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den Mitgliedern der Deutschen Kolonialgesellickafi ist ihre Zahl nicht gering. Gar mancher hat in diesem Kreise pa­triotischer Manner aus allen Ständen und Berufsklassen, in geistigem Austausch und persönlichem Verkehr mit den Pio- nieten deutscher Gesittung auf fremdem Boden, die Anregung, Belehrung und Unterstützung gefunden, die ihn danach be­fähigte, dort draußen, wo die un§ gestellten Aufgaben die ganze Manneskrast fordern, herrliche Dienste zu leisten. DieKvlo- nialgesettfchaft ihrerseits hat von dem Anschluß aktiver und inaktiver Offiziere, von ihren kolonialen und militärischen Erfahrungen reichen Gewinn gehabt. Durch die Mitarbeit der Offiziere an ihrem Werk find ihre Erfolge und ihr Ein­fluß sehr wesentlich gefördert worden.

Aber es ist vieles nachzuholen. WaS die frühere Ohn­macht unseres Vaterlandes versäumen ließ, muß wett ge­macht werden. Der Staat allein kann die Arbeit nicht leisten, kann die Verbreitung des kolonialen Gedankens nicht so beschleunigen, wie es diè Wichtigkeit der Cache gebietet. Der Einzelne muß mittun. Und das geschieht am wirk­samsten, wenn er in Reih und Glied zu denen tritt, die sich zu dein patriotischen Werke bereits aneinander geschloffen haben.

Immer breiter wird die Erkenntnis, daß unsere Volkskrast zu teuer und zu kostbar ist, um den Fremden zugute zu kommen: immer klarer wird, daß wir nur durch eigene Kolonien die hemmenden Schranken überwinden können, die andere Völker um ihre Gebiete auffichten. In dem gesunden Streben nach Entwicklung und Stählung der in unserem Volk zum Teil noch schlummernden Macht steht das deutsche Heer an hervorragender Stelle. Das Bewußtsein seiner Ver­gangenheit und seines historischen Beruses, der jugendffische Geist und der Tatendrang, die es beseelen, bieten die Gewähr, daß seine Glieder und seine Führer auch fernerhin mit sorgen­dem Sinne helfen werden, die unter blutigen Opfern er­worbenen Gebiete festzuhskten und in blühende Kulturländer zu verwandeln.

D. Alten Generalleutnant z. D.

Hus l>anau Stadt und Eand.

Hanan, 16. Oktober.

* Der Kaiser besuch in Gelnhausen. Ueber den Besuch des Kaisers in unserer Nachbarsiadt Gelnhausen sind noch einige allgemein interessierende Einzelheiten nachzutragen. Sichtlich erfreut war Le. Majestät bei der Fahrr vom Bahn­höfe nach der Kirche, als er auf dem Obermarkte die Auf- HeHuiig der Kinder erblickte. Den Kindern hat der Kaiser eure besondere Huld erwiesen, indem er ihnen den gestrigen ersten Schultag nach den Ferien noch freigab. Am Eingänge vor dem Brautportale der Kirche wurde der Kaiser von der evangelischen imb katholischen Geistlichkeit empfangen und von Herrn Metropolit» Schäfer im Namen der beiden Religionägenrcinden begrüßt. Darauf reichte der Kaiser den Geistlichen (Metropolitan Sch âfer, Pfarrer Schilling nah Pfarrer Ernst) die Hand. Nach dem allgemeinen Kwchengebc» verkündete Herr Metropolitan Schäfer vom Altar, daß am heutigen Tage (Sonntag) ein alles wertvolles Schmuckstück der Marienkirche wieder in Gebrauch genommen ei, eine Altardecke von seinem Linnen mit breiter Gpihen- verzienmg. Diele sei ein Geschenk der verwitweten Pfalz­gräfin bei Rhein, geborenen Fürstin Waldeck, welche das Altartuch 1741 der Kirche stiftete. Das Tuck wurde lange Zeit bei den Abendmahlsfeiern benutzt, später, da es un­scheinbar wurde, außer Gebrauch gesetzt. Neuerdings hat man seinen ^Wert durch eine fackkundige Stelle in Berlin TePfteüen lassen, welche es als sehr wertvoll bezeichnete und daraufhin hat Fräulein Susanne Manns, eine Enkelin

