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Drittes

Damm, K Anzeiger

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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckern deS verein, n. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ sm Shit and Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückmrgsgtbüh«,

Die fünf gespaltene PetitzeUe ober betet Kaum ^t im SReOameUeü die Zeile Pf»

Skranhoorti. Redakteur: E. Schreck«« i» H«».

Nr. 226 Fernsprechanschluß Nr. 605

Donnerstag den 27. September

«yernsprechanschlutz Nr. 605

1906

Staatliche Arbeitcrsiirsorge.

Nach den imReichsarbeitsblatt" veröffentlichten neuesten Zahlen über die Krankenversicherung für die deutschen Ar­beiter sind in-den Jahren 18851904 insgesamt 60 526 910 Erkrankungsfälle und 1017 804 984 Krankheitstage entschä­digt worden. Allein im Jahre 1904 betrug die Zahl der entschädigten Erkraukungsfälle nicht weniger als 4 642 679, und die Zahl der Krankheilstage belief sich auf 90 051 510, beides die höchsten Zahlen, die in der Zeit der bestehenden Arbeiterversicherung überhaupt erreicht worden sind. Diese fortschreitende Entwickelung, welche die Wohltaten der staat­lichen Versicherung gegen Krankheit, Unfall und Jnvalidiiät einer immer größeren Anzahl von Arbeitern zuteil werden läßt, zeigt sich auch in der Höhe der Entschädigung. Während im Jahre 1903 im Durchschnitt für einen mit Erwerbsun­fähigkeit verbundenen Erkrankungsfall nur 48, i 2 Mk. bezahlt wurden, stieg diese Summe im Jahre 1904 auf 52,07 Mk. Im Jahre 1885 waren nur 27,67 Mk. für den Erkran- Ängsfall gezahlt worden.

Bei der Unfall- und Juvalioenversicherung überwiegt zwar die Rentenentschädigung für die Vürch Unfall, Invalidität und Alter hervorgerufene Erwerbsunfähigkeit, immerhin be­fassen sich auch diese Versicherungszweige gleichfalls mit der Krankenfürsorge. Bei der Uniallversicherung kommen in Be­tracht die Fürsorge für die Verletzten innerhalb der gesetz­lichen Wartezeit und das spätere Heilverfahren; bei der In­validenversicherung die Heilbehandlung der Versicherten in Krankheitsfällen, welche Erwerbsunfähigkeit befürchten lassen, oder zur Hebung bestehender Erwerbsunfähigkeit. Die Be­rufsgenoffenschaften der Unfallversicherung haben die Fürsorge innerhalb der Wartezeit (in der Regel, während der ersten 13 Wochen nach dem Unfall) in der Zeit von 18931904 zu­sammen in 107 939 Fällen, im Jahre 1904 in 10 989 Fällen übernommen.

Abgesehen von der Fürsorge innerhalb der Wartezeit und der Heilanstaltsbehandlung sind 1904 von Trägern der Un­fallversicherung 83 720 Personen im Heilverfahren behandelt worden, wobei unter Heilverfahren zu verstehen ist: freie ärztliche Behandlung, Arznei- und sonstige Heil- und Hilfs­mittel, wie Krücken- und Stützapparate und dergl. Auch hier ist die Zahl der Behandelten von Jahr zu Jahr gestiegen. An Stelle der freien ärztlichen Behandlung und der Renten­zahlung kann von den Trägern der Unfallversicherung, freie Kur und Verpflegung in einer Heilanstalt gewährt werden. Hierzu ist die Zustimmung verheirateter und solcher Ver­letzter, die eine eigene Haushaltung haben, erforderlich, wenn nicht die Art der Verletzung eine besondere, nur in der Heil- Mstalt mögliche Behandlung, Verpflegung und Beobachtung

Feuilleton.

Die LeutNlMtsviMt.

Novellette aus dem Schwedischen von Hans Günther.

(Nachdruck verboten)..

