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Dr-rktUkhrvch 1,86 DL. monatlich 60 Pfg., fttr et» âtig. Abonnenten mit dem betrefsendeti Postaufschlax Die emzelne SRunu»« tostet 10 Psg.
H^Hfff^yH^ und Verlag der Buchdrucker« bei verein, o, Waisenhauses in Hamm.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis K
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Erscheint täglich mü Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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«erantworS. ReLaSeur: E. Schrecker in H«««.
Nr. 214 Fernsprechanschluß Nr. 605.
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Hanau, 13. September.
Beamtsn-Perfonalnachricht-n.
Ernannt: der Generalsuperintendent Möller zu Cassel zum Oberhofprediger an der Hofgemeinde daselbst, der Gerichtsreferendar Scheller zum Regierungsreferendar, die Rechtskandidaten Müldner und Franz Müller zu Referendaren.
Uebernommen: an Stelle des aus dem Gemeindeamte geschiedenen Bürgermeisters Zeh in Kilianstädten der jetzige Bürgermeister Rauch daselbst die Geschäfte des Standesbeamten und an des letzteren Stelle der Beigeordnete Köppel daselbst das Amt des Standesbeamten-Strllver- treters für den Standesamtsbezirk Kilianstädten.
Versetzt: der Gerichtsassessor Emil Ernst in den Bezirk des Oberlandesgerichts in Posen.
Entlassen: der Referendar Gottfried Ried es el Freiherr zu lÄsenbach aus dem Justizdienste behufs Ueber- tritts zur Allgemeinen Staatsverwaltung.
Inden Ruhestand versetzt: der Justizhaupt- kassenrendant, Rechnungsrat Maaß in Cassel.
* Unsere verehelichen Postabonnenten werden gebeten, Etwaige Klagen und Beschwerden über mangelhaftes oder unpünktliches Erscheinen des Hanauer Anzeigers, oder Reklamationen über ganz ausgebliebene Nummern dieser Zeitung nicht mehr bei der Expedition oder Redaktion des Hanauer Anzeigers, sondern stets bei dem Postamt ihres Wohnortes anzubringen. Es werden dadurch zeitraubende Weitläufigkeiten vermieden, eine schnellere Beseitigung der beanstandeten Mängel und eine sofortige Nachlieferung der fehlenden Nummern gesichert.
* Pfarrftellen. Bewerber um die infolge Versetzung ihres seitherigen Inhabers zur Erledigung gekommene Pfarrstelle zu Röhrda, Klaffe Eschwege, haben ihre Meldungsgesuche durch Vermittelung ihres zuständigen Superintendenten an Königliches Konsistorium in Caffel einzureichen.
* Ter Landesausschtts; für den Regierungsbezirk Cassel wird am nächsten Montag, den 17. September, zu seiner Herbsttagung im Sitzungssaal des Stände- hauses in Caffel zusammentreten.
* Gerichisferien. Am 15. September gehen die Gerichtsferien zu Ende und werden von diesem Tage ab die Geschäfte bei dem Land- und den Amtsgerichten in vollem Umfange wieder ausgenommen.
* Bogelherbergen. In Dortelweil wurde vor einiger Zeit ein „Verein zum Schutz nützlicher Vögel" ins
Feuilleton.
In der Verbannung.
Sibirische Skizze von Anton Tschechoff.
Aus dem Russischen von H. Felde.
(Nachdruck verboten.)
Der alte Semjon, den man den „Verständigen" nannte, und der junge Tatar, dessen Namen noch niemand von den andern Fergen wußte, saßen an dem Uferfeuer. Semjon war etwa 60 Jahre alt, knochig und zahnlos, aber breitschultrig und noch kräftig. Er war betrunken und wäre gern zur Ruhe gegangen. Aber vorher mußte der letzte Schluck aus der erst halbgeleerten Branntweinflasche getan sein, denn Semjon fürchtete, daß seine Kameraden in dem etliche Schritte von der Feuerstelle entfernten Fährhause ihrerseits Ansprüche erheben und ihm den Genuß des geliebten Branntweins verkürzen könnten. Der Tatar machte einen gequälten Eindruck, er war krank und erzählte, während er sich fiöstelnd in die Lumpen, die seine Kleidung ausmachten, hüllte, „wie schön es in seiner Heimat Ssimbirèk sei. Auch habe er dort ein junges, schönes und kluges Weib."
