Erstes Blatt.
Bezugspreis-
Bierrelfâhriich 4,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für au?» öärtigi Abonnenten mit dem betressendm Postaufschlag
Die einzelne Numn»r kostet 10 Pfg.
-k»i»ti»uèdruck und Verlag der Buchdrucker« deS verein.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für SW und Landkreis Kanan.
Eiurückungsgâhr»
Die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg, m Reklamen teil die Zeile 35 Pfg.
d, Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Berantwortl. Redakteur: T. Schrecker in H««,
Nr. 205 Uernsprechanschlntz Nr. 605, Montag dkN 3. September
linnirf' »■mwiiuwi I' I H ............aaitxatxasxaBum^mxasanr. »Ml» iw>mm»i
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1906
■Esfcgmrwii' iiwwuijriMMJB»&MaKBMCMu^f-gy,^M*i^ui«asMaw»a8a^..TK^^:^^
Hus I)LNAu Stadt und Eand.
Hanau, 3. September.
31 Jchreskrèßt èes KWmhHrie-Vttems st SUU für das Mmltungsjahr 19051190(1
Den Zweck unseres Vereins: Der hiesigen Kunstindustrie förderlich zu sein durch Erstattung des Schulgeldes für die Kgl. Zeichenakamemie an bedürftige Lehrlinge der Gold- und Silberschmiedekunst konnten wir auch im abgelaufenen Vereinsjahre, dank der vielseitigen Anteilnahme an unseren Bestrebungen erfüllen. Bei einer Beteiligung von 164 Mitgliedern mit 179 Karten, gegen 151 Mitglieder mit 167 Karten im Vorjahre, und einem Verkauf von 185 Einzelkarten konnten wir einen Betrag von 241 Mark für unseren wohltätigen Zweck aufwenden, wodurch sich die seit dem 34- jährigen Bestehen unseres Vereins an die Zeichenakademie geleisteten Zahlungen auf 13 825 Mark belaufen. Zu den von uns veranstalteten Vorträgen, die sorgfältig aus allen Wissensgebieten gewählt werden, haben auch die vorgeschrittenen Schüler und Schülerinnen der Akademie kostenlos Zutritt.
Im vergangenen Vereinsjahre fanden folgende 7 Vorträge statt:
t. Den 19. Oktober, PredigerKarlBoigt- Offenbach: „Die Ergebnisse der neuesten astronomischen Forschung."
2. D en 17. November, Dr. Victor Pohl- meyer-Berlin: „Napoleon I. und sein Einfluß auf Deutschland."
3. D e n 5. Dezember, P i an i st i n Frl. Helene Gottstein-Mainz und Schauspieler Max D ö m e r - N ü r n b e r g : 1. Melodrama: „Hexenlied", Dichtung von Wildenbruch, Musik von Schillings. 2. Klaviervorträge und Rezitationen.
4. Den 4. Ianuar, Dr. Emil Milan-Berlin: „Deutscher Balladenabend von Bürgers Lenore bis zur Gegenwart."
5. Den 22. Ianuar, Generalkonsul Geh. Hofrar Ern st von Hesse-Wartegg-Luzern: „Marokko und seine Bedeutung für Deutschland." (Durch Lichtbilder erläutert.)
6. Den 20. Februar und den 1. März 2 Vorträge d e s Herrn Dr. FriedrichQuilling- Hanau: „Geschichte der antiken Kunst." (Durch Lichtbilder erläutert.)
Zn der Generalversammlung vom 26. Mai wurde an Stelle des auf seinen Wunsch aus dem Vorstand scheidenden Herrn Hauptmann a. D. Külp Herr Amtsgerichtsrat Prausnitz gewählt. Die Wah! eines Vorsitzenden wurde noch bis zur Erledigung der Direktorstelle an der Königlichen Zeichenakademie ausgesetzt.
