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Hanauer K Anzeiger

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rüertchih-Ech 1,8G Mk., monatlich 60 Pfg., für auS- »&ti* Lioimtntm mit dem tdrtffenben Postausschlrx

Die etajetae Numrr.e testet 10 Pfg.

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Genkral-Aszeiger

Amtliihts Organ sm AM- and KmdKreis Knnnn.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Die p'nfzrspâ« Petitz-il- »bet betet Roum Pf-, im Si-tlcmmM 8» Zeil» Sb Ptz,

B« antwort!. Redakteur: 6. Schrecker in Hata».

Nr. 280 Fernsprechanschlus; Nr. 605*

Freitag den 30. November

F-rnsprechanschlutz Nr. 605. 1906

Amtliches.

Bekanntmachung.

Nachdem ein angemessener Betrag von Fünfzigpfennig- stücken mit dem neuen Gepräge P/a Markstücken) hergestellt und dem Verkehr zugeführt worden ist, sollen die in den bisherigen Formen geprägten Stücke eingezogen werden. Im Interesse einer beschleunigten und vollständigen Ein­ziehung der alten Fünfzigpfennigstücke ist ihre alsbaldige Ab­lieferung an die öffentlichen Kassen erwünscht. Die Letzteren sind angewiesen worden, die fraglichen Münzen nicht nur in Zahlung sondern auch zur Umwechselung von jedermann an­zunehmen und dabei etwaigen Wünschen nach Umtausch gegen andere Münzen tunlichst zu entsprechen.

Cassel den 20. November 1906.

Königliche Regierung.

Mejer. K 1866

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.

Die von den Körperschaften beschlossenen Aenderungen der technischen Bedingungen, betr. den Anschluß der Grund­stücke an die städtischen Siele zu Hanau, sind vom Bezirks­ausschuß genehmigt. Es sind folgende Aenderungen einge­treten :

In den M 6, 8, 9 und 22 der technischen Bedingungen ist die Zahl 65 durch 70 ersetzt. Die Zahl 80 ist in § 6 gestrichen, in § 22 d 3 durch 70 ersetzt.

§ 25 hat folgende Fassung erhalten:

Bezüglich der Formen müssen die Röhren in allen ihren Teilen den vom Verbände Deutscher Architekten- und In­genieur-Vereine ausgestellten Normalien für Deutsche Normal- Abflußröhren entsprechen.

Hanau den 20. November 1906.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 25570

Genoßenschaftsregister.

Genossenschaft:St. Joseph," Battverein zn Hanau a. M., eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht in Hanau:

An Stelle des Stationsvorstehers a. D. Franz Goller in Hanau ist der Dechant Eugen Schlitt in Hanau zum Vorsitzenden und an Stelle des Kauf­manns Karl Sommer in Hanau der Mechaniker Joseph G abh of in Hanan in den Vorstand gewählt worden. Hanau den 26. November 1906.

__Königliches Amtsgericht 5. 25554

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 kleines altes Portemonnaie mit etwas über 1 Mk. Inhalt, 1 schwarze Schürze mit Stickerei, 1 Zehnmarkstück, 1 gelbes Armband mit 6 weißen Steinchen. Verloren: 1 Portemonnaie mit ungefähr 23 Mk. Inhalt, 1 brauner gefütterter Glacehandschuh (rechter).

Hanau den 30. November 1906.

Hus Hanau Stadt und Eand»

Hanan, 30. November.

Bramten-Personalnachrichten.

Ernannt: der Pfarrer extr. Emil Hoffmann zum Gehilfen des Pfarrers Bode in Buchenau, der Pfarrer extr. Menge vom 1. November 1906 an auf 6 Monate zum Gehilfen deS Metropolitans Reimann zu Witzenhausen im Pfarramte, die Rechtskandidaten Philipp Eissengar- then, Siebrecht und Hermann Becker zu Rcierendaren, der ständige Hilfsgerichtsdiener Peter Frischkorn II. bei dem Landgerichte in Hanan zutn Gefangenaufseher bei dem Gerichtsgefänguisse in Cassel, an Stelle des verstorbenen Bürgernieisters Laubach in Eichen der jetzige Bürgermeister Adam daselbst zum Standesbeamten und an dessen Stelle der Gemeindeverordnete I. W. Ada m in Eichen zum Stell­vertreter des Standesbeamten für den Standesamtsbezirk Eichen.

