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AMihts Srzu fit Stabt- und Landkreis Kanan.

M Watsochause» i» Hamm.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

vermtiaMtl. Mut: S. Schrecker io H««>.

Ml» 265 Fernsprechanschlutz Nr. 605»

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Amtliches.

Lanâkreis l^anau.

BekMtmaAnßeil lies Kömglijen LMrstsmts.

In Langenselbold ist die Schweinrseuche festge­stellt worden.

Die Gehöftssperre ist angeordnet.

Hanau den 9. November 1906.

Der Königliche Landrat.

V 8236 I. A.: Conrad, Kreissekretâr.

In Langendiebach ist die Schweineseuche erloschen. Die Gehöftssperre ist aufgehoben.

Hanau den 9. November 1906.

Der Königliche Landrat.

V 8237 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Es ist in letzter Zeit mehrfach vorgekommen, daß Unfälle, die sich in landwirtschaftlichen Betrieben zugetragen hatten, nur dem Ortsvorstande und nicht zugleich auch dem Sektions­vorstande angezeigt wurden. Ich mache daher auf die ent­sprechenden Vorschriften des Unfall-Versicherungsgesetzes für Land- und Forstwirtschaft vom 30. Juni 1900 und ins­besondere des am 1. Januar 1902 in Kraft getretenen neuen Statuts der Hessen-Nassauischen landwirtschaftlichen Derufs- genossenschaft hiermit besonders aufmerksam. Danach haben die landwirtschaftlichen Betriebsunternehmer oder deren Be­vollmächtigte entgegen den früheren Bestimmungen von jedem in ihrem landwirtschaftlichen Betriebe und dessen Nebenbetriebe vorkommenden Unfälle, durch welchen eine Person getötet wird oder eine Körperverletzung erleidet, welche eine völlige oder teilweise Arbeitsunfähigkeit von mehr als 3 Tage» ober den Tod zur Folge hat, eine schriftliche oder mündliche Anzeige außer bei der Ortspolizeibehörde auch dem Sektionsvorstande (Landratsamt) zu erstatten.

Diese Anzeigen müssen binnen drei Tagen nach dem Tage erfolgen, an welchem der Betriebsunternehmer von dem Unfälle Kenntnis erlangt hat.

Für den Betriebsunternehmer kann derjenige, welcher Äkit des Unfalls den Betrieb oder den Betriebsteil, in welchem sich der Unfall ereignete, zu leiten hatte, die An- zeige erstatten; im ^alle der Abwesenheit oder Be-

Feuilleton.

Stadtthklitcr in Henau.

Hanau, 12. November.

bereits über 100 Jahre verflossen, seitdem Schillers letztes MeisterwerkWilhelm Tell", das gestern wieder einmal an unserer Bühne zur Aufführung gelangte, m der Kunst- und Dichterstadt Weimar gleich einer Ver­heißung für die zukünftige literarische Epoche der damaligen Zeit unter donnerndem sensationellem Beifall zum ersten Male die interessierte Welt in Erstaunen setzte. Offenbar kam es Schillers Schöpfung im höchsten Maße zu gute, daß ihr nicht eine politische Haupt- und Staatsaktion, sondern treuherzige, an kräftigen Zügen überreiche Sage zu Grunde lag, die die Schweizer vom Ursprung ihrer Freiheit ewahren. Zug für Zug, bald die gegebenen Momente 7er Plüsch gestaltend und bald mit frischer Empfin- d°s Gesamtbild der Begebenheit belebend,nimmt unsere Teilnahme gefangen, Zug für Zug wird der abseits seinen Weg suchende Tell in die Mitte der ^âng gedrängt und gezwungen, um schließlich die ent- jZE'dende Tat zu vollbringen, durch die die beschlossene ^Hebung beschleunigt wird. Die Höhepunkte der drama- tischen Handlung: den Schuß auf das Haupt des Kindes, deii Geßler im rohen, gewalttätigen Uebermut dem Tell ab- zwingt die Gefangennahme und Wegführung Teils, die Jcieoerftrecrung des grimmen Landvogts durch des Helden me fehlenden Pfeil, gehören zu den theatralisch wirksamsten Situationen der dramatischen Dichtung überhaupt. Ein ganzes, wenn auch kleines Volk, das mit der Natur seiner Alpenberge und Alpentäler fast verwachsen ist, mußte hier­auf die Bretter gerufen werden. Ueber alle diese seine Lands­leute ragt nun die Gestalt des Tell nickt blos durck seine

Montag den 12. November

Hinderung des Betriebsunternehmers ist er da­zu verpflichtet.

Bei Unfällen, welche den versicherten Unternehmer oder seine Ehefrau betroffen haben, finden diese Vorschriften gleich­falls Anwendung.