Für den Winter 1906/1907 ist ein recht interessantes Programm vorgesehen. Zugesagt haben : Dr. Pohlmeyer- Berlin, der im vergangenen Winter mit so außerordentlich großem Beifall bei uns gesprochen hat; sein diesjähriges Thema lautet: „Anfänge Königs Wilhelms, der Verfassungskonflikt und der dänische Krieg 1858—1864." Marcell Salzer wird einen „Humoristischen Abend" veranstalten, Fräulein Helene G o t t st e i n - Mainz unter Mitwirkung einer hervorragenden Sängerin einen Musikalischen Abend und Fräulein Lydia Stoltze- Frankfurt, eine Enkelin von Friedrich Sioltze, einen Rezitations-Abend (hochdeutsche Vorträge und Frankfurter Dialekidichtungen). Ferner spricht Dr. Köppen- Berlin über: „Die Haupiströmungen der modernen Malerei in Deutschland" ; dieser Vortrag wird durch farbige Lichtbilder erläutert. In Unterhandlung ist der Vorstand mit dem bekannten Afrikareisenden Dr. Gustav Böhmer wegen eines Vortrags über Deutsch-Südwestairika.
Die von Herrn Akademielehrer Schimke geprüfte Rechnung zeigt in Einnahme Mk. 1200,48 und in Ausgabe Mk. 1063,04.
Hana u, den 1. Septeniber 1906.
Der Vorstand: Ernst I. Zimmerman n, Max Alberti, Rudolf Kehl, Karl K u r r, Professor O ff t e rd i n g e r, Amtsge- richtsrat Prausnitz, Dr. F. Schmidt.
* Kaiserbesitch in Meerholz. Nach Blättermeldungen wird das Kaiserpaar den im Herbst d. I. stattfinden- den Hochzeitsfeierlichkeiten in Meerholz anwohnen. Der Bräutigam der Gräfin Ortrud zu Nsenburg-Büdingcn-Mcer- Holz ist bekanntlich ein naher Verwandter unserer Kaiserin.
* Aenderung der Kandesgrenze. Die Gesetzsammlung enthält das Gesetz über die Aenderung der Landesgrenze gegen das Großherzogtum Hessen zwischen den Gemarkungen Hüttengesäß-Neuwiebermus und Altwiedermus vom 12. Februar 1906. Der Staatsvertrag lautet: Zur besseren Gestaltung und zur Feststellung der Landesgrenze zwischen dem Königreiche Preußen und bem Großherzogtume Hessen haben die seitens der Königlich preußischen Regierung bestellten Kommissare: der Landrat des Kreises Hanau von Beckerath und der'Spezialkommissar in Hanau, Regie- rungsrat Dr. Wenke und die seitens der Großherzoglich hessischen Regierung bestellten Kommissare: der Kreisrat Boeckmann in Büdingen und der Feldbereinigungskommissar in Friedberg, Kreisamtmann Spamer die folgende Vereinbarung getroffen: § 1. Das Königreich Preußen tritt von der Gemarkung Hüttengesäß-Neuwiedermus, Kreis Hanau, den in dieser belegenen Teil des die hessischen Ortschaften Altwiedermus und Ronneburger Hof verbindenden Landwegs und den auf der westlichen Seite dieses Landwegs zwischen den hessischen Gemarkungen Altwiedermus und Ronneburger Hof liegenden Wiesenstreifen mit einem Flächeninhalte von 5 ha 79 a 53 qm an das Großherzogtum Hessen zu der Gemarkung Altwiedermus, Kreis Büdingen, ab. Zu der Bezeichnung der neuen Hoheitsgrenze sind an der östlichen Seite des erwähnten Landwegs neun Grenzsteine mit den Nummern 217 bis 225 neu gesetzt worden. Die neue Grenze wird zwischen diesen Grenzsteinen durch die geraden Verbindungslinien von Stein zu Stein und weiter durch Verlängerung der die Grenzsteine Nr. 224 und 225 verbindenden Linie bis zur Mitte des anstoßenden Grenzgrabens gebildet, §2. Das Großherzogtum Hessen tritt dagegen von der Gemarkung Altwiedermus, Kreis Büdingen, an das Königreich Preußen zu der Wemartung Hüllengejäß-^eMiedermus^ Kren- Hanau, eine an diese Gemarkung auf der Strecke zwischen dem alten Grenzsteine Nr. 210 (preuß. Bezeichnung) und dem neugesetzten Grenzsteine Nr. 217 (§ 1 Abs. 2) angrenzende Fläche von 5 ha 79a 53 qm ab. Zur Abgrenzung dieser Fläche