Erstes Blatt.
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WMjienSbniL und Verlag der Buchdruckerei bei «ereilt, au Waisenhauses in Hanau.
Gcneral-Anzeigcr
Amtliches Organ fit Lladi- uni FandKreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Sie fitesgefpaHene Petitzeil« ober deren Raum 15 U» tet ReklamenteU die Zeile 36 P^
«erautworü. Redakteur r ®. Cfreier in Han«.
Nr. 227 F-rnspr-chanschlutz Nr. 605.Freitag den 28. September stMDWMaikM,VIIstst!^!IME»MM>-«»MS««L«MWMsMNEaMIbiâMr«I^I^NMiENl!«I«I» .....iMMgBRgrofsgaawswraaa«^^
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1906
Amtliches.
Stadtkreis F)anau,
Zwecks Asphaltierung wird die SteinheimerstraHe zwischen Krämer- und Römerstraße vom 1. Oktober d. J. ab auf die Dauer von vier Wochen für den öffentlichen Fnhrverkehr gesperrt.
Hanau den 27. September 1906.
Königliche Polizeidirektion.
k 8207 J. V.: Siemon, Reg.-Assessor.
Steckbrief.
Der in untenstehendem Signalement näher bezeichnete Rekrut Rumpf, Goldarbeiter, welcher am 10. Oktober d. Js. beim Infanterie-Regiment Nr. 171 in Colmar eingestellt werden soll, hat sich am 13. d. Mts., abends, heimlich von feinem Wohnort entfernt.
Da auch seinen Angehörigen über seinen Aufenthalt nichts bekannt ist, so erscheint er -ringend der Fahnenflucht verdächtig.
1 Kreis
Signalement :
1. Familienname: Rumpf,
2. Vorname: Otto Lorenz,
3. Geburtsort: Groß-Auheim f Kreis
4. Aufenthaltsort: zuletzt Groß-Krotzenburg J Hanau,
5. Religion: katholisch,
5.
6. Alter: 22 Jahre 3 Monate
7. Größe: 1,62 m,
8. Haare: schwarz,
9. Stirn: flach,
10. Augenbrauen: schwarz,
12.
13.
14.
15.
16.
17.
18.
19.
20.
Augen: blaue,
Nase: breite,
Mund : gewöhnlich,
Bart: Anflug von schwarzem Schnurrbart, Zähne: gewöhnlich, im oberen Kieser fehlen 2 Schneidezähne,
Kinn: spitz,
Gestchtsbildung: etwas länglich,
Gesichtsfarbe: blaß,
Gestalt: untersetzt,
Sprache: deutsch.
Alle Behörden, welchen der zeitige Aufenthaltsort des Runipf bekannt ist, werden gebeten, ihn festzunehmen und «m gehend telegraphische Mitteilung an das unterzeichnete Gericht gelangen zu lassen.
Hanau den 27. September 1906. 20769
Gericht des Bezirks-Kommandos Hanau. Der Gerichtsherr. ~ ~ '
von Koppen Major z. D. und Bezirks-
Kommandeur.
Der Gerichtsoffizier.
Kloß
Oberleutnant und Bezirks- Adjutant.
Bekanntmachung.
Durch Ausschlußurteil des unterzeichneten Gerichts sind dre auf den Namen des Rentners Hermann Sanner zu Hanau ausgestellten Aktien des Vereins für gemeinnützige Zwecke zu Hanau
Sit A» Nr. 69, 70, 71 und 72 über je 50 — fünfzig — Taler mit dem Datum des Juli 1872, unterschrieben für den Aufsichtsrat durch H. Ziegler und für den Vorstand durch August Hoffmann, für kraftlos erklärt.
Hanau den 14. September 1906.
Königliches Amtsgericht 2. 20803
Hus F)anau Stadt und £and.
Hanau, 28. September.
Gerichtssaal.
Sitzung der Strafkammer vom 27. September.
Schwindeleien.
