Zweites Blâ
Hanauer 8 Anzeiger
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General-Anzeiger
ttt MfgespaL-m P-ütz-ü« ober betet Saam 15 ^
du WaijachausS in Hamm.
Amtliches Organ für AM- and Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit bAletriftischer Beilage.
Nl. 269 Fernsprechanschlutz Nr. 605»
Freitag den 16. November
Fernsprechanschlutz Nr. 605, 1906
Amtliches.
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung soll bas in Hanau belegene, im Grundbuche von Hanau Band 28 Artikel 1714 zur Zeit der Eintragung des Vcrsteigcrungsvermerkes auf den Namen des Wilhelm Lohne, Augusts Sohn, zu Hanau eingetragene Grundstück der Abt. I Nr. 1:
Krtbl. E Nr. 32 — 92 qm, Hospitalstraße Nr. 20, a) Wohnhaus mit Seitenbau links (A) und Hofraum,
— Gebäudcsteuernutzungswert — 420 Mk. —
am 28. Dezember 1906, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht, an der Gerichtsstelle, Marktplatz 18, Zimmer Nr. 14, versteigert werden.
Das Grundstück ist in der ® t unbfteuermutterroße unter Artikel 946 und in der Gebäudesteuerrolle unter Nr. 1310 eingetragen.
Der Vcrsteigerungsvermerk ist am 22. Oktober 1906 in das Grundbuch eingetragen.
Hanau den 6. November 1906.
Königliches Amtsgericht 2. 24675
Politische Rundschau,
Der Kaiser fuhr gestern, wie aus Donaueschingen gemeldet wird, mit den fürstlichen Herrschaften und Gefolge um 10 Uhr 20 Minuten zur Fuchsjagd bei Aasen und Dürrheim. Das Frühstück wurde im Walde eingenommen. Die Rückkehr erfolgte um 4 Uhr 20 Minuten. Heute findet ■ große Jagd auf Füchse und Damckild im Tiergarten statt. Aus dem Landwirtschaftsmittisterium. Ueber die Person des Nachfolgers des Landwirtschaftsministers v. Podbielski ist noch keine Entschließung getroffen. Den in dieser Richtung zuweilen mit ziemlicher Sicherheit auftretenden Gerüchten kann nach Erkundigungen der „Köln. Ztg." kein Gewicht beigelegt werden. Hingegen verlautet bestimmt, daß brr ^Minister des Innern v. Bethmann-Hollweg nur ganz vorübergehend die Geschäfte des Landwirtschaftsministeriums übernommen hat, und daß nicht er, sondern der künftige Landwirtschaftsminister die zur Linderung der vorhandenen Fleischnot als erforderlich anerkannten Maßnahmen mit seiner ^Verantwortung zu decken und durchzuführen haben wird. Ueber diese Maßnahmen selbst ist die Entscheidung in der nächsten Zeit zu erwarten, und bevor diese Entscheidung gefallen ist, wird vermutlich die Reichsregierung eine Beantwortung der verschiedenen Fleischnot - Interpellationen im Reichstage nicht vornehmen.
Hohenlohes Parteizugehörigkeit. Der Abg. Dr. Spahn hat in der Reichstagssitzung am Dienstag behauptet, Fürst Chlodwig v. Hohenlohe sei nationalliberal gewesen, und der Abg. Liebermann v. Sonnenberg hat diese Behauptung gestern wiederholt. Dem gegenüber stellt die „Köln. Ztg-" fest, daß der dritte Reichskanzler niemals der nationalliberalen Partei angehört hat. Er war im Reichstag 1871 Mitglied der liberalen Rcichspartci, einer Fraktion, die damals 29 Mitglieder zählte. Außer Hohenlohe gehörten u. a. Graf v. Luxburg, Dr. Völk, Ackermann und Frhr. v. Roggenbach ihr an. Als sich diese Fraktion austöste, ging Hohenlohe zu den „Wilden"; denn 1874 ist er im Parlamentsalmanach unter den 29 Abgeordneten aufgezählt, die „keiner Fraktion" angehörten. Nationalliberal ist er also niemals gewesen.
