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Hanauer K Anzeiger
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 266 Fernsprechanschlutz Nr. 605»
Amtliches.
Eandhrds Hanau.
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Nachdem in 7 Gehöften zu Haibach Schweineseuche festgestcllt ist, hat das Königliche Bezirksamt zu Aschaffenburg durch Verfügung vom 6. d. Mts. die Ortschaft Haibach und deren Feldmarkung südlich bis an die Grenze der Staatsstraße Aschaffenburg— Straßbessenbach (diese Straße selbst bleibt von der Sperre frei) gegen das Durchtreiben von Schweinen gesperrt und den gemeinsamen Weidegang von Schweinen aus verschiedenen Gehöften des Seuchenorts, sowie das Treiben von Schweinen über die gesperrte Feldmark hinaus verboten.
Hanau den 10. November 1906.
Der Königliche Landrat.
V 8246 A.: Conrad, Kreissekretâr.
Festgestellt: Der Milzbrand in Roßbach, Kreis Gelnhausen.
Erloschen: Die Rotlaufseuche in Weilers, Kreis Gelnhausen.
Bekanntmachung.
Das unterzeichnete Schiedsgericht beabsichtigt, alle diejenigen Akten zu vernichten, die seit länger als 10 Jahren weggelegt gewesen und seit Januar 1896 mangels neuer Eingänge unbenutzt geblieben sind.
Diejenigen Beteiligten, die an einer längeren Aufbewahrung der Akten ein Interesse zu haben glauben, werden auf- gefordert, es innerhalb 4 Wochen nachzuweisen.
Cassel den 5. November 1906.
Schiedsgericht für Arbeiterversicherung.
Graf von Görtz,
Vorsitzender. 24454
Bei der „Spar- und Darlehnskasse zu Eichen, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht" ist heute in dem Genosscuschaftsregister folgendes eingetragen worden:
An Stelle des seitherigen Vereinsvorstehers Stoppel ist Landwirt Heittrich Jakob Schäfer von Eichen getreten. In den Vorstand ist ferner gewählt Landwirt H einri ch Johann Heil von Eichen. Windecken den 8. November 1906.
Königliches Amtsgericht. 24453
Bekanntmachung.
Die Zivil- und Strafprozeßakten, Zwangsversteigerungs-, Konkurs- und Vormundschaftsakten des hiesigen Amtsgerichts aus den Jahren 1878 bis 1899 sind behufs Vernichtung ausgesondert worden. Alle diejenigen, welche an der längeren Aufbewahrung dieser Akten ein Interesse haben, werden aufgefordert, dasselbe innerhalb einer Frist von 4 Wochen dahier anzumelden und zu begründen.
Winbecken den 10. November 1906.
Königliches Amtsgericht. 24452
Hus Hanau Stadt und Eand.
Hanau, 13 November.
Kreis-Kneger-Vervaud Hanau a. M.
G. Am Sonntag den 11. November d. J. fand in G r o flau h e i m im Gasthaus „zum goldnen Anker" der Herb st- abgeordnetentag des Kreis-Kriegerver- bandes Hanau statt.
Von den dem Verbände angehörenden 35 Vereinen waren 30 Vereine mit 65 stimmberechtigten Abgeordneten erschienen, außerdem waren noch zirka 135 Vereinskameraden anwesend. Herr Landrat v. Beckerath-Hanau wohnte der Versammlung ebenfalls bei.
