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«*6«ttnt<t und Berlag der Buchdrucker« der verein, a, Waisenhauses in Hanau.

Gkitcral-Aizcigtr

Amtliches Organ für Äadt- m) Fandüreir Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Di« stnfgespalteu« Petitzerie »der betet »wm V Uk - - im SMUm^u di, 36 ^

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Nr. 242 Ferrtsprechanschluß Nr. 605»

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Dienstag den 16. Oktober

Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1906

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

BekanNtmachrMg.

Der in der Vorstadt gelegene städtische Garten D 117/14 = 15 ar 79 qm groß, sowie die GrastttttzttNg deS daselbst am Hochwasserdamm gelegenen Grundstücks D 115/14 = 84 ar 88 qm groß, soll am Freitag de« 19. Ä. Mts., vormittags um 10 Uhr, in der Stadthauptkasse (Neustädter Rathaus, 1. Obergeschoß, Zimmer Nr. 4) meistbietend verpachtet werden.

Pachtliebhaber werden zu diesem Termin eingeladen.

Hanau den 15. Oktober 1906.

Stadthauptkasse. 22301

Das deutsche Heer und die Kolonien.

Vor einem Jahrhundert begann mit den Unglückstagen von Ulm und Austerlitz, die dem französischen Eroberer den Weg über Jena nach Tilsit bahnten, für unser Vaterland eine schwere Zeit des Leidens und der Prüfungen. Es be­durfte der hochherzigen Opferwilligkeit der Nation im Auf­raffen ihrer Kräfte, der todesmutigen Tapferkeit des Heeres, der hervorragenden Tüchtigkeit seiner Führer, um das fremde Joch abzuschütteln. Weiter aber reichte die Volkskraft da­mals nicht. Mehr als ein halbes Jahrhundert sollte vergehen, bis in erneutem, blutigen Ringen das Deutsche Reich erstand. Das Jahr 1805 setzte zugleich einen anderen Markstein für die Entwicklung der politischen Gestalt des Erdballs. Jahr und Tag hatte Napoleons große Armee am Strande des Aermelmeeres bei Boulogne gestanden, auf den günstigen Augenblick lauernd, der dem Imperator gestatten würde, seine wohlvorbereiteten 170 000 Krieger nach England hinüberzu- führen, bis er sich von der Aussichtslosigkeit des Unternehmens überzeugte und seine EroberungSpläne auf den Kontinent richtete. Fast an demselben Tage wo der unselige Mack in Ulm zur Kapitulation gezwungen wurde, schlug Nelson bei Trafalgar die französische Flotte und vernichtete den letzten Gegner der britischen Seeherrschaft.

Fast unumschränkt gebietet seit dem 22. Oktober 1805 Großbritannien über das Weltmeer. Das deutsche. Volk hatte den Schlag zu erdulden, der ursprünglich dem Insel- reiche zugedacht war. In jahrelangen Kriegen verbrauchten wir unsere Kraft zur Abwehr des Feindes, dem wir erst in unseren Tagen die altdeutschen Gebiete des Wasgaues und Lothringens entreißen konnten. Seit hundert Jahren ward uns die Aufgabe, Frankreichs kriegerische Macht zu fesseln. England dagegen hatte freie Bahn auf dem Erdenrund und es hat den Vorteil mit bewundernswerter Tatkraft wahrge­nommen. Vordem bestand sein Kolonialreich nur aus dem unsicheren Besitz der ostindischen Kompanie, d. h. der Ganges- Mündungen, Bengalens und schmaler Küstenstriche in Vorder­

Feuilleton.

schliche MstmWrmg in Ser WMislirche.

Hanau, 15. Oktober.

Am Sonntag abend verschafften uns Frl. Amalie Zehner von hier und Herr Otto Drumm-Mannheim einen herr­lichen Genuß in dem veranstalteten Kirchenkonzert. Bei all den vielen Festlichkeiten am vorigen Sonntag innerhalb und außerhalb Hanaus lauschte doch eine ziemlich große Zuhörer­schaft mit aufmerksamem Ohr den Darbietungen des Abends.

