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General-Anzeiger

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Die MfgespaSr« Pcttt-eit« »der da« Stau» iS Re,

«. Waismhausck ht Hamm.

Amtliches (Organ für Stabt« nab Kan-Kreis Banal

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit bületristischer Beilage.

Nr. 269 Fernsprechanschlutz Nr. 605.

Freitag den 16. November

Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1906

Amtliches.

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in Hanau belegene, im Grundbuche von da Band 64 Blatt Nr. 3530 Abt. I Nr. 1 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungs­vermerkes auf den Namen des Kaufmanns Wrih Gräber und dessen Ehefrau Emilie geb. Merz in Hanau je zur ideellen Hälfte eingetragene Grundstück:

Krtbl. N Parz. Nr. 8 1 ar 51 qm, Krämerstraße Haus Nr. 11,

») Wohnhaus mit Abtritt (A) und Hofraum,

Gebäudesteuernutzungswert = 1200 Mk.

am 11. Januar 1907, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle Marktplatz 18 Zimmer Nr. 14 versteigert werden.

Das Grundstück ist eingetragen in Nr. 411 der Ge- bäudesteuerrolle und Artikel 304 der Grundsteuermutterrolle. Hanau den 10. November 1906.

Königliches Amtsgericht 2. 24707

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in der Ge­markung Hanau belegene im Grundbuche von Hanau Band 58 Artikel 3269, Abt. I Nr. 1 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des:

A. Gastwirts Jean Röder zu Hanau zur ideellen Hälfte,

B. 1) Karl, geb. 16./8. 1889,,

2) Heinrich, geb. 25,/3. 1891, 3) Adam, geb. 21./6. 1892,

4) Katharine, geb. 6./1. 1896,

zu L 1 bis 4 Geschwister Röder je zu einem ideellen Achtel

eingetragene Grundstück:

Krtbl. M Parz. Nr. 17 = 1 ar 38 qm, Hirschgasse Haus Nr. 5,

a) Wohnhaus mit Seitenbau rechts (A), abge­sondertem Abtritt rechts (E) und Hofraum, Gebäudesteuernutzungswert = 675 Mk. b) Seitenbau links (B) mit Stiege (D) und Querbau fC),

Gebäudesteuernutzungswert 360 Mk.

am 11. Januar 1907, vormittags lO1^ Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle Marktplatz 18 Zimmer Nr. 14 versteigert werden.

Das Grundstück ift in der Grundsteuermutterrolle Ar­tikel 550 und in der Gebäudesteuerrolle Nr. 749 eingetragen. Hanau den 10. November 1906.

Königliches Amtsgericht 2. 24706

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Portemonnaie mit etwas über 3,50 Mark, 1 weißes seidenes Taschentücbelchen. In einem Ge­schäft liegen geblieben: 1 kalh. Gebetbuch, 1 schwarzer Wachs­tuch-Damengürtel, 1 Brosche und 1 Röllchen grauer Zwirn. Verloren: 1 Herrenmanschette mit goldenem Knebel- knopf.

Hanau den 16. November 1906.

Ein Koiserwort.

Ei« Gedenkblatt zu«» 17. November 1906.

Nur selten sind Worte Taten." Aber das Wort, das am 17. November 1881 von dem greisen Kaiser Wilhelmi, in seiner kaiserlichen Botschaft gesprochen wurde, war eine Tat von weltgeschichtlicher Bedeutung. Eine neue Epoche ist nicht bloß in dem Leben unseres deutschen Volkes, nein im Leben aller Kulturvölker durch dieses Wort eingeleitet. Die Wirkungen dieses Wortes dauern täglich und stündlich fort, Wunden heilend, neue gesetzgeberische Maßnahmen zeitigend zur Herstellung des inneren Friedens der durch die soziale Frage im tiefsten Innern beunruhigten Völker.