Herrn Metropolitans Manns, die Decke mit großer Kunstfertigkeit wieder hergestellt, sodaß sie nun nun neuem in Gebrauch genommen werden kann. Bei dem iRunbgaitge im Innern der Kirche erklärte Herr Metropolitan Schäfer Sr. Majcstär die verschiedenen Denk­mäler, welche dort Aufstellung gefunden haben. Se. Majestät ber Kaiser zeigte das grösste Interesse für die architektonischen Kun'lwerke, deren das Innere der Kirche so viele birgt, so âußerie der Kaiser sich bewundernd über den Einbau des Lettners, die an demselben besiudlichen Bildhauerwerke, von denm besonders der Weintrauben bepickende Vogel das Jn- lereffe erregte, ferner gaben die Grabdenkmäler Anlaß zu Fragen und Erläuterungen. Der Hochaltar mit seinen Kunst­werken der Holzbiidhauerci fand besondere Beachtung und Wertschätzung. Wiederholt nahm der Kaiser Veranlassung, über den trefflich geichult-n Kirchenchor seine Anerkennung auszusprechen, über die schöne Klangwirkung der Orgel, be­kanntlich ein Werk der Orgelbauanstalt Ratzmann, und über die Akustik - der .Kirche. Als hieraus Herr Meffopolitan Lchärer einflocht:wenn sie besetzt ist, äußerte sich Se. Majestät dahin, daß die Gelnhäuser doch hoffentlich auch in ^ Kirche gingen, wenn er nicht da sei. Herr Metropolitan Schäfer sprach noch den Wunsch aus, daß Se. Majestät die Huld, welche heute (Sonntag) so erhebend zum Ausdrucke gekommen sei, dem Gotteshause bewahren möge, was der Kaiser versprach und hinzufügte, daß er beschlossen habe, das Geläute der Kirche durch eine weitere Glocke zu vervoll­ständigen. In der Barbarossaburg batte Herr Kreisbau- inspektor Michael die Führung des Kaisers übernommen. Hier zeigte Le. Majestät das größte Interesse für den Bau sowohl im Ganzen, wie für jedes Detail desselben. Es lagen die Werke von Hundeshagen und Ruhl auf, an Händen berer die Besichtigung und Grflärung erfolgte. Sr. Majestät bestieg den Burgfrit bis zum Söller, und genoß von dort die Aussicht in das Kinzigtal. Der Kaiser äußerte sich über die fernere Erhaltung der Burg in folgendem Sinne: es möge kein Gelb für diesen Zweck gespart werden und ge» gebenenialles direkt an ihn eine Eingabe gerichtet werden.

Anläßlich ber Anwesenheit Sr. Maj. des Kaisers im Greife Gelnhausen sind folgende Auszeichnungen verliehen worben. Es haben erhalten I. in Gelnhausen: Den Olsten Adler-Orden IV. Klasse: Herr Landrat v. Gröning, Herr Metropolitan Schäfer. Den Kronenorden IV. Klasse: Herr Pfarrer Heinrich Schilling, Herr Stadlrat und Spar-

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I kaffenkassierer Ruppel, Herr Stadtverordneteuvorsteher und Holzhändler Georg Meleö. Das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens: Herr Geudarmerieoberwachtmeister Wolf. Das Allgemeine Ehrenzeichen: Herr Oberbrandmei er Wolf, Herr Polizeisergeant Caroli. II. In Hailer: Das Allgemeine Ehrenzeichen: Herr Bürgermeister Spieker. Hl. In Meer- Holz: Den Kronenorden 1. Klasse: Graf Gustav zu Isen­burg und Büdingen in Mcerholz. Den Roten Adler-Orden IV. Klaffe: Herr Pfarrer Kohlenbusch, Herr Kammerdirektor Heuser, Herr Gräfl. Forstmeister Nemnich. DaS Allgemeine Ehrenzeichen: Herr Bürgermeister Paul jr., Herr Gräfl. Registrator Nullmeyer, Herr Gräfl. Waldschütz Karrach, Herr Portier Loos. Die Kroneuordm-Medaille: Herr Gräfl. Leibkutscker Hartwig. IV. In Neuenhaßla u : Das Allgemeine Ehrenzeichen: Herr Gräfl. Waldschütz Semmel. V. Ju Gettenbach: Den Kronenorden 1\. Klasse: Herr Gräfl. Oberförster Nies. Die Krouenordeu-Medaille: Herr Gräfl. Waldschütz Lehr.

Aus Anlaß ber Hochzeitsfeierlichkeiten in Mcerholz er­hielten von Sr. Kgl. Hoheit dem Herzog von Oldenburg Herr Kammerdirektor Heuser das Ritterkreuz I. Klaffe, Herr Pfarrer Kohlenbusch daS Ritterkreuz II. Klaffe. Ferner er­hielten noch mehrere Beamte und Wiener des gräflichen Hauses Auszeichnungen.