Den vokalen Teil bestritten Fräul. A. Zehner und Herr Ernst Kunzenbach. Beide leiteten durch ein Duett auS der Schöpfung" von Haydn den Abend würdevoll ein. Der Vor­trag war stimmlich sicher und ausdrucksvoll. Fräul. Zehner sang außerdem Rezitativ und Arie ausXerxes" (mitViolin- begleitung) von Händel und die Arie ans dem Oratorium Der Fall Jerusalems" von Blumnes und erzielte dadurch nnm schönen Erfolg kraft des Klangreizes ihrer technisch gut geschulten, ausgiebigen und kräftigen Sopranstimme. Auch der Vortrag war warm und innig und erschöpfte den Stlmmungsgehalt der gewählten Lieder.

Mit gutem Erfolge beteiligte sich auch Herr Kanzenbach an der Veranstaltung. Durch die Arie für Baß ausElias" von Mendelssohn und durch zwei weitere Lieder:Selig find die Verfolgung leiden" aus dem Evangelimann von Kienzl undAn Wassern zu Babylon" von Dvorak bekun­dete er reiches Stimmenmatcrial, das sich durch Wohlklang und gute Schulung auszeichnet.

Neu war uns das Auftreten des noch jugendlichen Violin­virtuosen Herrn Otto Drumm. Er führte sich durch seine ausgezeichneten Violinvorträge aufs vorteilhafteste ein. Vor allem interessiert Herr Drumm durch ein warmes, seelen- volle» Spiel, durch eine gediegene Technik, edle Auffassungs­

indien, im ganzen kaum so ausgedehnt wie daS heutige Deutsch-Ostafrika, ferner auS Jamaika und den kleinen An­tillen, aus einem Küstenstreifen in Mittelamerika, den beiden Ufern des LorenzstromeS in Kanada, aus Neufundland, einigen Faktoreien an der westafrikanischen Küste und einer Verbrecherkolonie in Neusüdwales. Ter vornehmlich durch deutsche Waffen erstrittene Sieg über Napoleon brachte nur England Kolonialgewinn. Britisch-Guyana, Ceylon, Malakka, Cochinchina, Mauritius, die Kapkolonie, Helgoland, Malta und die jonischen Inseln fielen ihm als Beute zu, und der nun unbestrittenen Seegewalt gelang im weiteren Verlaufe des Jahrhunderts, ohne Störung durch europäische Mächte, die Ausdehnung der britischen Kolonien zu einem Reiche, daS die Ländergebiete Alexanders des Großen und der römischen Cäsaren an Größe und Bevölkerungszahl weit übertrifft. Die Macht der alten seefahrenden Nationen, Spanien und Portugal, der Entdecker und Eroberer des Neulandes im Westen wie im Osten, war schon früher ge­brochen worden, und auch die Kriegskunst und Tapferkeit der holländischen Admiräle und Seeleute hatte der zähen, überlegenen Ausdauer der britischen Flotte weichen müssen. Aus dem spanisch-portugiesischen Besitz, auS den franzö- sischen Kolonien in Indien schnitt sich nun England die besten Stücke heraus, den Holländern nahm es das aus­blühende, reich besiedelte Kapland und überallhin streckte es seine Hand aus, wo die Schätze unkultivierter Länder sein Begehren reizten. Deü früheren Rivalen ließ es nur, was eS für wertlos oder zu gefährlich hielt. Bald war der durch engherzige Politik verschuldete Abfall der nordamerikanischen Kolonie ersetzt, und heute ist der britische Kolonialbesitz zehnmal so groß als vor hundert Jahren. Die englische Flagge herrscht über ein Gebiet von 3032 Mill. Quadratkilometern, über 420430 Millionen Menschen, ein Viertel der Bevölkerung unserer Erde.

Die einzige Nation, die im vergangenen Jahrhundert mit England einigermaßen in Wettbewerb treten konnte, war daS nach der napoleonischen Epoche schnell wieder aufblühende Frankreich. Bald nachdem die Wunden vernarbt waren, die unser Arm ihnen schlug, betätigte sich der kraftvolle Ehrgeiz der Franzosen aufs neue in großartigen kolonialen Unter­nehmungen. Während der Wirren der Juli-Revolution deS Jahres 1830 ward Algier erobert, die schönste und reichste unter den fränkischen Pflanzstätten. Der dritte Napoleon stellte sich in kluger politischer Berechnung im Krimkriege an Englands Seite und folgte in Aegypten den Spuren seines großen Oheims. Er nahm dessen Plan der Durchstechung der Landenge von Suez wieder auf, und der Bau des Ka­nals erweiterte den französischen Einfluß am Nil in so hohem Maße, daß das Land heute vermutlich unter französischer Herrschaft stehen würde, wenn England nicht dazwischen ge­treten wäre. Auch nach Mexiko streckte sich Frankreich» Arm, wo am Isthmus von Panama eine zweite Kulturtat hohen Gewinn versprach. Abermals aber wurde Groß­britannien der Mühe überhoben, die Konkurrenz Frankreichs auf dem Weltmeere und in entlegenen Erdteilen zu be-

