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Drittes Matt.

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U»taL«rtdr«ck und Verlag der Buchbruckerei des verein. ct. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Orga« für ÄM- utiii fanteeis Ka«a«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

EinrLcknngsgeLLHe r

Die fünf gespaltene Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg, im Reklamenteil die Zeile SS Pfg.

Dersutwottl. Rrdâvcr 6. Schrecker ta H««l.

Ul. 204 Fernsprechanschltch Nr. 605.

Amtliches.

Stadtkreis Ranau, Bekanntmachung.

Auf Anordnung des Herrn Ministers des Innern wer­den zum Zwecke der Aufstellung einer Statistik alle dem Unteroffizier- oder MânnfchaftssLande ange- Hörigerr Teilnehmer an dem Feldzüge 1870/71 und den von deutschen Staaten vor 1870 ge­führten Kriegen, die aus Reichsmitteln weder gesetzliche Jnvalidenpenfionen, noch Unterstütz­ungen nach Maßgabe des Allerh. Gnadenerlaßes vom 22./7. 84 beziehen, ersucht, sich innerhalb 14 Tagen beim hiesigen stâdt. Meldeamte, Marienstraße Nr. 2 (Stadtschloß) in den Dienst- stunden vormittags von 1012*/2 Uhr und nach­mittags von 3-5 Uhr unter Borlage der Militär­papiere, soweit solche noch vorhanden, zu melden.

Von denjenigen Kriegsteilnehmern, welche dem hiestgen Kriegerverein, Veteranenverein oder dem Verein der Militäranwarter als Mit­glieder angehören, ist eine Meldung nicht nötig, da die notwendigen Notizen von diesen Ver­eine« gemacht werden.

Hanau de« 28. August 1906.

Der Magistrat.

Z. A.: Dr. Koppen. 17763

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DoUtiTeber Mocbenberlebt».....

Heller Freudenglanz ging während der verflossenen Woche vom deutschen Kaiserthron aus und überstrahlte unser Vater­land in allen seinen Gauen und Stämmen. Der erstgeborene Sohn des Kronprinzen empfing unter Teilnahme der Mitglieder des Kaiserhauses und einer glänzenden Ver­sammlung von Fürstlichkeiten und Vertretern aller Staaten Europas das heilige Sakrament der Taufe. Es wurden ihm die Namen Wilhelm Friedrich Franz Josef Christian Olaf beigelegt. Aus Millionen und Abermillionen treuer Untertanenherzen stiegen für den hohen Täufling Gebete zum Herrn der Heerscharen empor, daß er den künftigen Lenker der Geschicke Deutschlands in seine gnädige Obhut nehmen und ihm eine segensvolle Lebens- und Laufbahn bescheren möge. Diesen Wünschen schließen auch wir uns voller Jn- hrunst an.

Der Katholikentag in Essen hat, wie immer die allgemeinen Katholikenversammlungen, einen äußerst

Feuilleton.

Wilderer und Förster.

Eine Studie zur Eröffnung der Jagd-Saison von R. Friede.

(Nachdruck verboten.)

ES ist Spätsommer geworden, die Abende werden kürzer, die Nächte kühler und wenn es am Tage auch noch sengend heiß ist, als ob wir Juli schrieben, so mahnen der Anblick der kahl gewordenen Felder und die Flugübungen der Schwalben doch daran, daß der Herbst mit schnellen Schrit­ten naht.

Auch die Jagd ist wieder aufgegangen, diesmal nach einem zeitigen Frühjahr, das die Bruten schnell heranwachsen ließ, früher als sonst. An 300 000 Jäger so hoch beläuft sich nämlich nach der deutschen Jagdschein-Statistik einschließ­lich der Sonntagsjäger und Schlumpschützen das Heer der Hubertusbrüder setzen sich in Bewegung. Als ungebetene und höchst unerwünschte feindliche Außenseiter aber verderben ihnen die Jagdfreude mindestens ebenso viele wilde Jäger, Wilddiebe und Schlingen- und Fallensteller, die unter den Wildbeständen ganz entsetzlich hausen und natürlich, abge­sehen von der Gesetzwidrigkeit ihres Treibens, keine jener Rücksichten walten lassen, die jeder feine wildkochliebende Jagdberechtigte und Forstschutzbeamte gegenüber dem Mutterwild und sonstwie zur Schonung seiner Bestände walten läßt.

