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*, Waisenhauses in Hanau.
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Amtliches Grza« für §tM- uni Mkreis Km«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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««rantloorü. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.
Nr. 225 Fer«sprechanschl«tz Nr. 605.
Eröffnung der Volksurademie.
Der Main-Rheinische Verband für Volks- bildung und verwandte Bestrebungen (Sitz Frankfurt a. M.) veranstaltet bekanntlich in Heppenheim a. d. B. eine sogenannte Volks-Akademie, d. h. eine Reihe von Vorlesungen über verschiedene Gebiete menschlichen Wissens und gesellschaftlicher Einrichtungen, die mit der Volks-Bildung im Zusammenhang« stehen. Die Hörer dieser Vorlesungen setzen sich aus allen Schichten der Bevölkerung zusammen, sie leben gemeinschaftlich 14 Tage mit- miteinander, um von einander zu lernen, die Anschauungen deS andern, der vielleicht einer ganz anderen Gesellschafts- fchicht angehört, kennen zu lernen und sich in seine Anschauung einzuleben, um sie bester verstehen und würdigen zu tonnen.
Der Main-Rheinische Verband für Volksvorlesungen und verwandte Bestrebungen hat mit seiner 1. Volksakademie, die im vorigen Jahre in Rüsselsheim stattfand, sehr gute Erfahrungen^gemackt, und hofft anläßlich der Veranstaltung seiner 2. Akademie auf die gleichen, wenn nicht noch besseren Erfolge.
Die 2. Volks-Akademie wurde nun gestern Abend im halben Mond mit einer einleitenden Feier, unter sehr günstigen Aussichten für das Gelingen der Akademie, eröffnet.
Schon lange vor der festgesetzten Zeit des Beginns hatten sich die weiten Räume des halben Monds gefüllt, nicht nur mit Bewohnern unserer Stadt, sondern auch von auswärts waren Besucher in größerer Zahl erschienen, besonders aus Bensheim.
Mit einer gesanglichen Darbietung eines dreistimmigen Frauenchors wurde der Abend eröffnet.
Herr Lehrer Georg Volk, Vertteter und Geschäftsführer des Main-Rheinischen Verbandes für Volksvorlesungen x. begrüßte in längerer Rede, in welcher er gleichzeitig die Ziele und Absichten des Verbandes klarlegte, die erschienenen Gäste. — Herr Kreisrat v, Hahn begrüßte namens der oberen Verwaltungsbehörde die Vertteter des Verbandes, die Teilnehmer an der Akademie in Heppenheim und sprach den Wunsch aus, daß auch die 2. Akademie in Heppenheim das schöne Unternehmen einen großen Schritt vorwärts bringen möge. — Herr Bürgermeister Höhn bewillkommnete die fremden Gäste und sprach die Hoffnung aus, daß es ihnen in Heppenheims Mauern so wohl ergehen möge, daß sie oft und lange an Heppenheim zurückdenken möchten. — Herr Professor Schnellbächer, Vorsitzender der Ortsgruppe Heppenheim, sagte allen Personen Dank, die es ermöglichten, daß die Akademie in Heppenheim stattfinden kann.
Nach einer Pause erhielt Herr Schuldirektor a. D. Müller- Heppenheim das Wort zu keinem einleitenden Vortrag über „Entwicklung". Wir müssen es uns leider Raum-
Mittwoch den 26. September
mangel halber versagen, den gedankentiefen und formvollendeten Vortrag zu veröffentlichen.
Volkslieder, gesungen von hiesigen Damen, und ein allgemeines Lied: „Was wir wollen" verschönten den Abend, in dessen Verlaufe noch Herr Stadttat Dr. F l e s ch-Frank- furt a. M. und Herr Oberlehrer Dr. Strecke r-Bad-Nau- heim, zwei Dozenten an der Volks-Akademie und ein Hörer, Herr Graveur Haag aus Frankfurt a. M. sprachen. — Heute beginnen die Vorlesungen und damit die ernste Arbeit, an der sich 36 ständige Hörer und verschiedene nicht ständige beteiligen.
Arbeitsplan.
Montag, 24. Septbr. Abends 8Vi Uhr in Wurths Garten: Geschichtliches über Heppenheim und Umgebung, Leutnant Gieß.
