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MMM und «erlag bet Buchdrucker« M «rem. a, Waisenhaus« in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Orga« für Siebt- nab Landkreis Ka«M.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 230 Fernsprechanschlutz Nr. 605,
Dienstag den 2. Oktober
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1906
Hus Hanau Stadt und Tand.
Hattest, 2. Oktober.
• Auszeichnung. Dem am gestrigen Tage in den Ruhestand getretenen Landgerichtspräsidenten Geh. Ober- Justizrat Koppen wurde der Stern zum Roten Adlerorden zweiter Klasse verliehen.
* Wohnsitz in Hanau. Der kommandierende General des VIII. Armeekorps v. Deines hat die Ditte ausgesprochen, daß bei seinem demnächstigen Rücktritt vom Generalkommando von einer weitern Vrrwendung im Dienste abgesehen werde. Er beabsichtigt bekanntlich, den väterlichen Besitz in Hanau zu übernehmen.
* Reservisten — Rekruten. Die Manöver sind vorüber, das militärische Ausbildungsjahr ist beendet. Froh und voller Jubel kehren die alten Soldaten zur Heimat, zu Eltern, zu Haus und Herd zurück. Im fröhlichen Uebermut und im Vollbewußtsein der Freiheit wird auf der Heimreise das allbekannte Reservelied gesungen, mit der Schlußstrophe: «Die traurige Zeit ist vorbei.* Aber ist daS wahr? Nein, und tausendmal nein. Die Zeit des Soldatenlebens ist niemals traurig gewesen und ist es auch heute nicht. Ein Jeder, der sie durchgemacht hat, ist im Grunde doch stolz, baß er des Königs Rock tragen durfte und berufen war, das Vaterland zu schützen. Die straffe Zucht und Ordnung im Heere hat die jungen Volkssöhne wesentlich reifer und erfahrener gemacht. Vieles hat der Soldat gesehen und gelernt, was sich für sein ferneres Leben tief einprägt und seinem Beruf zu großem Nutzen gereicht. Wenn es auch manchmal hoch hergeht, Strapazen und harte Zeiten kommen, so ist doch -Ne scharfe Disziplin für Jeden eine läuternde, lehrreiche Schule gewesen, dem Einzelnen wie dem Ganzen zu Nutze. Und nun rüsten stch gleichzeitig die jungen Soldaten, -um zur Ableistung ihrer zweijährigen Dienstzeit zu den Fahnen zu eilen. Viele denken wohl mit Grauen an die bevorstehende Zeit und finden es hart, aus ihrem Beruf und Verdienst gerissen zu werden. Aber so hart dies auch für manchen erscheinen mag, er wird später erfahren, wie gut ihm unb seinem Beruf die Unterbrechung war. Mancherlei Vorrechte genießt der Soldat, des Königs Rock kennzeichnet ihn überall. Vortreffliche Wohlfahrtseinrichtungen jeglicher Art für Leib Seele sind getroffen, ihm das Vaterhaus nach Möglichkeit zu ersetzen. Natürlich wird auch viel von ihm verlangt, besonders bei der gegen früher abgekürzten Dienstzeit. Auch im militärischen Leben ist die überall vorwärtsdrängende Zeit nicht stehen geblieben. Die lange Friedenszeit hat eine rastlose Arbeit auf dem Gebiete der kriegstüchtigen Ausbildung gezeitigt, sodaß mit Volldampf geschafft werden muß, um das Heer auf dem Ausbildungsstandpunkt zu erhalten,
Feuilleton
Im Taifun.
LeemannSermnerung von Dr. I. Heinrich.
(Nachdruck verboten.)
Die furchtbare Katastrophe, der im Hafen von Hongkong zahlreiche Schiffe, über sechshundert Fischerboote und gegen tausend Menschenleben zum Opfer fielen, ruft in mir die Erinnerung an ein Erlebnis wach, das ich vor Jahren in den ostindischen Gewässern mit durchzumachen Gelegenheit hatte, frei der wir jedoch dank der Umsicht unsers tüchtigen Kapitäns glücklich davonkamen.
Ich befand mich damals als neugebackener Schiffsarzt mit dem stattlichen Dampfer der Hamburger Handelsmarine „Nordstern" in jenenGewässern. Unser Schiff ' lag schon seit vierzehn Tagen in dem schönen Hafen von Manila, der Hauptstadt der Philippinen, wo wir Tabak und Zucker eingenommen hatten, um von hier aus nach Singapur an der Südspitze der Halbinsel Malakka zu dampfen.