ES ist schwer zu verstehen, wie sehr die irregeleitete Phan­tasie und falsche Sentimentalität der Volksseele noch heute nach vieltausendfachen bösen Erfahrungen dazu neigt, daS Charakterbild des Wilddiebes womöglich zu einer Helden­gestalt umzuwandeln, der sich die Sympathie oder wenigstens das Mitleid zuwendet. Hunderte von schlechten Romanen und Novellen arbeiten nach dem bekannten Rezept, dem hartherzigen reichen Jagdherrn, der vielleicht gar des Wil­derers immer zauberhaft schöne und engelhaft gute Tochter

Samstag den 1. September

glänzenden Verlauf genommen und der Welt von neuem ein imposantes Bild der im katholischen Lager herrschenden Einig­keit geboten. Sehr sympathisch berührten auf dem Essener Tage die von verschiedenen Seiten, insbesondere auch von dem Kölner Kardinalerzbischof Fischer, angeschlagenen warmen Friedenstöne gegenüber den Evangelischen. Hier liegt in der Tat eine der Hauptaufgaben unserer Zeit. Wenn irgend etwas, so ist die Kulturkampfstimmung hüben wie drüben aus dem politischen Leben der Gegenwart zu verbanneu. In einer Epoche, wo der gemeinsame Feind alles Christentums, der in der Sozialdemokratie verkörperte Unglaube und Materialismus, vor dem Tore steht und in unablässiger Minierarbeit das christliche Lager zu stürmen sucht, wäre es geradezu Selbstmord, wollten sich die beiden großen christ­lichen Konfessionen in törichtem Bruderzwist zerfleischen. Nein, Einigkeit tut not. In der Einigkeit liegt die Stärke, und deshalb sind die Essener Friedensworte mit lebhaftem Danke aufzunehmen, und es wäre dringend zu wünschen, daß sie weithin empfänglichen Boden finden und tausendfältige Frucht tragen möchten.

Wohin am letzten Ende jene gottenifremdete, rein im Dies­seits wurzelnde Gesinnung führt, das haben die letzten Mord­taten in Rußland, vor allem das Attentat auf den Ministerpräsidenten Stolypin, wieder einmal in wahrhaft grausiger Weise dargetan. Von Gottes un­sichtbarer Hand geschützt, entging der Ministerprästdent dem ihm zugedachten Schicksal, aber zahlreiche unschuldige Personen fielen der Zerstörungswut elender Bombenwerfer zum Opfer. Es wäre vergeblich, auch nur nach einem Fünkchen Sinn und Verstand in diesem Verbrechen zu suchen. Kaum jemals wohl hat Rußland einen besseren Mann an seinem politischen Steuerruder gesehen als gegenwärtig. Die, gan^e Amts­führung Stolypins hat bisher bewiesen, daß er ein ent­schiedener Freund besonnener Reformen und des gesetzmäßigen Fortschrittes ist. Ein Russe, der gegen ihn die tödliche Bombe schleudert, versündigt sich daher an seinem Vater­lande. Doch was ist diesen waschechten Jüngern der roten Internationale das Vaterland anders als ein leeres, wertloses Schemen!

Im europäischen Orient gärt es wieder einmal an allen Ecken und Enden. Zwar hat der Zwischenfall zwischen Rußland und Bulgarien eine schnelle Erledigung im gütlichen Sinn gefunden, dafür aber erscheint der Konflikt zwischen Bulgarien und der Türkei desto schärfer zugespitzt. Auf die von der Türkei wegen der griechenfeindlichen Aus­schreitungen in dem zu Ostrumelien gehörigen Orte Anchialos erhobenen Beschwerden hat die bulgarische Regierung eine ge­harnischte Note nach Konstantinopel gerichtet, in der sie der Pforte das Recht abspricht, sich in die inneren Angelegen­

verführt oder sonstwie ihn in seiner Seele zu Tode getroffen hat, den bedauernswerten und geknechteten Wilderer ent­gegenzustellen, Ler sich gegenüber dem starren Gesetz, das sich die Besitzenden gegeben haben, auf Las moralische Recht der Wiedervergeltung beruft und, wenn er schließlich als Mör­der eines Forstschutzbeamten vor den Geschworenen steht, seine Verteidigung zu einer glühenden Anklage gegen er* barmungslose Klassenvorrechte umgestaltete.