Dienstag, 25. Septbr. Landwirtschaftliche Winterschule 81/« Uhr: Die Psychologie des Bauern- und Arbeiterstandes in ihrem Verhältnis zur Volksbildung Dr. Stein, Göthes Weltanschauung, Dr. Strecker. Nachmittags 2'/- Uhr Ausflug nach Lorsch, Führung von Leutnant Gieß und Dr. Wetz. Abends 8*/i Uhr bei Knappmann: Cron-Lucken, im Volkserziehungsleben. (Erziehungs- schivierigkeiten, ursächliche Uebel,, bedenkliche Veranlagung und Frühbehandlung Schwacher und Gefährdeter.)
Mittwoch, 26. Septbr. Landwirtschaftliche Winterschule, 8*/i Uhr: Die Psychologie des Bauern- und Arbeiterstandes in ihrem Verhältnis zur Volksbildung Dr. Stein, Göthes Weltanschauung, Dr. Strecker. Besichtigung der Landesirrenanstalt. Mit vorausgehenden und nachfolgenden Vorträgen über das Wesen der Geisteskrankheiten, geistige Gesundheitspflege und Jrrenfürsorge, Dr. Kratz. Abends 8l/i Uhr: bei Knappmann: Was können die Frauen aus den werktätigen Ständen für ihr persönliches Leben von der Volksbildung erwarten? Frl. Bender. Was können die Frauen der" gebildeten Stände in der Volksbildungsarbeit leisten? Frl. "Beling.
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Ein Teil der Akademieteilnehmer trifft erst im Laufe dieser oder der nächsten Woche ein. Es sind deswegen jetzt noch nicht sämtliche zur Verfügung gestellte Zimmer besetzt. Die geehrten Gastgeber werdèr gebeten, dieselben bereit zu halten, bis V die entsprechenden Teilnehmer eintreffen.
Das HoplinsomHavs.
England ist das Land der Gegensätze und Ueber- raschungerz. Kommt man vom Kontinent nach London, ist man erstaunt über die geradezu primitive Einfachheit der Bahnhofsanlagen, die so gar nicht im Einklang zu stehen scheinen mit dem sich dort abspie'.enden Riesenverkehr; man fühlt sich enttäuscht von dem Straßenbild als solchem mit
Fernsprechat»schlutz Nr. 605
1906
seinen — mit Ausnahme der Citn — verhältnismäßig niedrigen, verräucherten, unschönen Häuserreihen; man fühlt sich angezogen, ja fasziniert von dem brausenden Menschen- sttom, dem scheinbar so wilden und doch so trefflich geleiteten Durcheinander der Wagen- und Omnisbusparke. Sind Auge und Ohr müde vom bunten Leben und Treiben in und unter den Straßen, so eilt man in die herrlichen alten Parkanlagen und findet bort — welch Kontrast! — ländlichen Frieden, Szenen idyllischen Familienlebens und Behagens. Auf den weiten, saftigen Wiesenflächen lagern die großstadtmüden Londoner oft stundenlang, halten Picknicks ab, oder schauen mit philosophischem Gleichmut den weidenden Schafherden zu. Kommt man zu günstiger Stunde in den stillen Konfington Park z. B., erblickt man oft weiter nichts als Himmel, Wiesen, Schafe, gerade als befände man sich aus heimatlichen, norddeutschen Fluren und nicht in der Metropole des Handels, nur wenige Minuten vonHauptaderndes Verkehrs entfernt.
ES ist ganz wunderbar, wie schnell die Bilder durch ganz London durch wechseln; neben schmutzigen Gassen und Gäßchen tun sich plötzlich vornehme, stille Villenstraßen auf, neben armseligen, vernachlässigten Häuschen erheben sich saubere, schöne Bauten, die sich über ihre eigene Existenz in solcher Nachbarschaft zu wundern scheinen. Ein solcher Bau erregte meine Aufmerksamkeit, als ich an einem grauen, trüben Herbsttag von Victoria-Station nach der Tate-Galette durch den Vauxhall Bridge Road wandettè. Jeder, der auf diesem Wege zu der berühmten Galerie gelangt ist, weiß, wie unerfreulich und öde diese Straße gerade ist, und wird begreifen, mit welcher Freude ich unweit der Dauxhall- Brücke ein neues, einladend aussehendes Haus begrüßte, das mir mit seinen blanken Fenstern und Erkern wie eine Oase in der Wüste erschien. Unb wirklich, wie eine Oale sollte es sich mir auch bald erweisen. Ich hatte recht schlechte Erfahrungen mit englischen Boarding-Häusern gemacht und hatte mich endlich an eine mir bekannte Engländerin mit der Bitte gewandt, mir ein wirüich gutes, preiswertes Boarding-Haus zu empfehlen. Wie groß war mein Staunen, als sie mich nach dem Hopkinson Haus Vauxhall Bridae Road 88 verwies, demselben Haus, das mit wenige Taffe vorher so vorteilhaft in die Augen gefallen war. Zu Nutz und Frommen meiner Leserinnen, von denen vielleicht manche über kurz oder lang die Schritte nach London lenst, möchte ich heute etwas davon erzählen.
