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Hanauer

vez«gS-relS-

xiertrhLhrKch 1,8b Mk^ mvnMch 60 Pfg-, Nr miS. KÄtig» ASmiueuten mit dem beirefsenden Postausicht«;

Die einzelne NuM»e kostet 10 Pf«.

Gcntral-Anzeigcr

EiarLckmlgSgeMhr,

KrtaSnSdniS imb Verlag der Buchdrucker« des verein, o, Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Gega« fit Mt- Md Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

De "r^ekpaktme Petitzeil« oder deren Staunt 15 WA, im Reklamenteil die geile Psz.

Veraniwsrkl. SiSaktrur: G. Schrecker i» Hraan.

Mk. 236 Ferttsprechanschltts; Nr. 605»

Dienstag den 9. Oktober

Fer»sprechanschlusr Nr. 605. 1906

Amtlichss.

Stadtkreis ^anau.

Nachdem die StraßeBor der KinzigbrÄcke^^ und bteBritchköbelerlandstratze" bis zur Körnerstraße ausgebaut sind, werden die Anwohner der beiden erstgenannten f Straßen auf die Vorschrift der Polizeiverordnung vom 3. Juli 1790 betr. die Straßenreinigung in Hanau aufmerksam ge­macht. Danach Müssen die Straff! er» Mittwochs und Samstags nachmittags, soweit eines jeden Haus reicht, gereinigt werdet». Verantwortlich sind die Eigentümer ^r Häuser oder diejenigen, ivelche solche in Miete haben.

Die bisher von der Stadtgemeinde besorgte Straßen- reinigung ist eingestellt.

Hanau den 3. Oktober 1906.

Königliche Polizeidirektion.

P 8060 v. Beckerath.

Handelsregister.

Firma G. Siebert in Hanau: Die den Kauffeuten Wil­helm Berger und Karl Seideusaden in Hanau erteilte Gesamlprokura ist erloschen.

Den Kaufleuten Wilhelm Berger und Georg Rotermundt hierselbst ist Gesamlprokura erteilt.

Hanau, den 3. Oktober 1906.

Königliches Amtsgericht 5. 21641

Bekanntmachung.

Genügende Beteiligung vorausgesetzt, findet im Winter­halbjahre 1906/07 an der städtischen gewerblichen Fort­bildungsschule dahier ein

Meister» und GefeAenkursus für Schreiner statt, an 7 Sonntagen je 4 Stunden von 8 bis 12 Uhr vorm. Der Unterricht umfaßt Uebungen im Beizen und Färber» der Hölzer unter Anleitung eines tüchtigen Praktikers uild einen Anschauungsunterricht im Möbelbau mit be­sonderer Berücksichtigung des modernen Möbels.

Das zu zahlende Unterrichtshonorar beträgt für die Person 6 Mk. Meister und Gesellen aus der Stadt Hanau und deren Umgebung, welche gesonnen sind, an diesem Fort­bildungskursus teilzunehmen, wollen sich baldmöglichst, längstens bis 16. Oktober d. Js. bei dem Unterzeichneten schriftlich oder persönlich melden.

Hanau den 8. Oktober 1906.

Der Direktor der gewerbl. Fortbildungsschule.

Geißler. 21723

Hus Qanats Stadt und Tand,

Hanau, 9. Oktober.

FC. Der Kaiser trifft am 14. Oktober 850 vormit- tag§ mit dem Hofzug in Gelnhausen ein. Sofort nach ber Ankunft fährt der Kaiser im Automobil nach der Marien­kirche und nimmt am Gottesdienst teil. Metropolitan Schäfer hast die Predigt. Nach dem Gottesdienst begibt sich der Kaiser nach dem Romanischen Hause, das vermutlich das ursprüngliche Rathaus von Gelnhausen ist. Vom Romanischen Hau'e fährt der Kaiser nach der Staufischen Kaiserpfalz. Nach eingehender Besichtigung der Pfalz geht die Fahrt nach dem Hofzuge zurück, in dem das Frühstück eingenommen wird. Punkt 2 Uhr fahren 3 Automobile' mit dem Kaiser und 6 Herren des Gefolges nach Meerholz ab. Um 5 Uhr fährt her Kaiser von Meerholz im Hofzug ab nach Cronberg. Offizieller Empfang durch die staatlichen und städtischen Be­hörden findet in Gelnhausen nicht statt. Der Kreiskriegerverein, andere Gelnhâuser Vereine und die Schuljugend bilden

* Eissnl»ah,»persorralien. Versetzt: der techn. Eisenbahnffkretär Mehne von Gießen nach Hanau, die Cisenbahn-Assistenien Boß von Gelnhausen nach Mainkur und^Heyde von Mainkur nach Frankfurt.

