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Frettag

Seite 3

Brust und Unterleib waren furchtbar verbrannt. Das Kind tzarb noch abends.

Weyhers, 14. Novbr. In einer hiesigen Familie er­litt ein Kind nach irrtümlicher Eingabe eines, Arzneimittels eine schwere Vergiftung. Durch die mehrstündigen Be­mühungen des Herrn Dr. Heisterkamp gelang es, das Kind ru retten und jede Gefahr zu beseitigen.

^ Groh-Steinheim, 14. Novbr. Im Mittelmaingebicte treibt seit einigen Tagen ein geriebener Gauner sein Un­wesen. Es ist ein aus dem Znchthause entlassener Sträfling, der in aufdringlichster Weise meistens aber vergeblich in Schulen Einlaß begehrt, um gegen Geld ethische und patriotische Vorträge zu halten. In das Fremdenbuch trug sich der Schwindler fälschlich als Lehrer aus G. bei Ochsen­furt ein. Die Brust des Menschen ziert eine angebliche Ordensauszeichnung, die aber nichts weiter ist, als, eine Medaille vom Kiliansjnbiläum 1889. Dem Gauner ist es sogar gelungen, sich warm gehaltene Empfehlungen, die mit­unter selbst das Gemeindeflegel trugen, zu verschaffen. Vor diesem fahrenden Redner muß eindringlich gewarnt werden.

)( Kainstadt a. M., l5 Novbr. Durch einen herben Schicksalsschlag wurde die Familie des Ziegeleiarbeiters Johann Wenzel VII. in tiefe Trauer versetzt. Wenzel, ein Greis im Alter non 69 Jahren, hatte sich gestern abend in einer hiesigen Wirtschaft restauriert. Auf dem Heimwege geriet der alte Mann in der Dunkelheit vom Wege ab und stürzte unweit des neuen Bauquartiers in denMühlbach", wo er durch Ertrinken resp. Erfrieren einen tragischen Tod fand. Da die Angehörigen während der Nacht in tiefem Schlafe lagen, wurde der Abgang des Familienoberhauptes erst heute vormittag wahrgenommen. Nach längeren Nach­forschungen über den Verbleib des Vermißien entdeckte man erst um die Mittagsstunde die Leiche an der Unglücksstätie. Der Verstorbene hinterläßt eine hochbetagte Witwe . und mehrere bereits versorgte Kinder.

§8 Gissten, 15. Novbr. Das neue Siadtthca- ter ist jetzt in seinem Rohbau vollendet und repräsentiert sich bereits in seinem schmucken antiken Baustil äußerst vorteil­haft. Gegenwärtig wird die Zentralheizung angelegt, die baldigst in Tätigkeit treten soll, damit der innere Ausbau den Winter über möglichst fortgesetzt werden kann. Die Firma Scheuer-Frankfurt führt gegenwärtig an der Haupt­fassade Bildhauerarbeiten aus. Hier werden auf der Seite zwei Frauengestalten hergestellt, die Mitte der Fassade wird ein bronzenes Löwengespann krönen. Vor Weihnachten sollen noch die Planierungsarbeiten auf dem Platz ums Theater hergestellt werden. Im Frühjahr wird das Gebäude den äußeren Verputz erhalten. Als Termin der Vollendung und Einweihung ist der 1. Juli angesetzt, es soll alsdann auch dieFestvorstellung zur 300 jährigen Jubel­feier der Universität darin stattfinden. Das Ge­bäude ist nach den Plänen der Architekien Fellner-Helmer- Meier ausgeführt und wird rund 600 000 Ms. kosten.

Wiesbaden, 15. Novbr. Wie derRh. Kurier" aus Biebrich meldet, brach heute abend gegen 9 Uhr in der Holz- brarbeitungsfabrik der Firma W. Gail Wiv. Feuer aus. DaS Feuer, welches mit Windeseile um sich griff, äscherte in kurzer Zeit die Patketterie und das Maschinenhaus, das Verwaltungsgebäude und das Lager ein. Der Schaden wird bis jetzt auf 3400 000 Mk. geschätzt. Ein Arbeiter, der sich an den Löschungsarbeiten beteiligte, wurde schwer ver­letzt.