Jung-Axel sah feit einiger Zeit recht traurig aus sein Vater, der alte Major, hatte es wohl bemerkt, und er wußte auch den Grund, doch gerade deshalb- hielt er es nicht für lohnend, von der Sache zu sprechen die Zeit gleicht alles aus, dachte der Alte, und solcher Kummer geßt vorüber. Hätte Axel gespielt, Schulden gemacht oder 'eine ähnliche Torheit begangen, die mit Geld bezahlt werden könnte, so hätte der Vater vielleicht ein wenig gebrummt, doch dann die Summe bezahlt und damit wäre die Sache vergessen. Doch nun hatte Axel sich verliebt in ein Mädchen, das der Major einer solchen Ehre keineswegs würdig erachtete. Man denke sich: ein junger Leutnant aus guter Familie, mit einem kleinen eigenen Vermögen und einem großen zu erwartenden, verliebt sich in eine'kleine Handwerkerstochter l Wer Brillanten bekommen kann, begnügt sich doch nicht mit einem Stückchen Glas! Und nie würde der Major seine Zustimmung zu dieser Verbindung geben, das gelobte er sich hoch und heilig; wie lieb ihm auch sein einziger Sohn war, er würde ihn enterben, wenn er ihm gegenüber auf seiner Verlobung" bestehen würde. Denn Vater und Sohn hatten bis jetzt noch gar nicht über die Angelegenheit gesprochen. Der Major hatte nur durch seine alte Haushälterin davon erfahren, die seit dem Tode der Frau Majorin Axel eine zweit« Mutter war. Ihr gutes altes Herz fühlte Axels Leid, und ohne sein Wissen hatte sie den alten Herrn davon zu überzeugen gesucht, daß eine Heirat aus Liebe das Himmel­reich auf Erden schafft, während eine Konvenienzehe .... Doch der Major war taub für alle Vorstellungen, der Sohn sollte sich nach seinem Wunsch verheiraten, oder sie waren für immer geschieden.Doch" schloß er seine Rede gerade, daß er mir nichts sagt, beweist, daß er seine Torheit infiebt und sie zu bekämofen sucht *

erfordert. Wird der Verletzte in einer Heilanstalt unterge­bracht, so erhalten seine Angehörigen dieselben Unterstützungen (Angchörigenrente) wie im Todesfälle, auch kann im Falle der Bedürftigkeit usw. noch eine besondere Unterstützung ge­währt werden. Eine solche Heilanstaltspflege ist im Jahre 1904 insgesamt 29 041 Personen zuteil geworden, und es ist Angehörigenrente im Jahre 1904 an 49 451 Personen- gezahlt worden. Der Kostenaufwand für Heilanstaltspflege betrug für eine behandelle Person im Jahre f904 153,37 Mk., im Jahre 1886 nur 79,81 Mk.

Die Invalidenversicherung hat die Krankenfürsorge in den Jahren 18971904 insgesamt in 238 531 Krankheitsfällen, welche Erwerbsunfähigkeit befürchten ließen, oder zur Hebung bestehender Erwerbsunfähigkeit übernommen. Die Aufwen­dungen beliefen sich in 49 491 Fällen im Jahre 1904 auf 12 735 081 Mk., 18911904 auf 56 252 921 Mk. Dieser Aufwand ist in stetiger Steigerung begriffen.

Diese Zahlen geben wieder ein überaus lehrreiches Bild von der geradezu großartigen Entwickelung unserer staailichen Arbeiteroersicherung. Aber freilich, für die Sozialdemokratie, die keine zufriedenen Arbeiter haben will, weil nur die unzu­friedenen zugänglich für die sozialdemokratische Verhetzung sind, ist diese deutsche Sozialpolitik nur eineBettelsuppe". Und so etwas nennt sichArbeiterpartei" !

Die französischen HervstmMöver.

In manchen französischen Zeitungen sind neuerdings Ur­teile laut geworden, nach denen man eigentlich die großen Herbstübungen in Frankreich, wie sie bisher angelegt, geleitet und dürchgeführt wurden, als eine Geldverschwendung be­trachten müßte, da sie für Führer und Truppen keinen Nutzen brächten. Im Journal schlagen die Brüder Margueritte vor, nur alle drei Jahre Manöver im großen Stil mit voller Entschlußfreiheit der Führer stattfinden zu lassen, in den übrigen Jahren dagegen nur die Truppenübungsplätze zu benutzen. Ihr Tadel stimmt in vielen Punkten mit dem Urteil eines Äerichterstatters des Standard überein. Trotz­dem sind diese Bemerkungen wohl zu hart. Der Engländer sagt, die .Maßnahmen bei den Schlußmanövern des 2. Korps seien mathematisch genau in allen Punkten im voraus fest­gelegt und nach dem Buchstaben ausgesühn worden, die Pioniere hätten seit 14 Tagen die Ueberbrückungsstelle der Oise gekannt, ebenso die Aufklärer die feindlichen Stellungen, von denAeberraschungen" habe man lange vorher gewußt. Die Kriegshandlung sei nicht ununterbrochen durchgeführt worden, sondern mit einem Stillstand während der Opera­tionen, in dem keine Patrouille geritten sei. Der englische Berichterstatter will auch schlafende Beobachtungsposten ge­funden haben, die Leute seien ohne Interesse für die Vor­gänge gewesen. Andere britische Bemerkungen beziehen, sich

Die Haushälterin schüttelte den grauen Kopf, sie kannte die Jugend zu gut, um das zu glauben.