Bundespat. In der Sitzung des Bundesrates am Donnerstag wurde die Vorlage betr. den Entwurf eines Gesetzes über die Herstellung von Zigarren in der Hausarbeit dem Ausschuß überwiesen.
Dom Reichstag ging eine neue Folge der Denkschrift des Großen Generalstabcs über den Verlauf des Aufstandes in Südwestafrika zu, in der zunächst der Verlauf von Februar bis Oktober geschildert wird. Es heißt dann weiter: Die völlige Beruhigung des Landes ist somit zur Zeit noch nicht erreicht, der Krieg ist keineswegs zum Abschluß gebracht. Wollte man unter den jetzigen Umständen den Krieg für beendet erklären und zur Stationsbesatzung übergehen, so wäre in einiger Zeit ein neues Auflodern sicher zu erwarten. Der für die Führung des Krieges allein verantwortliche, am Feinde stehende Truppenbefehlshaber ist jedoch der Ansicht, daß der Krieg tatsächlich zu Ende geführt werden könne. Eine der wichtigsten Bedingungen für die Beendigung sei jedoch die Fortsetzung des Bahnbaues von Kubub nach Kect- manshop, da hierdurch allein die ausreichende Verpflegung und die Unterkunft der Truppen gesichert und wir von Zu- fälligkeiten unabhängig gemacht würden. ®U werde auch
ermöglichen, von dem zahlreichen Personalweitaus den größten Teil zu ersparen und dadurch die Schutztruppe wesentlich zu verringern.
Sozialdemokratischer Terrorismus. In Danzig fing am 3. November früh der christlich organisierte Maurer Hugo Schindele auf dem Neubau des Herrn Reichenberger, Brösener Chaussee, an zu arbeiten. Während der Frühstückspause forderte ihn der sozialdemokratische Baudeputicrte Johann Hoga aus Neuschottland, auf, sein Verbandsbuch vorzuzeigen. Als sich nun herausstellte, daß Schindele christlich organisiert war, erklärte der Genoffe: „Du mußt in unsern Verband eintreten oder wir arbeiten- mit dir nicht zusammen." Da aber Schindele dieses Ansinnen strickte zurückwies und bemerkte, als christlicher und nationaler Mann könne er in keinen sozialdemokratischen Verband eintreten, blieben die Genossen, nachdem der Polier das Zeichen zum Anfängen gegeben hatte, in der Baubude sitzen. Darauf sagte dann der Polier zu dem christlichen Maurer, „es ist schlimm, daß die Leute nicht mit dir arbeiten wollen, ich muß aber Maurer haben, denn mit dir allein komme ich nicht aus." Somit war wieder ein christlicher und königstreuer Arbeiter auf die Straße geworfen, bloß, weil er kein Sozialdemokrat werden wollte. Es ist dies für Danzig der vierte Fall in wenigen Monaten. Am 3. April d. I. wurden die Gebrüder Koy in Zoppot von den Genossen terrorisiert, am 9. Juli die Maurer H^zig und Katschikowski. Am 20. August wurde dem christlichen Zimmerer Knoff von dem Genossen Pohnke sein Verbandsbuch auf offener Straße entrissen und in Stücke zerrissen. Am 27. August wurde der 57 Jahre alte Zimmerer Toch von den „freien" Zimmerern terrorisiert, bloß weil er in seinem hohen Alter kein Sozialdemokrat mehr werden wollte. Solche Fälle kommen allerdings fast täglich' vor. Meistenteils suchen sich die christ- lichen Arbeiler, die von den Freiheitshelden auf die Straße geworfen werden, wieder andere Arbeit, und leider treten auch viele über aus Furcht und mit der Meinung, daß sie auch auf einer anderen Arbeitsstelle den Tyrannen in die Hände fallen.. Es ist wahrlich die höchste Zeit, daß sich alle Arbeiter, die noch christlich denken, nun endlich ihren Brüdern in der christlichen Gewerkschaft anichließen, um so den sozialdemokratischen Ucbermut zu dämpfen.