gabe und einen geläuterten Geschmack. Alle die Eigenschaften eines tüchtigen Könnens trafest in den vorgetragenen Stücken: Andante religioso von Guillmand,Âir von Bach und Ave verum corpus von Mozart wundervoll in die Er­scheinung. Hoffentlich haben wir Herrn Drumm nicht zum letztcnmale in Hanau gehört. Sämtliche Borträge wurden noch gehoben durch die fein abgetönte und den Stücken an­gepaßte Orgelbegleitung des Herrn Organisten C. A l t. Solistisch trug letzterer nochArioso von Kirchner und eine Orgel-Fantaste von Merkl mit bestem Gelingen vor.

Stadttheater in Hanan.

Hanau, 15. Oktober.

Mosenthal, der auf literarischem Gebiete der Nachwelt eine produktive mannigfache Hinterlassenschaft überlieferte, wäre trotzdem heute ein Name, der in der Theaterwelt dem Reiche der Vergessenheit anzugehören drohte, wenn nicht sein stark bejahrtes, am Freitag wieder einmal zur Darstellung ge­langtes vieraktiges SchauspielDeborah", das einzige Werk wäre, das noch als eiserner Bestand für das Repertoir vieler deutscher Bühnen in Betracht käme. Die selbstlosen, tief­gründigen Herzenseigenschaften, mit denen der Dichter die Titelheidin seines Schauspiels ausstattet, umgeben dasselbe mit einem derartigen idealen, großmütigen Hauch, daß schon allein der psychologisch-etische Gehalt dieses Charakterbildes stets ein gewisses besonderes Interesse bei dem Hörer erwachen läßt. Zieht man noch ferner die glückliche Szenengliederung sowie den edel ausgedachten, logisch herbeigeführten Schluß in erwägende Beurteilung, so kann man' diese Schöpjung der Haltung nach in gewissem Sinne als ein Tendenzschau­spiel erachten, dessen Wiederaufnahme auch in unseren Spiel­plan, schließlich noch der nicht allzu leichten, fesselnden schau­spielerischen Aufgaben wegen, mit unverkennbarer Berechti­gung zu billigen ist. Die umfangreiche Partie der aus Haß und Verachtung durch seelische Herzensgualen schwer geprüften jüdischen DitlderinDeborah" war Fr!. Marner vom Schiller­theater in Zürich als zweites Gastspiel an unserer Bühne

kämpfen. Wie seinem Vorgänger auf dem Kaiserthron galt dem jüngeren Napoleon daS Wagnis, um die Teeherrschaft zu ringen zu hoch; ans dem Kontinente glaubte er seinem Lande und seiner Dynastie billigere Lorbeeren gewinnen zu können. Er stellt« sich dem Einheitsstreben der Deutschen entgegen, legte uns 1866 Steine in den Weg und schmiedet« dann den großen Plan, uns mit Oesterreichs und Italiens Hilfe niederzuwerfen. Die Großherzigkeit der deutschen Fürsten, Bismarcks geniale Kraft und unter gutes Schwert machten den Plan zu nicht« und lähmten Frankreichs Macht, das seitdem unverwandt nach den Vogesen blickte und Eng­lands Ausdehnung in Afrika, den Erwerb deS fast schon fran­zösischen AegyptenS, nicht zu hindern vermocht«.