Heute war nun der Sterbetag der Majorin. Da pflegte der alte Herr schon am frühen Vormittag stets an das Grab hinaus zu gehen und als Zeichen seines Kummers und seiner Sehnsucht ein paar Rosen darauf zu legen: doch heute hatte ein Besuch ihn daran verhindert, und er kam vormittags nicht mehr hin.

Die beiden Herren saßen wie gewöhnlich schweigend bei Tisch. Keiner erinnerte daran, welch merkwürdiger Tag heute war, und nach dem Kaffee zündete Axel evie stets sich eine Zigarre an und ging fort.

Der Major seufzte tief. Die Pfeife wollte ihm nicht, schmecken, er ließ sie ausgehen und versank in tiefes Sinnen. Wie anders war es doch früher, als ihr mildes Lächeln die Gegenwart erhellte, nichts konnte ihre Zärtlichkeit, ihre Für­sorge ersetzen, Erika war ja gut so gut, wie man es nur verlangen konnte, aber sie --

Zerstreut zog er den Ueber,sicher an, nahm Hut und Stock und ging. In einem Blumenladen kaufte er ein paar herrliche Rosen und wanderte langsam nach dem Kirck- Hof hinaus.

Doch ehe er noch das Grab erreicht hatte, sah er bereits zwei Personen davor stehen. Die eine erkannte er bald, es war sein Sohn, doch das junge Mädchen neben ihm, wer war das? Leise schlich er sich näher, um sie ungesehen be­trachten zu können, und verwundert blickte er in ein ent­zückendes, rosiges Antlitz mit ein paar bezaubernden, schönen Augen, sah er eine schlanke, wahrhait vornehme Gestalt. War sie das, die Handwerkstochter? Dèr Major machte sich kein Gewissen daraus, daß er in einem nahen Gebüsch stand, von dem aus er jedes ihrer SBorte belauschen konnte.

Nèin, Axel", hörte er das junge Mädchen sagen, und ein ernster Ausdruck lag um ihren kleinen Mrmd,weder hier noch in einem andern Lande könnten wir unser Glück finden ohne den Segen Deines Vaters. Sei ein Mann und trage Dein Geschick, werde Deines Vaters Stütze, was zu fordern und zu erwarten er ein Recht hat, und vergiß mich."

Niemals, Else, niemals!" rief Axel leidenschaftlich.Ist das Dein letztes Wort?"

auf die Nichtbenutzung der vorhandenen Munittonskolonnen für den Munitionsersatz, auf das Auftreten dichter-Masten im wirksamen Feuerbereich, auf ungenügende Ausnutzung des Geländes, das Fehlen von Maschinengewehren, die Ueber- lastung der Infanteristen u. s. w. Die Fachpresse verlangt durchgreifende Aenderungen in der Anlage. In der France Militaire wird eine Trennung der Manöver vorgeschlagen je nach dem Zweck der Schulung der höheren Führer und der Truppen. Alle drei Jahre sollen unter Heranziehung mehrerer Korps große Manöver stattfinden, bei denen beide Parteien aus weiter Entfernung anmarschieren. Führerund Stäbe find völlig frei in ihren Entschlüssen und müssen Sage und Mittel abwägen. Dadurch soll eine Operation sich in allen strategischen und takttschen Einzelheiten abspielen und das Ueberraschende und Unerwartete zu seinem Recht kommen. Während diese Manöver der Ausbildung der Führer dienen, sollen bei den jährlichen Uebungen die Truppen und Unter­führer in ganz anderm Maße wie bisher marschieren, schießen und fechten lernen. Die France Militaire behauptet, man sehe jetzt bei den großen Manövern wohl übertriebene Märsche, aber kein kriegsgemäßes Schießen auf Grund einer taktischen Lage, die Kämpfe seien überstürzt, litten immer an Unwahrscheinlichkeiten und werden abgekürzt. Bei dem täglichen ^Wechsel der Unterkünfte und den langen An- und Rückmärschen blieben für den eigentlichen Kampf nur 3 bis 4 Stunden. Dieser Zeitruum genüge selbst bei kleineren Ver­bänden nicht zu einer systematischen belehrenden Durchfüh­rung, bei der 6 bis 8 Kilometer Vorwärtsbewegung unter

