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Sermckoorü. Sèrdâ«; 6. «♦«•#*< A («m.
Nl^ 246 F-rnsprech<mschl«tz Nr. 605»
Samstag den 20. Oktober
Fernsprechanschlutz Nr. 605» 1906
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An»Mches.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende in der Zeit vom 13. bis 19. Oktober 1906:
1 Fahrbursche, 1 Hausbursche, 1 Silber- schleifer, 5 Tagelöhner.
Hanau den 20. Oktober 1906.
Städtische ArbeitsvermiLtelungsstelle. 22632
LmihwirWiiftlichtt KrMerck Kam.
Nächste Versammlung Samstag den 27. d. M., nachmittags 2^ Uhr, im Gasthaus ^um goldnen Löwen" hier.
Tagesordnung:
L Geschäftliche Mitteilungen.
2. Vortrag des Herrn Direktors Wagner aus Gelnhausen über: »Altes und Neues auf dem Gebiete der Düngerlehre.
3. Besprechung über die diesjährigen Ernteerträge.
4. Aufnahme neuer Mitglieder.
5. Sonstiges.
Gleichzeitig werden kleinere Mengen von Feldfrüchten der bitsjährigen Ernte im Vereinslokal ausgestellt.
Diejenigen Landwirte, welche zur Feldbestellung für 1906 Saatfrüchte aus dem hiesigen Kornhause bezogen haben, werden ersucht, Proben der geernteten Früchte, wie Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Kartoffeln, Erbsen und Wicken, bis zum Freitag den 26» d. Mts., abends, an die Korn- hausverwaltung hierselbst, welche die Ausstellung veranlassen wird, einzuschicken.
Die Proben müssen mit Sortenbezeichnung versehen sein.
Die Herren Bürgermeister wollen ^e vorstehende Bekanntmachung des landwirtschaftlichen Kreisvereins in den Gemeinden wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt machen.
Hanau, den 20. Oktober 1906.
Der Königliche Landrat.
v. Beckerath.
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 antiker goldner Ring mit rotem Stein.
Verloren: 1 schwarzes Portemonnaie mit 32,50 Mk. (bestehend aus einem 20 Markstück, einem 10 Markstück und 2 einzelnen Markstücken), 1 Pferdezügel, 1 Buch (betitelt Wilhelm Tell), 1 silberne Damenuhr mit Photographie im Deckel und auf innerem Gehäuse das Wort »Friede" eingraviert.
Zugelaufen: 1 schwarzer junger schottischer Schäferhund m. Geschl.
Hus Hanau Stadt und Eand»
Hanau, 20. Oktober.
* Mit der Vorbereitung für die Steuerver- aulaguug für 1907 wird, wie die gestrige Bekanntmachung erkennen ließ, etwas früher begonnen, als in den Vorjahren. Bei der Personenstaudsaufnahme liegt es im Interesse aller Pflichtigen, möglichst genaue Angaben in allen Punkten zu machen, zumal die Ermäßigung der Steuersätze in mehreren Fällen ausgedehnt worden ist. Nach den neuen Bestimmungen wird einem Steuerpflichtigen, dessen Einkommen den Betrag von 3000 Mark nicht übersteigt, wenn er Kindern oder anderen Familienangehörigen . Unterhalt gewährt, von dem steuerpflichtigen Einkommen für jedes derartige Familienmitglied der Betrag von 50 Mark in Abzug gebracht mit der Maßgabe, ‘ daß in jedem Falle eine