Es war ein herrlicher Augustmorgen, als unser Schiff die Anker lichtete. Eine frische Brise hatte eingesetzt, die Luft war klar, und in wolkenloser Reinheit wölbte sich über uns der tiefblaue Tropenhimmel. Unter vollen Segeln und doch noch schwarze Rauchwolken aus seinen beiden mächtigen Schloten stoßend, durcheilt der Dampfer die Fluten der reizenden Bai von Manila. Am Vormast weht die schwarz- weiß-rote Flagge, des deutschen Reiches stolzes Abzeichen. Auf der Kommandobrücke steht der Kapitän, mit dem Fernrohr in der Hand unermüdlich nach Westen blickend, während der Navigationsoffizier mit dem Kompaß die nächsten sichtbaren Landmarken „peilt". Da unser Schiff vierzehn Knoten machte, hatten wir bald die Bai verlassen und waren mitten auf der chinesischen Südsee.
Er war kurz vor Mittag, und mein knurrender Magen erinnerte mich daran, daß ich noch nicht gefrühstückt hatte. Ich begab mich daher in die Kajüte, um meinen innern Menschen etwas zu stärken, und legte mich dann in meiner
der für das Ansehen deS deutschen Vaterlandes und für Erhaltung des Friedens erforderlich ist. Habt nur guten Mut und vor allem volles Vertrauen zu Euren Vorgesetzten, Ihr jungen Vaterlandsverteidiger. Allerdings, wo Holz gehackt wird, da fallen auch Spähne, es gibt gewiß hatte Zeiten, besonders im Anfang, aber laßt Euch dies nicht verdrießen und tut Eure Pflicht. Nun kommt getrost und wohlgemut zur Fahne, Ihr jungen Krieger, auch Ihr werdet dereinst, wie alle, sagen: „Es war doch schön, eS war eine schöne Zeit.*
* Stadttheater. Nach längerer Pause wird morgen das reizende Lustspiel Moser und Schönthan's: „Unsere Frauen* neu einstudiert wieder auf unserer Bühne erscheinen. Die beiden Autoren verfügen über soviel Humor, sind so liebenswürdige Plauderer, daß ihre Lustspiele zu den beliebtesten Stücken des Spielplans zählen und immer wieder den stärksten Beifall der Hörer finden. Bei sorgfältiger Inszenierung durch Herrn Oberregisseur Steger wird das heitere Werk auch morgen ein dankbares Publikum finden. In größeren Rollen gibt es zunächst der neuengagierten munteren Liebhaberin Frl. Charlotte Berger Gelegenheit, ihre Befähigung zu erweifln. Frl. Berger wurde an Stelle des im Frühjahr hier gastierenden Frl. Conrad engagiert. Letztere ist um Lösung ihres Vertrages einge- kommen, da sie an Gelenkrheumatismus erkrankte und durch die Filialreisen eine Verschlimmerung ihres Leidens befürchtete. Es sind also nun in dieser Spielzeit im Fach der Munteren und Naiven die Damen Karla Holm und Charl. Berger tätig. In weiteren bedeutenderen Rollen sind morgen ferner die Damen: Sarno, Reinhard, Jaida, Holm und Macdonald beschäftigt, sowie die Herren: Steger, Hauser, Pu st ar, Heidemann und Gehrmann. Der jugendliche Held Herr H o p kirk hat in der kleineren Rolle des „Max Cornelius* nur wenig Gelegenheit, sich beim hiesigen Publikum einzuführen, er soll jedoch in nächster Zeit in einer größeren klassischen Rolle sein Können erweisen.