* Gedenktag. Das Infanterie-Regi ment Hessen-Hom­burg Nr. 166 mußte gestern mittag auf dem Paradeplatz antreten. Der Regimentskommandeur Herr Oberst Tülff hielt hierbei eine Ansprache unter Bezugnahme auf den Ge­denktag von Jena und Auerstädt. An die neueingetretenen Rckrutenmannschasten richtete Herr Oberst Tülff noch eine besondere Ansprache.

* Scklutzseier des Jubelfestes des Allgemeinen deutschen Zchulvereins. Zum Abschlusse der Jubel- festlichkeiten wird am Samstag den 20. Ok 1 ober in den Sälen d erC e n tr a l h a ll e" ein geselliges Zusammensein veranstaltet, bestehend in Tombola (Ver­losung) und Tanz. Das Nähere ergibt sich aus der Anzeige in der heutigen Nummer, und wünschen wir, daß auch dieser abend sich eines ebenso regen Besuches zu erfreuen haben möchte, wie die Hauptfesttage am 6. unb 7. Oktober, die uns Allen noch in so angenehmer Erinnerung sind und noch lange bleiben werben.

* Stadttkeaier.Der Helfer", die morgen zur Wiederholung kommende Schauspiel-Novität Felix Philippi's hat bei der ersten Aufführung so starken Beifall gefunden, daß das vortreffliche Stück auch morgen wieder eine außer­gewöhnliche Zugkraft auSüben dürfte, umsomehr, als die Be­setzung der Hauptrollen die denkbar günstigste ist. Frânl. Sarno bot alsBeate" eine glänzende Leistung, der sick Herr P ust ar durch treffliche Verkörperung desSteinharter" aufs beste anschloß. Herr Kempf, Frl. Jai da und Herr Hauser, schufen gleichfalls in hervorragender Weise präch­tige Figuren, sodaß bei ber vorzüglichen Inszenierung des Glückes durch Herrn Oberregisseur Steger die morgige Wiederholung desselben das größte Interesse erwecken dürfte.

* Von den rumänischem Torpedos, die von London ans den Rhein 'und Main hinaus durch dcil' Lud- wigskanal und die Donau nach Rumänien gebracht werben sollen, sind gestern vormittag 11 Uhr zwei in Dingen int Anhang des SchleppersMoguntia" angekommen, sic werben nachmittags in Mainz eintreffen und heute wahrscheinlich Hanau passieren. Es handelt sich natürlich nicht um Hochseetorpedoboote, wie sie die deutsche Marine hat, sondern cs sind fiachgehende kleine Vorpostensckiffe. die für die Be­wachung der Donaumündung bestimmt sind. Die Boote sind desarmiert.

* Erschossen. In ber verflossenen Nacht erschoß sich auf dem Bulaustege der in der Lamboystraße wohnende un­verheiratete 28 Jahre alte Diamantschleifer Wilhelm Sckm.

* Schwurgericht. Die Sitzungen der letzten Schivur- gerichlsperiode 1906 beginnen Montag den 5. November unter dem Vorsitz des Herrn Laudgerichtsrat Stoll.

*Erdbeben in San Kranzisko und Val­paraiso", so lautet das Thema des Vortrags, den Herr Prof. Dr. Deckert im hiesigen Technikerverein am Dienstag den 23. Oktober b. Js., abends 81/» Uhr, im Saale der Centralhalle" hält. Durch zahlreiche Lichtbilder erläuternd, wird uns Herr Prof. Dr. Deckert die Schrcckensiage der beiden Städte und die Ursachen der Katastrophen schildern. EL ist zu erwarten, daß dieser populär­wissenschaftliche Vortrag mit feinem hochaktuellen Thema gewiß in allen Kreisen unserer Bevölkerung größte Beachtung finden wird, umsomehr, da fast jeden Tag neue Hiobsposten über ähnliche Kathastrophen, glücklicherweise geringeren Umganges, in den Tagesblättern gemeldet werben. Im übrigen verweisen wir auf das heutige Inserat des hiesigen Technikervereins und bemerken, daß den Vorverkauf der Eintrittskarten die beiden hiesigen Hofbuchhandlungen über­nommen haben.

* Biehmartl. Morgen früh findet dahier Zucht- und Fettvieh-Markt statt.