Buchbergvereirr. Der für vergangenen Sonntag vorgesehene Familienausflug auf den Bucbberg gelangte, be- günsllgt vom herrlichsten Wetter zur Ausführung. Ein Teil der Ausflügler wählte den Weg über Niederrodenbach, der andere Teil benutzte die Kleinbahn bis Langenselbold und beide Teile trafen gegen 4 Uhr an der für Errichtung des Aussichtsturmes bestimmten Stelle zusammen. Pach gegen­seitiger herzlichster Begrüßung bei einem sehr guten Glase Bier, das einer der Herren Wirte von Langenselbold in liebenswürdiger Weise herauf befördert hatte, wurde der Platz, der bereits durch Königl. Katasteramt in Hanau abge- stemt ist, in Augenschein genommen. Leider nur zu früh mußte

der Heimweg angetreten werden, ein Teil ging wieder zurück nach Langenselbold, der andere Teil benutzte Len Weg durch die schöne romantische Bornfluß-Schlucht über die Lehr an der Rieseneiche vorüber nach Niederrodenbach. Allen Teil­nehmern werden die verlebten schönen Stunden unvergeßlich bleiben. Mehrere der Anwesenden, darunter erfreulicherweise auch einige von Langenselbold, zeigten ihren Beitritt zum Buchbergverein an. Sollte bis zum Frühjahr die erforder­liche Bausumme noch nicht ganz beisammen sein, so ist ge­plant, vorerst auf dem Platze mehrere Ruhebänke aufzustellen.

j^ Statistik. Im Monat September 1906 wurden in Hanau lebend geboren 60 Kinder, 36 Knaben und 24 Mädchen. Gestorben sind, mit Ausschluß von 2 Tot­geborenen, 43 Personen, 24 männlichen und 19 weiblichen Geschlechts, darunter 6 Ortsfremde. Für Hanau selbst bleiben 37 und es kommen auf 1000 Einwohner und

aufs Jahr berechnet 14,6 Todesfälle.

Gestorben find: 19 Kinder

im Wer von

01

Jahr

4

ff ff ff

15

Jahren

1 Person

ff ff ff

1020

1

2030

2 Personen

ff ff ff

3040

o

4050

^ ff

ff ff ff

ff

ff ff ff

5060

ff

5

ff ff ff

6070

ir

5

ff ff ff

7080

11

1 Person

ff ff ff

8090

ff

An Magen- und Darmkatarrh starben 17 Kinder, darunter

14 unter 1 Jahr alt, und je 1 Kind an Kinderzehrung und an angeborener Lues. An Tuberkulose starben 7 Personen, darunter 1 Kind an tuberkulöser Hirnhautentzündung und eine ortsfremde und 5 hiesige Personen an Lungenschwind­sucht. In 3 Fällen war die Todesursache Aderwerkalkung, in je 2 Fällen Krebsleiden und Herzerkrankung und in je 1 Fall Schlaganfalls, eingeklemmter Bruch und Wundstarr­krampf. Nicht durch Krankheit war der Tod in 7 Fällen bedingt: 3 Leute starben an Altersschwäche, 3 kleine Kinder an Lebensschwäche und eine Person beendete ihr Leben durch Selbstmord. Sanitätsrat Dr. Z è h.

* Hanauer AborrneMerris-Ksnzerte. Heute abend 8 Uhr findet in derCentralHalle" das erste der angekündig- ten Abonnementskonzerte statt.

