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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Rl. 181 Fernsprechanschltttz Nr. 605.

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Hus F^anau Stadt und Hand,

Hanau, 6. August.

* Ferisnende.Sie schönen Tage von 'Aranjuez sind nun zu Ende," wird mit wehmütigem Ausdruck die Jugend unserer höheren Lehranstalten heute zitieren, denn die ,ßeit der goldenen Freiheit ist vorüber, und die Pforten der Schulklassen tun sich morgen wieder auf, um nach den Tagen der Erholung für den Körper dem Geiste Gelegenheit zur frischen Arbeit zu geben. Unter Jubel und Jauchzen zogen vor vier Wochen die Scharen der jugendlichen Schulflüchtlinge hinaus in die vom goldenen Sonnenschein bestrahlte Natur; mit ge­brannten Gesichtern, etwas verwildert, aber bei weitem nicht so froh gestimmt, halten sie heute wieder ihren Einzug in unsre Stadt, um der alten Pension zuzueilen und morgen wieder einzutreten in die gewohnten Räume, wo die Pflicht ihr strenges Regiment führt. Auch in der Natur vollzieht sich jetzt derselbe Vorgang, wie im Leben der jungen Sommer­frischler. Die Scharen der geflügelten Wanderer, welche uns im Frühling mit lustigem Zwitschern und lautschallendem Gesang begrüßten, sind still geworden und rüsten sich bereits zur Abreise. Sie merken, daß es bald anfängt, ungastlich bei uns zu werden; die Felder sind ihres goldenen Aehrenschmuckes beraubt, und über die Stoppel fegt ein kühler Wind, der uns stark an den Herbst erinnert. Wir merken, daß die Natur ihren Höhepunkt überschritten hat und auf der absteigenden Bahn schon ein beträchtliches Stück zurückgelegt hat. Natur und Menschenleben gehen hier einmal parallel, beide zeigen uns, daß es eine Dauer nicht gibt. Freilich erfüllt uns, wenn wir all die Pracht des Frühlings und Sommers dahin- fchwinden sehen, eine Art Wehmut, und doch ist dieselbe un- derechtigt. Im Grunde hätten wir alle Tage denselben Grund, über den Wechsel des Bestehenden traurig sein: denn unausgesetzt, mit unabänderlicher Konsequenz ändert die Natur nicht bloß von Tag zu Tag, sondern in jedem Augenblick ihre Formen, und wir wissen es sogar, aber erst durch das Auge kommt es uns zum Bewußtsein. Immerhin macht uns diese ernste Stimmung, welche das allmähliche Scheiden des Sommers mit sich bringt, die Rückkehr zu unsern Pflichten leichter. Und so wünschen wir, daß die verflossene Ferienzeit allen Beteiligten eine angenehme Erinnerung sein möge, die sie dazu anspornt, mit frischen Kräften und verstärktem Eifer den Pflichten riachzukommen, welche die Schule ihnen nun wieher auferlegt.