Pforzheim, 15. Novbr. Heute früh umM? Uhr wurde die Ehefrau des Goldarbeitërs Gustav O ch s, wohn­haft östliche Karl-Friedrichstraße Nr. 84 hier, von ihrem Ehemann auf der Liudenstraße vor dem Hause Nr. 73 in den Rücken gestochen, sodaß dieselbe schwer verletzt ins städ­tische Krankenhaus verbracht werden mußte. Wir erfahren dazu noch: Der Täter ist der 36jährige Goldarbeiter Gustav Ad. OchS von hier, von dem sich die Frau Elise geb. Kraft, 83 Jahre alt und gebürtig von Enzberg nach wieder­holten ehelichen Zerwüfnissen am 28. Oktober getrennt hat, um zu ihren Eltern nach Enzberg zurückzugeben, wo sich auch das neunjährige Söhnchen der Eheleute in Pflege befindet. Der Mann versuchte seine Frau sofort damals zur Rückkehr

zu bewegen, obgleich er sich bitter über sie und ihr Verhalten I gegen ihn und, wenn man ihm Glauben schenken.darf, mit;

Recht beschwerte. Da die Frau hier, Rohrstraße L, inS Ge­schäft ging, suchte sie der Mann heute früh noch einmal auf, um sie zur Wiederaufnahme des früheren Zusammenlebens zu veranlassen. Sie habe aber seinen Worten kein Gehör geschenkt und sei vom Geschäft, vor dessen Eingang sie ge­standen, nach der Lindenstraße zugelaufen, darüber erregt, habe er ihr sein Messer, das er sonst nicht bei sich trage, in die Seite gestoßen, worauf die Frau sofort umsank. Sie wurde hierauf mit dem Sanitätswagen ins Krankenhaus ver­bracht, wo sie bald darauf nach kolossalem Blutverlust ver­starb. Ochs, der alsbald von der Polizei gesucht wurde, hat sich darauf im Amtsgefängnis freiwillig gestellt.

Randel, Gewerbe und Verkehr.

Frankfurt a. M., 16. Nov. Auf dem K art offe I - markt am Mainkai waren am Donnerstag 7 Wagen an­gefahren. Es wurden 6 bis 6.30 Mark für das Malter gezahlt. Auf dem B ich markt standen gestern zum Ver­kauf: 20 Ochsen, 5 Bullen, 45 Kühe und Rinder, 675 Ä< jer, 367 Hämmel. Die Preise stellten sich pro 100 Pfund Schlachtgewicht wie folgt: Ochsen 1. Qualität 8588 Mark, zweiter Qualität 7375 Mark; Bullen 1. Qualität 7678 Mark, 2. Qualität 7274 Mark; Kühe und Rinder 1. Qualität 7880 Mark, 2. Qualität 7375 Mark; pro 1 Pfund Schlachtgewicht; Kälber 1. Qualität 97102 Pfg., 2. Qual. 90 95 Pfg.; Hämmel 1. Qualität 7880 Pfg., 2. Qualität 6870 Pfg. Das Geschäft in Großvieh ging gut; es verblieb kein Ueberstand. Das Kâlber-Geschaft war gedrückt; doch wurden sämtliche Kälber umgesetzt. In Hämmeln war das Geschäft gut; Ueberstand verblieb nicht.

Paris, 14. Nov. Roggen Nov. 17.75, März-Juni 18.. Weizen Nov. 23.25, März-Juni 23.50. Mehl Nov. 31.15, März-Juni 30.50. Rüböl Nov. 82.75, Mai-August 771/s. Spiritus Nov. 41^2, Mai-Aug. 44'/s. Zucker, weißer Nr. 3 100 kg, Nov. 27., März-Juni 283/s. Rohzucker 88",«, loco, 241/*, Leinöl Nov. 49^4, März- Aug. 50.. Talg.

Amsterdam, 14. Novbr. Roggen März, Mai. Rüböl loco 39,, Mai 367/s, Leinöl loco 23,, Dezbr. 227/s, Januar-Mai 227/s, Juni-August 227 /s, September- Dezember 223/i. Kaffee loco 35,. Zinn-Billiton loco HO1/*, Februar 118,.

Drahtnachrichten.

Der Kaiser im Süden.

Donaueschingen, 16. Novbr. Zur Abendtafel bei dein Kaiser konzertierte die Musik des Artillerie-Regiments Nr. 170.

Zu Bülows Rede.