* Für HarrdlttNgsgehrlfet». Aus Handlungsgehilfen­kreisen wird uns die Mitteilung gemacht, daß die hiesige Ortsgruppe des deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes am Mittwoch den 17. Oktober, abends 9 Uhr, im Gartensaalezum gr. Elefanten" einen Vortrag halten läßt über das Thema:Wie sieht es in unserem Stande aus". (Siehe auch die Anzeige in heutiger Num­mer). Bei dem großen Interesse, das den Standesfragen der Handlungsgehilfen heute entgegenzebracht werben muß und zum Teil bereits entgegengebracht wird, ist es zu be­grüßen, daß uns Gelegenheit gegeben wird, von einem be­rufenen Vertreter der Handlungsgehilfen das wichtige Thema erörtern zu hören. Der Redner zeichnet sich durch gründ­liche Sachkenntnis ans, und ist auch den Gegnern der von ihm vertretenen Ansichten die Möglichkeit gegeben, ihren ent­gegengesetzten Standpunkt klar zu legen. Der deutschnatio­nale Handlungsgehilfen-Verband ist in kurzer Zeit zum größ­ten kaufmännischen Verein herangewachsen und seine Führer haben es verstanden, die Treue zu Kaiser und Reich zum eisernen Bestand dieser Berufsorganisation zu gestalten. @in volles Haus dürfte schon aus diesem Grunde dem Redner sicher sein.

* Preisgekrönt. Auf der am 7. und 8. Oktober zu Darmstadt abgehaltenen großen Hunde - Ausstellung erhielt Herr E. Nagel in Kessetstadt auf Colliernden zwei erste und Ehrenpreise, ferner für eine Hündin einen 1., einen 2. und einen Ehrenpreis.

* Prozetz Schönfeld. (Fortsetzung.) Der Ange­klagte gibt an, er habe bei hiesigen und Frankfurter Juwe­lieren und selbst. Goldarbeitern Stuben-, teilweise auch Brett­gekrätz, (sog. Stich) gekauft, dies zu Hause gesammelt und dann bei Gekrätzmüller Brenner mahlen lassen, von wo das feine direkt zum Verkauf gelangte, während er das grobe zu Hause mit Scheidewasser behandelt und dann auSge- schmolzen habe. Auch ganze Fußboden habe er aufgekauft. Das Brettgekrätz habe er selbständig verarbeitet. Außer auf Versteigerungen habe er alte Gold- und Silbersachen haupt­sächlich in Frankfurt gekauft, wo er die Händler wöchentlich ein oder zweimal im Cafe Goldschmidt getroffen habe. Den Umstand, daß er nach seiner Entlassung aus der Strafhaft noch erhebliche Mengen Silber an Lieber verkaufte, während er alte Silbersachen zugestandenermaßen seitdem