Es gibt so unendlich viele Deutsche, die gezwungen sind, einige Zeit fern von der Heimat zu weilen; sei es, daß die Erlangung größerer Sprachfertigkett, ein wichtiges Rüstzeug im Kampf ums Dasein, den Aufenthalt in England notwendig macht, sei es, daß die durchschnittlich höheren Gehälter, die Lehrerin, Buchhalterin, Stenographistin, Se- tretärin oder was sie auch s^in möge, bestimmen, ihre Dienste
Feuilleton.
UntcrsccslMlc.
Von Heinrich Caro.
(Nachdruck verbot«.)
Durch die Einstellung von Unterseebooten in die Reihe unserer Schlachtflotte ist die Frage der Untersee-Teiegrapbie aufs neue lebendig geworden, und zwar verdoppelt sich biete Frage, da außer der unterseeischen Befehls- und Meldungs- Uebermittelung noch die Frage Hinzmritt, wie erhält ein Unterseeboot Aufklärung über die Stellung feindlicher Schiffe. Versuche in dieser Richtung sind schon seit längerer Zeit gemacht und haben bis jetzt den Erfolg erzielt, daß man auf Grund der schnelleren Fortpflanzung des Schalles unter Wasser Apparate konstruieren konnte, welche diese Bedingungen erfüllen und eine Untersee-Telegraphie bezw. eine Untersee- Telephonie ermöglichen.
Diese wichtige Erfindung ist wie bei fast allen Erfindungen auf eine zufällige Beobachtung zurückzuführen und datiert auf etwa sechs Jahre zurück.
Eines Tages machte ein junger Bostoner, Arthur Wundy, beim Schwimmen die Beobachtung, daß er beim Unterwasscr- schwimmen den Schall eines Steines, welcher von einem spielenden Jungen in das Wasser geschlendert mürbe, deutlich vernehmen konnte, während er beim Schwimmen an der Oberfläche kaum ein dumpfes Aufschlagen hören konnte. Er teilte diese Beobachtung dem kürzlich verstorbenen Professor Elisha Gray mit, welcher sich für die daran knüpfende praktische Konsequenz interessierte, und das Resultat dieser Konsequenz war das Untersee-Telephon.
Das physikalische Prinzip des Untersee-Telephons ist denkbar einfach und basiert auf der Tatsache, daß Schallwellen durch das Wassermedium rascher fortgepflanzt weiden, als durch das Lufimedium, und zwar ungefähr viermal schneller, sodaß der Schall unter Wasser in einer Sekunde ungefähr 1300 Meter zurücklegt, während er in der Luft »ur die Schnelligkeit von 333 Metern pro Sekunde besitzt.
Diese Schallwellen können nun durch eine Schiffsschraube, einen unterseeischen Glocken-Apparat oder durch irgend einen beliebigen Schallerreger erzeugt werden.
Das Problem des Untersee - Telephons erstreckt sich aber nicht auf die Art und Weise, wie Schallwellen erzeugt werden, sondern wie sie aufgefangen und übermittelt werden.
