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MertÄ'Lhrlich 1,80 M., monatlich 60 Pfg., für aus» märtiM Wonnentea mit dem Letrefjenden Postaufschlag, Die einzelne NuMw-c kostet 10 Pfg.

EiurLikungsgebShr:

IkoiatisnSdruck und Verlag der Buchdruckerei drS verein.

General-Anzeiger

Amtliches Grgu für Stubb und Landkreis Kam«.

Die fünfgespalten« Petir^eile oder deren Raum 15 Pfz^ im Strllamenisl die Zeile 35 Pfg.

w. Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Berantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Han«.

9èl. 174 Ferusprechanschlutz Nr. 605,

Samstag den 28. Juli

Fernsprechanschlutz Nr. 605.

1906

Amtliches.

Landkreis k>anau.

BeklimimchMgelt Ks Kömglicheu LllMktsaAts.

Unter dem Schweinebestande des Heizers Johann Philipp Iustus zu Bischofsheim sind die Backsteinblaitern fest- geftellt worden.

Die Gehöftsperre ist angeordnet.

Hanau den 27. Juli 1906.

Der Königliche Landrat.

V 5506 I. V.: Siemon, Reg.-Assessor.

Hus F)anau Stadt und fand*

Hawaii, 28. Juli.

* Jugendfürsorge. In einer vor einigen Monaten tzn Frankfurt a. M. stattgefundenen Sitzung konstituierte sich ein Ausschuß zur Fürsorge für die schulentlassene männliche Jugend im Regierungsbezirk Cassel. DasSoziale Museum" zu Frankfurt a. M. als die Ge­schäftsstelle des Ausschusses steht in allen Fragen der Jugend­fürsorge unentgeltlich mit Rat und Auskunft wie durch Ueber- lafsung von Materialien aller Art jedermann zur Verfügung. Der Ausschuß bezweckt insbesondere: 1. Sammlung, Sichtung und Fortführung einer Statistik der Fürsorgeorganisationen für die schulentlassene männliche Jugend im Regierungsbezirk; 2. Vermittlung zwischen diesen einzelnen Organisationen zwecks Austausch ihrer Erfahrungen; 3. Belebung der Für­sorgeerziehung für die schulentlassene männliche Jugend seitens der kommunalen Verbände und freien Vereinigungen religiösen und weltlichen Charakters durch Rat, Auskunft und ünter- ftü^ung' bei Ausgestaltung ihrer Tätigkeit; 4. Vorbereitung und Mitwirkung bei Reugründungen von Fürsorgeorganisa- jionen für die schulentlassene männliche Jugend.

* Oberkriegsgericht. Gegen die Anstifter des Brand- unglücks im Griesheimer Barackenlager wurde gestern in der Berufungsinstanz nochmals eingehend verhandelt. Verurteilt wurden in erster Instanz der Ulan Otto Schwab von der 3. Eskadron Thüring. Ulanen-Regts. Nr. 6, wegen Unge­horsam gegen einen Dienstbefehl, wodurch ein erheblicher Schaden entstand, in Verbindung mit fahrlässiger Brand­stiftung zu 6 Monaten Gefängnis, der Ulan Reinhard Stroh I. von derselben Eskadron wegen Anstiftung zum Ungehorsam zu 5 Monaten. Stroh kam in der Nacht zum 30. Mai um 1 Uhr in die Baracke und wollte dort über Nacht bleiben; Schwab zündete Streichhölzer an, die Stroh ihm gab, um eine Lagerstätte zu finden, dabei ging Schwab

Feuilleton*

Das Automobil im Dienste des Tier­schutzes.

Von Ernst Renck, Offenbach a. M.

Niemand wird behaupten wollest daß das Automobil und dessen gegenwärtig noch bestehende Handhabung besonders viele Freunde in den breiteren Schichten des Volkes besäße. In der Tat hat es ja unser Leben außerhalb des Hauses zu einem überaus ungemütlichen, aufregenden, gefährlichen und gesundheitsschädlichen gestaltet. Wohin man jetzt auch geht, ist man seiner Haut nicht mehr sicher: auf Schritt und Tritt muß man befürchten, von einer Auto-Schnellzugs- maschine oder von einem Motorrade zermalmt zu werden. Des süßlichen Benzingestankes will ich nur als einer Unan­nehmlichkeit gedenken, obgleich eine viel kräftigere Bezeichnung am Platze wäre. Der aufgewirbelte Staub dagegen ist eine Belästigung und Gefährdung der Volksgesundheit in außer- vrdentlich hohem Grade und ist meines Erachtens noch längst nicht ihrer Wichtigkeit entsprechend gewürdigt worden. Man sehe sich doch die große Staubsäule an, welche durch ein einziges daherrasendes Auto ausgewirbelt wird: die ganze Atmosphäre ist aus zehn Minuten vollkommen verseucht.