Abgereist. Der österreichisch-ungarische Minister des Aeußeren, Frhr. v. Aehrental, ist gestern abend um 6 Uhr 45 Minuten von Berlin abgereist.
Ras Mangascha t» Wie aus Asmara gemeldet wird, ist Ras Mangascha gestern in Ankober gestorben. Ras Mangascha von Tigre, der bekannte abessynische Truppenführer, hatte vom Kaiser Menelik, als dieser der italienischen Regierung erklärt hatte, daß er den im Jahre 1889 abgeschlossenen Vertrag betreffend die italienischen Besitzungen am Roten Meere, nicht mehr als gültig ansehe, nach Zurückweisung dieser Erklärung den Befehl erhalten, die Italiener anzugreifen. General Baratieri rückte darauf in Tigri ein und brachte Ras Mangascha am 13. Januar 1895 bei Coatit und am 16. Januar bei Senafe blutige Niederlagen bei, worauf Tigre unter italienischen Schutz gestellt wurde. Auch bei Debra Atlat ist Ras Mangascha am 9. Oktober von den Italienern besiegt worden. An der Belagerung der Festung Makalla, die am 25. Januar 1896 kapitulieren mußte, und der Schlacht bei Adna, die zu einer vernichtenden Niederlage für die Italiener wurde, hatte Ras Mangascha hervorragenden Anteil. 1898 empörte er sich und bezog eine befestigte Stellung bei Adagahamus. Doch wurde der Aufstand, nachdem es am 11. Januar 1899 zu einem heftigen Kampf gekommen war, von Ras Makonnen von Harrar (der auch nicht mehr am Leben ist) unterdrückt.
Das dänische Königspaar in Berlin. Der König und die Königin von Dänemark werden am 19. d. M., 9 Uhr 50 Minuten vormittags, in Berlin auf dem Lehrter Bahnhof eintreffen. Bei der Ankunft auf dem Bahnhöfe werden sie vom Kaiser empfangen werden. Sie werden über die Alsenbrücke zum Brandenburger Tor fahren, auf dessen Innenseite eine Begrüßung durch den Oberbürgermeister von Berlin, Herrn Kirschner, stattfinden wird. Die Weiterfahrt nach dem Königlichen Schloß erfolgt auf dem Mittelwege der Straße Unter den Linden.
Arbeiterbewegung.
Hamburg, 15t Novbr. In einer heute nachmittag zwischen den Vertretern der Arbeitgeber und den Delegierten der Arbeitnehmer stattgehabten gemeinsamen Zusammenkunft wurde vereinbart, daß die ausständigen Kornakkordschauer- leute am 16. November morgens auf allen Schiffen die Arbeit wieder aulnehmen. Die Forderung der Kornakkord- schauerlettte auf Erhöhung des Akkordsatzes um 5 Pfennig
per Tonne wurde fallen gelassen. Die Arbeitgeber bewilligten die geringe Erhöhung des Wartegeldes.
Hamburg, 15. Novbr. Dem Beispiel der Bereinigten Elbschiffahrtsgesellschaften sind bisher nur die „Elbe" und die „Genossenschaft privater Schiffseigner" durch Unterzeichnung der zwischen den vereinigten Elbschiffahrtsgesellschaften und der Leitung des Hafenarbeiterverbandes getroffenen Vereinbarung» gefolgt. Die Deutsch-österreichische Dampfschifffahrts-Gesellschaft, die Neue norddeutsche Fluß-Dampfschiff- fahrts-Gesellschaft und der Berliner Lloyd sind dagegen übereingekommen, jede weitere Verhandlung mit der Leitung des Hafenarbeiterverbandes grundsätzlich abzulehnen.
Die Lage in Rußland.