Er zählte ungefähr 25 Jahre, sah aber mit seinem traurigen, bleichen Antlitz, über das der Flammenschein spielte, fast noch wie ein Knabe aus.
„Natürlich ist hier kein Paradies," bemerkte der „Verständige", „Du siehst ja selber — Wasser und kahle Bergrücken ringsum — weiter nichts."
„Schlecht ist's hier, schlecht," seufzte der Tatar.
Eilig schoß der dunkle, eisige Fluß vorüber, das Wasser gurgelte und murmelte, das lehmige Ufer, an dem die große Fähre lag, eifrig unterspülend. In der Ferne, am jenseitigen Ufer, brannte trockenes vorjähriges Gras. Die Flammen züngelten in schlangenartigen Windungen dahin, dann versank alles wieder in nächtliches Dunkel.
,Du wirst Dich bald ans neue Leben gewöhnen," verätzte der Verständige lächelnd. „Du bist eben noch so
Donnerstag den 13. September
Leben gerufen, der bestrebt ist, den kleinen Helfern des Landwirtes und Obstzüchters bessere Aufenthaltsorte und Nistgelegenheiten zu verschaffen, zumal bei den Feldbereinigungen alle Hecken, Büsche, Rasen, alte Bäume usw. entfernt werden. Der Verein hat bereits an der Nidda zwei ausgedehnte Vogelherbergen unter Leitung des Lehrers Stock angelegt und mit Gebüsch, Bäumen, Rosen, Wacholder, Beerensträuchern und Weiden bepflanzt. Die Tätigkeit dieses Vereins verdient allgemeine Beachtung und Nachahmung.
* Friedensschluß im Bierkrieg? Gestern abend fand in der Turnhalle eine Zusammenkunft der hiesigen Brauereibesitzer, des Vorstandes des Wirtevereins, zu der noch hinzugezogen waren die Herren Haas- Keffelstadt, Gauwitz und Nies-Hanau, sowie der Boykottkommission statt. Die Wirte machten den Vorschlag, 50 Pf. der Steuer zu tragen, die Brauereibesitzer wollen dagegen die Sache zu 2/s und 1/s geschlichtet wissen. Danach würden auf die Wirte 60 Pf. pro Hektoliter entfallen. Der Ausschankpreis soll der alte bleiben, also 8/io 10 Pf., 4/io 12 Pf. Eine Einigung konnte jedoch nicht erzielt werden und es soll am Freitag vormittag um 9 Uhr eine neue Sitzung stattfinden unter dem Vorsitz des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Gebeschus. — Das Resultat der Verhandlung wird am Samstag in einer öffentlichen Volksversammlung der Bevölkerung bekannt gegeben werden. — Heute nachmittag findet in Frankfurt eine Plenarsitzung der Ringbraucreibesitzer von Frankfurt und Umgegend statt, in welcher das Ergebnis der gestrigen Ver- sammluugen von Frankfurt und Hanau jedenfalls zur Sprache kommen wird,
* Lohnbewegung. Die in der Edelmetallwarenindustrie beschäftigten Arbeiter sind willens, in eine Lohnbewegung einzutreten. Erstrebt soll werden u. a. neunstündige Arbeitszeit, 15prozentige Lohnerhöhung, Festsetzung eines Mindest-Wochenlohnes.
* Gesellenprüfung für Gold- und Silberschmiede. Alle Prüflinge des Gold- und Silberschmiedehandwerks, welche ihre Prüfung demnächst oblegen wollen, haben sich in der Zeit vom 15. September bis 1. Oktober 1906 unter Beifügung eines selbstgeschriebenen Lebenslaufes, des Lehrvertrags sowie des Lehrzeugniffes bei dem Vorsitzenden des Prüfungsausschusses Herrn L. Beschor, Hanau, Leipzigerstr. 57, zu melden.