Der Reisende Kornelius von Ei e iberg vertrieb im vorigen Jahre für eine Kunstanstalt in Kaiserslautern Haussegen usw. Die Firma hatte einen Teil des Erlöses zum Bau eines Waisenhauses in Grebenhain bestimmt und über diese ihre Absicht dem Reisenden eine schriftliche Bescheinigung mitgegeben. AIS Kornelius nun entlassen wurde, benutzte er diese Bescheinigung zum Abschluß von Geschäften auf eigene Rechnung und bewog dadurch auch viele, die sonst nicht gekauft hätten, zu einer Bestellung. Er ließ sich nun, wo er eS bekommen konnte, die Hülste des Preises vorausbezahlen und stellte dafür eine Quittung aus, die er mit einem falschen
Namen unterschrieb. Als ihm dann der Prozeß gemacht werden sollte, sandte er einzelnen der Besteller, was er früher jedenfalls nicht beabsichtigte, die bestellten Waren zu, und zwar auf die Weise, daß er einfach eine Firma mit der Absendung beauftragte unter Nachnehmung eines Betrages, der ungefähr dem Restkaufgelde entsprach. Natürlich bekommen die Leute dann nicht Waren in der bestellten Qualität, sondern nur im Werte der nachgenommenen Summe geliefert. Immerhin waren sie noch besser daran als die, die überhaupt nichts bekamen. Im hiesigen Kreise versuchte der Schwindler sein Glück in Großkrotzenburg und es gelang ihm, 9 Abschlüsse zu machen. Viermal stellle er eine gefälschte Quittung aus. Für eine ganze Serie grenzenloser Betrügereien wurde er in den letzten Monaten bereits von 4 Gerichten abgeurteilt. Die Strafkammer erkannte einschließlich der hierbei erkannten Strafen auf insgesamt 9 Monate Gefängnis. Die Urkundenfälschungen wurden nur als einfache betrachtet, da er sie jedenfalls nicht in der Absicht, sich einen VermögenSvorteil zu verschaffen, beging, denn diesen hatte er sich bereits durch den Betrug verschafft, sondern nur deshalb, um einer Ausfindigmachung seiner Person durch die Behörden vorzubeugen.
Freigesprochen.
Der Maurer Emil Oetmann von Dammersbach fuhr einen fremden Baumstamm ab, der zwischen den von ihm ersteigerten lag. Das Schöffengericht hatte ihm geglaubt, daß eS sich um ein Versehen handelte und auf Freisprechung erkannt. Der Staatsanwalt zieht nach der Beweisaufnahme die Berufung zurück.
Messerstecherei.
Am Sonntag den 15. Juli traf der Friseur Wihelm Marscheider von Fulda auf dem Heimweg einige Burschen, von denen er wegen Nichtgrüßens zur Rede gestellt wurde. Er schlug auf die Belästiger mit seinem Regenschirm los, worauf ihn diese mit Stöcken und Messer bearbeiteten. Der Mefferheld war der Maler Gärtner, ein 19jähriaer junger Mensch, der dem Marscheider drei wuchtige Stiche in den Hals beibrachte. Er erhielt vom Schöffengericht $ulba 4 Monate Gefängnis. Der Arbeiter Müller erhielt 3 Monate Gefängnis. Ihre Berufung wird verworfen.
Schlägerei.
Am 1. Juli entstand vor einer Wirtschaft in Schlierbach eine Schlägerei, bei der al8 Waffen Besenstiele und Latten dienten, aber ernstes Unheil nicht angerichtet wurde. Die Ursache war ein spöttisches Gelächter einiger junger Leute, das" einige andere auf sich bezogen. Der Porzellandreher Wittgen gab seinem Aerger gleich dadurch Ausdruck, daß er einem der vermeintlichen Spötter ins Gesicht schlug. Auf dieses Signal hin begann die allgemeine Mobilmachung, wobei man die Wirtschaft als Waffenarsenal benutzte. Auf die Einzelheiten gab bei dem allgemeinen Durcheinander natürlich niemand acht und so konnte nur dem Steingutmaler Streble und dem Porzellanarbeiter Wittgen eine aktive Beteiligung mit einem Werkzeug nachgewiesen werden. Ersterer erhielt vom Schöffengericht 2 Wochen, letzterer 3 Wochen Gefängnis. Der Steingutdreher Coumans und der Fabrikarbeiter Schwind wurden freigesprochen. Auch wurden deren Verteidigungskosten der Staatskasse auferlegt. Durch die Strafkammerverhandlung wird erwiesen, daß sowohl Schwindt als auch Coumans sich der einfachen Körperverletzung, also ohne Werkzeug, schuldig gemacht haben, doch müssen sie mangels eines Strafantrages straffrei bleiben. Ihre Ver- teidigungskosten müssen sie aber auch aus der eigenen Tasche zahlen. "Bezüglich Streble und Wittgen wird die Gefängnisstrafe in eine Geldstrafe von 30 bezw. 50 Mk. umgewandelt.