Ermäßigung um eine Steuerklasse, bei dem Vorhandensein von 3 oder 4, um zwei Stufen, bei dem Vorhandensein von 5 oder mehr derartigen Familienmitgliedern stattfindet. Bei Einkommen von mehr als 3000 Mark, aber nickt mehr als 6500 Mark, wird der gewöhnliche Steuersatz ermäßigt um eine Sture, wenn der Steuerpflichtige 3 oder 4, um zwei Stufen, „wenn er 5 oder mehr Kindern oder anderen Familienangehörigen auf Grund gesetzlicher Verpflichtung Unterhalt gewährt. Bei der Feststellung der für die Ermäßigung maßgebenden Personenzahl werben nicht mitgerechnet die Eheleute und diejenigen
Kinder und Angehörigen, die das 14. Lebensjahr überschritten haben und entweder im landwirtschaftlichen oder gewerblichen Betriebe des Steuerpflichtigen dauernd tätig sind oder ein eigenes Einkommen von mehr als der Hälfte des ortsüblichen TagrlohneS nach ihrer Altersklasse und nach ihrem Geschlecht haben. Aus Vorstehendem geht hervor, daß die genaue und gewissenhafte Ausfüllung der Hauslisten nicht Nachteile, sondern gesetzliche Vorteile für den Steuerpflichtigen herbeiführen soll. ES ist also von größter Wichtigkeit, bei allen Personen über 14 Jahren, die letzten Spalten in den Hauslisten recht ausführlich auszufüllen. Wenn eigenes Einkommen nickt vorhanden ist, so wird die Spalte „Stand und Gewerbe" zweckmäßig doch auszufüllen sein, wie zum Beispiel: ohne Beruf, Schüler, Student, Invalide, Pflegling, Volontär, Einjährig- Freiwilliger u. s. w." Bei Personen, deren Familienzugehörigkeit nicht ohne weiteres zu erkennen ist, wird durch Angabe des Namens des Unterhaltungspflichtigen in der letzten Spalte der Hausliste die oben erwähnte Äbzugsfähig- keit begründet.
* Jahresfeft des Hanauer Diakoniffenheims. Dasselbe wird Mittwoch den 31. Oktober, nachmittags von S1^ Uhr ab, im Diakonissenheim in der herkömmlichen Weise gefeiert werden. Die Festpredigt hat der Hausgeistliche des Diakoniffenhauses zu Speyer Herr Professor Krieg übernommen.
* Wallonische Kirche. Morgen vormittag präzis 11 Uhr wird in der Kapelle ein Gottesdienst in französischer Sprache abgehalten werden.
* Parolemusik. Die Kapelle des Jnf.-Regts. Heffen- Homburg Nr. 166 spielt morgen mittag im Schloßgarten folgende Stücke ^1) „Königl. Preuß. Armee-Marsch Nr. 173" (Helenen) von Lübbert; 2) „Fest-Ouverture" von A. Leutner; 3) „Anona", Intermezzo von Vivian Grey ; 4) „Dankgebet" a. d. Altniederländischen Volksliedern von Kremser; 5) „Deutsche Fantasie" von D. Krug.
* Jubiläum. Dem Kirchendiener Herrn Heinrich Thyriot, der 40 Jahre lang sein Amt in der wallonischen Gemeinde bekleidet, wurde das „Allgemeine Ehrenzeichen" Allerhöchst verliehen. Herr Thyriot vollendet heute auch sein 70. Lebensjahr.
* Verliehen. Dem Bijoutier Herrn Friedrich Stein, der seit 50 Jahren in der Firma A. Grubener beschäftigt ist, wurde das „Allgemeine Ehrenzeichen" Allerhöchst verliehen.