Aus der Geschichte jener Tage will des Kaisers Botschaft verstanden sein. Reichen Siegeslorbeer hatte Wilhelm I. in drei Feldzügen errungen. Es ist fein Wunder, daß das deutsche Volk ihn seitdem als Kaiser Wilhelmden Sieg­reichen" feierte und die Welt bewundernd zu dem Kriegs­helden aufschaule, der in einein Alter, wo andere sich zur Ruhe setzen, noch frisch nach dem Schwerte griff. Aber die größere Tat, die Tat des Friedens, sollte den heldenmü­tigen Taten auf dem Schlachtfclde folgen, Friedensarbeit auf Kampfesarbeit I

Das wirtschaftliche Leben der Nation hatte sich in dem neugeeinten Reiche rasch entwickelt. "Ein Geist wilden Be­

gehrens war vielfach offenbar geworden. Kein Wunder, daß bald ein scharfer Kampf im Innern unseres Volkes zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ausbrach, und daß die Unzufriedenheit mit den bestehenden Zuständen in dem Wachstum der sozialdemokratischen Partei immer deutlicher an den Tag trat. Wie ein greller Blitz erschreckte die Macht des Hasses gegen die bestehende Ordnung die ganze Welt, als in einem Jabre zweimal sich der Revolver gegen des Kaisers würdiges Haupt richtete. Kein Wunder, daß sofort am Tag nach dem zweiten Attentat Fürst Bismarck die Vor­arbeiten für das Sozialistengesetz herbeiführte. Aber die ernsten Gedanken, welche Kaiser Wilhelm und seinem großen Kanzler in jenen Tagen durch das Herz gingen, konnten in ihnen nicht bloß Pläne zur Unterdrückung aufrührerischer Ideen zeitigen. Beide waren überzeugte Christen und mußten Böses mit Gutem vergelten. Mit klarem Auge erfaßten sie die Last, die auf dem Arbeiterstand lag. So begannen noch im Herbst desselben Jahres die ersten Verhandlungen zur Herbeiführung einer neuen Arbeiterschutzgesetzgebung. Am 17. November 1881 konnte die kaiserliche Botschaft der staunenden Welt den neuen Weg weisen.

Wir fühlen es, eine neue Kulturentwickelung bricht an. Das ist ihre Signatur, daß auf Grund christlicher Liebe^ und Gerechtigkeit die Besitzenden, die Glücklichen keine größere und ernstere Sorgen kennen, als die Fürsorge für die minder Glücklichen, weniger Besitzenden, die in Not und Drangsal leben. Das Wort aus dem Herzen des Kaisers wird an das Herz der Nation schlagen, und wenn eine spätere Zeit auf die sozialen Gedanken zurückschaut, so wird dieses kaiser­liche Wort einer der leuchtenden Punkte sein, welche die Weltgeschichte nicht vergessen kann." So sprach damals ein deutscher Mann, der in das Herz des Volkes, wie wenige, tief hineingeschaut hat.

Bereits 8 Jahre später aber sagte ein italienischer Finanz- minister von dem Werk, das die kaiserliche Botschaft eingeleitet hat:Es ist ein riesenhaftes Werk, geschmiedet mit dem Ham­mer eines sozialen Zyklopen!"

