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Hanauer G Anzeiger

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General-Anzeiger

-ksteriloaLbruik »-»^ Vertaa der Buchdrucker« des verein, e». Waisenhai,seS in Hanau.

Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Die«fgespalt«ie Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg, i» ReklamaUeil di« Zâie 35 Pfg.

Verantwort!. Redaktem: <S. Schrecker « Hemau.

$L 204 ^ernsprechanschlich Nr. 605»

Samstag den 1. September

Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1906

politische Rundschau.

Der DienfteirrtriLt des Pringstr Oskar von Preittzen. Gestern vormittag 10 Uhr fand im Stadtschloß und Lustgarten zu Potsdam der Diensteintritt des Prinzen Oskar von Preußen beim ersten Garberegiment statt. Der Prinz meldete sich zunächst im Schlosse beim Kaiser, in Gegenwart seiner direkten Vorgesetzten. Der Kaiser begab sich darauf zu Pferde mit dem Prinzen und dessen direkten Vorgesetzten in den Lustgarten, wo das erste Garderegiment im Viereck aufgestellt war. Der Kronprinz und die in Berlin anwesenden Prinzen des königliches Hauses und der regierenden deutschen Häuser, die Lehrer und Erzieher des Prinzen, die Militärbevollmächtigten der Bundesstaaten, die fremdländischen Offiziere und das Kadettenhaus Pots­dam wohnten der Feier bei, zu der aus Berlin Großfürst Wladimir, Erzherzog Josef, der Herzog von Genua mit ihren Gefolgen, Generalfeldmarschall v. Hahnke und andere ein­getroffen waren. Die Kaiserin, die Kronprinzessin, Prin­zessin Eitel Friedrich, Prinzessin Friedrich Leopold, Prinzessin Viktoria Luise und die Kronprinzessin von Griechenland mohnten der Feier mit ihren Damen von den Fenstern des Stadtschlosses aus bei. Der Kaiser und die Prinzen außer Prinz Adalbert trugen die Uniform des ersten Garderegi- wents. Beim Heraustreten des Kaisers präsentierte das Regiment. Die Fahne, die Leibkompanie und die direkten Vorgesetzten traten in die Mitte des Vierecks. Prinz Oskar leistete darauf den Fahneneid, den der Kommandant des Hauptquartiers, Generalleutnant v. Löwenfeld, vorsprach. Hierauf hielt der Kaiser eine Ansprache, worauf er dem Prinzen Oskar die Hand reichte. Der Kommandeur des ersten Garderegiments erwiderte und schloß mit einem drei­fachen Hurra auf den Kaiser, in das die Ehrengäste und das Regiment einstimmteu. Die Musik spielte die Nationalhymne. Zwei Parademärsche des Regiments in Zügen und in Kom­panie-Fronten, wobei Prinz Oskar und Prinz Joachim bei der Leibkompanie eintraten, beschlossen die Feier, an die sich ein Frühstück beim Kaiser und der Kaiserin im Neuen Palais anschloß, an dem die anwesenden Fürstlichkeiten teil- nahmen.

Fremdes Geschwader in Kiel. Kiel, 31. Aug. Ein aus den sieben PanzerschiffenAcran",Mauligheten", Oden",Njord",Goeta",Svea" undTaule", zwei Torpedokreuzern und zwei Torpedojägern bestehendes schwe­disches Geschwader traf heute vormittag 33/t Uhr im hiesigen Hafen ein. Bald nach 10 Uhr kam auch das dänische Ge­schwader, aus den drei KüstenpanzerschiffenOlfert Fischer", Harluf Trolle" undSkjold" nebst zwei Torpedobooten be­stehend, hier an. Die Geschwader feuerten den Landessalut

Feuilleton.

Riiwlick.

Kindheits-Erinnerungen aus großer Zeit.

Voil E. H.

Es ist das Jahr 1870. Mein Vater war damals Ver­walter in Schloß P........, einem der schönsten Schlösser des in der Ferne lebenden Kurfürsten von Hessen.