nicht mehr kaufte, erklärte er damit, daß er noch viele alte Silbersachen zu Hause gehabt habe. Außerdem seien bei Lieber auch viele Irrtümer vorgekommen. Er habe z. B. manchmal eine Blanche zweimal bezahlt erhalten. Erglaube nicht, daß er so viel dort verkauft hat. Die Abtreibung mit Scheidewasser habe er an seinem groben Gekrätz erst in den letzten Jahren vorgenommen, früher habe er es in dem ursprünglichen Zustand geschmolzen. Nach den Brennerschen Büchern hat er in dem in Betracht kommenden Zeitraum 166 mal Gekrätz mahlen lassen, während er in diesem Zeit­raum 300 Blanchen verkaufte. Dies erklärt der Angeklagte damit, daß er früher einen kleinen Ofen hatte und das Ge­krätz jeweils an mehreren Malen schmelzen mußte. Außerdem haben der Stich und die alten Goldfachen besondere Planchen ergeben. Von unselbständigen Goldarbeitenr oder sonst unehrlich habe er nie etwas erworben. Vier Blanchen, die ihm von Brenner zum Verkauf gegeben wurden, habe er bei Bankier Bacharach auch auf seinen eigenen Namen verkauft. Wiederholt hat er an ein und demselben Tage 2 oder 3 mal Blanchen verkauft. Dies komme daher, daß er das Gekrätz der einzelnen Lieferanten getrennt geschmolzen habe, um den jeweiligen Wert festzustellen. 2 Tage nach seiner letzten Haftentlassung hat er bereits wieder eine sehr große Blanche verkauft. Dies erklärt der Angeklagte für unmöglich. Es müffe dies auf einem Irrtum bei Lieber beruhen. Von 1896 bis zum März 1905 hat er Blanchen im Gesamtwerte von 47 506 Mk. verkauft. Die Einnahmen für Feingekrätz be­laufen sich auf 45 794 Mark. Da nun nach Ansicht der Sachverständigen das grobe Gekrätz im allergünstigsten Falle nur 20 Prozent des feinen wert ist, könne der Erlös aus dem groben nicht mehr als ca. 10 000 Mk. betragen haben, während er nach den Angaben des Angeklagten (biejer will den größten Teil seiner Blanchen aus dem groben Gekrätz ge­wonnen haben) etwa 40 000 Mk. betragen müsse. Der An­geklagte bestreitet entschieden, daß man eine solche Berechnung aufstellen könne. Das Gekrätz sei so verschiedenartig, daß sich eine feste Norm bezüglich des Wertuerbältnisses von grobem und feinem Gekrätz gar nicht aufstellen lasse. Von einigen Zeugen, hiesigen Juwelieren, wird hierzu bekundet, daß der Wert des von ihnen zum Verkauf gebrachten groben Gekrätzes ca. 50 Prozent des feinen betragen habe, doch sei bei Juwelieren das grobe deshalb hochgradiger, weil bei der Arbeit größere Stückchen Gold abspringen, die dann durch die Gekrätzmühle nicht hindurchgehen, also im groben verbleiben. In einem anderen Geschäfte, einem größeren Betrieb, sind diese Ver­hältnisse nach den Bekundungen des Inhabers bedeutend anders. Dort schwankt der Wert des groben Gekrätzes zum feinen in den verschiedenen Jahren nur zwischen 10 und 20 Prozent, allerdings müsse dabei berücksichtigt werden, daß das Brett­gekrätz, Stich u. s. w., mit ins Stnbcngekrätz geworfen würde, wodurch das feine hochgradiger werde. Die übrigen Zeugen­aussagen sind im allgemeinen nicht sehr belangreich. Bankier Bach a r a ch gibt die Möglichkeit zu, daß die von Schön­feld überbrachten Manchen auf dessen Namen eingetragen wurden, auch wenn auf dem Probierschein der Nance Brenners gestanden hätte. Kriminalschutzmann B ö h m hat alte Silbersachen bei der Haussuchung beim Angeklagten nicht gesehen. Hätte er solche gefunden, so würde er sie gleich den anderen Dingen beschlagnahmt haben. Der An­geklagte behauptet bekanntlich, solche noch gehabt und daraus die gleich nach seiner Haftentlassung verkauften Blanchen ge­schmolzen zu haben. Kriminalschutzmann Trott, der be­züglich Vorerwähntem dasselbe bekundet, hat einen ziemlichen Vorrat von Gekrätz beim Angeklagten gesehen. Nach Ansicht des Zeugen Wilhelm Siebert, Platinschmelze hier, kommt es niemals vor, daß das grobe Gekrätz beut feinen gleichwertig ist. Nach seinen langjährigen

Erfahrungen betrage der durchschnittliche Wert des ersteren im Verhältnis zum letzteren ca. 10 Prozent. Allerdings habe er nur von größeren Firmen gekauft, über die ein­schlägigen Verhältnisse in kleineren Betrieben sei er nicht unterrichtet. Der Staatsanwalt beantragt, diese Zeugen auch als Sachverständigen zuzulassen, wogegen die Verteidiger Einspruch erheben. Die Zulassung wird abgelebt unter denselben Gründen wie bei Treusch und Ochs. Interessant find noch die Bekundungen einiger Zeugen, bei denen bet Angeklagte diesen Sommer Gekrätz gekauft hat, das er dann chemisch untersuchen ließ. Sämtliche hier in Betracht kommende Zeugen sagen übereinstimmend aus, daß von dem Zeitpunkt, wo Schönfeld das Gekrätz kaufte, bis zu dem Augenblick, wo er es in Begleitung deS Herrn Dr. Rau- holen und versiegeln ließ, niemand hinzukommen und die Beschaffenheit des Gekrätzes etwa durch unlautere Manipula­tionen verändern konnte. Gegen ^eS' Uhr wird die Ver­handlung abgebrochen mib auf Leute vormittag 9 Uhr vertagt.