Lenkt man den Blick noch weiter im Zeitlauf« zurück und gedenkt der Taten FttedttchS deS Großen, der Frankreichs militärische Kraft bannte, so daß eS in Amerika dem schwachen britischen Truppenaufgebot erlag und seine reichen Kolonien Louisiana und Kanada an England abtretrn mußte, so wird es klar, daß die deutschen Waffen seit anderthalb Jahr­hunderten an der Ausdehnung der britischen Weltherrschaft mitgearbeitet haben. Neidlos gönnten wir dem Verbündeten seine Erfolge. Die Stärkung England» galt unS in der Vergangenheit fast als ein eigener Machtzuwachs. Hatten wir doch seine tapferen Kontingente oft an unserer Seite gefunden. Manche Probe hat die deutsch-englisch« Waffen­brüderschaft bestanden und gemeinsam vergossenes Blut ist ein fester Kitt. Die Erzählungen unserer Väter und Groß­väter, die starken (Erinnerungen an den Halbinselkrieg und an Waterloo haben die Zweifel übertönt, die England- Haltung im Jahre 1870 erweckte, und eS bedurfte der Er­fahrung bei der Gründung unserer eigenen bescheidenen Ko­lonien und bei der Ausbreitung unseres Welthandels um uns zu belehren, daß Englands Freundschaft nicht weiter reicht als sein Interesse. Im deutschen Heer« aber ist daS Gedächtnis an unsere Waffentaten, die England» Plan« so gewaltig förderten, umso stärker erwacht, und mit stolzem Selbstbewußtsein sagt sich der deutsche Soldat, daß e» zum allergrößten Teile sein Werk ist, wenn Frankreich in seine Grenzen gebannt imb dort festgehalten wurde, sodaß der deutsche Unternehmungsgeist sich nunmehr auch in der wetten Welt betätigen kann.

Es find seine und starke seelische Beziehungen, di« die Armee mit der deutschen Kolonialpolitik verknüpfen. DaS zeigt sich vor allem in dem rühmlichen Wetteifer unserer Offiziere und Mannschaften, die sich in Scharen herzudrängen um an den Expeditionen in ferne Weltteil«, an der Be­kämpfung aufrührerischer Eingeborener teilzunehmen. Es zeigt sich in der zähen Ausbauer und in der todesmutigen Tapferkeit unserer Truppen während des an Schwierigkeiten und Entbehrungen überreichen FeldzugeS in Südwestafreka, und es bewährt sich in der hingebenden, erfolgreichen Mit­arbeit an der Entwicklung unserer von der Natur nicht allzu­sehr begünstigten Schutzgebiete. Die deutschen Offiziere wenden auch den privaten Bestrebungen zur Hebung bet deutschen Kolonien mit Recht reges Interesse zu und unter

---gsgg^y?" " I..< übertragen. Die Künstlerin gab durch diese Leistung den Beweis, daß ihr die künstlettsch« Reife für Gestaltung einer derartigen Aufgabe in Bezug auf geistige Durcharbeitung, markantes Gebärdenspiel sowie maßvolle Leidenschaft hin­reichend eigen ist, nur müssen wir auch heute wieder daS harte unbiegsame Organ bemängeln, daS wenig Zwischentön« aufweist und in den Steigerungen leicht versagt. Wtt glauben daher kaum, daß Frl. Marner für die tragische He­roine im Schauspiel als einzige Vertreterin dieses Faches voll und ganz genügen wird und ein Engagement nur dann zu befürworten ist, wenn bei dem Entwurf des Repertoir» ent­sprechende Rücksicht auf da» eigentliche künstlettsch« Wirkung«, feld der Darstellerin, daS wohl mehr im KonversationSsttick zu suchen ist, genommen werden kann. Beil Aufführung klassischer Werke wäre allerdings dann daS Gastspiel einer auswärtigen Kraft in Bettacht zu ziehen.

Herr Hauser alsJoseph" konnte genügen. In ein­wandfreier Weise gestaltete Frl. Sarno bie teilnehmend«, aufopfernde FrauenseeleHanna", indem die Künstlettn bie -tone der Gefühlsstimmungen harmonisch und wirksam zu vereinen wußte. Markig und kraftvoll zeichnete Herr Kempf seinen OrtsrichterLorenz", eindringlich und glaubhaft Herr Pu st ar den weltweisen MärtyrerRuben". AuS ber Ge­stalt des verbitterten, heimtückischenSchulmeister" entwarf Herr O. H. Müller eine ganz prächtige Charaktertyp«, bie von offenbarem Fleiß und Hingebung zeugte. Durch äußerst packende und schauspielettsch höchst gelungene Spielart zeich­neten sich Frl. Jaida (Jüdisches Weib") sowt« Herr Steger (Abraham") besonders .au», wie auch derPfarrer" des Herrn Krug auf den rechten Ton gestimmt war. Di« übrigen zahlreichen Rollen geben zu einer besonderen Be­sprechung weiter keinen Anlaß, nur bleibe schließlich noch bie Neberreichung eines Lorbeerkranzes an den Gast in ehrend« Weise nicht unerwähnt. Die Regie der Herrn Hauser kam dem Schauspiel günstigst zu statten.