Ein heißer Sommertag neigt sich zu Ende. Man hat uns Kinder soeben vom Spiel zum Abendessen hinaufgerufen. Aber ich nehme mir vor, gleich hernach noch einmal hinaus zu schlüpfen. Alles lo ckl mich dazu. Die warme liebliche Abendluft mit dem Zirpen der Grillen, angefüllt mit tausend Wohlgerüchen aus unzählichen Blumenkelchen. Der Flug der Schwalben. Ihr Singen und Jubeln und Wiegen in den Lüften.

Ich sitze vor meinem Teller, pendele ungeduldig mit den neunjährigen Beinchen, und kann den Beginn des Essens kaum erwarten.

Da tritt der Vater ins Zimmer, ein Zeitungsblatt in der Hand. Unvergeßlich bleibt mir der Ausdruck seines ganzen Wesens, das Blitzen der Augen. Er spricht mit der Mutter, welche bestürzt zuhört.

Ich höre Namen nennen, von denen ich nichts verstehe: Der König von Preußen Ems Benedetti ?"

Mein Gott, Du mußt doch nicht auch mit hinaus?" fragte die Mutter angstvoll.Nein" sagt der Vater be­ruhigend,ich gehöre schon zum Landsturm."

' Atemlos höre ich zu, während mein kleines zweijähriges Schwesterchens vergnügt, daß sie niemand daran hindert, fest in die Milch stippt, daß es rings umher spritzt und schwimmt.

und salutierten sodann die Flagge des Großadmirals und Chefs der Marinestation der Ostsee. Die Musikkapellen auf den Flaggschiffen beider fremder Flotten spielten beim Ein­laufen die deutsche Nationalhymne.

Deutsch - Sädweftafrika. Am 18. August sind bei Noibis gefallen: Leutnant Harald v. Heyden, geb. zu Sleikow, früher Jnf.-Regt. 164 (Bauchschuß); Gefreiter Joseph Griebl, geb. zu Flossing, früher Jnf.-Regt. 16 (Brust schuß). Ver­wundet wurden: Gefreiter Franz Wachs, geb. zu Berlin, früher Feldart.-Regt. 3, (schwer, Schuß in die rechte Hand und Streifschuß an der Wange); Gefreiter Theophil Pudlo, geb. zu Schoppinitz, früher Feidart. -Regt. 39 (leicht, Schuß in die rechte Ferse); Gefreiter Johann Ennes, geb. zu Eicha, früher Jnf.-Regt. 95 (leicht, Fleischschuß am rechten Fuß); Gefreiter August Schulz, geb. zu Schlettstadt, früher Drag.- Regt. 14 (leicht, Streifschuß rechten Mittelfinger); Reiter Paul Koch, geb. zu Oederan, früher Feldart.-Regt. 69 (leicht, Streifschuß Rücken. Am 19. August wurden nördlich von Violsdrift verwundet: Unteroffizier Martin Kockritz, geb. zu Rosenthal, früher königl. sächsisches Füs.-Regt. 108 (leicht, Schuß rechten Oberschenkel); Gefreiter Richard Schwarz, geb. zu Halle a. d. Saale, früher kgl sachs. Füs.-Regt 108 (leicht, Streifschuß linken Daumen). Am 25. August bei einer Patrouille bei Dunkermodder gefallen : Gefreiter Ritter, geb. zu Schönebeck a. d. Elbe, früher Garde-Masch. -Gcw.-Abt. 2. Am 22. August wurden bei Oas im Backrivier verwundet: Reiter Joseph Bächle, geb. zu Nöggenschevihl, früher Jnf.- Regt. 169 (schwer, Schuß linken Unterarm, Streifschuß linken Oberschenkel, rechten Fuß); Reiter Heinrich Zierjacks, geb. Doberan, früher Drag.-Regt. 18 (schwer, Fleischschuß Ober­schenkel). Ferner wird gemeldet : Reiter Albert Kretschmar, geb. zu Friedland, früher Jnf.-Regt. 52, am 25. August in der Krankeiljammelstelle Kubub am Typhus gestorben.