Ausnutzung des Geländes nötig seien. Es trete dagegen Ueberstürzung ein, Nichtbenutzung des Geländes, Mißachtung des feindlichen Feuers, die Leute gingen unter dauerndem Feuer auf das Ziel los, entglitten der Führung und kämen schließlich völlig erschöpft in der mit Musik und schlagenden Tambours genommenen Stellung an und fielen nieder. Mft wenigen Ausnahmen trage der Kampf im Manöver den Stempel der Regellosigkeit und Unwahrscheinlichkeit. Das Matt verlangt Abhilfe durch Ausnutzung des Geländes und Scharfschießen gegen Scheiben auf Grund einer takttschen Lage. Dieser Tadel der Fachpresse schießt in vielen Bezie­hungen über das Ziel hinaus.- Zweifellos Haben sich manche Mängel gezeigt. Stellenweise gab es für Durchführung und Leitung der Manöver genaue Programme, einzelne komman­dierende Generale schränkten den Spielraum ein, den die Reg-

fe durch Ausnutzung des Geländes und Scheiben auf Grund einer taktischen

lements für Kampfesformen und Kampfesführung lasten. Verschiedentlich versagte die Fortsetzung der Aufklärung wäh­rend dös Gefechts durch die Kavallerie: auch das extreme Bestreben zeigte sich, beide Flanken durch starke Seiten­deckungen zu schützen,- was Zersplitterung der Kräfte hervor­rief. Taktische Stützpunkte wurden zu schwach besetzt, die Reserve stellenweise zu spät ausgeschieden, das feindlich« Feuer vielfach nicht beachtet, eine gewisse Vorliebe für Vor­position machte sich wiederholt geltend, die Sicherungen im Zustand der Ruhe genügten nicht immer. Anderseits waren aber Fortschritte vorhanden in der meist ruhigen und sach­gemäßen Entwicklung der brisanteste, die neben großen

Das muß es fein", sagte das Mädchen traurig.

Dann nehme ich im' Ausland Kriegsdienste an, hier bleiben kann ich nicht mit dem Bewußtsein, daß Du hier bist und nicht die Meine. Lebe wohl."

Heftig ging er fort. Doch Else sank auf das Grab und flüsterte:

Er hat so viel von Dir gesprochen, von Deinem edlen Gemüt, Deinem warmen Herzen lebtest Du, so könnt« vielleicht doch Du weißt, daß ich dieses Opfer aus Liebe bringe" sie brach in Tränen aus, und unbewußt rannen auch dem Major ein paar Tränen über die gefurchten Wangen.

Er blieb, bis das Mädchen sich entfernt hatte, dann legte er die Blumen auf das Grab und murmelte:Auch ich kann Opfer bringen, Antonie, Dein Sohn soll glücklich werden."

Am nächsten Tage hatte der Major eine lange Unter­redung mit der alten Erika, deren Folge war, daß diese Hut und,Mantel nahm, um fortzugehen und bald darauf mit demselben jungen Mädchen zurückzukehren, das der alte Herr gestern am Grabe seiner Frau gesehen hatte.

Bitte, bitte, nur näher," sagte der Major freundlich, alS sie errötend und verlegen in die Tür seines Zimmers trat. Ich wollte gern ein wenig mit Ihnen reden, weil weil" verlegen drebte er die Schnupftabaksdose zwischen den Fingern, setzte sich auf das Sofa, bat Ette, auf dem Stubl daneben Platz zu nehmen, und begann von neuem: ,

Ich bat Sie, hierher zu kommen, weil ich Ihnen danken Ouo Ute hm danken wollte für das Opfer, das Sie bringen indem Sie davon abstehen, die Frau meines Sohnes zu werden."

Mit Interesse beobachtete er ihr schönes Gesicht, daS be­ständig die Farbe wechselte, und da sie nicht antwortete, fuhr

Ich wurde nämlich gestern auf dem Kirchhof ganz um freiwillig hm ganz unfreiwillig Zeuge Ihres Ge- sprachs mit meinem Sohn."

Das junge Mädchen schlug verlegen die Augen nieder. ~Es ehrt Sie, ehrt Ihr Herz und Ihren Charakter, daß Sie fest bei Ihrem Entschluß beharren eine solche Ehe könnte doch nur unglücklich werden, sehr unglücklich' ich beabsichtige nun gut au machen--"