Erstes Mâ
Hanauer G Anzeiger
VervzSPrekS'
tÄMihMch 1^0 M., monatig 60 Pfg., für aufr ykÜ» «bormmtrn mit dem beteeffeaben Postausschl-x.
Die «taidae ®«^ "'M 10 Pf»
^1,^««»«» mH Verlag der vuchdrucksrei de» weht.
au »aijachauseS in Hamm.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stobt- und Landkreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die chufzispalte« PetttzeU« »der berat «aum 15 M, S» StnamaM die Zeile » M.
SSetattbeetfl. «â»i 9. ®^rteste « Hamm.
Ml. 229 Uernsprechanschlutz Nr. 605.
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Amtliches.
Landkreis Hanau.
BekM»tmchNWen des Königlichen LandratsnNts.
Nachdem der Kreistag die Anstellung einer Kreisbau- Meisters beschlossen hat und als solcher der Stadtbaumeister H i m b e ä in Merseburg vom Kreisausschuß angestellt worden ist, gehen die bisher von den Ortspolizeibehörden in Gemeinschaft mit dem Feuerdeputierten vorgenommenen Roh- ttnd Schüttzbaitabnahmei» vom 1. Oktober d. Js. ab auf den Kreisbaumeister über.
Anträge auf Bauabnahmen sind künftig, soweit diese nicht ausdrücklich dem Königlichen Herrn Kreisbaumeister hier Vorbehalten sind, bei dem Kreisbauamt (Kreishaus) anzubringen.
Hanau den 29. September 1906.
Der Königliche Landrat.
J3tr. A 4536 v. Beckerath.
Festgestellt: Die Schweineseuche in Langen, Kreis Offenbach a. M.
Die Gehöftssperre ist angeordnet.
Hanau den 29. September 1906. V 7173
Der Metzger Heinrich Gustav Uhrig in Rüdigheim beabsichtigt auf seinem Grundstück Kartenblatt 16 Nr. 887/80 die Errichtung einer Schlächtereianlage.
Es wird dies mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Einwendungen gegen diese Anlage, zu welcher die Zeichnungen und Beschreibungen im Bureau des Kreisausschusses hier offen liegen, binnen 14 Tagen, vom Tage des Erscheinens dieser Bekanntmachung an gerechnet, hier anzubringen sind. Später eingehende Einsprüche werden nicht berücksichtigt.
Zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird Termin auf
Mittwoch den 17. Oktober d. Js., vormittags 10 Uhr, in das Bureau des Kreisausschusses anberaumt, zu welchem die Interessenten mit dem Bemerken vorgeladen werden, daß im Falle des Nichterscheinens gleichwohl mit der Erörterung der erhobenen Einwendungen vorgegangen werden wird.
Hanau den 2'9. September 1906.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
J3lr.A4512 v. Beckerath. 21075
Feuilleton.
Stadttheatcr in Hanan.
— Hanau, 1. Oktober.
Mit der gestrigen Aufführung von Felix Philippis vier- aktigem Schauspiel „Der Helfer" hat die Theatersaison 1906/07 — gleichzeitig die letzte unter der Direktion Jaritz — ihren Anfang genommen. Das Werk bietet für den Eingeweihten der Schaffensart des produktiven Autors keine speziellen Ueberraschungen, wenn nicht die, daß eS nicht an bestimmte Ereignisse der Zeitgeschichte anknüpft wie beispielsweise „DaS Erbe", „Wohltäter der Menschheit", „Die Mission", sondern einen tagesgeschichtlichen Stoff behandelt. Vor allem finden wir das Schauspiel mit unfehlbarer Kenntnis der szenischen Ausdrucks mittel aufgebaut. Man wird unwillkürlich stofflich bis zur letzten Szene gefesselt und muß mit Spannung der Entwicklung der Handlung folgen, die sich, von einigen Längen abgesehen, fortschreitend klar und rasch entwickelt. Was nun speziell die verschiedenen Charaktere deS Stückes anbelangt, so sind sie wohl kaum durchgängig al« einwandfrei zu bezeichnen, indem sie Philippi vielfach sprechen und hand«ln läßt wie es äußerlich roirtfant erscheint, ohne die eigentliche Charakteristik der einzelnen Gestalten sowie daS wirkliche Wesen der Situation hinlänglich zu beachten, wie beispielsweise insbesondere Beate Oddendahl, die uns als ein Muster aller Oberflächlichkeit entworfen ist, während sie am Schluffe, wo e« die Bühncnsttuation erfordert, plötzlich ihre Seele entdecken soll, obgleich sich vorher niemals ein Blick in die Tiefen dieses Seelenlebens aufgetan hat. Ferner mutet die Gestalt von Frau „Agnes" bisweilen recht unnatürlich an. Sie vertritt wohl mit oft langzügiger Deutlichkeit den gesunden Menschenverstand und entwickelt Gedankenaänge, die logisch unantastbar erscheinen, aber daß
Montag den L Oktober
Bekanntmachung.
Der in meinem Ausschreiben vom 10. September 1906 beschriebene Mann hat den Mord in Osterode a. H. nicht begangen.