Die Versammlung wurde um 2'/« Uhr durch den Vorsitzenden, Herrn Landtags - Abgeordneten E. I u n g h c n n, welcher von Berlin hier eingetroffen war, eröffnet. Derselbe führte in seiner Begrüßungsansprache ungefähr folgendes aus:
„Meine lieben Kanieraden! Auf dem Frühjahrs-Abgcord- netentage in Hanau wurde beschlossen, den Herbst - Abgeordnetentag in Großauheim abzuhalten. Infolge dieses Beschlusses ist der heutige Veriretertag satzungsgemäß nach hier einberufen worden und in meiner Eigenschaft als Vorsitzender unsere« Verbandes erkläre ich ihn für eröffnet. Es ist nicht
Dienstag den 13. November
das erste Mal, daß wir uns hier vereinigen. Am 8. Dezember 1895 fand hier eine Wanderversammlung statt, die sich eines starken Besuches erfreute. Der hiesige Verein hatte damals 76 Mitglieder; nach dem Stärkeverzeichnis vom 1. Januar 1906 hat sich die Zahl auf 90 erhöht, es hat sonach eine erfreuliche Vergrößerung von fast 20 pCt. stattgefunden. Der Verein hat es verstanden, sich mit der Einwohnerschaft in ein gutes Einvernehmen zu setzen und Herr Bürgermeister Grün /wird, wie ich zu meiner Freude höre, später noch erscheinen. Ich begrüße den Vertreter unseres Landkreises, Herrn Landrat v. Beckerath, der durch sein öfteres Kommen, sein Interesse für unsere Bestrebungen kund gibt. Unsere Tagesordnung, meine Kameraden, ist keine so umfangreiche wie sonst, die Erledigung wird uns nicht lange _ aufhalten. Es bleibt uns Zeit zu einem ungezwungenen Zusammensein und dieses wird zur Pflege der Kameradschaft beitragen. Wir beginnen unsere Beratungen, wie immer, * damit, daß wir unseres Landesfürsten Sr. Majestät des Kaisers und Königs, unseres durchlauchtesten Protektors gedenken. Erneuern wir unser Gelübde der Treue und des Gehorsams, das wir alle abgelegt, dadurch, daß wir einstimmen in den Ruf: „Seine Majestät unser Allergnädigster Kaiser, König und Herr Hurra." — In das ausgebrachte Hurra stimmten die Anwesenden begeistert ein.
Es erhielt zunächst der Kamerad Lehrer Sorge von Großauheim das Wort, welcher in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied die Begrüßungsansprache hielt und etwa folgendes ausführte:
Als auf Leipzigs weitem Pläne der Glücksstern des übermütigen und stolzen Korsen Napoleon Bonaparte in Trümmern zerbrochen war, da bildeten sich wohl an manchen Orten Deutschlands eine Art von Kriegervereinen, sogenannte „Landwehrvereine", diese starben aber mit ihren Gründern wieder aus. Die bamalige Zeit war Iwch nicht reif, um die Ziele unserer Kriegervereine verstehen und würdigen zu können. Erst ein halbes Jahrhundert später, als Deutschlands Taktik, deutsche Tapferkeit und deutscher Heldenmut die für uneinnehmbar geltende Düppeler Schanzen erstürmte, als zwei Jahre später Deutschlands Aar den sieggewohnten habsburgischen Doppelaar auf den Höhen von Sadowa völlig besiegte, und als in den Jahren 1870/71 Deutschlands Söhne mit ihrem Blute jenen stolzen Bau hatten aufrichten helfen, der in seiner Kuppel die Kaiserkrone trägt, jenen Bau, so herrlich und so schön, wie ibn die kühnste Phantasie des deutschen Freiheitssängers nicht im entferntesten geahnt, da war auch die Zeit gekommen, in welcher das deutsche Vclk die Ziele unserer Kriegervereine verstehen und würdigen konnte. In jene Zeit fällt auch die Gründrmg des Kriegervereins Groß-Auheim. Im Herbste d^s Jahres 1874 wurde er konstituiert. Gar bald wurde auch eine Fahne erworben, die im folgenden Jahre feierlich eingeweiht wurde. Doch die Fahne war da, aber es bedurfte noch Jahrzehnte, bis sie ganz bezahlt war. Die Zahl der Mitglieder fiel von 80 auf 7. ES waren bittere Zeiten, die der Verein durchmachen mußte. Seit 12 Jahren steht der Verein auf festem Fuße, er zählt seit dieser Zeit rund hundert Mitglieder. Diesen schönen Erfolg verdankt er zum großen Teil der umsichtigen und vorzüglichen Leitung seines rührigen Präsidenten. Heute marschiert er an der Spitze aller hiesigen Vereine; er bildet eine knorrige, wetterharte Eiche, die mit ihren Zweigen ganz Groß-Auheim überschattet. Welches ist nun der Zweck der Kriegervereine? Zweck der Kriegervereine ist: Pflege treuer Kameradschaftlichkeit und Pflege der Liebe und