Versetzt: der Gerichtsschreiber, Amisgerichtssekretär Stau befand in Orb an das Landgericht in Frank­furt a. M.

Verliehen: dem Katasterinspektor Steuerrat Scherer der persönliche Rang der Räte 4. Klasse, dem Ersten Ge­richtsschreiber, Amtsaerichtssekretär Bo ecken der Titel' als Obersekretär.

* Viehseuchen. Im Regierungsbezirk sind zur Zeit folgende Ortschaften verseucht: Tollwut: Landkreis H a- nau: Bergen (Verdacht); Kreis Hersfeld : Hersfeld (Verdacht); Kreis Hofgeismar: Hofgeismar (Verdacht); Kreis Schlüch­tern : Altengronau (Verdacht); Kreis Witzenhausen: Huben­rode , Rommerode, Witzenhausen; Schweineseuche (Schweinepest): Stadtkreis Cassel: Cassel; Landkreis Cassel: Vollmarshausen, Heckershausen, Niederzwehren, Harleshausen, Bergshausen, Dörnhagen, Ochshausen; Kreis Eschwege: Frieda, Wanfried; Kreis Fritzlar: Gudensberg, Kirchberg, Obervorschütz, Densberg, Fritzlar; Kreis Fulda: Margreten­haun ; Kreis Gelnhausen: Orb, Mernes, Schloßgut Wächters­bach 5 Kreis Gersfeld: Brand; Landkreis Hanau: Langen­selbold, Langendiebach, Marköbel, Bergen, Oberdorfelden, Dörnigheim; Kreis Hersfeld: Kirchheim, Unterhaun, Rans­bach; Kreis Hofgeismar: Stammen, Vaake, Calden, Beber- beck; Kreis Homberg: Borken; Kreis Hünfeld: Obermansbach ; Kreis Rotenburg: Rotenburg; Kreis Grafschaft Schaumburg: Hessendorf, Oldendorf; Kreis Schmalkalden: Barchfeld; Kreis Witzenhanscn: Unterrieben, Witzenhausen; Kreis Wolfhagen: Rittergut Hohenborn, Wolfhagen; Influenza der Pferde: (Brustseuche): Stadtkreis Cassel: Cassel; Land­kreis Cassel: Wolfsanger; Kreis Hofgeismar: Hofgeismar, Rittergut Meimbressen.

* Eine Reichstags-Neuwahl im Wahlkreis EschwegeSchmalkaldenWihenhansen in Sicht. Die Wahlprüfungskommission des Reichstages erklärte die Wahl des Abgeordneten Raab (Wirtsch. Vg.) 4. Wahlkreis Cassel, für ungültig, weil sich herausgestellt hat, daß der sozialdemokratische Gegenkandidat Hugo öffentliche Armen­unterstützung genossen hat. Der sozialdemokratische Kandidat Hugo war mit dem Antisemiten Raab in die Stichwahl ge­kommen, er besaß aber nicht das passive Wahlrecht, weil er Armenunterstützung während seiner Erkrankung im Land­krankenhaus bezog. Raab hätte daher mit dem freisinnigen Gegenkandidaten, der demnächst die meisten Stimmen er­halten chatte, in die Stichwahl kommen müssen. Aus diesem Grunde wurde die Wahl kassiert. Das Mandat war bei den allgemeinen Wahlen im Jahre 1903 von dem Frei­sinnigen Seyboth erobert worden. Dieser mußte es jedoch bald niederlegen, weil er durch den Ausgang seines bekannten Prozesses unmöglich geworden war. Der Wahlkreis wird sich also demnächst zum 8. Mal seit 1903 den Aufregungen des Wahlkampfes unterziehen müssen.