* Vortrag. Am letzten Mittwoch den 17. Oktober hielt die Ortsgruppe Hanau im Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband, Hamburg, im „Elefantensaale" eine öffentliche Versammlung ab, in der Herr E. Richter aus Mannheim einen Vortrag über das Thema: „Wie steht es in unserem Stande aus" hielt. Mit Interesse folgte die gutbesuchte Versammlung den sachlichen und ausführlichen Darlegungen des Redners, der von den Uebeln bezw. Wünschen im Kaufmannsstande die Lehrlingszüchterei, die Frauenarbeit, die Regelung der Arbeitszeit in den Kontoren, den 8-Uhr- Ladenschluß, die völlige Sonntagsruhe und anderes mehr behandelte. Viel sei schon getan worden, noch vieles bleibe aber übrig. Der Deulschnalionale Handlungsgehilfenverband werde die Interessen der Handlungsgehilfen auch fernerhin zu fördern suchen. Und welches Vertrauen man ihm entgegenbringe, zeige die immer zunehmende Mitgliederzahl, die sich bereits auf ca. 90-000 belaufe. Anhaltender Beifall lohnte den Redner. Die in der freien Diskussion seitens einzelner Handlungsgehilfen geäußerten Bemängelungen wurden vom Referenten im Schlußworte sachgemäß und eingehend behandelt. Der allgemeine Eindruck war, daß der erwähnte Verband auf dem Gebiete der Sozialpolitik mit an der Spitze marschiert. Viele Beitrittserklärungen zeigten, daß der Vortrag fruchtbaren Boden fand. Nach erstattetem Dank an den Redner und die Anwesenden schloß der Vorsitzende, Herr R. Kroltzig, die Versammlung mit einem Hoch auf unseren Kaiser, das begeistert ausgenommen wurde.
* Stadttheater. Ein Meisterwerk der Bühnenliteratur, Shakespcarc's Trauerspiel „Othello" wird morgen in neuer Einstudierung wieder auf unserer Bühne erscheinen. Ueber die wundervollen Schöpfungen des genialen britischen Dichterheros ist so viel geschrieben worden, daß es sich erübrigt auf die dramatische Gewalt seiner Werke an dieser Stelle näher einzugehen. Bei der zu erwartenden vorzüglichen Inszenierung durch Herrn Oberregisseur Steger wird die Tragödie „Othello" auch morgen wieder bei ihren Hörern den tiefsten Eindruck hervorrufen, da auch die Besetzung eine ganz hervorragende ist. Als „Desdemoua" wird Frl. Sarno einen Beweis von der Vielseitigkeit ihrer glänzenden künstlerischen Begabung erbringen, indem ihr, wie auch Herrn Pu st ar iw der Titelrolle, zum ersten Male Gelegenheit ge
geben ist, sich in einer größeren klassischen Rolle zu zeigen. Herr Pustar bringt für den „Othello" die besten Mittel mit und dürfte eine vortreffliche Leistung bieten. Der „Jago" wird durch Herrn Steger eine hervorragende Verkörperung finden, zumal biete Rolle eine der besten Leistungen dieses Künstlers sein soll. Den „Cassto" gibt Herr Hauser, den „Rodrigo" Herr Heidemann, den „Lodovico" Herr O. H. Müller, den „Brabantio" Herr Kempf, „Montano" Herr Krug; die „Emilia" spielt Frl. Marner, während in kleineren Rollen das ganze Personal beschäftigt ist. — Zwischen dem I. und II. Akte wirb die Ouvertüre zu der Oper „Othello" von Verdi mit verstärktem Orchester, unter Leitung des Kgl. Mustkdir. Herrn Carl Schmidt, zu Gehör gebracht werden.
* Marienkirchenchor. Infolge des unregelmäßigen Besuchs der Uebungsstunden werden die Mitglieder freund- lichst ersucht, sich zu einer regeren Teilnahme an den Proben entschließen zu wollen. (Siehe Inserat).
* Von den Apotheken ist morgen nachmittag von 3—9 Uhr die Engel - Apotheke geöffnet.
* Kirchweihfest findet morgen (Sonntag) und Dienstag in Langendiebach, Rückingen, Ravolzhausen und Oberissigheim statt.
