Einzelbild herunterladen
 
  

Zweites

Hanauer G Anzeiger

vrznzSprelS»

BteteUS^M 1^ M., monatlich 60 Pfg., für «* Tjfrtigi Abonnenten mit dem betrefsenden Postauffchiag

Di« «seine Nnmr»e k»st«t 10 Pf»

RntaüsnSdnnk und Verlag der Buchbruckerei d«S «â.

n, Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtlilhes Organ für StaM= und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit bâtristischer Beilage.

e*M*oSeeHtre

Die fiinfgrfpaNene Petitzeil« »der deren Rau» 15 P^ jM ^fNn^,^ die 36 P^

verantworS. Rtdâur: «. Schrick«, in Heo»«».

$! 256 Fernsprechanschluß Nr. 605»

Donnerstag den 1. November

Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1906

Amtliches.

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.

Nach Beschluß des Landesausschusses vom 19. September d. Js. soll für das Jahr 1907 die Erhebung einer ein­fachen Viehseuchenabgabe für Pferde, Fohlen und Esel usw. = 20 Pfg. für jedes Stück und einer dreifachen Abgabe für Rindvieh 15 Pfg. für jedes Stück statt- sinden.

Zur Feststellung der Abgaben sowie zu statistischen Zwecken ist eine Zählung des Viehbestandes erforderlich und es wird tine solche am 2. November d. Js. bewirkt werden.

Das Verzeichnis über den Viehbestand ist zur Einsicht der Beteiligten vom 6. bis einschl. 19. November d. Js. im Sladtfekretariat, Rathaus Zimmer Nr. 11, auf­gelegt. Anträge auf Berichtigung sind bis zum 19. Novem­ber d. Js. bei der unierzeichneten Behörde, etwaige Rekla­mationen gegen deren Entscheidungen aber bis einschließlich 29. November d. Js. bei dem Herrn Regierungspräsidenten zu Cassel anzubringen.

Hanau den 26. Oktober 1906.

Der Magistrat.

J. A.: Dr. Koppen. 23186

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in Hanau belegene, im Grundbuche von da Band 22 Blatt Nr. 1313 jur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Zigarrenfabrikanten Georg Alt und dessen Ehefrau Christine geborene Koch zu Hanau eingetragene Grundstück:

Krtbl. G Nr. 310/264 = 3 ar 42 qm,

Mühlstraße Nr. 4,

a) Wohnhaus

Gebäudesteuernutzungswert 1050 Mk. mit Anbau (A), Seitenbau links (B) und (E) und Hofraum,

b) Querbau (D)

. Gebäudesteuernutzungswert 240 Mk. mit linkem Flügel am Querbau, c) Hinterbau links (C),

Gebäudesteuernutzungswert 150 Mk.

am 21. Dezember 1906, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht, an der Gerichtsstelle, Markt­platz 18, Zimmer Nr. 14, versteigert werden.

Das Grundstück ist in der Grundsteuermutterrolle in

Feuilleton.

Der Fall Karhessens am 1. Novbr. 1806.

Eine Säkularerinnerung.

(Aufsatz für den Hanauer Anzeiger.)

(Nachdruck verboten.)

Vor kurzem gingen durch sämtliche deutsche Tagesblätter und Zeitungen Aufsätze, in denen die Erinnerung an den 14. Oktober 1806, den für Preußen so unglücklichen Tag von Jena und Auerstedt, wo Napoleon und Davoust mit 155 000 Mann über 91 000 Preußen und Sachsen siegten, aufgefrischt und die Bedeutung jenes Ereignisses für den Staat Fried­richs des Großen hervorgehoben wurde. Wie ein zer­schmetternder Blitz hatte jene fürchterliche Niederlage Preußen getroffen, und wenn auch der preußische Minister, Graf von der Schulenburg-Kehnert, die Berliner zu beruhigen suchte mit der bekannten Ankündigung:Der König hat eine Bataille verloren" jeder fühlte, daß der König von Preußen mehr als eine Schlacht, daß er sein Heer verloren bade, und daß das Staatswesen zusammengebrochen und zertrümmert sei. Tiefe Mutlosigkeit bemächtigte sich der meisten, und nur wenige waren es, die bei dem überraschen- ben Niederbruch der führenden norddeutschen Macht, bei den traurigen Verhältnissen unseres Vaterlandes damals noch zu hoffen wagten, daßTeutsche in Teutschland einmahl wieder etwas ordnen, organisieren und errichten würden," wie ein Schriftsteller jener Tage sich ausdrückte. Zehn Tage nach Jena und Auerstedt zogen die Franzosen in Berlin ein; der König mußte fliehen; das Land lag offen vor dem Feinde da, die Festungen ergaben sich, und nach des Grafen Schulenburg berühmtem Worte war Ruhe jetzt die erste Bürgerpflicht.