gegen das Großherzogtum Hessen sind zwischen den erwähnten Grenzsteinen Nr. 210 und Nr. 217 sechs neue Grenzsteine mit den Nummern 211 bis 216 gesetzt worden. Die neue Hoheitsgrenze wird zwischen den Grenzsteinen Nr. 210 bis 217 durch die geraden Verbindungslinien von Stein zu Stein gebildet. § 3. Infolge der in den §§1,2 vorgesehenen Grenzveränderungen kommen die bisherigen Grenzsteine Nr. 226 bis Nr. 288 als Hoheitsgrenzzeichen in Wegfall. § 4. Zur Entschädigung für den Ausfall an Grundsteuer, den die preußischen Gemeinden Hüttengesäß und Neuwiedermus infolge des Gebietsaustausches (§§ 1, 2) erleiden, zahlt ihnen die hessische Gemeinde Altiviedermus am Tage der gegenseitigen Gebietsübergabe eine einmalige Abfindung von 98,75 Mk., in Buchstaben: „Achtundneunzig Mark fünfund- siebzig Pfennig". § 5. Die zwischen der preußischen Gemarkung Hüttengesäß-Neuwiedermus einerseits und der hessischen
folgende Gedächtnisfeier vorbereitete. Herr Landgerichts- prâsident Geh. Ober-Justizrat Koppen hielt die Gedächlltis- . rede, erinnernd an die Zeit der tiefsten Erniedrigung Deutschlands, der nach jahrzehntelangem Ringen seine endlich« Einigung und Entfaltung zu herrlicher Macht und Größe folgte, deren Gedächnis wir heute begingen. Sein Hoch galt dem deutschen Vaterlande, in das die Anwesenden begeistert einstimmien. Die Musik intonierte hierauf „Deutschland, Deutschland über alles", das bei der Menge lauten Widerhall fand. An den vier Ecken stammten abwechselnd bengalische Feuer auf, das das steinerne Monument in prächtigem Glanze erstrahlen ließ und die Feier noch um so eindrucksvoller gestaltete.
* Die tote Saison. Im Löwengartchen hielten am 30. v. M. die Vorstände der Vergnügungsvereine von Hanau eine Zusammenkunft ab, in der zum Bierkrieg Stellung genommen und einstimmig folgende Resolution angenommen wurde: „Die heute am 30. August 1906 im Restaurant Löwengänchen stattgefundene Konferenz der Vorstände der Vergnügungsvereine erklärt sich solidarijck mit den übrigen Vereinen, Festlichkeiten jeder Art nicht abzuhalten, noch solche zu besuchen. Ferner erklären die Vereine bei einem evtl. Wortbruch gegen obigen Beschluß unter ihren Mitgliedern so Gemarkung Bcundehof andererseits verlaufende Hoheitsgrenze zu agitieren, daß die evtl. Festlichkeiten nicht besucht werden, »on dem Grenzsteine Nr. 207 bis zu dem Grenzsteine j Laut Beschluß werben Festlichkeiten vom 3. September 1906 Nr. 210 (preußische Bezeichnung), die in den vorhandenen ; bis 1. April 1907 nicht abgehalten." beiderseitigen Katasterkarten nicht übereinstimmend zur Dar- * Oratorienvereitk. Der Oratorienverein veröffcnt-
stellung gebracht ist, wird dahin festgestellt, daß die geraden Verbindungslinien von Stein zu Stein die Grenze bilden. Ein Gebietsaustausch findet hierbei nicht statt. § 6. Die Lage der nach §§ 1, 2 auszutauschenden Flächen, die dort vorgesehene neue Hoheitsgrenze und die int § 5 festgestellte Hoheitsgrenze sind in den angeschlossenen beiden Karlen ersichtlich gemacht. § 7. Dieser Vertrag ist von den beiden beteiligten Staatsregierungen zu genehmigen. Er tritt mit dem Tage in Kraft, an dem die Auswechselung der genehmigten Vertragsurkunden statlfindet. Zu llrfunb besten haben die beiderseitigen Kommissare den gegenwärtigen Vertrag und die im § 6 bezeichneten Karten in je zwei Ausfertigungen unterzeichnet und mit ihren Siegeln versehen. So geschehen Alt- wiedermus den 9. August 1904. von Beckerath,
* Sedanfeier
2. September gilt