* Der Wechselgeldschwindler auf Reisen. Wie bekannt, hat ein Sckwindler in Offenbach, Hanau, Mainz und Wiesbaden in raffinierter Weise beschwindelt, indem er sich Waren zur Auswahl senden ließ und für 100 Mark Kleingeld verlangte, weil er einen Hundertmarkschein zu wechseln habe. In allen Fällen gelang ihm sein Manöver. Er kaufte einen Gegenstand und ließ sich auf 100 Mark
jung und unerfahren, bist hinter den Ohren noch kaum trocken geworden, darum dünkt es Dich, daß Du jetzt unglücklich bist. Aber eS wird bald eine Zeit für Dich kommen, in der Du froh sagen wirst: „Gebe Gott einem jeden solch' ein Dasein wie es mir beschieden ist." Schau mich an, ich bin 22 Jahre hier Ferge und verlange nichts Besseres."
Der Tatar schürte das Feuer, schob sich dann näher zu ihm heran und sprach: „Mein Vater daheim ist alt und kränklich. Wenn er gestorben ist, so kommen meine Mutter und mein Weib her zu mir nach Sibirien. Sie haben es mir versprochen."
„Wozu das?" fragte der Verständige. „Das ist lauter dummes Zeug, Brüderchen. Der Böse versucht Dich, wenn er Dir solche Gedanken eingibt. Ringe mit ihm, höre nicht auf ihn, den Verfluchten, räume ihm keine Macht über Deine Seele. In Sibirien brauchst Du nichts mehr —nicht Vater, nicht Mutter, nicht Haus und Hof, nicht Weib und Freiheit."
Der Alte tat einen langen Zug aus der Branntweinflasche und fuhr dann fort: „Ich, Brüderchen, bin aus guter Familie, in Kursk, meiner Heimat trug ich einst einen feinen schwarzen Rock. Jetzt schlafe ich, wènns sein muß, unbekümmert unbekleidet auf hartem Erdboden und kann mich von Gras und Kräutern nähren, wenns nicht anders geht. Ich brauche niemand und ich fürchte nichts! Als ich aus Rußland in die Verbannung kam, da habe ich mir vom ersten Tage an gesagt, „daß es keine freieren und reicheren Menschen gibt, als mich." Auch mich hat damals der Böse versucht, und mir von Freunden und Verwandten, von Weib und Kind, von Freiheit und Heimat zugeflüstert. Aber ich hörte nicht darauf und ich danke Gott dafür. Vor fünfzehn Jahren schickte man einen vornehmen Herrn hierher in die Verbannung. Er hatte in einem Erbschaftsstreit gegen seine Brüder eine Fälschung begangen im Testament glaube ich. Man wußte nicht, ob er ein Fürst war oder ein Baron, oder auch nur ein Beamter. Er kaufte sich hier in der Gegend an und wollte wie er sagte, „von der Arbeit seiner Hände leben, im Schweiß des Angesichts sein Brot verdienen." Anfangs ging alles vor-
Fernsprechanschlittz Nr. 605. 1906
herausgeben.das Wechselgeld strich er ein und verschwand unter dem Vorgeben, denKassenschrinausdemNebenzimmer holen zu wollen. Gestern hat der Gauner in Gießen mit Erfolg operiert. Der dortige „Anz." bericht« darüber: In einem Schuh- warengeschäft wurde telephonisch um Zusendung von besseren Stiefeln von einem Herrn ersucht, der sich besuchsweise bei einer Familie in der Ludwigsstraße aufhalte. Zu gleicher Zeit ersuchte der Besteller um Mitbringung von Wechselgeld, da er mit einem 100 Markschein bezahlen wolle. Eine Verkäuferin des Geschäfts führte den Auftrag aus, der Herr zog die neuen Stiefel an, strich das auf den Tisch gezählte Wechselgeld ein, begab sich durch eine andere Tür, um den 100 Markschein zu holen und verschwand dann aus dem Hause. Es stellte sich dann heraus, daß der Betrüger erst firrz vorher das Zimmer gemietet hatte. Der Betrüger ist der Beschreibung nach derselbe, der unter dem falschen Namen Fischer, Sander und Meinecke gleiche Betrügereien in Darmstadt, Mainz, Wiesbaden, Offenbach und Hanau ausführte. Er ist etwa 24 Jahre alt, mittelgroß, schlank, hat blondes Haar und pockennarbiges Gesicht. Jedenfalls wird er seinen Trick in anderen Städten fortsetzen.