* Detaillistenverei«. In einer gestern abend abge­haltenen Versammlung von Hanauer Detaillisten wurde über die Frage beratenWelche Mittel und Wege sind erforder­lich, um die Hanauer Detailgeschäste zu heben". Nach ein­gehender Debatte wurde beschlossen, einen DetaiUistenverein zu gründen. Eine Kommission soll sich mit den erforder­lichen Vorarbeiten befassen.

* Ohne Führer. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag machten drei junge Leute aus Fechenheim einen guten Fang, nämlich eine ganze Schafherde von etwa 330 Stück, welche ohne Schäfer der Mainkur zu marschierten. Die Leute trieben die Herde nach Fechenheim vor das Polizei­gebäude. Ein Polizeisergeant veranlaßte den Besitzer des GasthausesZum Anker", Herrn Schmidt, zur Aufnahme in seine Scheune und Hof über die Nacht. Am Sonntag mor­gen wurde der Fund durch den Fernsprecher überall hinge­meldet und stellte sich denn auch bald der die Herde führende Schäfer ein. Er gab an, die Führung der Herde von Würz­burg nach Frankfurt übernommen zu haben. Kurz vor Frankfurt sei ihm ein Radfahrer mit grellem Licht entgegen-

_______________________ _______ 16. Oktober gekommen. An dem Lichte hatten die Tiere gescheut, kehrt gemacht und seien nuanfhaltfmu dapvugelnu'en. Er habe einen vor Frankfurt hütenden Schäfer geweckt, konnte aber auch mit dessen Hilfe die Herde nicht mehr finden. Kurz vor 11 Uhr vormittags trieb der Schäfer nun die Herde nach Frankfurt, gefolgt von einer großen Menge Schulkinder, die eben ans der Kirche kamen.

* Esperanto. Der schon an dieser Stelle erwähnte Vortrag des Herrn Dr. Fulda aus Frankfurt a. M. am Mittwoch den 10. Okt. er. hatte für die hiesige Esperantisten­gruppe einen unerwartet schönen Erfolg. 30 Anwesende er­klärten sofort durch Unterschrift -ihren Beitritt zur Gruppe und es steht mit Bestimmtheit zu erwarten, daß beim ersten Unterrichtsabend, der am Mittwoch den 24. Oktober im Kollegzimmer der Centralhalle stattfindet, sich noch weitere Interessenten einfinden werben. Um näher auf den Vortrag des Herrn Dr. Fulda einzugehen, so führte ber Redner mit Recht ans, wie ungeheuer schwer es für den Uneingeweihten ist, über eine Sache zu urteilen, mit der er sich noch nicht beschäftigt hat. So ist es auch mit Esperanto. Das Esperanto will die Nationalsprachen nicht verdrängen. Es will nichts weiter fein, als eine internationale Hilfssprache, die neben den Nationalsprachen verwendet werden soll, wie etwa die Stenographie neben der gewöhnlichen Schrift. Es will nichts weiter sein, als ein Aushilfsmittel in jenen Fällen, wo eine Verständigung auf andere Weise nicht mög­lich ist. Das Altertum, das Mittelalter und die frühere Neu­zeit benützten als internationale Verkehrssprache die griechische und lateinische Sprache. Ende vorigen Jahrhunderts war, wie Redner aus eigener Erfahrung bemerkte, das Französische die Weltsprache und unsere heutige Jugend wird, wie sich jeder überzeugen kann, behaupten, daß'das Englische die fetzige Weltsprache sei. Der große Wert, der in der Er­lernung der verbreiteten lebenden Sprachen liegt, soll na­türlich in keiner Weise bestritten werden, und es erübrigt sich wohl zu sagen, daß das Esperanto das Stndirnn dieser Sprachen durchaus nicht beseitigen soll. Das Studium einer lebenden Sprache ist jedoch nicht leicht. Um eine solche wirk­lich zu erlernen, dazu gehört ein längerer Aufenthalte in bem Lande wo sie gesprochen wird, aber ein mehrjähriges theoretisches Studium dieser Sprache. Es dürfte sehr wenig Leute geben, die infolge eines theoretischen Studiums eine Sprache wirklich beherrschen, das heißt, die sie so erlernt haben, daß sie sie im mündlichen oder schriftlichen Verkehr an­nähernd so gut wie ihre Muttersprache zu gebrauchen ver­stehen. Allerdings genügt ja auch vielfach dieses Stiickwerk. Zu jahrelangem Sludirim einer solchen Sprache gehört aber Zeit und Geld, über die nicht jeder Mensch verfügt. Es ist eine unbestrittene Tatsache, daß sich unsere technischen Ver­kehrsmittel in einer ungeahnten Weise entwickelt haben, während unser geistiges Verkehrsmittel, die Sprache, das Mittel zum Austausch unserer Gedanken, auf bem alten Stand­punkte stehen blieb. Die Zeit ist anders geworden. Wir gebrauchen ein Hilfsmittel, wir gebrauchen eine Sprache, die uns nach kurzem Studium in die Lage setzt, uns mit Menschen fremder Zungen leicht und ailsreichend zu verständigen. Wir haben das Volapük gehabt; das große Aufsehen daS dieses System brachte, bezeugt uns, wie sehr das Bedürfnis nach einer internationalen Sprache empfunden wird. Die Unbrauchbarkeit dieses Systems brachte allerdings in die Ge­sellschaft die Meinung, daß jedes System einer internationalen Sprache untauglich und unverwendbar fein müsse. DaS ist aber ein Irrtüm, nicht das Prinzip ist ifnpraft ifrfiTnuroa? Volapük war es. Nun scheint die Zeit gekommen zu fein, in der in Esperanto das System gefunden ist, das allen Anforderungen entspricht. Zum Schluffe brachte der Redner noch ein Originalgedicht des Erfinders der Sprache zu Ge­hör. um den Wohllaut und die Schmiegsamkeit der Sprache praktisch darzulegen. Auch sei nicht unerwähnt gelassen, daß die beiden Hofbuchhandlungen, durch Ausstellung von Esperanto-Literatur- und Zeitschriften das Interesse an der Esperanto-Bewegung in der tatkräftigsten Weise wachzurufen und zu unterhalten verstanden.