Rom, 15. Novbr. DieTribuna" bespricht in einem ^Leitartikel die gestrige Rede des Fürsten Bülow und schreibt, die Italiener müßten Befriedigung über diese Rede empfinden. Denn der Reichskanzler erkannte ausdrücklich an, daß die Politik Italiens eine loyale ist, und daß Loyalität im Verein mit Stärke die Existenzberechtigung des Dreibundes im In­teresse des Friedens bilde. Der Freimut, mit welchem Fürst Bülow seine Ansicht über die verschiedenen Fragen ausge­sprochen habe und die von ihm abgegebene Versicherung, daß Deutschland dem Dreibünde treu bleibe, aber auch mit Herz­lichkeit gute Beziehungen zu Rußland und England wie mit den übrigen Völkern pflege, zwängen alle Welt, dem Kanzler Beifall zu zollen. Das Blatt sagt ferner: Die Rede des Reichskanzlers rief in hiesigen amtlichen Kreisen den besten Eindruck hervor. DasGiornale d'Jtalia" schreibt: Fürst Bülow zeigte einen hoch zu bewertenden Geist der Mäßigung; seine friedlichen, ruhigen Erklärungen müssen umsomehr mit- Befriedigung ausgenommen werden, als sie ähnlichen Er­klärungen im englischen und französischen Kabinette folgen.

Geplantes Attentat.

London, 16. Novbr. DenEvening News" zufolge bekam die Londoner Polizei Kunde von einem geplanten

Bombenaitentat auf König Haakon. Danach hèißt es, daß am Dienstag ein im mittleren Alter gehender italienischer Anarchist in London angekommen sei, der in der Guildfort Street Wohnung nahm. Der Fremde würde sich bei dem Besuche des Königs Haakon in der City in Changery Lane aufstellen und bei der Voi überfahrt des Königs eine Bombe schleudern. Infolgedessen sei am 14. November der gesamte Stab der Geheimpolizei zur Bewachung der Route des

norivegischen Königspaares bei dessen Citybesuch aufgeboten gewesen.

Fenersbrnnft.

Essen a. d. Ruhr, 16. Novbr. Feuer zerstörte in der vergangenen Nacht das Holzlager des Unternehmers Schalke in der Gemeinde Westenfeld. Der Schaden beläuft sich auf 30 000 Mk.

Urkundliches Material.

Berlin, 15. Novbr. Das Zentrum brachte im Reichs­tage einen Antrag ein, den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage alljährlich über die internationalen Beziehungen des Deutschen Reiches urkundliches Material zugehen zu lasten.

Festmahl.

London, 15. Novbr. Der Präsident des internatio­nalen Verbandes der Vereinigungen der Baumwollspinner gab heute abend ein Festmahl, in dessen Verlauf der Acker­bauminister erklärte, der internationale Verband habe be­wiesen, daß auf der Erde Raum sei für alle Nationalitäten, und daß sie trotz aller Rüstungen der europäischen Mächte in der. Tat Freunde seien. Der deutsche Delegierte Groß be­tonte gleichfalls die freundschaftlichen Gefühle unter den Nationen, die durch diesen Kongreß gestärkt würden, und wies daraufhin, daß die Länder des Kontinents jährlich eine halbe bis eine Million Ballen ostindi'cher Bauinwolle mehr gebrauchen könnten, wenn die Beschaffenheit der ostindischeu Baumwolle noch ebenso gut wäre wie vor zwanzig bis dreißig Jahren. Redner forderte den Staatssekretär für Indien auf, Schritte zu tun, um die ostindiiche Baumwolle zu verbessern. Der österreichische Delegierte Kuffler betonte in einer An­sprache, die Mitglieder möchten alles tun, um die freund­schaftlichen Beziehungen, die durch den Verband vermehrt würden, dauernd zu erhalten. Der Verband hielt eine Sitzung ab, in der beschlossen wurde, alle Vereinigungen für Vorschläge betreffend die Regulierung der Baumwollmärkte und die Beseitigung der Baumwollspekulanten zu gewinnen.

Zur Milderung der Fleischteuerung.

Berlin, 16. Novbr. DemBerl. L.-A." zufolge tritt heute der Ausschuß des Landeseisenbahnrates zusammen, um Tarifmaßregeln zur Verbilligung des Transportes von frischem Fleisch zu beraten.

Schneefall.

Offenburg, 16. Novbr. Heute Nacht ist hier leichter Schneefall eingetreten.

Mord.

Geraweiter, 16. Novbr. Die lljähnge Tochter eines Wirtes wurde mit durchschossener Brust tot auf dem Felde aufgesunden. Vermutlich liegt ein Mord vor.

Sturmschaden.

Paris, 16. November. In Tanger wurden durch den starken Sturm die von einer deutschen Firma geleiteten Molenarbeiten erheblich beschädigt.

Beleidigungsklage.

~ Hamburg, 16. Nov. Prinz Aquajung, der vielgenannte Sohn des Kameruner Häuptlings, hat eine Beleidigungs­klage gegen den Kapitänleutnant a. D. Luenemann wegen eines von diesem veröffentlichten Artikels über die Beschwer­den der Kameruner Häuptlinge und über den jungen Aqua, angestrengt.

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