Bedrohung.
Am 1. Pfingstfeiertag kamen in einer Hünfelder Wirt' schaff der Fabrikarbeiter Magnus Scheer und der Dienstknecht Josef Eck in Streit.- Auf der Straße warf der Eck den Scheer zu Boden, packte ihn an der Kehle und drohte ihm mit einem offenen Messer mit Massakrieren. Scheer schlug sodann mit einem geschlossenen Taschenmesser auf seinen Gegner ein. Das Schöffengericht hatte beide freigesprochen, die Strafkammer erkennt gegen Eck wegen Bedrohung auf 20 Mark Geldstrafe. Bezüglich Scheers, bei dem auch die Strafkammer Notwehr annimmt, bleibt es bei der Freisprechung.
* Der Landesverein für Innere Mission im Konsistorialbezirk basiel hielt vorgestern sein Jahresfest in Schmalkalden ab. Aus dem Kassenbericht ist das Nachstehende zu entnehmen: Die Gesamteinnahme beträgt 19 180 Mk., die Ausgabe 12 249 Mk. Zur Verteilung dtirch die Hauptversammlung heute stehen 4653 Mark. Der Vorstand schlug vor, dieselben folgendermaßen zu verwenden: Frankfurt-Bockenheim, Verein für Innere Mission 200 Mk.; Hess. Oldendorf, für Gemeindesaal 100 Mk.; Gesellschaft zur Fürsorge für zuziehende männliche Jugend in Berlin 50 Mark; Krankenpflegestation Biebergrund 200 Mk.; Eschwege, Schivesterstation 200 Mk.; Frankfurt-Seckbach, Kleinkinderschule und Diakonissenstation 150 Mk.; Barchfeld, Diakonissen
station 150 Mark; Jestädt, Gemeindesaal 150 Mark; Gemünden, Errichtung der Diakoniffenstation 200 Mk; Hanau, Verein für Innere Mission 500 Mk.; Marburg, Elisabeth- Verein 300 Mark; Roda bei Rosenthal, Errichtung der Diakoniffenstation 100 Mk.'; Oberzell, Ev. Vereinshaus 100 Mark; Langendiebach, Kleinkinderschule 200 Mk.; Allendorf a. d. Werra, Gemeindehaus 200 Mark; Raboldshausen, Krankenpflegestation 100 Mk.; Borken, Krankenpflegestation 200 Mk.; Beiserhaus Rengshausen 450 Mk.; Ev. VerrinL- Haus Cassel 1000 Mk. Die Vorschläge wurden gut geheißen. Bei der nun folgenden Vorstandswahl wurden gewählt: zum Vorsitzenden Generalsuperintendent D. Werner, als Stellvertreter Superintendent Wiffemann; zum Schriftführer Pfarrer Armbröster, als Stellvertreter Pfarrer Nordmann ; zum Schatzmeister Pfarrer Francke, als Stellvertreter Pfarrer D. Sardemann. — Das nächste Jahresfest wird in Eschwege abgehalten.
* Klasfenlotterie. Die, Erneuerungslose sowie die Freilose zur 4. Klasse der 215. Königlich preußischen Klaffenlotterie find nach den §§ 5, 6 und 13 des Lotterieplans unter Vorlegung der bezüglichen Lose aus der 3. Klaffe bis zum 2. Oktober d. J. bei Verlust des Anrechts einzulösen. Die Ziehung der 4. Klaffe dieser Lotterie wird am 6. Oktober d. I. ihren Anfang nehmen.
