Erstes Mâ
Hanauer D Anzeiger
Bezugspreis:
Virrteljährtich 1,80 M., monatlich 60 Pfg., sät aus» »ärtige Wonnenten mit dem betresimden Postausichlag.
Di« tinzelne Nummer lostet 10 Pfg.
UetatieuSdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, e».- Waisenhauses in Hanau.
Gencral-Anzciger
Amiliches Orgau für Stabb anb FmNreis §anau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
EimtScknngsgSLhr r
Die süufgespaltene Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg.. ist Rekiameuteil die Zeile 35 Pf^
Derantwortl. Red altem: <8. Schrecker in Hanau.
A^k. 168 Fernsprechanschluß Nr. 605.
Amtliches.
Stadtkreis Ran au. Bekanntmachung.
Zum Erweiterungsbau der Eberhardschule sollen die 1. Dachdecker-, 2. Kl mpner-, 8. Weißbinder-, 4. Schreiner-, 5. Schlosser- und
6. Glaser-Arbeiten
unter Zugrundelegung der Bedingungen für Bewerbung um städtische Arbeiten und Lieferungen öffentlich verdungen werden.
Die Verdingungsunterlagen liegen im Stadtbauamt (Neubaubureau) zur Einsicht aus und können von dort für 30 Pfg. für jede der genannten Arbeiten bezogen werden.
Die Angebote sind versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zu dem auf Freitag de« 27. Juli, Vormittags 11 Uhr, festgesetzten Eröffnungstermin beim Stadtbauamt einzureichen.
Die Eröffnung der Angebote erfolgt ebendort im Beisein etwa erschienener Bieter.
Zuschlagsfrist 14 Tage.
Hanau, den 18. Juli 1906.
Der Magistrat.
Bo d e. 15221
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 graue Pferdedecke mit roten Streifen, 2,11 Mk. bar, 1 blauemelieries Milchkännchen mit. Milch, 1 gelber Damen-Glacehandschuh mit drei Druckknöpfen (linker).
Gefunden auf dem Festplatze: 1 rotes Hand- täschchen (Inhalt 1 kl. Spiegel, 1 Schlüssel und 1 Taschentuch gez. W.), 3 Paar Herren-Manschetten, 1 Taschenmesser, 1 brauner Anhänger von einer Uhrkette, 5 Stöcke, 2 Schirme, 1 schwarze Handtasche ohne Inhalt, 1 schwarzer Wachstuch- Damengürtel, 2 verschiedene Damenhandschuhe, 3 Schlüssel, 1 Portemonnaie mit 2 Pfg. und einer Karte vom Stcmm- vnd Ringklub Eiche für den 29. Juli 1906 Nr. 222.
Verloren: 1 Zwanzigmarkstück.
Verloren auf dem Festplatze: 1 Portemonnaie mit 140—160 Mk.
Entlaufen: 1 brauner Jagdhund mit Halsband (auf hem Halsband der Name Johann Rein, Kl. Steinheim).
Hanau den 21. Juli 1906.
Kleines Feuilleton.
Kunst und heben.
* Ehe Jaegues Dffenbach mit seinen großen Operetten „Orpens" und „Schöne Helena" auch die kolossalen Erfolge fand, die seinen Namen durch die ganze Welt trugen, durfte er in seinem kleinen Theatercheu, in den Bouffes-Parifiennes, nur Einakter aufführen, in denen er höchstens vier Personen auf die Bühne bringen konnte. Da Offenbach sich aber im übrigen mit der Pariser Zensur leidlich gut stand, wagte er es, im Jahre 1857 in einem Einakter „Croquefer ou le dernier des Paladins" noch eine fünfte Person auftreten zu lassen. Die Zensur zeigte sich jedoch absolut nicht zugänglich, und zwei Tage vor der Premiere wurde dem Meister seine fünfte Person auf das Entschiedenste verboten. Aber Offenbach und seine Libretiistin Jaime und Trefeu wußten sich durch einen genialen Einfall zu helfen. Für die Handlung war die fünfte Person absolut unentbehrlich, ganz gestrichen konnte sie nicht werden, und so machten sie aus ihr eine stumme Person. Dem Ritter Mousse-a-Mort war also in einem Kampf mit den Sarazenen die Zunge ausgeschnitten worden, und so oft er irgend einen notwendigen Satz zu sagen hatte, streckte er unter dem Panzer ein Plakat hervor, auf dem das Betreffende geschrieben stand. Und in einem hübschen Quintett sang der stumme Ritter natürlich nicht mit, aber er bellte in einer ganz bestimmten Tonart. So hatte Croquefer trotz der Zensur seine fünfte Person und seinen großen Erfolg.
