß Moltke homosexuell sei. Die einzige Quelle für eine Anschuldigung fei Frau o. Elbe, bie nach ihrer schweren Trionalvergiftung keine klare Erinnerung haben könnte. Bei einer solchen Patientin kämen Phantasiezeichen zutage, die der objektiven Wahrheit nicht entsprächen. Hoffmann bezieht sich auf die Aussage Dr. Freys, der sagte, Frau v. Elbe sei schwer hysterisch „QuaeviS hysterica men« dax". Die Moltke in den Mund gelegten Aeußerungen hätten sich nicht auf die Ehe im allgemeinen, sondern auf diese Ehe bezogen. Es möge fein, daß der Verkehr MoltkeS und ©ulcnburgS ein etwas schwärmender war, aber eS Handl« sich immer nur um ideale Schwärmerei. Gegen baS Vorhandensein unbewußter Homosexualität müsse er auch entschieden Front machen. Auf eine Anfrage JsenbielS erklärt Dr. Hoffmann ausdrücklich, daß nicht der leiseste Grund zu der Annahme vorliege, daß Moltke homosexuell sei. (Ebemo bestätigt er die Tatsache, daß Hysterische ihre Gefühle sehr leicht wechseln und leicht den Gegenstand früherer Liebe später mit glühendem Haß verfolgen, ferner, daß Harden nach dem Eindruck, den Frau v- Elbe machte tuest für völlig gtsuvd