* Ritt tim den Kaiserpreis. Für die besten Leistungen in den alljährlich zu veranstaltenden Dauerritten hat der Kaiser für die Kavallerieoffiziere eines jeden Armee­korps einen Ehrenpreis gestiftet, um dessen Besitz dann in der Sommerszeit in des Wortes bester Bedeutungheiß" gestritten wird, fallen doch die Dauerritte meist in die Mo­nate Juli oder August, in eine Zeit, die sich durch intensive Hitze besonders auszeichnet. Der Dauerritt um den für die Kavallerieoffiziere unseres 18. Armeekorps gestifteten kaiser­lichen Ehrenpreis fand in diesem Jahre vom 2. zum 3. August statt. Sammelpunkt der Teilnehmer an dem Ritte war wie im Vorjahre auch diesmal wieher Darmstadt, von wo aus in her Donnerstagnacht der Abritt in kurzen Ab­ständen erfolgte. Nach der gestellten Aufgabe mußte die Richtung nach dem und durch den Taunus eingeschlagen werben, Homburg v. b. H. seitwärts liegen lassend über die Saalburg hinweg bis nach Station Wehrheim. Hiev'wurde Umkehr gehalten, die Saalburg nochmals passiert und dann die Richtung Königstein-Hofheim eingeschlagen, um bis in die Nähe der Rheinlinie zu gelangen, da laut gestellter Aufgabe eine östlich von Biebrich befindliche, von Truppen der Mainzer Garnison genommene Vorpostenaufstcllung eingehend zu er­kunden war. Das Resultat dieser Rekognoszierung mußte dann auf schnellstem Wege nach Bockenheim in die Artillerie- Kaserne, dem Endpunkte des Dauerrittes, gebracht werden. Die Zahl der Teilnehmer betrug 31, vom Thüring. Ulanen- Regiment Nr. 6 aus Hanau beteiligten sich 7 Offiziere, und zwar die Oberlts. Lübbecke, Ziegler, v. Brochwitz- Donimirski, die Leutnants Frhr. v. Gag er n (Erich), o Steuben, v. Bothe und Frhr. v. Sagern (Ernst). Die anderen Teilnehmer waren Offiziere des Magdeburger Dragoner-Regiments Nr. 6 (Mainz), des Grosch. Hessischen Dragoner-Regiments (Garde-Dragoner-Regiment) Nr. 23 (Darmstadt), sowie des 2. Großb. Hessischen Dragoner- Regiments (Leib-Dragoner-Regimeut) Nr. 24 (Darmstadt). Nach den eingezogenen Erkundigungen haben alle Pferde den Ritt gut bestauben, trotzdem die ohnedies steinigen Tannus­wege noch durch Gewitterregen in einem nicht besonders vor­teilhaften Zustand geraten waren, auch die Temperatur heiß und schwül war, die Gewitter eine Abkühlung nicht gebracht hatten, der Ritt also große Anstrengungen nach jeder Rich-

Montag den 6. August

tung hin zeitigte. Die Kommission, welche sofort zur Prü­fung des Zustandes der Tiere nach beendigtem Ritte zusam­mentrat, konnte konstatieren, daß wohl eine Ermattung, sonst aber eine recht gute Verfassung der Pferde zu verzeichnen war. Die Pferde des hiesigen Regiments, die dann noch den Weg von Bockenheim nach Hanau zurücklegen mußten, haben insbesondere die anstrengende Tour gut überstanden, obwohl sie nicht nur leichte Reiter zu tragen hatten, ein Be­weis für das vorzügliche Material, das vorhanden ist.

* Reichstagsstichwahl inNinteln-Hofgeiswar. In der vorgestrigen Reichstagsstichwahl im Wahlkreise Rin- icln-Hofgeismar-Wolfhagen wurde Herzog (dcutscksozial) mit rund 9100 Stimmen gewählt. Vetterlein (Sozialdemo­krat) erhielt rund 4500 Stimmen. Bei der Wahl im Jahre 1903 erhielten : Graf Reventlow (deutsch-soz.) 6426, Vetter­lein (Soz.) 3488, Rocke (natl.) 2154, Volkening (fr. Vp.) 748 und Müller (Zentr.) 542 Stimmen. Bei der Stich­wahl siegte Reventlow mit 9543 Stimmen gegen Vetterlein, auf den 4030 Stimmen entfielen. Bei der Ersatzwahl für den verstorbenen Reventlow am 20. Juli d. I. wurden insgesamt 14 322 Stimmen abgegeben. Herzog (deutsch-soz.) mit 6138 und Vetterlein (Soz.) mit 3995 Stimmen kamen in die Stichwahl, während für Helmertch (Antis.) 1835, für Rocke (natlib.) 1367 und für Röhrig (fr. Dp.) 1043 Stim­men abgegeben wurden. Nach dem Wahlergebnis vom Sams­tag haben die Nationallibcralen und Antisemiten geschlossen für Herzog gestimmt, während der größere Teil her Frei­sinnigen für den Sozialdimokraten eingetreten sein dürfte.

* Atts gestellt. Im Schaufenster des Herrn Alt­man n s p e r g e r (Königs Hofbuchhandlung) sind zur Zeit Original Wachs-Modelle des Hanauer Kleinbildhauers, Herrn Wilh, ââ S.Wh,- ausgestellt. Die Modelle jiub- oonjeiner, ; künstlerischer Ausführung und verdienen allgemeines Lob. Die Arbeiten stellen folgende Ideen dar: Wotans Abschied, Blinde Mutter, st Oberbürgermeister Dr. Gaßner Mainz, Aller Schmuckkünstler, Schlemmer. Der Künstler war vor Jahren Schüler der Hanauer Akademie und besuchte zu seiner weiteren Ausbildung die Kunststädte Pars und Düssel­dorf, worauf er sich wieder in Hanau niedergelassen hat.