* Ein NieseiMMMg. In Frankfurts Mauern vollzieht sich nächstens ein Umzug, wie er hier wohl noch nie gesehen worden ist. Das Senckenbergische Naturhistorische Museum steht im Begriffe, in den Prachtbau an der Viktoria- Mee überzusiedeln. Wie wir hören, sollen die Wintervor
Samstag den 21. Juli
^,*«aaaaMMBaB«Rmuxa^jzaE*zg’ri23y.^^.t»^Ba»^ i w
Mus Ran au Stadt und £and.
Hanau, 21. Juli.
„ * Verliehen. Dem Bahnwärter a. D. Herrn Magnus Köller wurde bei Uebertriti in den Ruhestand von Sr. Majestät dem Kaiser und König das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen.
* Beisetzung. Die Leiche des in Deutsch-Südwestafrika verstorbenen Leutnants v. A p e l l traf gestern in Fulda ein und wurde in feierlicher Weise vom Bahnhof zum alten städtischen Totenhof überführt. Den Trauerzug bildeten Offiziers- und Mannschaftsdeputationen vom Hanauer Ulanen- und Casseler Husaren-Regiment, sowie eine Abordnung des Fuldaer Artillerie-Regiments, Reserveoffiziere usw. Die Casseler Husaren stellten noch 20 Mann Musik, unter deren Klängen der Kondukt sich dem Friedhof zu bewegte. Herr Superintendent Ruhl nahm die Einsegnung vor und hielt die Grabrede, worauf Mannschaften des Fuldaer Regiments den Ehrensalut für den gefallenen Kämpfer abgaben.
* Evattfl. Vereinshaus. In der Versammlung am Sonntag abend um 8 Uhr wird Herr Pfarrer Goebels über das Missionsfest in Basel berichten. Alle Freunde der Mission unter den Heiden sind herzlich eingeladen.
* Die fiskalischen Waldungen Kurhessens. Nach der neuesten Feststellung nehmen die fiskalischen Waldungen im Reg.-Dez. Caffel einen Flächeninhalt von 204 935 ha ein. Das sind 11 545 ha weniger wie bei der Einverleibung durch Preußen im Jahre 1866. Unter allen preußischen Regierungsbezirken steht Kurhessen mit seinen Staatswaldungen mit an fünfter Stelle. Den meisten hat der Regierungsbezirk Marienwerder, nämlich 254 380 ha, am wenigsten der Regierungsbezirk Köln, nämlich 14 518 ha. Der Regierungsbezirk Wiesbaden besitzt nur 53 262 ha Staatswald, das sind 998 ha mehr wie in 1861h In ganz. Preußen, nimmt der Staatswald eine Fläche von 2 905 398 ha ein. Seit 1866 steht einer Vermehrung von 325 402 ha eine Verminderung von 25 432 ha Staatswäld gegenüber.