Gerichtssaal.

Sitzung der Straskammer vom 15. Oktober.

Der Milchhändler K. von Niederdorfelden hat fahrlässiger* weise kranke Schweine verkauft unb sich dadurch gegen daS Seuchengesetz vergangen. Urteil: 20 Mk. Geldstrafe. -- Zwei junge Burschen von Oberrodenbach, der Maurerlehrlina August U. und der Fabrikarbeiter Otto M., vergingen sich an einer geistesschwachen Frauensperson; jedoch nicht gegen deren Willen. Die öffentlich geführte Verhandlung wird schließlich auf den 12. November vertagt, um weitere Zeugen zu vernehmen darüber, ob die Burschen sich der Geistes­schwachheit des Mädchens bewußt waren. Der Taglöhner Philipp Sch. II. von Niederissigheim kam am 4. April in bie Wohnung des Landwirts N. dortselbst, um diesen bezw. dessen ^Frau zur Rede zu stellen über eine üble Nachrede, die durch Frau N. gegen Frau Sch. verbreitet wurde. In der Hitz« des Wortgefechts beachtete Sch. die Aufforderung des N., die Wohnung zu verlassen, nicht sofort und zog sich dadurch eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs zu. Das Schöffen­gericht erkannte auf Freisprechung, die Berufung des Amts- anwalts gegen dieses Urteil wird verworfen Der Hüttner Bruno H. von Uttrichshausen wurde von einem Förster mit einem schußbereiten Gewehr im Walde betroffen. Der Förster verhaftete ihn und forderte ihm daS Gewehr ab. Er setzte seiner Festnahme Widerstand entgegen und weigerte sich vor allem, das Gewehr abzugeben, so sehr der Förster sich auch be­mühte, dieses in seine Gewalt zu bekommen. Schließlich hob der Inhaftierte dieses wie zum Schusse, doch kam der Be­amte ihni zuvor und legte seine eigene Waffe auf den Wider­spenstigen an, was diesen bewog, den Gewehrlauf wieder zu senken. Nach einer Weile gelang es ihm dann doch, in einem nahen Kornfelde zu verschwinden. Für das Jagdver­gehen erhält H. 2 Monate, für den Widerstand 7 Monate Gefängnis, was in eine Gesamtstrafe von 8 Monaten zu» sammengczvgen wird. Der Taglöhner Peter N. von Kessel- stadt trug für feinen Bruder Milch zu den Kunden, die sich als entrahmt erwies. Der Bruder wurde freigesprochen, da nicht nachzuweisen war, ob er ober der Austräger die Fäl­schung vorgenommen hatte, der Austräger resp. Verkäufer später deshalb, weil nicht erwiesen war, ob er auch unbe­stellte Milch abgegeben, d. h. solche tatsächlich verkauft hatte, unb nur den Verkäufer bedroht das Gesetz mit Strafe. Gegen letzteres Urteil hat die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt, die jedoch von der Strafkammer verworfen wird.