Sozialdemokratte nnb Bolkserziehung. Schon seit längerer Zeit ist bei der Sozialdemokratie das planmäßige Bestreben wahrzunehmen, die schulentlassene Jugend, nament­lich die männliche, unter ihren Einfluß zu bringen. Sie be­zweckt dabei offensichtlich, das, was die Schule an Gottes­furcht, Vaterlandsliebe und Königstreue den Seelen der Kinder eingeprägt hat, wieder auszulöschen, bevor die Jünglinge in das Heer eintreten oder doch das Alter politischer ober ge­werkschaftlicher Betätigung erreichen. Dieses durch eine ganze Reihe von Veranstaltungen bekundete planmäßige Vorgehen der Sozialdemokratie liefert den Beweis, daß sie in den Ueber­lieferungen der preußischen Schule ein gefährliches Hindernis für ihre Entwicklung erblickt. Wie es den Anschein hat, glaubt sie indessen mit der Einwirkung auf die schulentlassene Jugend dieses Hindernis nicht wirksam genug beseitigen zu können, denn die Parteileitung hat für den Mannheimer

Papa, was gibt es denn?" wage ich endlich zu fragen. Da sieht er mich an und sagt ernst:Kind, wir gehen einer schweren Zeit entgegen. Krieg gibt es! Krieg mit den Franzosen."

Krieg ?" Ich fasse es kaum.

Warum denn ? Und nun ziehen eine Menge böser Folgen durch meinen Kinderkopf, die der Krieg bringen kann. Werden die Franzosen unsern großen, schönen Park zer­stören? Werden sie die Vögel morden, wie die Menschen?"

Als das Abendessen vorbei ist, stürme ich nun doch nicht hinaus. Ganz still habe ich in der großen Fensternische gesessen nnd in den milden Abend hinunter geschaut.

Krieg! o warum? Gewiß wird nun alles anders werden. Eine große Zerstörung wird kommen. Aber wo? Hier bei uns? Oder anderswo?

Ich lege meinen Kopf auf die Fensterbank und denke dem bösen Worte nach. Krieg

Und während draußen der schönste Sommerabend die stille Erde umfängt. umfangen mich drinnen die weichen Arme des Traumgottes und zeigen mir in den rosigsten Farben das ganze Kindheitsparadies, das ich verloren glaubte.

Bald darauf ein anderer Abend. Es ist spät. Kein sanft verklingender Tag, kein munteres Zirpen der Grillen. Dunkel liegt die Nacht und schweigend. Düster starren die Mauern des Schloffes zum stillen Nachthimmel hinauf.

Noch heute abend sollen sie vom Bahnhof kommen, die ersten Verwundeten. Das unbewohnte Schloß soll wieder Leben in seinen Mauern sehen. Leben viel­leicht auch Tod.

Wir haben lange gewartet, nun kommt es in langsam gleichmäßigen Schritten näher und näher. Immer zwei Mann tragen eine Bahre, ein Fackelträger geht nebenher, ein stiller ergreifender Zug.

Unwillkürlich fasse ich nach der Hand der Mutter, neben der ich stehe. Die Mutter weint von Mitleid übermannt. Ich stehe mit großen Augen dabei.

Parteitag die Volkserziehung zu einem der Beratungsgegenstände gemacht. Nach den von dem Referenten kürzlich veröffent­lichten Leitsätzen über dieses Thema liegt der praktische Schwerpunkt des ganzen Vorgehens nicht sowohl in den grundsätzlichen Aussprüchen über die Ziele der Dolkserziehung, sondern in denjenigen Sätzen, die es als die Aufgabe der häuslichen Erziehung seitens sozialdemokratischer Eltern hin­stellen, der Wirkung der Schulerziehung zur Gottesfurcht, Vaterlandsliebe und Königstreue entgegenzuarbeiten. Man befolgt damit das Rezept, das die Polen schon seit längerer Zeit anwenden, die Wirkungen des deutschen Schulunterrichts möglichst zu paralysieren und "den Lehrern ihre erziehliche Tätigkeit nach Kräften zu erschweren. Wenn, wie anzu- nehmen, der sozialdemokratische Parteitag die vorgeschlagenen Thesen mit der Wirkung annimmt, sie zur Richtschnur des Verhaltens der sozialdemokratischen Eltern zu machen, so wird man sich auf eine ernstliche Erschwerung der Tätigkeit der Volksschüler und der Lehrerschaft in den von der Sozial­demokratie durchsetzten Landstrichen und Ortschaften gefaßt machen müssen. Zugleich wird dadurch aber auch in den weitesten Kreisen des Volkes volle Klarheit über die große Bedeutung geschaffen werden, die die preußische Volksschule in ihrer Eigenart als Stütze unserer staatlichen und monarchischen Einrichtungen sowie unserer ganzen Gesell- schafts- und Rechtsordnung besitzt. Es ivird der Bevölkerung auch demzufolge zum vollen Bewußtsein kommen, daß die er­heblichen materiellen Opfer, die die gedeihliche Entwickelung der Volksschule auch in der Folge erfordern wird, int In­teresse der Gesundheit unseres Volkes und unseres Staates unbedingt gebracht werden müssen.