* Warnung vor ausländischen Ansiedelungs- Prosekten. Seit einiger Zeit geben sich ausländische Än- siedelungsgesellschaften viel Mühe, deutsche und österreichische Landwirte zur Auswanderung und zur Ansiedelung in den den Gesellschaften konzessionierten Gebieten zu veranlassen, indem diesen die so zu erwartende Zukunft in den rosigsten Farben geschildert wird. Wie man uns von durchaus ein- geweibter und absolut uninteressierter Seite schreibt/ ist aber nirgends so viel Vorsicht nötig, wie gerade hier. In einer Einladung nach Mexiko werben z. B. jedem Ansiedler 100 Hektar Land und 2000 Qualratmeter zum Bau eines Hauses versprochen, dabei aber nicht erwähnt, daß die Abgabe der
lesungen und Vorträge vom Ende Oktober an bereits in dem neuen Gebäude abgehalten werden. Dazu wird schon vorher ein Teil der Sammlungen übergeführt werden müssen. Wer öfter das Museum am Eschenheimer Turm besucht und die gewaltigen Vermehrungen der Sammlungen in den letzten Jahren verfolgt hat, der wird auch wohl einmal darüber nachgedacht haben, welche gewaltige Arbeit den Museumsbeamten durch diesen Umzug, der vielleicht mehr wie ein halbes Jahr dauert, bevorsteht. Viele tausende von Gläsern mit Tieren und Präparaten, einige Tausend Säugetiere und über 20 000 Vögel ec. — von den Steinen und Ver- stcineruugen garnicht zu reden — müssen verpackt werden. Und dann erst die „Riesen", Giraffe, Nilpferd ec., was muß das für ein Schauspiel für unsere Schuljugend werben 1 Hoffentlich wird die Muscumsleitung solche Sehenswürdigkeiten an schulfreien Nachmittagen, von einer großen Schar Schaulustiger begleitet, hinüber transportieren, damit sich bei unserer Jugend die Erinnerung an die schlichten, aber vornehmen Bauten am Eschenheimer Turin und das Andenken an den Stifter derselben, Johann Christian Senckenberg, tief einprägt. Dem Senckenbergischen Museum aber wünschen wir, daß alle seine Kostbarkeiten glücklich in das neue Heim hinüberkommen und daß der Aufschwung, den die Gesellschaft in den letzten Jahren genommen hat, durch die Neuaufstellung der Sammlungen noch größer wird.
Das Ende der weißen Kaare? Ist cs wirklich gekommen, das Ende der weißen Haare? In der französischen Akademie der Wissenschaften zum wenigsten hat man cs dieser Tage laut verkündet. Vor einiger Zeit würbe gemeldet, daß man die Mikroben entdeckt habe, die dem Haar die ursprüngliche Farbe nehmen, und jetzt will man ein Radikalmittel zur Vernichtung dieser Mikroben gefunden haben. DaS Mittel sind die berühmten X-Strahlen. Professor Bouchard hat in der letzten Sitzung der Akademie mitgeteilt, daß weiße Kopf- und Barthaare unter dem Einfluß der X-Strahlen wieder ihre frühere Farbe annehmen. Be
Die heutige Rummer umfaßt außer dem Uuterhaituuasdlatt 14 Seite«.
Fernsprechanschluß Nr. 605. 1906
Ländereien an die Einwanderer nur gegen Erlegung des dafür festgesetzten Preises stattsindet. Bezüglich einiger Ansiedelungsunternehmen in Chile wird uns mitgeteilt, daß deren Ländereien durchweg mit dichtem Urwald bestanden und nur mit großen Kosten urbar gemacht werden können. Außerdem ist der Boden größtenteils nicht besonders zur Landwirtschaft geeignet. Nach der Ueberzeugung unseres Gewährsmannes gehen diejenigen, die sich verleiten lassen, als Kolonisten nach Chile überzusiedeln, einer traurigen Zukunft entgegen. Insbesondere werden sie nicht daran denken können, schon nach Ablauf von drei Jahren mit der Rückzahlung der von der Gesellschaft erhaltenen Vorschüsse zu beginnen, geschweige denn die gesamte Rückzahlung in der festgesetzten Frist von fünf Jahren zu vollenden, da, wie gesagt, die Urbarmachung des Landes sehr viel Zeit und Geld verschlingt. Außerdem sind die Ansiedelungsbistrikte teilweise so weit von einer Eisenbahn entfernt, daß wegen der hohen Transportkosten eine rentable Verwertung der Produkte sehr erschwert ist. Jedenfalls ist allen Auswanderungslustigen vorherige genaue Erkundigung dringend anzuraten.
* Im Museum des Geschichtsvereins bleibt die turn geschichtliche Sonderans ftellung (Briefe, Bildnisse und Schriften von Jahn, Guts Muths und anderen) noch morgen Sonntag im Kupferstichzimmer (zweites Obergeschoß) ausgestellt. Das Museum ist geöffnet Sonntag von 11—12ffs Uhr. Eintritt frei.