* Vortrag über Süvwestafrika. In einem fast 2V»ftünbigen Vortrag gewährte uns gestern abend Herr Oberleutnant Kuhn von der Schutztruppe in Südwestafrika einen interessanten Einblick in die Verhältnisse unserer Kolonie Südwestafrika, die in den letzten Jahren so Schweres hat durchmachen müssen und so ost als Schmerzenskind unseres Vaterlandes empfunden und geschildert wurde. Der Vortragende trat den über diese Kolonie verbreiteten pessimistischen Ansichten energisch entgegen und gab an der Hand zahlreicher Lichtbilder eine Schilderung der Verhältnisse des Landes, die dessen Zukunst und Entwicklungsfähigkeit als durchaus hoffnungsvoll erkennen ließ, wenn der richtige Weg eingeschlagen wird und vor allem die nötigen Mittel zur Verfügung stehen. Seiner Ueberzeugung nach würde das dort investierte Kapital gut rentieren und den Unternehmern sicherlich Freude machen. Ein reiches Wirkungsfeld sei besonders den Bergwerksunternehmungen geboten, habe man doch neben überaus hochgradigem Kupfer auch Silber uud Gold bereits gefunden und es bestehe kein Zweifel, daß auch die am allernötigsten gebrauchte Kohle bei entsprechenden Mutungen aufgefunden werde. Einen wichtigen Ausfuhrartikel würden auch die vorhandenen Marmorberge liefern, die nach Untersuchungen einen hochfeinen Marmor enthalten. Auch für Diamantenfunde sei begründete Hopnung vorhanden. Was die landwirtschaftlichen Bodenerzeugnisse anbelangt, so lägen die klimatischen und sonstigen Verhältnisse überaus günstig und es sei nur erforderlich, daß eine K mmission eingesetzt würde, die durch sachverständige und praktische Versuche die für die einzelnen Landesteile am besten geeigneten Produkte festzustellen habe, sodaß das Land dann nach seinen speziellen Eigenschaften und Er- zeugungsmöglichkeiten vergeben werden könne. So z. B. der eine Landesteil als Weinland, der andere als Baumwollland, wieder andere Gegenden zum Anbau von Dattelpalmen, Zitronen-, Apfelsinenbäumen u. dergl. mehr. Seiner Ansicht nach sei Südwestafrika zur Hervorbttngung fast aller subtropischer Landesprodukte geeignet, wenn erst die bis jetzt noch wasserarmen Gegenden durch Brunnenbohrungen mit solchem genügend versehen sind. Und mit welchem Erfolge solche Bohrungen auch da vorgenommen wurden, wo man an das Vorhandensein von Wasser nicht glaubte, hätte die letzte Zeit gezeigt. Die vom Vortragenden gezeigten Lichtbilder waren allerdings geeignet, die allgemeine Vorstellung über Südwestafttka als einer öden Wüstenei zu zerstören, wurden uns doch eine lange Reihe Landschaftsbilder vor Augen geführt, die an prächtigster Vegetation, an herrlichem Baum- und Pflanzenwuchs den schönsten Tropenszenerien nichts nachgeben. Zum Schlüsse kam Redner auf die ja allgemein bekannten Aufstandsbewegungen zu sprechen, wodurch leider ein großer Teil der mühsam entstandenen Kultur wieder vernichtet wurde. Doch Dank dem unvergleichlichen Heldenmut, der einzig dastehenden Opferfreudig- keit unserer deutschen Soldaten seien die aufrührerischen Bewegungen zum allergrößten Teil unterdrückt und die Hoffnung auf baldige geordnete Zustände berechttgt. Dann werde der Zeitpunkt gekommen sein, wo man mit einer großziigigeren Politik, mit reicheren Mitteln und größerem Unternehmungsgeist die riesigen Gebiete Deutsch-Südwestafrikas zu dem gestalten könne und müsse, was sie in Wirklichkeit sein sollen, Absatzgebiete für unseren Handel, Ansiedelungsländer für unsere überschüssige Bevölkerung und Mittel zur Hebung unseres Volkswohlstands und unserer Macht. In einem kurzen Schlußwort beschäftigte sich der Vortragende noch mit den Zielen und Zwecken der deutschen Kolonialgesellschaft, zu deren Beittitt er die Anwesenden aufforderte. Durch reichsten Beifall dokumentierten die sehr zahlreichen Anwesendeil (Haupt- und Nebensaal waren trotz Entfernung aller Tische voll besetzt) ihre hohe Befriedigung über das Gehörte.