Gleichzeitig mache ich noch besonders darauf aufmerksam, daß auch von geringfügigen Unfällen, sofern deren Folgen nicht innerhalb der ersten drei Tage be­seitigt find, Anzeige zu erstatten ist.

Die Nichtbeachtung der vorstehenden Bestimmungen zieht Bestrafung nach sich.

Hanau den 30. Oktober 1906.

Der Vorsitzende des Sektions-Vorstandes,

ü 2328 I. A.: Siemon, Reg.-Assessor.

Polizeiverordnung.

Auf Grund des § 5 der Allerhöchsten Verordnung vom 20. September 1867 über die Polizeiverwaltung in den neuerworbenen Landesleileu und des § 143 des Gesetzes vom 30. Juli 1883 über die allgemeine Landesverwaltung wird für den Gemeindebezirk Bergett-Gttkheiin folgendes ver­ordnet :

§ 1.

Das Fahren mit Wagen, Karren und Fahrrädern aller Art, das Reiten und Viehtreiben ist auf dem im Gemeinde­wald bei Enkheim, parallel mit der Straße Enkheim-Mainkur, angelegten Fußweg verboten.

8 2.

Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmung werden, so­weit nicht nach anderen gesetzlichen Bestimmungen höhere Strafe verwirkt ist, mit Geldstrafe bis zu neun Mark, Hilfsweise entsprechender Haft bestraft.

8 3.

Diese Verordnung tritt mit der vorschriftsmäßigen Ver­öffentlichung in Kraft.

Bergen am 29. Oktober 1906.

Die Ortspolizeibchörde.

Klemann. 24361

Hus Hanau Stadt und Eand.

Hanart, 12. November.

D.E.K. Evangelischer Bund. Für die Generalver­sammlung des Evangelischen Bundes im Jahre 1907 waren in Graudenz die Städte Mannheim oder Worms in Aussicht

Stärke, seine tapfere Entschlossenheit und seine unbekümmerte Lebenszuversicht hoch empor, sondern durch eine Reihe von Charakterzügen, die ihn von den anderen, von allen unter­scheiden. Er ist der Schlichteste und der Uneigennützigste unter der ganzen Bevölkerung der Urkantone, der Hauch der Freiheit, der das ganze Drama durchweht, ist eben seine persönliche Lebenslust. So findet er es natürlich, daß man von ihm Schweres erwartet und fordert,ein Jeder wird besteuert nach Vermögen", und er zeigte sich, als ihm das schwerste auferlegt wird, auch diesem natürlich und ohne krampfhafte Anstrengungen gewachsen.

Herrn Pu st ar lag derTell" stellenweise sehr gut, an allen Stellen wo das aufopfernde, das gemütvolle Wesen zum Ausdruck gelangt. Der Ueberschwang an Lebenskraft, das unaufhaltsame Vorwärtsdrängen dieses tief leidenschaft­lichen Helden kam jedoch andererseits nicht ebenso überzeugend heraus. Wenn dieser Tell noch unsere volle Sympathie haben soll, so muß in seiner Leidenschaft ein Etwas liegen, das stärker ist als er, sie muß elementarer und naturgewaltig wirken und die Töne, um eine solche tiefleidenschaftliche Empfin­dung auszudrücken, versagteu des öfteren bei dem Darsteller. Sein, großer Monologdurch diese hohle Gasse inuß er kommen", ließ uns ferner durch die eigenartige Monotonie der Sprechweise ziemlich kühl. Den unerbittlichen versteiften TyrannenGeßler" wußte Herr Steger in recht ge­lungener Weise zu gestalten, Auftreten sowie Maske waren dein Charakter entsprechend lobend angepaßt.Melchthal" gab Herr H o p k i r k. Seine wohldurchdachte Leistung in­teressierte durch feine Einzelzüge, sie ließ auch trotz der so­zusagen dozierenden, allzuviel mit Handbewegung arbeitenden Pathetik alle Stimmungen dieses von einer jugendlichen Leidenschaft getriebenen Stürmers zu ihrem Recht lammen. Herr Hauser (Rudenz) stand gestern nicht ganz auf der Höhe, indem der von der Liebcslcidenschaft geblendete Junker zu sehr auf den modernen Konversationston gestimmt war, sodaß man nur von fern ahnen konnte, was aus der Rolle

Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1906

genommen. Mannheim wird aber im nächsten Jahre infolge des Stadtjubiläums und der Ausstellung von so vielen Kon­gressen besucht werden, daß nach Verhandlungen mit dem dortigen Zweigvereinsvorstande von der Bundesversammlung abgesehen wurde. Somit ist Worms als Ort für die nächste Bundes-Generalversammlung bestimmt worden. Der Name Worms hat schon an und für sich für die Mitglieder und Freunde des Bundes einen aufrichtenden Stimmungswert.