* Vorlesungen. Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß in der kommenden Woche die regelmäßigen Vorlesungen der Senckenbergischen Naiurforschcnden Gesell­schaft in Frankfurt a. M., der Herren Prof. Möbius und Schauf wieder beginnen und daß auch am Dienstag den 7. August Prof. Reichenbach, der den Sommer über beurlaubt war, seine Vorlesungen wieder aufnimmt.

* Preisverteilttttg. Die Preisverteilung über das staitgehabte, vom Hanauer Kunstgewerbevereill veranstalten Preisarbeiten von Goldschmiede- und Ziseleurlehrlingen fand gestern vormittag 1/sl2 Uhr in her hiesigen Königl. Zeichen­akademie statt. Der Vorsitzende des Kunstgewerbevereins Herr W. Behrens hielt dabei die Begrüßungsrede, aus­führend :

Im Namen des Hanauer Kunstgewerbevereins heiße ich Sie herzlich willkommen. Es rst mir eine angenehme Pflicht heute die Preisverteilung über stattgehabte Preisarbeiten von Lehrlingen der hiesigen Industrie vorzunehmen. Erfreulicher Weise war die Beteiligung eine recht lebhafte. Es haben sich gemeldet: 8 Ziseleur-Lehrlinge und 18 Bijouterie-Lehr­linge. Die gebotenen Leistungen waren zum größten Teile gut, so daß wir uns veranlaßt sehen 10 Preise zu verteilen, anstatt nur 6, wie vorgesehen war. Wir haben gesehen, daß unsere Jugend in den hiesigen Fabriken eine vorzügliche Ausbildung genießt und berechtigt das zu den erfreulichsten Hoffnungen für die Zukunft. Ich komme nun zur eingehen­den Besprechung der gelieferten Arbeiten. Die Aufgabe für Ziseleure, Treiben eines Fisches in ein Schälchen, wurde von 4 Teilnehmern sehr gut gelöst, indem dieselben das leichte Flüssige, wie es das Motiv verlangt, gut zum Ausdruck brachten. Bei den übrigen Konkurrenten ist durchschnittlich das zu hohe Relief und die zu harte Ausführung des Fisches und des Wassers zu bemängeln. Die heutige Ziseliertechnik verlangt ebenso wie in der Bildhauerkunst eine einsache breite Behandlung und ist eine kleinliche und zu sehr ins Detail gehende Durchführung, wie man es früher liebte, nicht mehr am Platze. Die Aufgabe der Goldschmiede lautete: An­fertigen einer Broche nach einer Zeichnung, welche aus 5 vorgelegten Mustern ausgewählt werden kann. Da haben die meisten den Fehler gemacht, sie müßten die Muster machen, die übrig geblieben waren. Ihr müßt besser aufpassen und denken. Es war Sache eines jeden Einzelnen, im Zweifel sich bei den zur Aufsicht anwesenden Herren zu befragen. Im allgemeinen wurde sehr gut gearbeitet; naturgemäß stellen sich bei eingehender Prüfung Fehler und Unkorrektheiten heraus. Namentlich waren bei den matten Brocken die durch- '

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brochenen Stellen auf beiden Seiten mehrfach grundverschieden; cs ist das ein grober Fehler im Augenmaß, der aber bei einer Preisbewertung hauptsächlich maßgebend ist und müssen solche Stücke ohne Weiteres ausscheiden. Auch das Anbringen der Careau-Treffs war bei verschiedenen fehlerhaft, z. B. 3 verschieden große Careaus oder keine quadratischen Careaus oder nicht in der Mitte sitzend, wie es auf der Zeichnung vorgeschrieben war. Bei den Juwelenbrochen war vielfach die Anlage der einen Seite luftiger wie die andere. Auch waren die a jouren mehrfach nicht korrekt ausgeführt. Im Großen und Ganzen sind wir mit den gebotenen Leistungen recht zufrieden. Fahrt so fort in Euren Anstrengungen zu Eurem eigenen Nutzen und zum Besten unserer Vaterstadt, indem ihr berufen seid den guten Ruf Hanaus in der Bi­jouteriewelt zu erhalten und zu verbreiten. Ich sage Euch allen unseren besten Dank für die zahlreiche Beteiligung und die Ihr heute keinen Preis bekommt, tröstet Euch mit dem Vorsatz, es ein andermal besser zu machen. Ihr seht, Ihr seid noch lange nicht fertig mit Eurer Ausbildung. Gebt Euch in Euren Stellungen ordentlich Mühe und hoffen wir ein anderes Mal Euch auck prämiieren zu können. Dan! sei aber auch an dieser Stelle Allen, welche uns bei unserem Ausschreibcn so kräftig unterstützt haben, in erster Linie Herrn Professor Ofsterdinger, der die größte Arbeit und Last damit gehabt hat, ebenso den Herren Lehrern B e s ch o r und Naas für die Aufsicht und den Mitgliedern des Preisgerichts." Die Ausstellung der ausgeführten Waren findet im November statt in der Zeichenakademie. Folgende Preise werden erteilt: für Ziseleur-Lehrlinge:

1. Preis von Mk. 50. an Josef Pörtner

2. 30. Ludwig Dell

3.1 20. G e org Bergmann

4. 10.- Rich. Roth

ferner für Goldschmiede-Lehrlinge:

1. Preis von Mk. 50. an K. Weller

2. 30. H. Knau f.

3- , 20. F. Kühnappel

4. 10. Emil Klein

5. 10. V. Traxel

6. 10. A. Vollenweider.

* Rudersport. In dem Schaufenster der Firma Karl Kalkhoff, Marktplatz 10, sind die von der Hanauer Ruder- gefellschast 1879 in dieser Rudersaison errungenen 3 Preise ausgestellt. Der eine Preis wurde im Achter auf der inter­nationalen Regatta in Frankfurt a. M. am 25. Juni er. gegen die Frankfurter RudergesellschaftGermania" und den Frankfurter Ruderverein errungen und ist von dem Frank­furter Regatta-Verein gestiftet. Die anderen zwei Preise kamen auf der Regatta zu Cassel, veranstaltet von dem Nord- Westdeutschen Regattaverband, zur Aussechtung; beide Preis« sind Stiftungen der Herren Kommerzienräte Wegmann und Aschrott zu Cassel. Die Hanauer Rudergesellschaft 1879 ha: mit der Errungenschaft dieser herrlichen und wertvollen Preise nicht nur gezeigt, daß sie es verstanden, gut geschulte Mann­schaften, welche gegen ganz bedeutende Gegner gestartet und gesiegt haben, heranzubilden, sondern, daß sie auch bemüht war, der auf dem Gebiete des Sportes bekannten Stadt Hanau auf den deutschen Regatiaplätzen einen respektablen Ruf zu sichern. Die Gesellschaft hat beschlossen, zu dem am 6. d. Mts. in Berlin tagenden Rudertag des deutschen Ruder­verbandes einen Delegierten zu entsenden. Wie jedes Jahr, so wird auch diesmal wieder die Gesellschaft am 19. d. Mts. eine interne Regatta auf dem Main veranstalten und darf sicher angenommen werden, daß auch diese sportliche Festlich­keit ein reges Interesse unter den Hanauer Bürgern er­wecken wird. Wir wünschen der Gesellschaft, daß sie nach der nunmehr eintretenden Ruhepause gestärkt an Energie und Unterstützung ihrer Mitglieder und Anhänger die nächstjährigen Wettkämpfe bestreiten kann und aus denselben in der gleichet: ehrenvollen Weise wie dieses Jahr heroorgehrn werde.

* Silberne Hochzeit» Dienstag den 7. August feiern Herr Andreas Will und Frau, Wallweg 33 wohnhaft, das Fest der silbernen Hochzeit.

* Beendeter Widerstand. Die nummerierte« Droschkenkutscher haben ihren Widerstand gegen die neue Polizeiverordnung aufgegeben, nachdem die strittigen Punkte durch Verhandlungen mit der Behörde zufriedenstellende Er­ledigung gefunden haben, also ein Einvernehmen erzielt wor­den ist.

* 3n Utttersuchuttgshaft genommen wurde eia Büffetfräulein, das sich aus der Kasse des betreffenden Restau­rants, das außerhalb der Stadt liegt, 98 Mk. angeeigae» hatte.

* Mainwanerwürme gestern abend 17 Grad.