* Parolemusik. Die Kapelle des Jnf.-Regts. Hessen- Homburg Nr. 166 spielt morgen mittag im Schloßgarten folgende Stücke: 1. „Torero" (Spanischer), Marsch von C. Friedemann; 2. Ouvertüre z. Operette „Das Glöckchen des Eremiten" von Maillert; 3. „Traumgeister", Walzer aus „Ein tolles Jahr" von D. Holländer; 4. Altniederländisches Lied „Komm, o komm holdes Kindchen" von E. Kremser; .5. Potpourri a. d. Opereite „Der Bettelstudent" von C. Millöcker.
* Vom Mirtelrheinischen Krersturnfest. Es wurden in der Festhalle und den Zelten an den sämtlichen Festtagen incl. der Vorfeier am 8. Juli getrunken: 275 hl Hanauer Bier, 138 hl Bayerisch Bier, 6770 Flaschen Wein (1891 beim Kreisturnfest 10 300 Flaschen), 143 Flaschen Schaumwein • (1891 : 600 Flaschens, 28 hl offene Weine (1891 : 33 hl). Es ist also im Gesamtkonsum ein ganz bedeutender Rückgang zu verzeichnen.
* Festschietzen. Beim 15. Deutschen Bundesschießen in München errang u. a. L. Thielemann -Hanau eine goldene Damenuhr.
* Die Stadtbibliolhek ist von Mittwoch den 18. Julsi bis einschließlich Mittwoch den 1. August geschlossen.
* Das HahnenkamMhaus ist täglich geöffnet.
stätigt sich das, so können die Fabrikanten von Haarfärbemitteln einpacken. Daß Licht und Wärme auf die Haare einen großen Einfluß ausüben, weiß man übrigens schon längst. Aus diesem Grunde haben auch die Nordländer hellfarbige Haare, während die südlichen Völker braunes ober schwarzes Haar haben. (Berl. Tgbl.) '
Statistik. Im neuesten Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich ist zuni ersten Male eine Uebersicht über die Bevölkerung nach den kirchlichen Bezirken gegeben. Was zunächst die evangelischen Bezirke angeht, so teilt sich Preußen in die Verwaltungsbereiche des evangelischen Oberkirchenrats und der Mmisterialabteilung für die geistlichen Angelegenheiten. Im ersteren Verwaltungsbereiche steht das Konsistorium zu Berlin mit 4 497 842 Angehörigen der evangelischen Landeskirche obenan, es folgen Magdeburg mit 2,6, Breslau mit 2,0, Königsberg und Koblenz mit je 1,7 Millionen, Stettin mit 1,6, Münster mit 1,5, Danzig mit 0,7 und Posen mit 0,6 Millionen. Im zweiten Derwaltungs- bereich steht an der Spitze das Konsistorium zu Hannover mit 1,4 Millionen, Kiel folgt mit 1,3 und Cassel mir 0,8 Millionen. Die geringste Zahl und zwar 145 714 entfällt auf Frankfurt a. M. Unter den übrigen Einzelstaaten steht das Königreich Sachsen mit 3,9 Millionen Angehörigen obenan. In Bayern umfaßt das Dekanat München 85 476 Angehörige, das Konsistorium Ansbach 701 588, Bayreuth 510 638 und Speyer 451 638. Der kleinste evangelische Bezirk mit 34 520 Angehörigen ist das Konsistorium Birkenfeld. Unter den katholischen Bezirken hat die größte Seelenzahl das Fürstbistum Breslau mit 2,6 Millionen. Ihm folgen Erzbistum Köln mit 2,5, Gnesen-Posen mit 1,3, Bistum Paderborn und Erzbistum Freiburg mit je 1,2, Bistümer Trier und Münster mit je 1,1 Million. Alle übrigen katholischen Bezirke haben Seelenzahlen von unter einer Million, jedoch reichen Erzbistum München, Bistümer Straßburg, Culm und Augsburg nahe heran. Die geringste Anzahl, nämlich 506 Angehörige der katholischen Kirche, umfaßt das Apostolische Vikariat der nordischen Missionen.