* Evangelischer Männerabend. Die Presbyterien der Marien- und Johanniskirchengemeinde beabsichtigen, am Mittwoch den 1 4. ds. Mts., abends halb 9 Uhr im Saal des Hotelzum Riesen" einen evangelischen Männer ab end zu halten. Herr Pfarrer Fuchs wird über das Thema:Männliches Christentum und die Aufgabe christlicher Männer" sprechen. Die evangelischen Männer unsrer Stadt werden zu dieser Veranstaltung freundlichst ein­geladen. Sollte dieser erste Versuch, den evangelischen Männern Hanaus Gelegenheit zur Besprechung moderner Glaubens­probleme und kirchlicher Fragen zu geben, wie zu hoffen steht, Anklang finden, so ist die öftere Wiederholung eines derar­tigen Diskusstonsabends in regelmäßigen Zwischenräumen in Aussicht genommen.

* Preisausschlag. Der Verband der Silberwaren» fabrikanten Deutschlands, E. D., gibt, den Juwelieren be­kannt, daß dir Mitglieder, welche Groß-Silberwaren fabri­zieren, infolge Lohnbewegung der Silberarbeiter und der Preissteigerung aller Materialien gezwungen sind, ihre Ver­kaufspreise entsprechend zu erhöhen. Jeder Fabrikant wird seiner Kundschaft die betreffenden Zuschläge in der ihm ge­eignet scheinenden Weise mitteilen.

* Konzert des Lehrersângerchores. Im Anzeigen­teil der heutigen Nummer ds. Bl. ist die Vortragsordnung für das am 27. d. M. stattfindende Konzert enthalten. Die­selbe dürfte wegen ihres gediegenen und vielseitigen Inhalts wohl allgemeines Interesse erwecken. Wir gestatten uns deshalb, das kunstsinnige Publikum nochmals darauf aufmerksam zu machen.

* Stadttheater. (Wo chenspielpla n.) Mitt­woch :Traumulus", tragische Komödie von Holz und Jcrschke; Freitag:Der Tartüff", Lustspielnach Mo- lièrc, bearbeitet von Ludw. Fulda. Vorher zum ersten Male: Die Furcht vor der Schwieger mutter", Lust­spiel in einem Akt von Clara Ziegler. Sonntag nachmittag halb 4 Uhr bei bedeutend ermäßigten Preisen:Sherlock Holmes"; abends 7 Uhr: Neu einstudiert:Das Stiftungsfe st", Lustspiel in 4 Akten von H. v. Moser.

* Ibsen-Gedenkfeier. Für die morgen abend 8*/, Uhr im Stadttheater stattfindende Ibsen-Gedenkfeier sind noch Eintrittskarten und Programme in den bekannten Verkaufs­

gemacht werden kmm. Der Hauptschwerpunkt bei der Dar­stellung desStauffacher" liegt in einer gewissen ruhigen überzeugenden Sprechweise, die Herr Kempf einwandsfrei beherrschte, während sich Herr O. H. Müller (Atting- hausen) einen höchst respektablen Erfolg zu sichern wußte. Der junge Darsteller besitzt ein gut ausgeprägtes Charak- terisierungstalent, verbunden mit recht geschulter Sprache, die wir schon des öfteren rühmlichst erwähnten und die ihm bei Erledigung seiner gestrigen Partie wieder sehr ancrkeimend zum Vorteil gereichte. Herr Krug gab demWalther Fürst" viel Empfindung und eckte Natürlichkeit, Herr Matter befriedigte alsBaumgarten". Die Damenrollen sind in diesem Schauspiel von knapp bemessenem Einfluß; wir nennen Frau Reinhard, die sich mit offenbarer Hin­gebung derGertrud" annahm, ferner Frau Ande rs, die die besorgte aufopfernde Gattin TeilsHedwig" mit gutem Erfolg zur Schau brachte. Die gegen ihre Ueberzeugung in Fesseln der Konvenienz gebannteBertha von Bruneck" fand in Frl. Sarno eine vornehme Vertreterin, wie auch Frl. Jaida die schwer vom Schicksal heimgesuchteArmgard" geradezu verblüffend wirksam zu charakterisieren verstand. Gut am Platze war noch Frl. Berger alsWalther Tell". Wenn wir alle übrigen zahlreichen Rollen nicht einer- kritischen Beurteilung unterziehen, so möge dies heißen, daß zur Vervollständigung das gesamte Personal seiner Pflicht genügte. Die Inszenierung des Herrn Steger bewies wieder dessen reife Regiekunst. Das Haus war nahezu aus­verkauft.

Die städtische Bibliothek

Gärtnerstraße 67 (alte Zeichenakademie) ist Sonntags, Wtitt- wochs und Samstags von 11 bis 1 Uhr zur kostenfreien Benutzung für das Publikum geöffnet. Gesam rkata- loge sind in der Bibliothek zn haben.