* Lohnbewegung in der Edelmetall-Industrie.
Die Vertreter der beiderseitigen Organisationen verhandelten gestern nachmittag von 3 bis 11 Uhr miteinander. In den Hauptpunkten wurde soweit eine Einigung erzielt, daß auf eine gütliche Beilegung der Bewegung gerechnet werden kann. Heute morgen 10 Uhr findet eine Versammlung statt, in welcher die Arbeiterschaft zu den getroffenen Vereinbarungen Stellung nehmen soll. Von deren Annahme oder Ablehnung wird es abhängen, ob eine Einigung zu stände kommt oder weitere Verhandlungen sich notwendig erweisen werden.
* Stadttheater. Die Eröffnungs-Vorstellung der diesjährigen Spielzeit bringt als erste Novität das erfdlgreich« Philippi'schc Schauspiel: „Der Helfer". Philippi ist dem hiesigen Publikum kein Unbekannter, seine Werke: „Wohltäter der Menschheit", „Das Erbe", „Asra", „Das große Licht" und „Der Dornenweg" haben auch hier starke Erfolge erzielt. Als einer der fruchtbarsten unserer modernen Dramatiker, kann man ihn in die erste Reihe der bevorzugten Bühnenliteraten stellen. Seine Schöpfungen haben zumeist einen etwas tendenziösen Charakter; mit Vorliebe fnüpft er die Handlung seiner Stücke an bekannte Vorgänge, die in der Politik und Gesellschaft Aufsehen erregt haben an, und erzielt dadurch beim Publikum ein doppeltes Interesse. Durch den geschickten Aufbau seiner Dramen, die reich an wuchtigen und überzeugenden dramatischen Szenen sind, weiß er den Hörer in seinen Bann zu zwingen, ihm das regste Jntereffe an feinen Schöpfungen einzuflößen und so seine Werke überaus bühnenwirksam zu gestalten. Sein letztes Schauspiel „Der Helfer" fesselt durch die packende und natürliche Schilderung eines Konfliktes, der durch die Auswüchse der verzerrten mobernen Anschauungsformen bedingt wird. Die Charaktere der handelnden Personen sind trefflich angelegt und durchgeführt. Packende dramatische Szenen find von mächtiger Wirkung und haben dem Stücke an allen Bühnen die glänzendsten Erfolge gesichert, sodaß man der hiesigen Aufführung unbedingt ein starkes Jntereffe entgegenbringen wird, umsomehr als es einem Teile unseres neuen Personals Gelegenheit gibt, in hervorragenden Rollen ihr Können zu entwickeln. — Die moderne Ausstattung des II. Aktes ist von der Firnia August Ohl (Inh. Aug. Ohl und Ludwig Lehr) geliefert.
* Erfreulich! Der Familien-Marken-Kousum-Verein „Einigkeit" ist in erfreulicher Entwickelung begriffen, was umsomehr zu begrüßen ist, als ja die Bildung eines zweiten Konsumvereins am hiesigen Platze vielseitig als Bedürfnis empfunden worden ist. Die Mitglieder erhalten für das abgelaufene Geschäftsjahr 6*/»°/o. Die Teilung findet am 4. Oktober d. J. statt.
* Turnerisches. Wie alljährlich, so hält auch in diesem Jahre und zwar am 30. September die Turngemeinde zum Abschluß des Sommetturnens ein ZöglingS-Wetturnen ab. Dasselbe besteht in einem Sechskampf und findet in Altersklassen von 14 bis 16 und 16 bis 18 Jahren statt. Der Beginn dieses Wetturnens ist auf halb 10 Uhr vormittags festgesetzt und sind Freunde der Turnsache hierzu freundlichst eingeladen. Abends 6 Uhr beginnend findet ein Familienabend verbunden mit Rekrutenabschied statt, wozu auch Freunde und Gönner des Vereins willkommen sind. Der mit den Vorarbeiter für diesen Abend betraute Festausschuß hat ein abivechselungsreiches Programm ausgearbeitet, welcher hauvtsächlich aus turnerischen Uebungen, wie Reckturnen und