Petersburg, 15. Novbr. Betreffend die durch Zeitungsmeldungen verbreiteten Gerüchte über eine bevorstehende Ernennung des Grafen Witte zum russischen Botschafter in Paris ist die Petersburger Telegraphenagentur in der Lage, mitzuteilen, daß diese Nachricht durchaus f a l s ch ist. Witte ist nur auf kurze Zeit nach Petersburg gekommen. Er wird bald nach Brüssel zu seiner verheirateten Tochter zurückreisen. Der Graf hat ein leidendes Aussehen, spricht heiser und mit Mühe.
Petersburg, 15. Novbr. Die polnischen Gutsbesitzer in den nordwestlichen und südwestlichen Gebieten vereinigten sich mit dem Führer der „Partei vom 30. Oktober", Gutschkow, um möglichst viel Kandidaten durch gemeinsames Vorgehen in die Reichsduma hincinzu- bringen. Zwischen der Gruppe der polnischen Gutsbesitzer des Gouvernements M o h i l e w und der „Partei vom 30 Oktober" hat bereits eine Vereinbarung stattgefunden.
Moskau, 15. Novbr. Heute wurde hier das Bureau der Moskauer Sektion der „Partei der friedlichen Erneuerung" eröffnet.
Moskau, 15. Novbr. (Peterb. Tel.-Ag.) Durch die gestrige erfolgte Verhaftung von 20 Personen bei Gelegenheit der Entdeckung einer Bomben- und Waffenniederlage ist eine gefährliche Anarchistengruppe aufge- l 6 st worden, die im engen Zusammenhang mit dem Atten- talsversuch auf den Stadthaupimann General R e i n b o t stand.
Moskau, 15. Novbr. Der Unbekannte, welcher das Attentat auf den General Reinbot verübte, wurde heute h i n g e r i ch t«t.
Lodz, 15. Novbr. Heute vormittag überfielen zwei bewaffnete Uebeltäter den Kassierer der Schanter Maschinenfabrik von Arkuschewsky und raubten ihm Wechsel über 11000 Rubel und 250 Rubel Bargeld.
Lodz, 15. Novbr. Laut Bekanntmachung des Magistrats sind in 166 Fabriken die Arbeiter zur Wahl von Wahlmännern berechtigt.
Wilna, 15. Novbr. In K o w n o wurde die gesamte dortige aus 57 Personen bestehende Kampforganisation verhaftet.
Pensa, 15. Novbr. In der Nähe von Sarow sk wurde die Post von acht Räubern überfallen, die ungefähr 8000 Rubel erbeuteten. Ueber das Schicksal der Postbeamten ist nichts bekannt.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 15. November.
Am Bundesratstische: o. Tschirschky und Bögendorff, Dernburg.
DaS Haus ist sehr stark gefüllt, die Tribünen find schwach besetzt, die Diplomatenloge ist leer.
Präsident Graf B a I l e st r e m eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 80 Minuten. Ein schleuniger Antrag wegen Einstellung eines beim Landgericht Gnesen gegen den Abgeordneten v. Chrzanowski (Pole) schwebenden Strafverfahrens für die Dauer der gegenwärtigen Session wird angenommen.
Unsere auswärtige Politik.
Es folgt die Fortsetzung der Besprechung der Interpellation Bassermann über die auswärtige Politik.
Staatsekretär des Auswärtigen v. Tschirschky und Bögendorff: Es ist in der gestrigen Sitzung meine Abwesenheit auffällig vermerkt worden. Ich habe es sehr bedauert, daß es mir unmöglich gewesen ist, an der Sitzung teilzunehmen. Der Reichskanzler hat bereits festgestellt, daß ich aus München nicht rechtzeitig zurück sein konnte. Der Abg Dr. Wremer hat aber auch weiter noch Kririk an meiner Person geübt, die ich nicht ohne Erwiderung lassen möchte. Er hat davon gesprochen, es frage sich, ob st* nicht neben ober gegen den Reichskanzler unerwünschte Einflüsse geltend machten. Ich scheine weniger auf die Teilnahme von Reichs-