Was hat denn die kaiserliche Botschaft gebracht? Sie hat die große Arbciierschutzgesetzgcbuug eingeleitet, deren sich jetzt 60 000 000 Deutscher freuen dürfen. Denn nicht weniger als Mk. 4 500 000 0000 sind an sie aus der Krankenver­sicherung, aus der Unfallversicherung oder aus der Invaliden­versicherung bereits gezahlt worden. Mag die Gesetzgebung nicht vom ersten Augenblick an vollkommen gewesen sein, gegenwärtig umfaßt die gesetzliche Krankenversicherung schon mehr als il 000 000 Menschen, welche in Krankheitsfällen doch wenigstens vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch be­wahrt sind. Mag die Unfallversicherung, die Heilung der Verletzten, die Höhe der Rente noch nicht jeden befriedigen, welch eine Fülle von Arbeit ist auf diesem Gebiet zum Heil des Arbeiterstandes aufgewendet worden ! Die deutschen Ar­beitgeber tragen jährlich mehr als Mk. 150 000 000 zur Abwendung der Not der durch Unfall betroffenen Arbeiter bei. Mag man über die Zeit des Eintritts der Altersver­sorgung noch streiten und die Höhe der Rente noch oft be­mängeln, Millionen von Arbeitern ist ein stiller friedlicher Lebensabend durch diese Gesetzgebung ermöglicht und was be­sonders zu bemerken ist, das sei auch hier noch einmal be­sonders betont, daß das Reich zu jeder Rente einen Zuschuß von jährlich 50 Mk. beisteuert. Dazu trägt es die Kosten der Verwaltung und besorgt die Auszahlung der Renten un­entgeltlich.

Ein neues Recht für den modernen Arbeiter ist durch den kaiserlichen Erlaß vom 17. November 1881 heraufgeführt, und noch find die Wirkungen dieses Erlaffes nicht erschöpft. Das Problem der Einführung der Witwen- und Waiscn- vcrsicherung leuchtet uns noch aus weiter Ferne. Millionen liegen bereit, um in Wohlfahrtsanstalten und besonders für den Bau von Arbeiterwohnungen aufgewendet zu werden. Wenn nur noch mehr Persönlichkeiten sich fänden, welche diese wichtige Aufgabe auf genossenschaftlichem Wege zu lösen versuchten, wie bereits die meisten Versicherungsanstalten durch die Begründung von Lungenheilstätten ein Großes zur Hebung der Volksgesundheit getan haben.

Wie aber kam cs, daß das alles zuerst in Deutschland geschah, wo es doch sonst heißt, daß die Kulturcntwickelung des Westens den Deutschen vorauseile? Deuischland, das Land der Reformation, hat am tiefsten empfunden, daß das Gesetz Christi auch für das Volksleben gilt: Einer trage des andern Lâst, und: Wo ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit. Wo solche Worte Sonntag für Sonntag von der Kanzel gepredigt wurden, da mußte auch im Volk das Emp- pfinden erwachen : Es ist billig, daß dem Arbeiter die Last der Sorge für Leben und Gesundheit und für die Tage des Alters zu einem Teil abgenommen wird und auf die starken

Schultern des Arbeitgebers und des Staates übernommen werden. Schon längst hatte in ungezählten Kreisen prakti­scher Liebesdienst dem Volke solchen Geist der Hilfsbereit­schaft gepredigt. So verstehen wir, daß der erste Kanzler die Arbcitcrschutz-Gesetzgebung in seiner berühmten Rede vom 2. April 1882 alspraktisches Christentum" einführcn konnte. Mögen diejenigen, die sich zwar als Volksführer ausgeben, aber doch meist seine Verführer sind, sich immerhin gegen die Schutzgesetzgebung wenden und sie bald alsBettelsuppe", bald alsAlmosen" verächtlich zu machen suchen. Der kaiserliche Erlaß läßt. solche Deutung nicht zu. Da heißt es, daß die Arbeiter der Gesamtheit gegenübereinen b c - gründeten Anspruch auf ein höheres Maß staar- licher Fürsorge haben als ihnen bisher zu teil werden konnte". Die Gesetzgebung ist kein Geschenk; sie ist eine Pflicht der Billigkeit. ES ist wirklich so, wie Kaiser Wilhelm I. in der kaiserlichen Botschaft sagt:Für die Fürsorge die rechten Mittel und Wege zu finden, ist eine sehr schwierige, aber auch eine der höchsten Aufgaben jedes Gemeinwesens, welche auf den sittlichen Fundamenten des christlichen Volkslebens steht. Noch ist diese Aufgabe nicht gelöst. Noch immer ist das Recht des Schwachen im Werden. Aber der rechte Weg ist betreten. Möchte unsere Zeit der alten Zeit sich wert zeigen und noch ferner vollbringen, was not ist, daß dem Enkel bcschitden sei, zum vollen Ziele zu führen, wozu der große Kaiser und sein starker Kanzler ohne Anspruch auf den Dank der Natton sichvor Gott und Menschen ver­pflichtet" hielten.