heute vor allem dem Tage, der den ersten Grundstein gelegt hat zur endgültigen Wiedervereinigung der so lange entzweiten deutschen Volksstämme. Aus diesem Grunde begrüßen wir cs, daß die Kriegervereine daran festhalten, in der Wiederkehr dieses Tages alle vaterländisch denkenkeu Männer zu einer echt deutschen Feier um sich zu versammeln. Dies hat hier wie von jeher der Kriegerverein Hanau in die Hand genommen, der zur Einleitung der diesjährigen Sedanfcier am Samstag abend in seinem VcreinSlokale einen Kommers abhielt. Kamerad Lehrer Schnell leitete die Feier ein mit einer gehaltvollen Ansprache, die sich in fesselnder Weite mit dem Thema
beschäftigte, warum wir Sedan feiern dürfen und müssen. Die Ansprache endete mit dem Hoch auf Se. Maj. i den Kaiser. Der Vorsitzende Herr Hauptmann a. D. i von Buttlar gab einen interessanten Neberblick über die : kriegsgeschichtlichen Ereignisse bis zum 31. August 1870, I Kamerad Roth unterhielt mit Erinnerungen aus dergroßen s Zeit, die Hauskapelle sorgte zwischendurch für die musikalische ; Unterhaltung. So verlief der Abend in der für die Be- ; deutung der Feier würdigsten Weise. Am gestrigen Sonntag
begaben sich der Kriegerverein und der Veteranenverein zum Gottesdienst in die Johanniskirche, in der Herr Pfarrer Bär die Festpredigt hielt. Nach dem Gottesdienst marschierte der Kriegerverein und der Veteranenverein auf den Friedhof, woselbst an den Kriegergräbern seitens der Vorsitzenden beider Vereine Kranzniederlegung stattfand.
* Die Sedanfeier bei der Bisrnarcksäulc. Eine ungeheure Menschenmenge flutete gestern nachmiitag zu Fuß und per Bahn nach Wilhelmsbad, woselbst der Sedanrag durch eine Gedächtnisfeier an den großen eisernen Kanzler begangen wurde, die würdig und eindrucksvoll zugleich die Anwesenden wieder an die große Zeit gemahnie, da durch Blut und Eisen das Deutsche Reich zusammengeschmiedet wurde. Ein herrlicher Nachsommertag begünstigte die patriotische Gedenkfeier, wobei aber leider durch den großen Andrang viele Teilnehmer keinen Platz finden konnten. Bei
einbrechender Bismarcksäule dem Denkmal woselbst die hatte und
Dunkelheit flammte das Feuer auf der auf, für die Besucher das Signal, sich an für den eisernen Kanzler zu versammeln, Jnfanteriekapelle Aufstellung genommen durch passende Vorträge auf die nach-
* Oratorienvereitk.
Der Oratorienverein veröffcnt-
lickt im Inseratenteil der heutigen Nummer den Konzertplan 1906/07. Die größeren Werke des 1. und 3. Konzertes, welche den Solisten sowohl wie dem Cbor vrâchtige Aufgaben zuweisen, werden vom Verein zum ersten Male auf- gcführt. Aber auch das 2. Konzert dürste hinsichtlich seines musikhistorischen Aufbaues großes Interesse erregen. Ein Abonnement auf die Konzerte des Oratorienvereins in dieser Saison ist deshalb sehr 311 empfehlen. — Alle aktiven Mitglieder werben mit dem Hinweis auf das 1. Konzert, welches schon am 23. Oktober staitfindet, nochmals freundlickst gebeten, die Proben pünktlich und regelmäßig zu besuchen. Hoffentlich sind morgen alle Mann an Bord.
* Städtische Badeanstalt. Im Monat August 1906 wurden an Bädern abgegeben: Kl. I: 69, Kl. U: 179, Kl. III: 994, Douchebäder 10, Römisch-Irische Bäder 13; zusammen 1265 Bäder. Die größte Zahl der abgegebenen Bäder betrug 107 am 4. August, die kleinste Zahl je 13 am 16. und 29. August.
* Silbers «tâ, Der Konventionspreis des 0,800 feinen Silbers beträgt für Aufträge vom 1. d. Mts. an bis auf weiteres 79 Mark per Kilo.
* Maittwasserwärme gestern abend 18 Grad.
Schiffßberichte.
(Mitgetcilt bont Vertreter des Norddeutschen Lloyd in Bremen M. Lchuster, Fahrstraße Nr. 1).
Der Dampfer „Main" ist am 30. August wohl behalten in New-2)ork augekommen.