Göttingen den 26. September 1906.
Der Erste Staatsanwalt.
Stadtkreis Hanau.
Städtische Sparkasse.
Gelder gegen erststellige Hypotheken zu 4% sind stets auszuleihen.
2 Der Vorstand.
Hus Hanau Stadt und fand.
Hanan, 1. Oktober.
* Taschen-Fahrplan. Der heutigen Ausgabe unseres Blattes ist der beliebte „T a s ch e n - F a h r p l a n", gültig vom 1. Oktober ab, beigefügt.
* Die neue Polizeiverordnung betreffend den Verkehr mit Kraftfahrzeugen, die am 1. Oktober für die Provinz Hessen-Nassau in Kraft tritt, finden unsere Leser im Wortlaute in der „Amtlichen Beilage" der vorigen Nummer. Die Verordnung enthält in erster Linie Vorschriften über die Beschaffenheit und Ausrüstung der Kraftfahrzeuge (auch Motorräder), ferner über deren Inbetriebnahme (Anmeldung bei der Polizeibehörde nach einem bestimmten Formular), über die polizeiliche Kennzeichnung, sowie Vorschriften für den Führer usw. Von der Beschaffenheit, des Fahrzeuges hängt die Zulassung zum öffentlichen Verkehr ab. Im Falle der Zulassung hat die Polizeibehörde das Kraftfahrzeug in eine Liste einzu tragen und mit einer Nummer zu versehen, die mit der Duchstaben-Bczeichnung des Bundesstaates oder engeren Verwaltungsbezirks das polizeiliche Kennzeichen bildet, das vorne und hinten an dem Fahrzeug sichtbar und in vorgeschriebener Schriftgröße anzubringen ist.
FC. Kurhefstsche Erinnerungen. (Vor 75 Jahren.) Am 30. September 1831 vollzog Kurfürst Wilhelm II. von Hessen auf Schloß Philippsruhe das Gesetz über die Mitregentschaft. Der Kurfürst erklärte darin, daß er den Kurprinzen Friedrich Wilhelm (den späteren Kurfürsten und letzten Hessenfürsten) zum Mitregenten angenommen habe, dergestalt, daß alle die Staatsregierung betreffenden landesherrlichen Beschlüsse und Verfügungen nur in Gemeinschaft mit ihm erlassen und unterzeichnet werden sollen und daß ihm bis dahin, wo der Kurfürst wieder seine bleibende Resi-
in ihren Adern lebendiges Blut pulstrt, davon kann man nur schwer zur Ueberzeugung gelangen. Abgesehen davon, ist aber die bühnenkundige Technik Philippi's, die er wie wenige heut lebende Schriftsteller benutzt, in "diesem Schauspiel nicht zu unterschätzen, das ohne Bedenken neben den beliebten seiner zahlreichen Bühnenwerke zu nennen ist. Der sehr geschickte Aufbau der Handlung ist folgender: Senator Oddendahl sieht sich veranlaßt, um seine alte Firma vor dem Zusammenbruch zu retten, nach einem „Helfer" zu bemühen, dessen Verkehr er bisher absichtlich gemieden hat, denn der Bankdirektor Steinharter ist zwar ein renommierter Großkaufmann, aber in seinen Lebensgrundsätzen denen des ehrenhaften Oddendahl zu femstehend. Steinharter steht ohne Wissen Oddendahls in einem Liebesverhältnis mit dessen Tochter Beate, was dem Zuschauer nach dem zweiten Akte vollständig klar ist, während der unglückliche Vater erst die Nachricht im letzten Akte erhält. Man erwartet förmlich schon die große Scene im zweiten Akte, der uns Beates heimlichen Besuch bei Steinharter vorführt. Man erfährt, daß der Senator an diesem Abend bei dem Bankdirektor als Hilfesuchender erscheinen will und muß während der ganzen Szene zwischen Beate und ihrem Liebhaber erwarten, daß Oddendahl angemeldet wird. Hier aber wird die Spannung noch in geschickter Weise gesteigert. Beate verläßt Steinharter vor der Ankunft des Vaters und die Szene zwischen letzterem und dem Bankdirektor gewinnt dadurch noch an Reiz, daß Steinharter zuerst natürlich glaubt, daß der V a t e r und nicht der Kaufmann Oddendahl ihn besuche. Der Verlauf entwickelt sich dann ganz glatt: Steinharter leistet, aus Gründen vollständig geschäftlicher Natur, die erbetene Hilfe, sodaß Oddendahl ihn für einen Gentlemen hätt . und sich jeder Kalamität entledigt sieht. Schließlich aber erfährt Oddendahl den Bestich seiner Tochter bei Steinharter durch seinen alten Prokuristen Brockmann, der annimmt, zwischen SteinharterS Unterstützung des Vaters und dem Verhältnis zur Tochter bestehe ein Zu- sammenhang. Er tünbigt seine Stellung und enthüllt
Fernsprechanschluß Nr. 605. 1906 denz nehmm werde, die allein ix.- trab ausschließliche Besorgung der Regierungsgeschäfte Üb-r^cagen bleibe. Gleichzeitig setzte eine kurfürstlich« Verkündigung dir Beweggründe zu dieser Anordnung auseinander und forderte die Untertanen auf, „auch hierin eine neue landeSväterlich« Huld und Gnad« dankbarlichst anzuerkennen und eingedenk zu sein, daß der Staat nicht bestehen kann, wenn in demselben nicht Obrigkeit und Gesetz geachtet, nicht innerhalb der Schranken vernünftiger Freiheit gehandelt, und wenn das Wohl des Ganzen dem Interest« Einzelner nachgesetzt wird." Hatte Wilhelm H. sich auch di« Wiederergreifung deS HerrscherstabeS vorbehalten, „wenn die Wohlfahrt deS Staates es erheischt» werde", so vermochte er doch nicht, sich dazu zu entschließen, Er verließ am 12. Oktober 1831 Schloß Philippsruhe und sein Land für immer und lebte fortan als Privatmann meistens in Frankfurt a. M., wo er am 20. November 1847 unter dem Untermainthor verstarb. Im Tode kehrt« er erst in der Nacht vom 17. auf 18. Dezrmber 1847 nach Hanau zurück. In bet Marienkirche in Hanau fand er seine letzte Ruhestätte.