Eine rumänische Mission beim Lerbenkönig. Aus Belgrad wird gemeldet: Auf einer Reise wurde König Peter in Kladow von der rumänischen Mission begrüßt. König Peter war mit Gefolge auf dem SchiffZar Mco- laus II.", die rumänische Mission, bestehend aus General Crainiseanu, Major Cornebys und Hauptmann Drague, auf dem KanonenbootGeretul" in Kladow angekommen. Der König empfing die Mission auf einer am Ufer errichteten Tribüne. Crainiseanu begrüßte den König im Namen seines Herrschers. Der König dankte mit herzlichen Worten. An den Empfang schloß sich ein Galadiner zu Ehren der Mission an Bord desZar Nikolaus II." Der König und Craini­seanu wechselten Trinksprüche. Die rumänischen Schiffe mit der Mission gaben dem Königsschiff das Geleit bis zurStadt Brza-Palanka.

Der Ausstand im Brüxer Kohlenbezirk ist auf vier Schächte beschränkt geblieben. Die Einfahrt war vor­gestern und gestern früh gering. Die Ruhe ist nirgends gestört. Im Duxer Revier hat sich der Ausstand weiter

Heute erstaune ich, daß mir die Eltern gestatteten, dies an­zusehen. Damals war es nicht verwunderlich. Es war eine andere Zeit als jetzt, eine große. Auch die Kinder lebten sie mit. Die Schulen und das Leben, das sich in den Straßen abwickelte, sorgten dafür, daß auch die Kinder verstehen lernten, Teilnahme lernten, daß auch sie ihr Scherf­lein Hilfe leisteten bei den Wunden, die geschlagen waren. Manches gab es da für kleine Herzen, für kleine Hände zu tun. Beispielsweise sei nur das Charpiezupfen angeführt.

Man ist heute ganz anders vorgesehen wie damals auf diesem Gebiete. Heute hält sich wohl niemand mehr mit Charpiezupfen auf. Aber war es für uns Kinder ein Aufenthalt?

Wir lernten Liebe üben und Barmherzigkeit kennen und zupften manchen frommen Wunsch für Genesung in unsere Charpie hinein.

Mit welchem Bangen werden täglich die Listen der Ver­wundeten, der Gefallenen durchsucht! Es sind ja die Brüder, die Söhne, die Väter, die dort im Felde ihr Leben fürs Vaterland darbringen. Und als dann die erste Siegesbot­schaft vom Kriegsschauplatz kommt ist das eine Be­geisterung !

Und dann kommen sie weiter, eine Siegesbotschaft über die andere. Aber auch mancher schivere Verlust ist zu ver­zeichnen. Manches hoffnungsvolle Leben sinkt ins Grab.

Unser großes Schloß füllt sich allmählich. Es ist ganz zum Lazarett eingerichtet.

Ach und wie friedlich leben da Freund und Feind neben« einander;

Hauptsächlich sind es ja deutsche Verwundete, die hier verpflegt werden, aber ich erinnere mich auch einiger leicht­verwundeter Franzosen.

Besonders ist es ein Tambourmajor, der die meiste Zeit des Tages in der guten Luft des Parkes zubringen darf, und mit dem wir Kinder uns bald anfreunden. Er isi am Bein verwundet, er hinkt und bedient sich beim Gehm