Jawohl, verseucht! Man denke nur, was in diesem Staube alles enthalten ist:'die pulverisierten Roßäpfel und die zer­fallenen Teile der schönen Dinge, welche Hunde und andere Tiere in so liberaler Weise auf den Straßen niederzulegen pflegen, ferner der Schleimauswurf von ungezählten Menschen- maffen, baiunter urm Tausenden tuberkulöser Kranken. Dies alles muß in Staubform hinein in unsere Lungen, welche dadurch zu einem wahren Nährboden für die gefährlichsten Bazillen verwandelt werden. Ein harmloser Sonntags­spaziergang ist daher heutzutage bereits ein ebenso frend- loses, als bedenkliches Unternehmen; denn nirgends ist man mehr sicher vor den fauchenden Ungetümen und ihrem ent­

achtlos mit den Streichhölzern um, eine Viertelstunde darauf brannte die Baracke lichterloh und 31 Pferde verbrannten mit. Trotz zweier Verteidiger, eines Sachverständigen und vierstündiger Verhandlung endete die Verhandlung mit Ver­werfung der Berufung; es bleibt bei dem Urteil erster In­stanz.

* Parolemufik. Die Kapelle des Jiff.-Regts. Hessen- Homburg Nr. 166 spielt morgen mittag im Schloßgarten folgende Stücke: 1.Flotten-Marsch" von O. Schwicker; 2. OuvertüreIm Reiche des Indra" von P. Lincke; 3. Mein Traum", Walzer von E. Waldteufel; 4. Wiegenlied. Nach dem berühmten Negerliede:Mein schwarzgelocktes Bübchen" von G. H. Glutsam; 5.Fantasie über neuere deutsche Lieder" von Ed. Strauß.

* Kurort Wilhelwsbad. Morgen nachmittag von 4 Uhr ab findet zu Wilhelmsbad Militär- Konzert der Kapelle des Inf.-Regts. Heffen- Homburg Nr. 166 statt.

* Geschichtsverein. Auf vielseitigen Wunsch bleibt die aus Anlaß des Kreisturnfestes veranstaltete turn ge­schichtliche Sonderausstellung im Museum Mtstädter Rathaus, zweites Obergeschoß (Kupferstichzimmer) noch Sonntag den 29. d. M. ausgestellt. Das Museum ist geöffnet von 1112r/s Uhr. Eintritt frei.

* Von den Apotheken ist morgen nachmittag von 39 Uhr die Altstadt - Apotheke geöffnet.

* Sommerfell. Wie in den Vorjahren so hält auch diesmal der GesangvereinTonblüthe" wieder ein Sommerfest ab und zwar am Sonntag den 5. August in dem Garten- Etablissement des RestaurantBürgerbräu". Neben Konzert und Gesang, wird den Festbesuchern noch eine reiche Fülle an Unterhaltung geboten werden, selbst die liebe Jugend ist vielfach beoachi. Daß die Sommerfeste derTonblüthe" immer gern besucht sind, bewies hauptsächlich der überaus zahlreiche Besuch im vorigen Jahre und wird das diesjährige Fest hoffentlich seine Anziehungskraft auch nicht verfehlen, zumal der Eintrittspreis, 10 Pfg. L Person, ein sehr ge­ringer ist. Auch wird der jetzige Inhaber des Restaurant zum Bürgerbräu, Herr Bausch, bemüht sein, die Gäste in Bezug auf Küche und Keller zu befriedigen. Eintrittskarten sind schon im Voraus bei den Mitgliedern zu haben.