Machen wir uns erst mit der Tatsache vertraut, daß eine Schiffswand ebenso wie ein Trommelfell oder wie ein Telephon-Menibrane wirkt, daß sie also Schallwellen weiter- zugeben imstande ist. Run werden an der inneren Seite der Schiffswand kleine Metalltanks befestigt, welche mit einer Salzlösung gefüllt sind, die eine größere Dichtigkeit als Wasser hat. In dieser Lösung hängt ein Mikrophon, ein Apparat, welcher die schwächsten Schallwellen in hörbaren Effekt übersetzt. Von dem Mittophon führt eine Drahtleitung zur Empfangsstation, zu einem Telephon, welches aber anstatt eines Höhrers zwei besitzt. Der Empfänger gebraucht bei der Annahme der Meldung zuerst den einen Hörer, sodann den anderen und ermittelt durch den stärker vernehmbaren Ton, von welcher Seite die Meldung kommt.
So wird der Kapitän oder der dazu kommandierte Offizier leicht unterrichtet, auf welcher Seite des Schiffes sich z. B. Warnsignale befinden, oder er kann sich bei Nebel leicht darüber informieren, in welcher Richtung ein anderer Dampfer fährt, und kann zeitig genug durch Kursänderung eine Kollision vermeiden.
Die Erklärung, wodurch die Lage eines Warnsignals oder der Kurs eines Schiffes unv. so genau bestimmt werden kann, liegt in b^r immerhin merkwürdigen Tatsache, daß der Schall unter Wasser sich nur in gerader Linie bewegt. In einem Bericht an das Marineamt der Vereinigten Staaten stellte der Leutnant-Kommandeur Walling fest, daß die Lage einer Untersceglocke auf ein Achtel Strich bestimmt werden kann. (Der Kompas ist in 32 Striche geteilt).
Befehle und Meldungen werden mittelst eines verein- ! barten Zcichcnsystems übermittelt. Ein Offizier des Dampfers ! „Kaiser Wilhelm der Große" teilte vor einiger Zeit mit, daß er vier Meilen vom Nantucket-Feuerschiff folgende unter- j jeeische Meldung erhielt: 66 und zwar zuerst sechs Glocken- 1
schlâge — bedeutet 60 — eine Pause — dann weitere sechs Glockenschläge — 6 — also 66, das Codesignal des Nantucket-Feuerschiffs, nach einiger Zeit 68, das Codesignal von Fire Island, und später 51, das Codesignal von Sandy Hook.
Gehen wir über zur Anwendung der Nntersee-Telephonie auf Kriegsschiffen! In erster Linie ist durch *bie Nntersee- Telephonie eine Verbindung zwischen den Unterseebooten her- gestellt. Sie bleiben auf diese Wttse in ständigem Connex und können sich gegenseitig die Befehle, die ihnen durch den kommandierenden Admiral gegeben werden, übermitteln. Zur leichteren Handhabung hat man einen Apparat konstruiert. Er besteht im wesentlichen aus einer Klaviatur, ähnlich derjenigen der Schreibmaschine. Ein Druck auf einen Knopf setzt ein System von Hämmern in Bewegung, welche gleich dem Morse-Telegraphen bald kurz, bald lang anschlagen und dadurch Schallwellen erzeugen, die durch das Wasser fort« gepflanzt, zu dem Aufnahmeapparat des anderen Schiffes gelangen. Eine einfachere Methode besteht in dem Anschlägen eines Gongs oder einer Glocke, welche sich an der Schiffs- wand befinden.
Da jedes Schiff fortwährend vereinbarte Zeichen abgibt, so wird der Aufnahmeoffizier eines Unterseebootes bei Zeichen, welche sich nicht in seinem Code befinden, die Nähe eines feindlichen Schiffes leicht eruieren können. Je nach der Stärke des Schalles wird er dessen ungefähre Entfernung bestimmen können, ebenso wie er durch die abwechselnde Anwendung der Hörer erkennen kann, auf welcher Seite sich das feindliche Schiff befindet.
Das Untersee-Telephon ist jetzt nahezu von allen größeren Reedereien auf ihren Schiffen eingesührt. Selbst auf Segelschiffen und Pttvatjachten sind jetzt diese Sicherheilsapparate zu finden. So ist z. B. die Jacht „Atlantic", welche im vorigen Jahre den Kaiserpokal errungen hat, ebenso wie Pierpont Morgans Dampfjacht „Corsair" mit dem Untersee- Telephon ausgerüstet, und die Hoffnung liegt nahe, daß in nicht allzulanger Zeit alle ozeandurchquerenden Schiffe diese Apparate mit sich führen werden, wodurch die Sicherheit deS Verkehrs gewaltig gesteigert werden wird.