Die nackte ungeschminkte Wahrheit ist leider ganz anders und nicht weniger als schön. Der feigste und widerwärtigste unter den Wilddieben ist derjenige, der das Wild in Draht­schlingen, Fallen, Netzen oder Eisen fängt. Sein bestes Ge­schäft macht er zwar im Winter, wenn tiefer Schnee die Erde bedeckt und das Wild sich schmale Pfade ausgetreten hat, auf denen es heraus- und herein­wechselt. Um den Grasegarten des Bauern, in dem vom Sommer her schmackhafte Rüben- und Kohlköpse, die Lieblingsnahrung der Hasen, zurückgeblieben, sind, zieht sich ein dichter lebender Zaun, dessen Sträucher enggeschlossen bis hart an den Boden herunterreichen und nur einige Lücken freilassen, die gerade große genug sind, um Lampe passieren zu lassen. Dort bringt er die aus dünnem, schmiegsamem und zähem Draht zusammengebogene Schlinge an, in der sich der Hase, der ahnungslos hindurchkriechen will, meistens in der ersten Nacht fängt. Glücklich ist das arme Tier des Feldes noch daran, wenn es die Schlinge schon merkt, wenn erst sein Kopf darinnen steckt: denn schnell tritt bei dem verzweifelten Bemühen des Hafen, sich durch Nucke nach rückwärts zu retten, derTod durch Erwürgen ein. Sitzt es jedoch bereits mit dem ganzen Vorderkörper in der Schlinge, so zappelt sich das Tier' in stundenlanger Qual zu Tode. Diese Praktiken sind nun schließlich nicht nur im Winter anwendbar, sondern besonders auf Rehe auch im Sommer und Herbst, wenn der Schlingensteller einen Rehwechsel zwischen zwei eng beieinanderstehenden Bäumen auskuud- schaftet und das Reh uom Walde her, indem es trockene Zweige verbricht oder sonst ein Geräusch erregt, gegen die Schlinge hin zudrückt. Oft muß der Jäger es dann auch noch erleben, daß er seinen treuen Hund in der Schlinge er­würgt findet.

Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1906

heiten Bulgariens zu mischen. Es kann nicht geleugnet werden, daß der Ton dieser Kundgebung sehr herausfordernd klingt und den Anschein erweckt, als suche Bulgarien einen Streit vom Zaune zu brechen. Demgegenüber hat die Pforte bisher eine anerkennenswerte Mäßigung an den Tag gelegt, und es steht zu hoffen, daß es dieser Mäßigung gelingen wird, auch weiterhin den Frieden zu bewahren, zumal der bulgarische Tatendrang gegen die Türkei von Frankreich nach Beilegung des Djanetstreites schwerlich eine Aufmunterung erhalten dürfte.

Auf Kuba ist eine Revolution ausgebrochen, die größere Dimensionen anzunehmen droht. Die Leitung des Aufstandes dürfte auf der nahe bei Kuba gelegenen Insel Isla de Pinos (Fichteninsel) zu suchen sein, wo sich viele Dankees ange­siedelt haben. Im übrigen ist die Lage noch zu ungeklärt, als daß sie irgend ein gesichertes Urteil ermöglicht. Jeden­falls aber stellt der nach so kurzer Freiheitsepoche ausge­brochene Aufstand eine Entlastung und Rechtfertigung der Spanier dar, deren angeblicher Mißwirtschaft von der öffent­lichen Meinung die früheren kubanischen Revolutionen zugc« schrieben wurden; das Revolutionsmachen scheint den Kubanern vielmehr im Blute zu liegen.

EandwirtTcbaftlicbes»

Wochenbericht der Berliner Produktenbörse.