* Als Handelsrichter bezw. Stellvertreter und Er­satzleute wurden durch die Handelskammer für das Jahr 1907 den Gerichtsbehörden in Vorschlag gebracht die Herren: Wilhelm F u e s , Rudolf K ü st n e r, Ernst Zimmer­mann, Caesar hm, Heinrich Ott, Heinrich Heraeus, Heinrich Bracker, Iulius S t e i n h e u e r, Ernst Döring, Wilhelm Schroeter.

* Das Pfaudleihweseu. Die hiesige Handelskammer beschäftigte sich s. Z. mit der in vielen Kreisen als Miß­stand empfundenen Tatsache, daß von vielen Händlern be­sonders in der Edelmetallinbustrie neue Waren in Pfand­häusern versetzt werden, um sich Barmittel zu verschaffen. So sei es vorgekommen, daß ganze Sendungen, wie sie vom Fabrikanten ankamen, unausgepackt ins Pfandhaus trans­portiert wurden. Ein solches Verfahren muß den Fabrikanten bei einem eventl. Zusammenbruch des betreffenden Handels­geschäfts natürlich schwer schädigen. Die Kleinhandels- kommission des Deutschen Handelstages hat nun einer An­regung einiger Handelskammern entsprechend einen Beschluß gefaßt, eine gesetzliche Regelung der Angelegenheit dahin an­zustreben, daß Pfandleihanstalten neue Handelswaren weder stückweise noch in Posten beleihen dürfen und daß diese An­stalten neben den Pfandgegenständen keine anderen Waren verkaufen dürfen.

* WetterauisÄe Gesellschaft. (Dritter Vortrag des Herrn Dr. Dreverman n.) Zwei bis drei Millionen Jahre währt die Tertiärbildung, also die neuzeitliche Ge­schichte der Erde, die besonders in unserer Gegend interes­sante Phasen aufiveist und wertvolle Funde den Geologen liefert. Der Schwarzwald einerseits und die Vogesen anderer­seits sind als die Seitenpfeiler einer gewaltigen Wölbung zu betrachten, die zu Beginn des Tertiär in der Mitte cinstürzte und so das heutige Rheintal bildete. An den Abhängen des Jura und der Vogesen sind die Abbruchstellen noch zu er­kennen, auch findet man bei Bohrungen im Ober- und Mittelrheingebiet stets dieselben Gesteine in der Tiefe wie in den heutigen Gebirgen. Die Alpen existierten noch nickst, an ihrer Stelle brandete das Meer, auch das Nordmeer reichte noch bis etwa in die Gegend unserer heutigen Mittelgebirge. Vom Süden flutete ein MeereSarm nach dem Einbruch der großen Wölbung in das Land bis in unsere Gegend und !

Die heutige Nummer umfaßt außer dem Uuterhaltuugshlatt 14 Seiten.

bildete hier das sog. Mainzer Becken und die Wetterauer Bucht. Die großen Flüsse, die in dasselbe einmündeten, führten in den Jahrtausenden Erdmassen und Schlamm hin­ein, der Boden hob sich und führte zur Abschnürung des Meerarmes ungefähr in der Gegend des heutigen Straßburg. Eine reiche Fauna, deren Ueberreste wir heute noch in zahl­reichen Mengen in der Gegend von Weinheim, Alzey, Flörs­heim rc. finden, belebte dieses nunmehrige Landmeer. Riesentiere, wie die Seekuh, die jetzt noch an der Westküste Afrikas und in der Gegend des roten Meeres existiert, weideten die Algen des Meeresgrundes, Riesenhan, deren Zähne in vielen Exemplaren gefunden werden, machten auf diese Meeresbewohner Jagd. Bei Gra- bungen in unserer Gegend stößt man auf die fossilen Austern- bänke. Skelette der erstgenannten Riesentiere find aus Funden zusammengesetzt worden und in den Museen in Darmstadt und Frankfurt erhalten. Auch der Vortragende zeigte einige interessante Fnndstücke fossiler Meeresbewohner unserer Gegend. Eine reiche Flora, die uns die großen Ton­schichten eingebettet und erhalten haben, beweist das Vor­handensein eines subtropischen Klimas, etwa von der Art des heutigen südlichen Italiens. Das eingeschlossene Meeresbecken wurde nach seiner Abschnürung durch die großen Flüsse völlig ausgesüßt und nach und nach ausgefüllt. Vulkanische Aus­brüche die heutigen Basaltlagerungen bei Steinheim, im Vogelsberg rc. veränderten die Gegend, die Eiszeit brach herein und wiederum begann eine neue Periode des Tertiärs Von letzlerer soll in dem nächsten, zugleich dem letzten Vortrag die Rede sein.