* Ueber den Segen der Mrsorge-Erzielmng berichtet D. Dr. Reinicke, Ephorus des Kgl. Prediger-Seminars zu Wittenberg, in dem Festbericht zum 50jährigen Jubiläum des dortigen Knaben-Rettungshauses folgendermaßen: „Die allermeisten unserer Zöglinge bereiten uns Freude und werben im Leben tüchtige Männer. Viele sind als geschickte Gesellen, Werkführer, Meister, auch als treue Beamte tätig. Der Umstand, daß fast alle, bald nachdem sie ausgelernt haben, nach Handwerksbrauch in die Fremde gehen und viele darum nur selten oder gar nicht Nachricht geben, erschwert es, eine Statistik über die ans der Anstalt entlassenen Zöglinge aufzustellen. Daß aber die Anstaltserziehung ihnen zum Segen ist, bekunden sie später bei Besuchen, die sie als Soldaten oder als verheiratete Männer machen. Sie be
Kabine zu einer kurzen Siesta nieder, hatten wir doch in der vergangenen Nacht in Manila zum Abschied dem weinseligen Gotte Bacchus ein ziemlich reichliches Opfer gebracht. Es mochten inzwischen zwei Strinden verflossen sein, als ich erwachte und wieder das Deck auffuchte, um im Kreise der dienstfreien Schiffsoffiziere die Zeit bei einer echten Manila zu verplaudern.
„Allewetter, Kapirän, haben wir denn heute abend Maskenball an Bord?" rief ich unserm stets liebenswürdigen, jungen und eleganten Schiffsführer zu, als ich ihn in einem Kostüm an Deck erblickte, das an eine mißglückte Nachahmung eines Eisbären-Exterieurs schwach erinnerte.
Und meine Frage war berechtigt: denn ein Paar Stiefel von der Fasson „Kanonen", gegen die aber ein paar echte Heidelberger Studentenkanonen noch eine eitle Salonchaussure waren, umfing den unteren Teil seines menschlichen Kadavers. Daraus wuchsen zwei echt orientalische Haremspluderhosen heraus, zwar nicht aus rosa Seide, wohl aber aus dickstem „Oeltüg" von einem unbekannten Schneidermeister in unserer nordischen Heimat gearbeitet. Ein umfangreicher Sack aus demselben Stoff hing über jene merkwürdigen Gewächse herab, und gekrönt wurde das Ganze von einer Art umgekehrten Fischnapf, welcher mit zwei kräftigen Schnüren unter dem Kinn befestigt war; die tief dunkelblauen Seemannsaugen und der kräftige blonde Schnurrbart guckten martialisch unter dem Rande des Südwesters hervor.
„Na, wenn mich keinen Ball, so doch einen ganz anständigen Tanz wird es bald geben," knurrte der allerdings noch ziemlich jugendliche „Alte": — „die Musik ist schon bestellt, in einer halben Stunde geht der Spaß los. Da, hören Sie nur, Doktor, wie die Geigen schon gestimmt werden!"
Unb in der Tat, es pfiff und zischte ganz eigentümlich in den Raaen: hoch oben in dem Marsaestänge kletterten hastig die Matrosen umher und „beschlugen" sorgfältig die Segel nach der gellenden Kommandopfeife des Bootsmanns,
um dem heulenden Sturm keine Fläche zu bieten, an dem malmt außenbords weiter.
er reißen und zerren könnte. Die „Bullaugen", jene be- Das Schiff dreht „mit der Nase in den Sturm"; den« kannten und kreisrunden Fenster an den Längsseiten des ! in der Witte des Wirbels herrscht Windstill«, um diese Mitte
kennen es offen: „
Wenn wir nicht im Retiungshauje gewesen
" Einige
wären, dann wären wir nicht soweit gekommen.