Treue zu Kaiser und Reich. Diese Kameradschaftlichkeit bedingt nun manch- mal freilich ein Aufgeben von Rang- und Standesunterschieden. Aber sollte es dem wahren Soldaten schwer fallen, denjenigen Kameraden zu nennen, der mit ihm die Freuden und Leiden des Soldatenstandes, vielleichl gar die Leiden und Freuden eines Feldzuges, ertragen hat, denjenigen Kameraden zu nennen, dessen Auge in finsterer Mitternacht auf gefahrvollem Posten für ihn wachte, indessen er sich dem süßen Schlummer hingeben konnte? Was heißt es nun, Kameradschaft üben? Es heißt, an Freud und Leid der Kameraden teilnehmen, es heißt, mit ben Kameraden lachen und weinen, es heißt, dem in Not geratenen Kameraden tatkräftig beispringen, es heißt, den strauchelnden Kameraden aufrichten, es heißt, dem entschlafenen Kameraden die letzten Ehren erweisen, es heißt endlich, dem Kameraden Liebe und Treue bewahren bis über das Grab hinaus. Der zweite Zweck ist: Pflege der Liebe und Treue zu Kaiser und Reich. Wer die Geschichte der Hohm- zollern auch nur einigermaßen kennt, der muß dieses gottbegnadete Herrschergeschlecht achten und lieben. Wie unermeßlich viel haben sie für Deutschlands Kriegs- und Friedenszeiten getan. Man könnte darüber streiten, was dieses ruhmreiche Geschlecht mehr mit Lorbeeren schmückt, ihre stillen Werke des Friedens, gepaart mit einem einigen Gottvertrauen, oder ihre glänzenden Waffentaten. Jedenfalls sind alle Hohenzollcrn Mehrer und Förderer des Reiches gewesen. Heute sitzt Wilhelm II. auf dem Thron seiner Väter-, Als er vor nunmehr 18 Jahren den Thron bestieg, da schaute so manches derrtschen Mannes Auge mit Bangen in die Sutimft. Hatte sich doch um seine Person eine ganzeReihevon Fabeln und Legenden gebildet. Man schrieb ihm — kriegerische Absicht zu., Aber, liebe Kanieraden, nur wenige Worte genügten, um diese Befürchtungen zu zerstreuen, wie dichte Siebelmassen von den Strahlen der ausgehenden Sonne zerstreut ioerben. Und heute frage ich sie: Wo gibt es auf dem ganzen Erdenrund wohl einen Fürsten, der Kaiser Wilhelm II. an Herrschcrgröße, an wahrer und aufrichtiger Frömmigkeit, an hohem, sittlichen Ernst, an Tiefe und Vielseitigkeit der Bildung, an Schärfe des Verstandes, an Festigkeit des Willens, an Charakterstärke, an unermüdlicher Tatkraft, an unparteiischer Gerechtigkeit, an ruhiger Besonnenheit und an ruhiger Er- faffuitg aller Dinge und Verhältnisse überträfe oder auch nur gleichkäme? Wo gibt cs einen zweiten Fürsten, der so voll und ganz von der Erhabenheit seines Herrschcrbcrufcs so durchdrungen wäre, wie Wilhelm H ? Wo gibt cs einen zweiten Fürsten, der in solcher Demut I sein Knie vor dem Höchsten beugte, wie Wilhelm II? Dabei ist Wilhelm II. Soldat vom Scheitel bis zur Fußsohle. Kameraden! Wen
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1906
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ein siegreicher Feldherr endlich ausruht auf seinen Lorbeeren und sein Tätigkeit bett Men Werken des Friedens weiht, dann preist man einen solchen Fürsten. Wenn aber der mächtigste Herrscher der Erde, Feldherr vom Kopf bis zur Fußsohle, von dem erst kürzlich ein französischer Stabsoffizier sagte, daß alles für chn begeistert sei, vom obersten General bis zum letzten Soldaten und daß seine Person im Ernstfälle ein ganzes Armeekorps aufwiegen würde, wenn ein tolcfjer Fürst, hinter sich das kriegstüchtigste Heer der Welt, ost heransgesor- dert durch den Neid seiner Gegner, dennoch auf den Lorbeer des Siegers verzichtet, einzig und allein, um seinem Volke die Segnungen des Friedens zu erhalten, dann verdient ein solches Verhalten nicht nur unsere Liebe und Hochachtung, sondern unsere Bewunderung-, Kame- raden! Wollen wir ihm beides versagen? Mit Nichten! Wir wollen treu und fest zu unseren- obersten Kriegsherrn stehen. Aber mchr nur in Worten und Liedern, nein in der Tat soll sich unsere Liebe und Treue beweisen, in ruhigen, friedlichen Zeiten wie in den sturinen des Krieges. Ja gerade dann soll sie sich bewähren und uns bezahigen, freudig und gern das höchste und schwerste Opfer zu bringen. ,
Mit einem begeisterten Hoch auf die deutsche Treue schlop der Redner seine Ausführungen.