In die Katastrophe Preußens wurde auch Hessen-Cassel, zu dem unsere Hanauer Heimat 70 Jahre vorher nach dem Tode des letzten Grafen von Hanau, Johann Reinhard HL, in enge Verbindung getreten war, verflochten und hinein- geriffen. Am 1. November 1806 fand die früher« Landgraf-

Artikel 1741, in der Gebäudesteuerrolle unter Nr. 542 ein­getragen.

Hanau den 30. Oktober 1906.

___________Königliches Amtsgericht 2. 23532

Bekanntmachung.

Das auf den Namen der Frau Elisabeth Reismeier zu Langenselbold lautende Sparkassenbuch Nr. 6421 ist angeblich verloren gegangen. Der etwaige Besitzer wird aufgefordert, seine vermeintlichen Ansprüche bei dem unter­zeichneten Vorstand binnen 3 Monaten geltend zu machen, widrigenfalls das Sparkonto gelöscht und der Verliererin ein neues Einlagebuch ausgestellt wird.

Hanau am 30. Oktober 1906.

______Der Vorstand der Kreissparkasse. 23533

politische Rundschau.

Kaiserliche Belobigung. Am 4. September hatte der zweite Vormann der Reitungsbootstation Schwarzort, Wirt Johann Klamp, gemeinsam mit vier der Station zuge­teilten Fischern aus "Schwarzort im offenen Boote zwei Schiffbrüchige, den Schiffsführer HanS Mcssrer aus Breiholz und einen Matrosen aus Königsberg, die auf einem kieloben treibenden Wrack des SchiffesAnna Rebekka" sich befanden, in gänzlich erschöpftem Zustande vor dem Tode des Er­trinkens gerettet. Auf Befehl des Kaisers, der sich über den Vorgang ausführlich Bericht erstatten ließ, ist nunmehr den Rettern durch den Oberprästdenten Moltke eine öffentliche Belobigung erteilt worden, ;

Der Kronprinz traf gestern vormittag.in Jauer ein, um der Feier des Jubiläums des 250jährigen Bestehens bei­zuwohnen. Der Kronprinz fuhr nach dem Rathaus, wo ihm Bürgermeister Groneberg namens der Stadt Jauer den Will­kommensgruß entbot und dem Dank der Stadt dafür Aus­druck gab, daß der Kaiser den Kronprinz mit seiner Ver­tretung beauftragt hat. Der Kronprinz dankte in kurzen Worten. Von dort begab sich der Kronprinz nach der Frie- denskirchc, wo er von der Geistlichkeit empfangen wurde. Die Festpredigt hielt Pastor Maurer. Die Kirchengemeinde erhielt ein kaiserliches Gnadengeschenk von 15 000 Mark zur Wiederherstellung der Kirche.

Der König von Sachsen sandte gestern vormittag vor seiner Abreise aus Cannes an den Präsidenten Fallières folgendes Telegramm:Im Begriffe, von dieser schönen Küste zu scheiden, bitte ich Sie, Herr Präsident, für die mir von Ihnen und von der Regierung der Republik während meines Aufenthaltes in so reichem Maße erwiesenen Aufmerksamkeiten meinen aufrichtigsten Dank entgegenzunehmen und an meine schaft Hessen-Cassel, seit 1803 das Kurfürstentum Hessen, nach Napoleons Willen ein jähes Ende. Unvermutet und ohne Schwertstreich besetzte der französische General Mortier das Land, und bald trat an die Stelle des angestammten Fürsten auS uraltem Hause ein junger Mensch, von dem man noch vor wenigen Jahren nichts wußte, der unfähigste und un­fertigste Bruder des gewaltigen Korsen, des Kriegsgottes einer neuen Zeit, Hieronymus Bonaparte, oder, wie er sich nach seinem großen Bruder als dem Begründer einer neuen Dynastie nannte, Hieronymus Napoleon, Jerome, der König von Westphalen, der KönigMorgen wieder lustik".