Begegnungen, die unser Hausvater in den letzten Jahren mit früheren Zöglingen hatte, seien hier erwähnt. Im August 1901 kam er auf einer kurzen Erholungsreise nach Kiel und machte eine Dampferfahrt. Zugleich stieg eine Anzahl Matrosen mit ein, die am Tage zuvor auS China zurückgekehrt waren. Als er die sauberen Uniformen und die blitzenden Ehrenzeichen betrachtete, lief einer der Matrosen auf ihn zu und fiel ihm mit den Worten: „Vater, wie kommen Sir hierher* in die Arme. Das war ein ehemaliger Zögling, gelernter Böttcher, der den Krieg in China mitgemacht hatte und befördert worden war. Er wollte weiter dienen und später Gerichtsvollzieher werden. — Im Juli 1904 reifte der Hausvater in seine Heimat. Auf dem Bahnhof Hettstedt wurde er von einem Schaffner freudig begrüßt. ES war ein früherer Zögling, der 1883 ausgenommen war, von 1886 bis 1890 die Schneiderprovision erlernt hatte und nach der Militärdienstzeit zur Eisenbahn übergangen war. — Als der Hausvater im Juni d. Js. dienstlich in Stendal zu tun .hatte, wurde er beim Einsteigen in den Zug von einem Manne angesprochen. Wieder war es ein Zögling, der in der dortigen Gegend als Leiter eines größeren Dampfsägewerks mit dem Gehalt von 140 Mark monatlich an gestellt war. — Durch besondere Sparsamkeit zeichnete sich ein Zögling aus, der gleich nach seiner Lehrzeit zum Militär ging und später Briefträger wurde. Schon in der Anstalt und als Lehrling hatte er gespart. Sogar als Soldat, wo er Bursche und dann Kantinenverwalter war, hatte er für die Sparkasse etwas übrig. Bis zu seiner 1900 erfolgten Verheiratung hat er dem Hausvater seine Ersparnisse übersandt, die sich zuletzt auf die hohe Summe von 1000 Mark beliefen. — Ein ehemaliger Zögling, der jetzt ein sehr angee sehener Mann ist, besuchte die Anstalt vor einigen Jahren mit seiner 18jährigen Tochter und erzählte derselben voll Freude von seiner hier verlebten Jugend. — Das sind beredte Zeugnisse von dem Segen der Fürsorge-Erziehung, die sich leicht vermehren ließen. Möchten darum alle Freunde unserer gefährdeten Jugend in der Liebe zur Rettungshaussache weiter beharren und das Interesse für diese wichtige Arbeit in immer weitere Kreise tragen.
* Verhaftet wurde in Dettingen auf Grund Haftbefehls des Königlichen Amtsgerichts Alzenau der verheiratet« Ingenieur L. von Kesselstadt, welcher seit geraumer Zeit in Alzenau und Umgebung zahlreiche Zechprellereien und Betrügereien unser Vorspiegelung falscher Tatsachen verübte.
* Silberkiirs. Der Konventionspreis des 0.800 feinen Silbers beträgt für Aufträge vom 1. d. MtS. an bis auf weiteres 81 Mark per Kilo.
Schiffes, wurden durch vorgeschraubte Eisenplatten versichert, in gleicher Weise die Lichtschächte des Maschinenraums und die Salons.
Unterdeffen war von „Steuerbord voraus" ein ganz eigentümlicher pechschwarzer Puntt mit unheimlicher Schnelligkeit immer näher und näher gekommen. Dem verständigen Rate des Ersten Offiziers folgend, hatte auch ich mich in mein schönes, in Hamburg erst neu er« wordenes Oelzeug stecken lassen und stand nun, festgebunden, zwischen einem Ventilator und der Vorderkante dès Achterdecks, glühend vor Erwartung und Erregung der Dinge harrend, die da kommen sollten.
Und sie kamen, das heißt er kam, der Taifun, senkt gefürchtete Wirbelsturm der ostindischen und chinesisch-japa- nischen Küsten, der unheimlich ähnliche Zwillingsbruder beS Cyklon, jenes VerheererS der westlichen Gestade' des Sttllen Ozean, und des Hurrikan in den nordatlantischen Gewäffern.
„Beümurngraubend, herzbetörend schallt" das Brausen und Zischen, das Pfeifen und Donnern, das Jauchzen und Heulen des Sturmes in den bis zum Brechen gespannten Wanten und Raaen. In wilder, entfesselter Wut braust
b;e Windsbraut über die See, die Wogen zu Bergen auf« türmend und in tollem Spiel und Reigen durcheinander sagend. Hie und da steigt ein krystallener Fels hoch auf, riesig in sich selbst und doch so winzig klein in dem gewaltigen, massenhaften Heer der ihn" umgebenden Wogen. Himmelan reckt er die Krone, reckt und dehnt sich, aber der Sturm leidet es nicht. Hei! jetzt reißt er ihm den blitzenden Schaumkranz vom Haupte und streut ihn weitaus mit gewaltiger Hand. In sich zufammenschmelzend, stürzt und zer- fließt der Berg; ein milchweißer Strudel verrät auf dem tintenfarbenen Untergründe die in sich znsammengestürzt« Woge, die setzt einige Sekunden lang ein Tal zwischen zwei andern Bergen bildet und noch zischend in Gischt und Schaum schon wieder emporgeworfen wird von neuen ungestümen Massen. Donnernd saust das Bramsegel auf die Backbord-Reling, und schon treibt es zerfetzt, zersplittert, zer-