P. Martin Hennig,

Direktor des Rauhen Hauses in Hamburg-Horn.

Hus Hanau Stadt und £and.

Hanau, 16. November.

* Auszeichnung. Dem Bürgermeister a. D. Heinrich Haupt zu Niederrodenbach ist das Allgemeine Ehrenzeichen ^Allerhöchst verliehen worden. Herr Haupt war von 1884 bis 1888 Gemeinderechner, am 6. Februar 1888 wurde er zum Bürgermeister der Gemeinde Niederrodenbach gewählt und legte vor kurzem aus Gesundheitsrücksichten sein Amt nieder.

* Stadttheater. Das reizende Lustspiel Clara Zieglerâ Die Furcht vor der Schwiegermutter" gelangt heute zum ersten Male zur Darstellung. Hierauf:D e r T a r t ü f f" von Molière. Am Sonntag nachmittag geht Sherlock Holmes" nochmals in Szene und zwar bei bedeutend ermäßigten Preisen. Sonntag abend wird Mosers bekanntes und beliebtes LustspielD a s Stiftungsfest" nach längerer Zeit neu einstudiert zur Aufführung gelangen und dürfte die Wiederaufnahme dieses hübschen Stückes in den Spiciplan sicherlich allgemeinen Beifall finden. Der Vorverkauf für beide Sonntags­vorstellungen findet bereits am Samstag nachmittag von 45 Uhr an der Theaterkaffe statt. Gras Bylandt, der Intendant der Königlichen Schauspiele in Cassel, wird der heutigen Vorstellung im Stadtthearer bei­wohnen, um sich einige Mitwirkende anzusehen, die er für ein späteres Engagement in Aussicht genommen hat.

* Erweiterte Sonntagsruhe. Die in dem auf­reibenden Zeitungsbetriebe arbeitenden Redakteure, Jour­nalisten rc. treten jahraus jahrein publizistisch für die Er­weiterung der Sonntagsruhe in anderen Berufen ein, für sich selbst haben sie bisher noch nicht gesorgt, namentlich in den mittleren und kleineren Städten herrschen noch Zu­stände, die dringend der Reform bedürfttg zu erachten sind. Jetzt kommt aus Bochum eine Nachricht, die in erfreulicher Weise bekundet, daß die Vertreter der Presse den nur allzu- wohl begründeten Anspruch auf Sonntagsruhe erheben. Der rheinisch-westfälische Preffetag erkannte die Notwendigkeit der Schaffung eines freien Tages in der Woche an und nahm eine Entschließung in diesem Sinne an. In Düsseldorf haben die Zeitungsberichtcrstatter sich geeinigt, über Sonn- tags stattfindende Veranstaltungen wie Konzerte, Theater­vorstellungen, Versammlungen rc. nicht mehr zu berichten.

* Alpenverein. Es ist beabfichttgt, das gegen Mitte Januar abzuhaltende Winterfest diesmal wieder in Form einer alpinen Veranstaltung, zu welcher die Teilnehmer und Teilnehmerinnen in entsprechend gewählten Kostümen erscheinen, zu feiern Da ähnliche frühere Arrangements stets den leb­haften Beifall der Mitglieder gefunden haben, so steht zu erwarten, daß auch dieses Fest allseitigem Interesse begegnet. Soll aber der alpine Charakter einer solchen Veranstaltung zur rechten Geltung kommen, dann ist es nötig, daß nicht nur die tanzfrohe Jugend sich in den Dienst der Sache stellt. sondern, daß jeder Teiluehmer fein Scherfleiu zu dem