* Die Israeliten feiern bekanntlich in diesem Monat und im Anfang des nächsten ihre höchsten Feste, und zwar am 20. d. Mts. das Neujahrsfest (5667), am 21. zweites Fest, am 29. das Versöhnungsfest, am 4. Oktober das Laubhüttenfest und am 5. zweites Fest, endlich am 11. Laub- hüttenfest-Ende und am 12. Oktober Gesetzes-Freude.
* Nach dem Genuß von Trauben erkrankt ist ein Kaufmann in Mainz. Gegen die Rebschädlinge waren die Weinberge mit Kupfervitriolkalkbrühe gespritzt worden und die Flüssigkeit an den Trauben angetrocknet. Um sich vor Schaden zu bewahren, empfiehlt es sich daher, Trauben vor dem Genuß abzuwaschen.
* Hohe Summen find für die Bahnhofswirtschaften von Mainz und Wiesbaden geboten worden. Für die Wirtschaft im Mainzer Hauptbahnhof sind insgesamt 57 Angebote eingelaufen. An Jahrespacht werden geboten von 12 000 bis 30 000 Mk. An Angeboten für die Bahnwirtschaft im neuen Hauptbahnhof in Wiesbaden, von der man sich teilweise ein ungeheures Geschäft zu versprechen scheint, sind 47 an Zahl eingelaufen. Es wurden 10 000 bis 48 000 Mk. geboten.
* Steckbrief. Gegen den ■ flüchtigen 29 Jahre alte« Friseur Johann Robert Ambs von Fechenheim hat die Staatsanwaltschaft einen Steckbrief erlassen. Ambs hat eine Gefängnisstrafe von 4 Monaten zu verbüßen.
trefflicf), er war jung und kräftig; er fischte im Strom, mähte Gras und ritt stundenlang über Land. Aber bald fing er an zur Poststation zu reiten und nach Briefen aus Rußland zu fragen. Das war sein Unglück. Oft, wenn ich ihn mit der Fähre übersetzte, seufzte er: „Ach Semjan — warum nur schicken sie mir seins Geld von Hause?" „Ist garnicht nötig, Wasfiliy Ssergeiitch," sage ich. „Lassen Sie nun Ihre Vergangenheit ruhèn, so als hätten Sie alles bisher Erlebte nur geträumt. Hören Sie nicht auf die lockende Stimme des Versuchers, denn sobald Ihnen ein Wunsch erfüllt worden ist, wird er Sie sogleich nach etwas anderem verlangen. Das Schicksal hat uns beide schwer getroffen — aber wir wollen doch nicht um Gnade bei ihm betteln — nein, wir wollen seiner Macht spotten." Zwei Jahre vergingen, da kommt Wasfiliy Ssergeiitsch eines Tages zur Fähre gefahren und ruft mir strahlend und lachend zu: „Meine Frau ist mir in die Verbannung gefolgt, ich eile, sie zu begrüßen und heimzuholen." Nach ein paar Tagen kommt er mit Frau und Kind — ein reizendes kleines Mädchen wars. Und er ließ eS nicht aus seinen Armen und konnte sich nicht sattsehen an der schönen stolzen Dame, die seine Frau war. Don der Zeit konnte er nie genug Geld von Hause erhalten. Eine sündhafte Verschwendung "wars.
„Aber," sagte er mir eines Tages, „meine Frau ist vev- wöhnt, und aus Liebe zu mir entbehrt sie hier so manches, da suche ich doch wenigstens das zu schaffen, was ihr zu bieten in meiner Macht steht." Es fehlte auch nichts — weder ein Klavier, noch ein langhaariges Schoßhündchen auf dem Atlaspolster des DivanS im Gemach der Gnädigen. Drei Jahre waren ins Land gegangen, da ruft man in einer stürmischen Nacht nach der Fahre. ' Die gnädige Frau wars mit einem jungen Herrchen, der sie heimlich nach Rußland zurückgeleiten sollte. Was bot ihr denn das Leben hier bei uns?" Nichts, garnichts. Nur Berge und Wasser gibt es hier, kein Vergnügen — keine Früchte, keine Blumen — und ber eigene Gatte," wie man die Sache auch dreht und wendet — ist und bleibt doch ein zur Ansiedlung Verschickter. Die gnädige Frau und ihr Begleiter stiegen m ihre Troika und fort waren sie mit Windeseile. Gegen Moraen kam Wasfiliy Ssergeiitsch mit einem dampfend«