Der Vorsitzende nahm Veranlassung, dem Kamerad Görge für seine trefflichen Worte namens der Versammlung den Dank auszusprechen.
Nach Feststellung der Präsenzliste und Prüfung der Boll- machten wurde das Protokoll des im Juli d. I. in Hanau abgehaltenen Frühjahrs-Abgeordnetentages vorgelesen, da Einspruch nicht erfolgte, wurde dasselbe genehmigt.
An Jahrbüchern pro 1907 haben die Vereine bis heuU 1550 Stück bezogen, es wird nochmals daran erinnert, mit dem Vertrieb recht tätig zu sein, verschiedene Vereine haben noch Nachbestellungen aufgegeben.
Der Beitritt zur Bundessterbekasse wird wärmstens empfohlen und den Kameraden ans Herz gelegt, wenn irgend möglich, der Kasse beizutreten, der Bevollmächtigte der Stcrbekasse erklärt sich bereit, recht gern in den Vereinsversammlungen zu erscheinen und über Zwecke und Ziele der Kasse zu sprechen und Vorteile zu erläutern.
Auch das Halten der „Parole" wird den Vereinen in einet größeren Anzahl anheim gestellt, zumal uns auch hier Vorteile aus den Überschüssen erwachsen.
Den Vereinen wird aufgegeben, etwaige Gesuche unterstützungsbedürftiger Kameraden aus dem Junghennschen Unterstützungsfonds, deren Zinsen zum Weihnachtsfeste zur Verteilung kommen, bis zum 1. Dezember dem Verbandsvorstand einzureichen.
Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, zu den einzureichenden Unterstützuugsgesuchen das richtige Formular anzuwenden, bei Witwen-Unterstützuttgen auch den richtigen Termin ein* zuhalten. Bekanntgegeben wurde, daß bei der letzten Verteilung der Unterstützung für Witwen seitens des Deutschen Kriegerbundes 46 000 Mark verausgabt wurden.
Der Vorsitzende nimmt noch einmal das Wort und bringt folgendes vor:
Ich habe mich noch eines Auftrages des Vorstandes des Preußischen Landes-Kriegerverbandes zu erledigen und bitte die Herren Kameraden Spamer vom Kriegerverein Fechenheim und die Herren Kameraden Laber und H e u ß e r Dom Kricgerverein Großauheim hierher zu treten.
Sie sehen meine Kameraden auf eine langjährige Tätige keit im Vorstand Ihrer Vereine zurück. Ihr Wirken im Interesse Ihrer Vereine und die edlen Zwecke, die wir verfolgen, wird in dem Schreiben des Landesverbandes, das ich Ihnen überreiche, anerkannt. Gleichzeitig erhalten Sie aber auch eine Abbildung des Denkmals unseres Hochseligen Kaiser Wilhelm auf dem Kyffhäuser zur bleibenden Erinnerung.
Mit der Ihnen gewordenen Auszeichnung überbringe ich Ihnen die Grüße des Vorstandes des Landesverbandes und namens unseres Kreisverbandes spreche ich Ihnen die besten Glückwünsche aus. Möge es Ihnen vergönnt sein, noch recht lange zu wirken.
Alle 3 Kameraden sprachen den Dank für die ihnen zu teil gewordene Ehrung aus.
Nach Erledigung der Tagesordnung wurden noch verschiedene Verbands- und Vereinsangelegenheiten besprochen und erledigt.
Dem Verein Großauheim wurde seitens des Vorsitzenden für die liebevolle Aufnahme der Dank ausgesprochen mit dem Wunsche, daß auf Grund der heutigen Versammlung der Verein auch fernerhin erstarken möge dadurch, daß sich die dem Verein etwa noch fernstehenden Kameraden dem Verein anschließen möchten.
Schluß der Sitzung S1^ Uhr.
Der Verein Großauheim hatte es sich angelegen sein lassen, für Unterhaltung nach Schluß der Sitzung Sorge zu tragen und den Kameraden den Aufenthalt so gemütlich als nur möglich zu gestalten, denn es wechselten Musikstücke und recht gut zu Gehör gebrachte Gesangsvorträge mit einander ab, und blieben die Anwesenden bis zum Aufbruch nach der 'Heimat in kameradschaftlicher guter Stimmung beieinander-