In der am 29. August beendeten Berichtswoche haben die Preise am Berliner Getreidemarkte zwar mehrfachen, teilweise bedeutenderen Schwankungen unterlegen, aber die Veränderung gegen die vorhergehende Woche ist schließlich nur gering ge­wesen. Der Weltmarkt ist mit Ware nicht überladen; Ruß­lands Ausfuhr aus seinen südlichen Häfen war verhältnis­mäßig klein und ist noch dazu ebenso wie die relativ bedeu­tende Weizenausfuhr aus den anderen Donauländern zum großen Teil in den am Mittelmeer liegenden Gebieten ge­blieben. In England sind zwar ansehnliche Mengen austra­lischen, argentinischen und indischen Weizens angekommen, und Nordamerika macht auf Grund seines großen Ueber- schusses reichlich Offerten, bei dem großen Bedarf Englands ist aber damit ein Preisdruck noch nicht verbunden gewesen. Die Hoffnungen auf eine bedeutendere Weizenausfuhr Deutsch­lands haben sich jedoch im Zusammenhang mit diesen Ver­hältnissen noch nicht erfüllt. Der Preisstand konnte sich aber in Berlin gut behaupten hauptsächlich aus dem Grunde, weil die Landwirtschaft wegen starker Inanspruchnahme durch die Feldarbeiten dem Markte nur wenig Material zuführt. Im Lieferungshandel sind die Preise für nahe Termine unter den Jnlandsforderungen, offenbar ist man in Händlerkreisen der Ansicht, daß in kurzem mehr inländische Ware zum Angebot

Was die Wilddieberei mit Schlingen und Fallen so ab­scheulich macht, ist zunächst der Umstand, daß in ihnen sich vorzugsweise Mutterwild fängt, wodurch, wenn in einer Gegend erst einmal die Scklingenfängerei überhand ge­nommen hat, dem ganzen Wildstand ost in kaum glaublich kurzer Zeit der Garaus bereitet wird. Nicht besser ist der Wilddiebstahl mit Decknetzen. Durch diese Streik- oder Nacht­garne, zu deren Bedienung zwar mehrere Personen erforder­lich sind, in denen sich aber auch ganze Völker von Reb- hühnern auf einmal einfangen, ist, um ein Beispiel anzu- sühren, der Rebhühnerbestand im weiten Umkreise um Wien fast gänzlich vernichtet worden. Noch einfachere Arbeit hat der Wilddieb mit den Fasanen, die dank ihrer Trägheit mit kurzen, am Wurfende vorgewichteten Stöcken tot geworfen werden können, was auch bei Hasen, die regungslos im Lager verharren, leicht gelingt. Geradezu infam aber ist ein in den österreichischen Alpen vielfach geübtes Verfahren zur Er­beutung von Hirschwild und Gemsen. Der Wilddieb wählt sich ein sehr starkes Brett und treibt durch dieses eine große Anzahl dicht neben einanderstehender Nägel, die mit Wider­haken versehen sind. Dieses Marter-Instrument wird cm einem sogenanntengezwungenen Wechsel", d. h. an einer Stelle, die das von einer Seite getriebene Wild unbedingt passieren muß, ausgelegt und sorgfältig mit Laub und MooS maskiert, worauf der Trieb beginnt. Dringt nun bei dem Ueberschreiten mit den Läufen auch nur ein einziger Nagel in den Huf des Hirsches oder der Gemse, so ist jeder Be- sreiungsverfuch vergeblich. Bei jedem Versuch zu flüch­ten, steigern sich die Schmerzen, und ohne Aussicht auf Rettung muß der edle Hirsch den Mörder herankommen lassen, der ihn niederkeult. Ein Gegenstück hierzu bietet übrigens die Methode, auf die die Litthauer im Jagdrevier Jbenhorst des Deutschen Kaisers auf den dort noch erhal­tenen, letzten Elchbestand innerhalb der deutschen Reichs­grenzen Jagd machen. Obwohl hier mehr als ein Dutzend Grünröcke über den so selten gewordenen Tieren wacht,' ge­lingt es den Wilddieben gerade dadurch, daß sie sich nicht der Flinte mit ihrem verräterischen Knall Ledienett, nicht selten, einen der kostbarsten Elche gu erbeuten. Sie benutzen nämlich die Tatsache, daß der Elch sich auf dem glattge-