* Der Ortsverband der Privatbeamten in Fulda hatte die hiesige Handelskammer gebeten, ihm als Mitglied beizutreten. Diese verhielt sich in ihrer vorgestrigen Plenarsitzung diesem Antrag gegenüber jedoch ablehnend mit Rücksicht auf die eventl. Konsequenzen, erkannte dagegen die Bestrebungen nach Einführung einer staatlichen Pensionsfür­sorge für die Privatbeamten und kaufmännischen Angestellten als durchaus berechtigt an und sprach dem Fuldaer Verein ihre Sympathie aus, soweit dieser nach diesem Ziele Hin- arbeitet.

* Der Nobel - Friedenspreis. DieTimes"- London schreibt in ihrer Nummer vom 15. November 1906 : Es ist eine Bewegung im Gange, um den Schöpfer der Esperanto-Sprache Dr. Zamenhof den Schiedsrichtern für denNobel-Preis" vorzuschlagen. Die Esperantisten in England bemühen sich, die Regierung dafür zu interessieren und es wurde bereits eine diesbezügliche Eingabe von 12 Mitgliedern des Parlaments unterzeichnet. In derselben wird besonders hervorgehoben, daß Dr. Zamenhof die besten Jahre seines Lebens auf die Erfindung der internationalen HilfsspracheEsperanto" verwendet und seine Schöpfung der Welt ohne Vorbehalt irgendwelcher Autorrechte überlassen habe, daß ferner eine große Anzahl Esperantisten eifrige Anhänger der Friedensbewegungen seien, sowie daß das Esperanto sich ungeheuer schnell verbreitet und überall, wo eS vordringt, friedliche und humanitäre Bestrebungen mit sich bringe.

* Nabaftsparvereinssyftem. Der Ausschuß beb Deutschen Handelstages beschloß in seiner letzten Sitzung, den Handelstag zu ersuchen, sich für Einführung von Rabattspar­vereinen unter den Detaillisten auszusprechen, um diesen He Möglichkeit eines schärferen Kampfes gegen Konsumvereine und Warenhäuser zu gewähren. Mit Rücksicht auf diesen Beschluß beschäftigte sich in ihrer vorgestrigen Plenarsitzung auch die hiesige Handelskammer mit dieser Angelegenheit und kam zur Ansicht, daß die Sache noch nicht genügend geklärt sei, um schon jetzt eine Beschlußfassung des Handelstages zu rechtfertigen. In diesem Sinne soll an denselben herangetreten werden. Von verschiedenen Seiten wurden schwerwiegende Bedenken gegen das Rabattsparvereinssystem vorgebracht. So wurde u. a. darauf hingewiesen, daß fünf Prozent Rabatt gleichbedeutend seien mit 33 bis 50 Prozent des Reingewinns, der den Detail- und Spezialgeschäften dann verloren gehe, während der Mehrumsatz bei dem allgemeinen Anschluß wohl kaum sehr wesentlich sein werde. Die vorgesehene Festsetzung von Minimalpreisen würde durch die Warenhäuser als eine scharfe Waffe ausgenutzt werden durch sofortige Unterbietung dieser Minimalpreise, um den Detaillisten ihre durch die Kapitalkraft gebotene Ueberlegenheit zu zeigen. Auch die mit dem Rabattsparverein verbundenen strengen statutarischen Be- stimmungen würben von vielen Mitgliedern als drückend empfunden werden. Von dafürsprechenden Momenten wurde vor allem die dadurch erreichte feste Organisation des Detail­handels, die Stärkung desselben den Konsumvereinen und Warenhäusern gegenüber und die ermöglichte Eindämmung des Borgwesens hervorgehoben.