• Dr. Dchapire's Experimeirtal-Vortraa findet, wie bekannt, Montag den 1. Oktober im Saale der „Centralhalle" statt. Für den Vortrag gibt sich lebhaftes Interesse kund und wir wollen nicht versäumen, nochmals darauf hinzuweisen, baß diese Experimente und deren leichtfaßliche Erklärung kennen zu lernen, für Jedermann belehrend und von Nutzen ist. Es ist somit zu hoffen, daß Herr Dr. Schapir« einen vollbesetzten Saal finden wird.
* Stadttheater. (Woch enspielplan.) Mittwoch: Neu einstudiert: „Unsere Frauen", Lustspiel in 5 Akten von G. v. Moser und Franz v. Schânthan. — Freitag: Neu einstudiert: „Dora", Komödie in 8 Akten von Victorien Sardou. — Sonntag: Zum ersten Male: „Sherlock Holmes", Detektiv-Komödie in 4 Akten von Albert Bozen- Hard.
* Konzert des Gesangvereins „Eintracht." Indem wir im Anzeigenteil der heutigen Nummer daS vollständige Programm zum Abdruck bringen, gestatten wir uns, das kunstsinnige Publikum auf den äußerst interessanten Inhalt ganz besonders aufmerksam zu machen. Hervorragendes Interesse dürften in erster Linie die Sologesänge der geschätzten Altistin, Frau Magda von Dulong, welche mit einem neuen, größeren Programm vor uns tritt, erwecken. (Wallfahrt nach Kevlaar von Felix Weingartner, Lieder von Wolf re.) Auch der Instrumentalist deS Abends, Herr Rob. Hansen, wird mit dem prachtvollen Cellokonzert von Saint-Saëns (mit Orchesterbegleitung) und seinen übrigen Darbietungen die Zuhörer in hohem Grade zu fesseln vermögen. Die Solis der beiden Künstler werden umrahmt
widerwillig das Geheimnis. Nun ergiebt Schlag auf Schlag die Schürzung des Knotens: Szene zwischen Oddendahl und Steinharter, der durch die List Oddendahls zum Geständnis gezwungen wird, Szene zwischen Steinharter, der sofort um Beates Hand angehalten hat, und Beate, die ihrem Werber als modernes „Uebermädch n" einen Korb erteilt. Hierauf folgt die Szene der Auseinandersetzung zwischen Beate und ihrem Vater, wodurch die Familie Oddendahl zum erstenmale von dem bevorstehenden Ruin erfährt, da der Vater nun naturgemäß an Steinharter sofort alles Geld zurückzahlen muß. Jetzt entdeckt Beate, nachdem sie zum erstenmal erfahren, daß Steinharter ihren Vater geholfen hat, plötzlich und merkwürdiger Weise ihr Herz, und beide schließen den Buicd für's Leben. Die Existenzfrage Oddendahls ist somit gesichert.
Bon einer kritischen Beleuchtung der einzelnen Darsteller sehen wir bei der Eröffnungvorstellung, einer alten Tradition huldigend, ab, möchten aber nicht unerwähnt lassen, daß die Jnszenirung dieses Werkes durch Herrn Ober-Regiffeur Steger, sowie das flotte Zusammenspiel unseres teils aus neuen Kräften bestehenden Ensembles einen günstigen Eindruck hinterließ. Als Beweis treuer Sympathie spendete daL vollständig ausverkaufte Haus den zu uns treulichst zurückgekehrten Herren K e m p f, H a u s e r, Steger, Gehrmann, N y g r i n, C. H. Müller lebhaftesten Antrittsapplaus. Die Aufnahme der Novität kann als beifällig betrachtet werden.
Kunst und Oeben.
Nürnberger Ausstellung. Der feierliche Schluß der bayerischen Jubiläums-Landesausstellung ist uumuchr endgültig auf Montag den 15. Oktober festgesetzt.