* Gartenfest des Stemm- «nv RingklubsEiche". Für das morgen im Sandhof stattfindende Sommerfest sind die Vorbereitungen beendigt. Der Klub hat gegenwärtig sehr gute Kräfte zur Verfügung, weshalb den Besuchern einige vergnügte Stunden sicher sind. Auch für sonstige Unterhaltungen (siehe Inserat) ffr bestens gesorgt. Für die lieben Kleinen findet eine Polonaise statt, bei der jedes Kind ein Geschenk erhält. Ferner ist auch ein Karussell am Platze, überhaupt ist jedermann Rechnung getragen.

setzlichen Staub in der oben geschilderten Zusammensetzung. Und kaum ist eines derselben vorbei, kommt auch schon ein anderes dahergetost, so daß man aus dem Schmutz gar nicht mehr herauskommt. Man wende nicht ein, daß andere Fuhrwerke ja ebensfalls Staub aufwirbeln. Was selbst eine rasch fahrende Equipage produziert, ist nur ein Kinderspiel gegen das Staubmeer eines Autos.

So sieht es bei uns jetzt schon aus, wo der Automobilic- mus sich erst noch in seinem Jugendstadium befindet: in 20, ja in 10 Jahren werden die allerunerträglichsten Ver­hältnisse auf unseren Straßen und Chausseen herrschen, wenn nicht gegen die rücksichtslosen Schnellfahrer die schärfsten Ge­setze erlassen und auch wirklich gehandhabt werden. Daß der gesamte Kraftwagenvcrkehr auf besondere Straßen ver­wiesen werden muß, ist nur eine Zeitfrage.

Wie wenig erfreulich sich nun diese Beförderungsart, oder sagen wir lieber dieser Sport für die Allgemeinheit entwickelt hat, so liegt in ihr trotzdem der Keim für vieles Gute und in den Augen der Tierfreunde Erstrebenswerle. Schon sieht man vielfach das Automobil in den Dienst von Handel und Industrie gestellt; Delikateßwaren, Pianoforte's, Bier, Eis und sonst noch viele Nahrungsmittel oder Gebrauchsgegen­stände werden der Kundschaft jetzt durch Kraftwagen zuge­stellt, start durch Pferdefuhrwerk. Auch werden die be­dauernswerten Droschkengäule immer mehr durch Automobil­betrieb ersetzt. Darin wird jeder Tierfreund einen großen Fortschritt begrüßen; denn mit jedem einzelnen Pferd, welches von dem Lastverkehr in den Straßen verschwindet und der dadurch bedingten Tierquälerei entzogen wird, ist eine gute Tat im Sinne des Tierschutzes vollbracht. Wir können also den Automobilismus in dieser Form nur mit allen Kräften begünstigen, um so mehr, als diese Fuhr­werke ja auch keine Belästigung des Publikums in der Ein­gangs erwähnten Weise bilden, da sie naturgemäß lang­sam zu fahren pflegen, also weder gefährlich, noch durch Stauberzeugung gesundheitsschädlich sind. Es sind ja aus­schließlich die wahnsinnig dahin rasenden Sportleute, welche in der geschilderten Weise gegen ihre Mitmenschen wüten, indem zwei oder drei in einem solchen Gesährt sitzende Schnell- sahrer Tausende anderer Menschen vergewaltigen.

dem Mrterhaltuugsdtatt 14 Sette«.

Das Fest findet bei jeder Witterung statt und dürfte bei dem so billigen Eintrittspreis von 10 Pfg. ein großer Zu­spruch zu erwarten sein.

* Die feierliche Einweihung der Votivkirche in Hephata bei Treysa, die der Bezirksverband aus Anlaß der Silberhochzeit des Kaiserpaares gestiftet hat, wird am 7. August in Gegenwart der Kaiserin stattfinden.

* Iw Motorboot. Von Paris aus hat sich ein Benzinmotorboot in Bewegung gesetzt, um eine Fahrt bis zum Schwarzen Meere zu unternehmen. Die Jacht heißt Ile de Lours": ihr Deplacement beträgt 15 Tonnen und ihre Motorstärke 35 Pferdestärken. Das Motorboot wird vor allem, um bis zur Donau zu gelangen, den folgenden Weg nehmen: die Marne, den Seitenkanal der Marne, den Marnekanal, den Saarkanal, die Saar, die Mosel (von Trier zum Rhein), den Rhein (von Koblenz bis Mainz), den Main (von Mainz bis Bamberg), den Ludwigs-Kanal (von Bamberg bis Kehlheim), und dann die Donau (von Kehlheim bis Suling). Gestern abend 6 Uhr passierte das Boot unsere Gegend.

