Erstes Blatt.
Jammer K Anzeiger
General-Anzeiger
BercmtewrfL Rrdakie«: 6. Schreck tt tat 5«8®k
Ferusprechanschlus; Nr. 605, 1906
Montag den 31, Dezember
Nr. 304 Fernsprechanschlich Nr. 605
TNa8«rdnick imb Verlag der Buchdrucker« de» »«Äu au Waisenhauses in Hamm.
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dafür aber hat es die nie versagende Hoffnungsseligkeit in die Mcnfchenbnlst gepflanzt. Und gerade beim Jahreswechsel drängt sie übermächtig und allbeglü send hervor mit ihren Träumen und Plänen auf Vollbrin cr. inl Gelingen. Vor
Vor uns liegt die Zukunft wie ein weites, unbebautes Land, allen
ernten. Deshalb beiß: es,
Bnm JahteswechU
Das alte Jahr mit seiner Lust und Last ist bald verrauscht, und ein neues wird seinen Einzug halten.
Frisch mit Hoffnungsgrün bekränzt Lächelts froh der Welt entgegen, Grüßend winkt es jedem zu Und verheißt ihm Glück und Segen.
Ein frohes neues Jahr wünscht uns dann jeder Mund, der uns begrüßt, aus der Ferne kommt manches, Blatt, das von lieber Hand geschrieben wurde. Und läge es in den menschlichen Wünschen, so wäre im neuen Jahre Glück und Frieden überall.
Zwar ein eigentlicher Festtag ist ja der Neujahrstag nicht, soweit wir bei Festen an kirchliche Festtage denken, aber kein Tag im neuen Jahre ist geeigneter zur Einkehr in uns selbst und zur Rückschau wie der erste Tag des neuen Jahres, um die Ereignisse des verflossenen noch einmal an unserm Geistesauge vorüberziehen zu lassen. Mancher teuere Angehörige und mancher liebe Freund, der Schulter an Schulter mit uns über die Schwelle des nun entschwundenen Jahres getreten, wurde von des Todes rauher Hand von unserer Seite gerissen und ruht auf dem stillen Friedhofe, entrückt den Sümpfen und Sorgen dieses Lebens und dem Wechsel der Zeiten. Und nicht bloß teure Menschen, sondern sicher auch manche verlockenden, viel versprechenden «Hoffnungen und Entwürfe haben viele von uns im Laufe des Jahres zu Grabe tragen müssen. Aber nicht allein der schmerzlichen Verluste und der mehr oder weniger herben Prüfungen, nein, auch der verschiedenen freudigen Ereignisse in Familie und Wirkungskreis, aller frohen Stunden, die uns das vergangene Jahr beschießen, wollen wir mit innigem Danke gegen den ewigen Weltenlenker gedenken, damit wir im Vertrauen auf seinen weiteren gnädigen Beistand mit ungebrochenem Mute und zuversichtlicher Hoffnung in das neue Jahr eintreten können. Ein neues Jahr, ein neues Hoffen! Der Zukunft Schleier hat ein gütiges Geschick uns verhüllt,
Amtliches Orza« für Stot- und FssthKrnr Kruas.
Der Sang verhallt, die Kerzen find verglüht Schon riefeln leis die Dadeln von den Bäumen, Doch webt noch überall ein Weihnachtszauber Und hüllt in Duft und stilles Leuchten ein Des Jahres letzte, heimlich traute Cage, Um die sich Sagen grauer Vorzeit ranken.
Wer diesen Duft, dies Leuchten nicht beachtet, Jrägt heut wohl bebend: „Zeit, was eilest du?“ Vermag doch keiner nur ein Körnlein Sand Jm großen Zeitenglafe aufzuhalten.
Die aber Heilger Weihnacht holdes Licht Auf ihles Herren; stillen Altar stellen, Sie lieben auch des Jahres Dämmerstunden, Wo MH und weh Erinnern, Reu und Klage Mit Dank und Zehnsucht wunderbar sich mischen. 0 Augenblicke weihevoller Einkehr!
Vergangenheit leb wohl! wag'; Abend werden — Wir wandern froh dem ew'gen Morgen ru.
Elisabeth Ehrhardt.
allem d i e Hoffnung, die jeberf deutschen Patrioten beseelt, daß das neue Jahr für unser Vaterland ein Jahr des Heils sein und ihm einen Reichstag bringen möge, der den ■ lebendigen Beweis liefert, daß das deutsche Volk noch bereit ist, seine Ehre zu wahren und sich der Väter, die uns des Reiches Herrlichkeit erkämpften, der großen Toten, bei deren Namen es unsere Herzen warm und tatenfroh durchflutet, würdig zu beweisen. Hoffen wir, daß bei den bevorstehenden Reichstagswahlen die nationale Begeiste- rung wie brausender Flügelschlag der Walküren durch die Lande rauscht, von d«r Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt!
Aber auch dem einzelnen bringt das neue Jahr ein neues Hoffen. Wohl hat jeder Mensch sein Päckchen zu nagen, und wenn auch das private. Leben des einzelnen im verflossenen Jahre hin und wieder nicht ganz sonnenumstrahlt gewesen ist, so soll er nicht murren. Wenn.sein Päckchen iw Jahre 1906 ein wenig schwerer als gewöhnlich geraten war, so wird es dafür vielleicht im neuen Jahre desto leichter. Und ein wesentlicher Faktor, der auch die schwerste Last tragen und leichter machen hilft, ist die Hoffnung. „Hoffnung bleibt mit dem «Leben vereint, die schmeichelnde Göttin." Wie das Weihnachtsfest unter dem Sterne der Liebe stand, so steht der erste Tag des neuen Jahres unter dem Sterne der Hoffnung.
Schollen dieses Zukunftlandes mit dem Pfluge treuer Arbeit aufreißen und in die Furchen die Samenkörner des Fleißes und Gott- vertrauens senken, dann wird die Saat reifen und hundertfältige Frucht tragen. Leben heiße kämpfen und ringen. Darum sollen wir beim Jahreswechsel nicht nur Glück, sondern auch vor allem die nötige Kraft wünschen, um Stand zu halten geaen die Stürme des Lebens.