Ist man den Säkularerinnerungen zum Falle Preußens in den Blättern mit Interesse gefolgt, so werden wir früheren Hessen auch gerne die Ereignisse an unserem Geiste vorüber­ziehen lassen, die vor hundert Jahren unsere Vorfahren aufs tiefste erregten und bewegten.

Freilich, unvorbereitet und ohne tieferen Grund ist da­mals das Verhängnis über Hessen-Cassel nicht hereingebrochen; eS war die ganz natürliche Folge einer schwankenden unent­schlossenen Politik. Von jeher hatte das Haus Hessen unter Preußens Protektion dem Habsburgischen Einflnß in Deutsch­land entgegengearbeitet, ebenso war es seit länger als einem halben Jahrhundert gegen Frankreich gewesen. Durch seine Lage als norddeutscher Staat und seine Konfession an das Interesse von Preußen und England geknüpft, kämpfte es als ihr bis zum äußersten treuer Bundesgenosse gegen jene Staaten. Man denke nur an die unsäglichen Opfer, die Hessen an der Seite Preußens im siebenjährigen Kriege brachte; man vergegenwärtige sich, daß Hanau fast während dieser ganzen Zeit von den Franzosen besetzt gehalten und ausgesogen wurde. Nun kam die ftanzösische StaatSum- wälzung; die Kriege der jungen Republik mit unerhörten Siegen und großen Gebietserwerbungen; Frankreich, das noch vor wenigen Jahren am Rande des Verderbens zu stehen schien, fing an, Europa seinen Willen zu diktieren: Napoleon Buonaparte kam empor. Die Welt schien aus den Fugen zu gehen. Alle diese Begebenheiten fielen dem Land­grafen von Hessen sehr auf die Nerven; sie erregten bei ihm einen persönlichen Haß gegen Frankreich und alles, waS französisch hieß. Und von diesem Hasse war natürlich Napo­

lebhaft empfundene Sympathie für Ihre Person und für bis französische Nation zu glauben."

Die neuen Steuern. Don maßgebender Seite er­fährt dieD, Warte" zu den mannigfachen Preßäußerungen über neue Steuern, daß außer einer Novelle zu der Maisch­bottichsteuer, die eine Erhöhung der bezüglichen Beträge vor­sieht, bis jetzt noch nichts innerhalb des ReichsschatzamteS über die neue Steuerart beschlossen ist. Die aus dieser Steuer zu erwartenden Beträge werden jedenfalls nicht so bedeutend sein, um die Summe, welche die Differenz zwischen den vom Reichstage als Bedürfnis anerkannten Mehrein­nahmen des Reichs (200 Millionen Mark) und den bereits bewilligten Steuern, die ans 170180 Millionen geschätzt werden, zu tilgen. Es sind also auch noch andere Steuer­objekte heranzuziehen, deren Wahl noch aussteht. Zu be­merken ist ferner, daß man neu hinzutretende Ausgaben für einen Etat nicht unter dem Titel eines außerordentlichen Etats postiert, sondern daß sie dem ordentlichen Etat zuge- zählt werden und gleichfalls durch Steuern, nicht durch eine Anleihe, aufgebracht werden müssen. Die Kosten für di« Mehrforderungen auf militärischem Gebiete, speziell für di« Umbewaffnung der Armee, die keine Verzögerungen erleiden darf, werden also gleichfalls durch Steuern gedeckt werden müssen.