* Sehenswürdigkeiten,ivkuseum der Wetteram­schen Gesellschaft" (Altstadter Schloß, eine Siiege hoch): Ge­öffnet an Sonn- und Feiertagen vormittags von 11 bis ^z 1 Uhr. Kindern ohne Begleitung Erwachsener ist der Eintritt nicht gestattet.Museum des Hanauer Gescbichtsvereins" (Altstadter Rathaus, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn- und Festtagen vormittags von 1112ff- Uhr. Kinder unter 12 Jahren haben keinen Zutritt.

* Das Hahnenkammhaus ist täglich geöffnet.

* Renoviert. Die Wirtschaftsräume des an der Bruch­köbelerlandstraße gelegenen RestaurantsZur P atro n- t a s ch e" sind durch Umbauten der Neuzeit entsprechend be­deutend vergrößert worden, u. a. wurde ein Lälchen, ca. 100 Personen fassend, geschaffen. (S. Inserat.)

* Mainwafferwärme gestern abend 17 Grad.

Briefkasten.

N Hanau. Die Einwohnerzahl Rußlands beträgt 106 235 000, mit den asiatischen Besitzungen 130 882 000.

Schiffsberichte.

(Mitgeteilt vom Vertreter des Norddeutschen Lloy.d in Bremen M» Schuster, Fahrstraße Nr. 1).

Der DampferKronprinz Wilhelm" ist am 24. Juli wohlbehalten in New-Aork angekommen.

Der DampferKöln" ist am 26. Juli wohlbehalten in Baltimore angekommen.

Hier möchte ich nun auf eine Verwendungsart aufmerk­sam machen, in welcher das Automobil geradezu segensreich wirken konnte. Es gibt wohl kaum Plätze im öffentlichen Verkehr, wo mehr brutale Tierquälerei getrieben wird, als an Baustellen, sowie an Sand-, Kies- und Lehmgruben. In lebhaften Städten begegnet es einem täglich, daß an irgend einem Bauplatz eine große Menschen­ansammlung stattfindet. Man tritt hinzu und sieht, wie ein paar Pferde sich bis zum Sehnenplatzeu abmühen, eine bedeutend überladene Fuhre Erdreich den steilen und bei nassem Wetter ganz aufgeweichtan Weg nach der Straße hinauf zu befördern. Was geschieht? Der rohe Fuhrknecht Haut stumpfsinnig auf die armen Tiere los, bis sie unter Aufbietung ihrer allerletzten Kräfte die Leistung vollbringen. Und dies geschieht nicht nur einmal, sondern wiederholt sich bei jeder weiteren Fuhre. Das Publikum steht dabei mit den Händen in der Hosentasche, schimpft vielleicht auch weid­lich über Tierquälerei, es fällt aber keinem Menschen ein, den geplagten und verängstigten Tieren in ihrer Not beizu­springen, wenn nicht ganz zufällig einer aus unseren Reihen vorübergeht und, von heiligem Zorn ergriffen, die träge Masse in Bewegung bringt, indem er, selbst kräftig Hand anlegend, die übrigen Zuschauer zur Mithilfe anfeucit.

Alle diese widerwärtige, rohe und verrohende Tierquälerei könnte vermieden werden, wenn diese Lasten durch Kraft­wagen befördert würden. Zweck dieser Zeilen ist es daher, die Industrie, sowie Bau- und Fuhrgeschüste auf das er­wähnte Feld aufmerksam zu machen. Die Fuhrhalter sollten sich, anstatt ihr wertvolles Pferdematerial an den Baustellen zu Tode zu rackern, starke Automobile bauen lassen zum Zweck der viel rascheren und glatteren Be­förderung genannter Lastem Die Fabriken, welche ja auch schon schwere Automobile für Bierbrauer :e. gebaut haben, würden nicht in Verlegenheit kommen, den richtigen Typus ^u finden. Auf diese Weise würde nicht nur der Sache des Tierschutzes ein unschätzbarer Dienst ge­leistet werden, sondern das Unternehmen dürfte sich ohne Zweisel auch geschäftlich sehr gut rentieren. Möge daher diese Anregung auf fruchtbaren Bode« fallen l

Die heutige Nummer umfaßt außer