Die Reformplâne Dernburgs. Es ist nicht un* interessant, zu vernehmen, wie sich Herr Dernburg die wirt­schaftliche Ausschließung Deutich-Südwestafrikas denkt. Di« Dortm. Ztg." glaubt darüber folgendes mitteilen zu können: Dernburgs Plan soll dahin gehen, zu beiden Seiten der großen Verkehrswege je 100 km Farmland militärisch zu besetzen und so ausreichend zu sichern, daß von feiten des Reiches den inner­halb dieses Radius sitzenden Ansiedlern Leben und Besitz garantiert werden kann. Es sollen auf diese Weise gesichert werden: die Linie SwakopmundWindhuk, KaribikOtavi, WindhukKeetmanshoop und KeetmanshoopLüderitzbucht.

Für die Sicherung der Viehzüchter in der Gegend, direkt nördlich des Oranjeflusses soll der Ort Warmbad ein Block­haus und eine größere Garnison erhalten. Alle Farmer und Händler, die sich außerhalb der 100 Kilometerschutzlinie an» siedeln und bewegen, tun dies auf ihre eigene Gefahr. Mit der Zeit soll der Radius dieser Schutzlinie stetig vergrößert werden, bis in absehbarer Zeit die gesamte Kolonie gesichert sein wird. Es wird von Besprechungen, die der Kolonial­direktor mit dem Gouverneur v. Lindequist sofort nach seinem Eintreffen in Deutschland abhalten will, abhängen, wieviel Truppen für diesen Zweck die zukünftige Belegung des Schutzgebietes auf Grund dieses Planes bilden müssen. Herr von Lindequist ist der Mann, der in zehn Jahren eine so lange Frist scheint man sich für die endgültige Beruhigung

Icon nicht ausgenommen. Jnsbesonder erlaubte sich bet hoffnungsvolle Sohn des Kurfürsten mitunter Aeußerungen, die von der Klugheit nicht eingegeben zu sein schienen.

Man haßte; allein die Furcht zügelte den Haß. Die bei­den einander entgegenstehenden Leidenschaften des Hasses und der Furcht bewirkten ein im höchsten Grade schwanken­des, aus allen Maßregeln hervorleuchtendes inkonsequentes Verhalten. Als im Herbste 1805 bei Eröffnung des Feld­zuges gegen Oesterreich der ftanzösische Marschall Bernadotte, nachheriger Fürst von Ponte Corvo und späterer König von Schweden und Norwegen, mit seinem Korps aus dem Hannövrischen durch Hessen marschieren wollte, tat man hier zwei Tage lang gewaltig grimmig. In einem Nu gingen Kurriere nach allen Richtungen, Beurlaubte wurden einge­zogen, Kanonen auf die Wälle gefahren und Befehle an all« Kommandierenden erteilt, sich bis auf den letzten Mann zu wehren und was dergleichen schöne Sachen mehr waren. Es war eine lächerliche Komödie. Nach zwei Tagen kamen wieder Kurriere an, die Beurlaubten gingen nach Haus, die Kanonen wurden wieder unter Dach gebracht und die Be­fehle wieder zurückgenommen. Man hatte der Welt 36 Stunden lang ein grimmiges Gesicht gezeigt und ihr Stoff zum Lachen gegeben. AIs der Krieg für Oesterreich die ver­hängnisvolle Wendung nahm, wurde auch ein Teil des hes­sischen Heeres neben dem preußischen mobil gemacht. Die Truppen irrten eine Zeit lang mit Sack rind Pack, mit Reit- und Packpferden und Wagen hinreichend versehen, im Dreck umher und gingen dann wieder, ohne Pulver gerochen zu haben, nach Häuft. Man sprach damals von derDreck­kampagne". Als Frankreich und Oesterreich Frieden ge- schlossen, da betrachtete man die dem Friedensschluß von Preßburg folgenden Ereignisse mit starrem Erstaunen: Napoleons Verwandte traten in die Reihe der europäischen Souveräne ein und der Rheinbund von 16 deutschen Fürsten unter dem Protektorat Napoleons wurde geschlossen; von anderen politischen Geschehnissen, Gebietsaustauschungen usw. ganz zu schweigen. Man wußte in Cassel nicht, was man zu tun habe; man bekam Angst; man konnte auS Angst keinen festen klaren Entschluß fassen, und die mitunter er- griffen«» halben Maßregeln mußten verderblicher wirken al»